Full text: Lübeckische Blätter. 1907 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1907 (49)

571 L § 102 erspart werden könnten, wenn sie also dort ruhten, Bei uns liegen die Verhältnisse, wie ich leider wo sie ruhen solten, in den Kellern der Reichsbank, sagen muß, doch wesentlich ungünstiger. Hier wird welche segensreichen Wirkungen auf den Zinsfuß und gzu viel mit Gold bezahlt, und die Herren der Reichs- alle wirtschaftlichen Verhältnisse sich dann heraus-. bank werden, glaube ich, an manchem Quartalsschluß stelen würden, das, meine Herren, brauche ich in die bekannten Worte murmeln: „Nach Golde drängt, diesem Kreise nicht weiter auseinanderzuseken. Ih am Geolde hängt doch alles, ach, wir Armen.“ verdanke diese Ausführungen und andere dem aus- Meine Herren, es ist eigentümlich, daß in Deutsch- gezeichneten Bericht des Herrn Thorwart, den er land, wo auf so verschiedenen Gebieten ganz Hervor- an die Frankfurter Handelskammer gerichtet hat, unuan ragendes geleistet wird, im Zahlungsverkehr doch so ens- ich empfehle Ihnen diese Eingabe zum Nachlesen. vielfach veraltete Anschauungen und veraltete Ein- seit Nun fragt man sich unwillkürlich, meine Herren, richtungen herrschen. Allerdings, zum Ruhme sei es die,. wie kommt England im Vergleich zum Deutschen gesagt, Hamburg macht eine glänzende Ausnahme chte. Reich mit so wenig Zahlungsmitteln aus? Die und Hamburg könnte ein Vorbild sein für viele ung, Antwort darauf lautet: England hat seinen großen andere Städte im Deutschen Reiche, wie es gemacht Zahlverkehr in Schecks und seine zahlreichen Banken, werden soll und muß, Zahlungen ohne Bargeld zu die die Mittel aus den weitesten Kreisen aufsaugen leisten. In Hamburg besteht ja, meine Herren, seit irka und sie der Allgemeinheit wieder zur Verfügung länger als 100 Jahren der bekannte Überweisungs- 1ode stellen. In England kennt jeder die Vorteile des verkehr. Das ist die höchste Stufe der Entwicklung zelt: Scheckkontos und Scheckverkehrs. Jedermann weiß im geldlosen Zahlungsverkehr. Schon die alte Eng- dort auch genau, wie er durch diese Schec- Hamburger Bank kannte die Einrichtung des Ab- dem einrichtungen und dadurch, daß er seine Gelder den schreibungssystems, Geld wurde nicht in die Hand inen Banken zuwendet, sich und der Allgemeinheit nügt. genommen. Man hatte damals, als die alte Geld- sark Der Scheck ist dort geschütt und .populär. Außer misere in unserm Deutschland war, wo eine Unmasse chen dem Scheck ist, was in England wichtig, eine Ab- von Banknoten aus allen Bundesstaaten zirkulierte an rechnungsstelle, ein „elearing house“ in London und in der Münzwährung zum Teil eine heillose enso vorhanden, und das Londoner clearing house, das Konfusion herrschte, eigentlich kein allgemein zahlungs- igen sämtliche Zahlungen des vereinigten Königreichs ver. fähiges Geld. Derzeit hat die alte Hamburger der rechnet, ist wohl das größte der ganzen Welt. Im Bank mit ihren Einrichtungen sich glänzend bewährt, land Londoner clearing house werden wöchentlich unge- und als die Reichsbank begründet wurde, hat sie also fähr 240 Millionen Pfund Sterling umgesezt und diese Einrichtungen der alten Hamburger Bant, trotz- lauf es ist bezeichnend, daß bei der Abrechnung von dem sie zu Anfang gewisse Bedenken hatte, doch er- Zahlungen der Ausgleich mit 97 % in Schecks und übernommen und heute funktioniert der Überweisungs- luch mit nur 3 % in bar erfolgt. Eine einzelne Bank verkehr in Hamburg tadellos. Ich glaube, kein arde hat an einem Tage vielleicht mehr als 30 000 Schecks Hamburger möchte dies Zahlungssystem, wie es heute ist, inen einzulösen und zu verrechnen. entbehren. In Hamburg hat jeder mehr oder weniger jold- Meine Herren, es ist naturgemäß mit dem Scheck, ebenfalls sein Bankkonto wie in England, allerdings men der eine Anweisung auf das Guthaben bei einer besteht der Scheckverkehr in Hamburg nur ganz auf. Bank darstellt, auch eine gewisse Gefahr verbunden. minimal. Es gibt dort nur ein Abschreibungssystem inen Er kann gefälscht werden oder verloren gehen, und von Bank zu Bank, von Konto zu Konto. Fünf eute die Banken, die ihn einzulösen haben, haben alle Banken haben sich mit der Reichsbank zusammen- im Vorsicht anzuwenden, damit sie kein Verlust trifft. getan und eine Abrechnungsstelle gegründet. Auf ten- Aber die Vorteile sind doch größer als die etwaigen diese Weise kommen, ohne daß irgendwo ./! 100 men Nachteile, weil der Scheckverkehr andere Zahlungs. in bar in Anspruch genommen werden, alljährlich thin mittel freimacht und sie dorthin schickt, wo sie sein gegenseitig ungeheure Summen ganz einwandfrei zum jold- sollen, zur Reichsbank. Und es ist bezeichnend, was Ausgleich. Wer wollte denn auch die Vorteile einer zwei ein berühmter englischer Geschichtsschreiber gesagt solchen geldlosen Zahlungseinrichtung verkennen! Zu ische hat: Schottland ist, gegenüber England mit seinem Hause haben die meisten Hamburger wenig oder gar teln größeren Naturreichtum im allgemeinen, verhältnis. kein Geld, alle ihre Mittel liegen bei der Bank, die rden mäßig arm gewesen, aber Schottland ist seit Jahr. größten und kleinsten Zahlungen werden durch eine 1ben hunderten wohlhabend geworden durch seine Schulen der fünf Banken abgeschrieben. Man kann auf den rden und durch seine Banken, denn die Banken haben es verschiedenen Überweisungszetteln die mannigfachsten Iren. verstanden, aus den entferntesten Kanälen das Geld Summen lesen. Zum Beispiel sine Summe von venn gewissermaßen aufzusaugen und es dann der All.. A 500 000 für gekauften Kaffee und darunter viel- eiche gemeinheit wieder dienstbar zu machen. leicht einen Posten von fünf Pfennigen für Gebühren.
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