Full text: Lübeckische Blätter. 1907 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1907 (49)

281 eits schaften und Dienstboten, namentlich bei plötzlichem treten zu lassen. Diesem Zwecke dienen vor allem die tsch- Bedarf von Arbeitskräften persönlich oder schriftleh zu bestimmten Terminen in den Volksschulen ab- beit- an einer Arbeitsbörse täglich ihre Nachfrage naeh gehaltenen Sprechstunden, die in den meisten schul- Arbeitskräften oder nach Arbeitsgelegenheit rasch bee ärztlichen Instruktionen vorgesehen sind. In Leipzig ber friedigen und Arbeitsverträge auf längere oder hat man auch eine neue vorbildliche Einrichtung ge- eits- kürzere Zeit miteinander abschließen könnten! Wenn troffen, daß nämlich zu den ärztlichen Untersuchungen its- sich die Arbeitgeber in allen Städten verpflichten der Schulkinder bei ihrer Aufnahme in die städtischen 1rkt- würden, ihren Bedarf an Arbeitskräften aus- Volksschulen auch die Eltern eingeladen werden; viele des schließlich bei einem zentralen sstädtischen Arbeits. folgen auch der Einladung. Die Schulärzte halten die amt zu decken, so würden sie durch ein solches Vor. eine Ansprache an die Mütter, weisen dabei auf die tem- gehen sich das Geld für Inserate sparen und ihre Verkehrtheiten, Modetorheiten und Vorurteile in der Nach Kontorangestellten hätten ein ungesstörtes Arbeiten. körperlichen Erziehung hin und geben mancherlei recht aus Man sollte meinen, daß jedem Reichen und dadurch beachtenswerte Ratschläge. Bei der Untersuchung der die Mächtigen der uatürliche Trieb innewohnen müßte, einzelnen Kinder werden den Müttern die erforder- im dem Schwachen zu helfen, zumal derselbe hier in lichen speziellen Verordnungen gegeben. diesem Falle nur ein Opfer des allgemeinen wirt- Auch mir hat meine schulärztliche Tätigkeit den ichs- schaftlichen Zustandes ist. Hier hätte man die Ge Wunsch nahegelegt, mit den Eltern der mir über- das legenheit dazu und würde sich dabei selbst nügen. wiesenen Volksschulkinder in einen persönlichen Verkehr doch Zu beachten ist noch ein Moment: Je länger die gzu treten, der geeignet ist, mancherlei Mißverständnisse, veis Errichtung zentraler paritätischer Arbeitsämter hin- die bei der in Hamburg gänzlich neuen Einrichtung veise ausgeschoben wird, desto schwerer wird sich dieser ich herausgestellt haben, zu beheben. Da die in Be- 1ler, Wunsch realisieren lassen. Die Kämpfe beider tracht kommenden Kinder sich aus der Gegend von ver- Parteien spitzen sich immer schärfer zu. Eine jede Rotenburgsort rekrutieren, wo unser „Volksheim“ be- itig- Partei glaubt, nur sie allein habe die Macht und das legen ist, so wandte ich mich an den Vorstand dieses sind Recht zur Führung der Arbeitsvermittlung." in der Bevölkerung so sehr beliebten Instituts mit der und Es wird hohe Zeit, die gegenseitige Verbitterung Bitte, in seinen schönen Räumen einen „Elternabend“ oge- ganzer Volksklassen innerhalb der einzelnen Gemein- für die Angehörigen meiner Volksschulkinder abhalten ' den dadurch zu verhüten, daß für die an der natio- zu dürfen. Bereitwillig kam man im „Volksheim“ len nalen und kommunalen Produktion beteiligten Unter- meinen Wünschen entgegen. Die Lehrerkollegien be- rten nehmer und Arbeiter ein neutraler Boden geschaffen sorgten die Einladungen an die Eltern durch schrift- von und ein zentraler paritätischer Arbeitsnachweis über- liche Aufforderungen, die in den höheren Klassen von vom all hergestellt wird. den Kindern selbst, in den unteren von den Lehrerinnen inen Gättz. und Lehrern ausgeführt wurden. So füllte sich dann gist Schulärzte und Eltern. am festgesetzten Abend der große Saal des , Volks- heit- Zu diesem Thema liefert ein Hamburger Schul- heims“" in einer Weise, die ich bei diesem ersten Ver- nen arzt, Dr. Moritz Fürst, in der Sozialen Praxis einn uch wirklich nicht erwartet hatte. Auch ein Teil der ter- interesssanten Beitrag, der mit Rücksicht auf die in Lehrer und Lehrerinnen war gekommen, so daß ich vor Das Lübeck nahe bevorstehende Regelung der Schularztfrage einem ansehnlichen Auditorium den Eltern über meine 1ach- hier wiedergegeben werden foll. Erfahrungen, die ich bei der Untersuchung ihrer Kinder gen Das Schularztwesen führt sich bei uns in Deutsch- gewonnen habe, berichten und im Anschlusse daran chen land immer mehr ein; nicht nur vermehren sich die auseinander setzen konnte, wie das Elternhaus mit den Gemeinden, die für ihre Volksschulkinder die schul- Lehrern und Schulärzten gemeinschaftlich für die ge- vird hygienische Überwachung einführen, die Schulärzte selbst sundheitliche Entwicklung der Schutjugend zusammen- ders verwachsen auch mehr und mehr mit den ihnen über- arbeiten müsse und könne. Die dem kurzen Vortrage 1den wiesenen Schulen. Die Lehrer, die anfänglich mit nachfolgende Besprechung, an der sich Väter, Mütter oder einer gewissen Besorgnis den allzu stürmischen Forde- und Lehrer in dankenswerter Weise beteiligten, förderte end rungen der Schulärzte gegenüberstanden, sind nunmehr manchen guten Gedanken, manchen berechtigten Wunsch nge- zu begeisterten Anhängern der modernen Schulhygiene zutage, der schulärztlich sehr gut zu verwerten sein d geworden. Gerade mit ihrer Hilfe üben die Schul. wird. Diese Besprechung, die man „Debatte“ eigentlich lle ärzte auf die körperliche Entwicklung der Schuljugenn nicht nennen kann, zeigte auch, daß die Eltern der (che einen wohltätigen Einfluß aus. Neuerdings zeigt sich schulärztlichen Institution Wohlwollen und Interesse veis aber.. auch. in èsteigentent aße. das. Bedizjuise die enlsegenbringen Auch die Beftreburgen des „Volks- f a. Schulärzte mit den Eltern der von ihnen überwachten heims“ scheinen durch diesen Elternabend auf ihre 10. Kinder oder deren Vertretern in persönlichen Verkehr Kosten gekommen zu sein: die ,„Monatlichen Mit-
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