Full text: Lübeckische Blätter. 1907 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1907 (49)

1 7 1 als doch einmal der Grundstein schon auf dem Markt- Der Verfasser des abgedruckten Rundschauartikels plage eingebettet war. Wieder verging Jahr und regt sich darüber auf, daß bislang die Denkmals. Tag, ohne daß etwas in der Denkmalsangelegenheit künstler durch Lübecks abwartende Haltung zu kurz jun geschah. Dann hatte man an der Mündung des gekommen seien. Wir sind anderer Ansicht. Es ehrt ft Elbe-Trave.:Kanals einen Platz gefunden, der für unser Lübecker Gemeinwesen in höchster Weise, daß et! das Denkmal geeigneter erschien. Für den Uechtritz- es so gewissenhaft zu Werke gegangen ist und sich dos schen Entwurf war er allerdings reichlich groß.. nicht blindlings der noch vor zehn Jahren in ist von Uechtriß erhielt deshalb den Auftrag, seien dDeutschland herrschenden Denkmalskrankheit hingab. i Denkmal durch einige Zugaben zu vergrößern. Er Hehn Jahre mögen im Menschenleben eine lange gf! entwarf eine riesige Treppenanlage, einen Löwen, Zeit sein; im Vengleich zu den Jahrhunderten, tich einen Nachen, einen Kandelaber und die Friedens. welche ein Denkmal ausdauert, ist es eine kurze Spanne ließ göttin,|(!) das er alles in zwangloser Anordnung um geit. Mögen moderne Städte wie Berlin eine Ehre ag! den Kaiser aufstellte, der barhäuptig dahergeritten darin sezen, den Denkmalsrekord aller Großstädte ge- pod kam, um aus der Hand der Friedensgöttin einen schlagen zu haben, die Berliner Dentmäler, welche der Kranz zu erhalten. Senat und Denkmalsausschuß Ewigkeitswert besiten, kann man an den Fingern nige entschieden sich mit Wonne für diesen vergrößerten einer Hand herzählen. § ‘ r Entwurf, aber die Bürgerschaft lehnte den unbe- Für unser altes Lübeck kam es darauf an, ein eit helmten "Kaiser ab! Denkmal zu gewinnen, welches der alten Tradition s: Das ist der bisherige letzte Abschnitt in der und der historischen Kunstdenkmäler der Stadt würdig auf Lübecker Kaiserdenkmalsgeschichte. Der Grundstén war. Nur darum handelte es sich. Wenn nun fgs auf dem Marktplate wird wahrscheinlich auch für das yversucht wurde, ein modernes akademisches Berliner ge nächste Jahrzehnt das einzige bleiben, was Lübecé Denkmal nach Lübeck zu verpflanzen + der Rund. Erz- von einem Kaiserdenkmal besitt. Man will nämlich schauartikel sagt naiv und sehr richtig, jedoch in 1rkt- jetzt erst auf das Freiwerden des alten Bahnhosss eigenartigem Deutsch: ,es war nichts Eigenartiges, : geländes warten und auf den Neubau einer Kunste aber es war doch gut"*) , so war es ein Ansporn ite halle an jener Stelle. Von dieser Kunsthalle hofft für alle diejenigen, welche ihr altes Lübeck liebten, pher man, daß sie einen stimmungsvollen Hintergrund fur daß sie sich hiergegen zur Wehr setzten. Und von [ zl das Denkmal abgeben wird. bedeutenden Männern ganz Deutschlands wurde dieses Hi Beim Lesen dieses Artikels war der erste Ge. Wehren und Kämpfen gegen die Schablone als ibect danke des Verfassers dieser Zeilen: „O alte Rundschauu. ehrenwert und gut anerkannt. i jahr herrlichkeit, wohin bist du entschwunden!“ Dies also Es kommt noch eins hinzu. In den letzten zehn aus bringt ein Blatt, dem einst glänzende Federn zu Jahren hat die künstlerische Erziehung eine Wandlung lern Gebote standen, dem einst ein Hans Rosenhagen, zum Besseren erfahren. Dies ist zum großen Teile je Julius und Heinrich Hort, Otto von Leixner u. a. der rastlosen Tätigkeit von Männern wie Alfred [uyy geistreiche Essays über Kunst lieferten, dies bringtt HLichtwark, Wilhelm Bode, von Tschudi, van de Velde, zel dieselbe Tägliche Rundschau, die uns Lübecker eint Schultze-Naumburg u. a. m. zu danken, ferner aber luft warnte, unseren herrlichen Marktplag, ein einig cauch der Wirksamkeit guter Kunstzeitschrisften wie tung schönes Beispiel niederdeutscher Baukunst, durch en „Kunst und Künstler“ und anderer Publikationen. ron modernes Kaiserstandbild zu verunziern. O alte Seo ist in diesen zehn Jahren viel Arbeit geleistet vurf Rundschauherrlichkeit – worden, und wir können mit Stolz sagen, daß die Da Wir wollen nun keine Betrachtungen anstelen Kunstanschauungen in unserem deutschen Volke ge- doch über Ziel und Zweck dieses Rundschauartikels, auh reiftere geworden sind. Zeiten, in denen man Denk- nicht die Frage „cui bono“ ventilieren. Auch mg wmäler wie Duyendware behandelte, sind dahin. vet es uns erspart bleiben, die mancherlei Unrichtigkeiten Dies können wir auch besonders in unserem Lübecker Ge- eit zu widerlegen. Über die Denkmalsfrage ist seiner dwmeinwessen, dessen geistiges Zentrum die Gemeinnützige dett zeit wahrlich genug geschrieben, und es wäre verfehlt, Gesellschaft ist, erkennen. Vorträge Alfred Lichtwarks sich das früher Gesagte wieder auszugraben. Nur so ind immer ein Ereignis für unsere Vaterstadt. Das ten viel sei gesagt, daß Gott sei Dank ein Denkmal Krunsstinteresse ist auch bei uns ständig im Wachsen ehin vom Schlage des uns einst drohenden Berliner Pro. begriffen und hierin ist die beste Sicherheit gegeben, und fessors, von dem der Artikel sagt, daß er mit einm daß wir der Zukunft in bezug auf unser Kaiser- chen Handgelenk „eine riesige Treppenanlage, einen Löven, denkmal ruhig entgegensehen können. Die ständig cobe- einen Nachen, einen Kandelaber und die Friedenenn. —— - Ö _ s enat göttin, alles in zwangloser Anordnung“ entworfen, *) Ein Kunstwerk, das nicht eigenartig ist, verdient diesen p; für alle Zeiten für Lübeck unmöglich geworden sind. Namen nicht. Eine contradietio. 1ehr,
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.