Full text: Lübeckische Blätter. 1907 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1907 (49)

Endlich sei noch eine äußerliche Forderung err der deutschen Schauspielkunst“ und lese z. E. das hoben. Das Subjektive der kritischen Arbeit gibt Kapitel über die Neuberin. Da wird er finden, sowohl dem kritisierten Künstler als auch dem wie diese für ihre Kunst heldenmütige Prinzipalin Publikum, das seine Führung dem Kritiker anver. in der Hanjsestadt Hamburg die jämmerlichsten Miß- trauen soll, den Anspruch darauf, zu wissen, wer der erfolge erzielle und doch als die erste den Keim Kritiker sei. Anonymität der Kunstkritik wie jeder eines neuen Theaters gepflanzt hat. (Jhr Kampf Kritik erscheint mir mit ihrem Zwecke und ihren richtete sich vor allem gegen den Hanswurst, den Mitteln, da doch jeder Kritiker nur einen, nämlich Gottsched durch sie hat verbrennen lassen, gegen den seinen Standpunkt einnehmen und vertreten kann, un. Hanswurst, der so schön dem Publikum gefällig sein vereinbar. Dies indeß nur nebenbei. Immerhin konnte mit meist platten Späßen, und der sich doch ist diese meine letztere Auffassung der Grund, recht hübsch über diesen seinen Brotherrn lustig weshalb ich selbst diese Kritik der Kritik nicht, machte; nur tat er das erstere zu sehr. Es ist doch wie sonst hier üblich, unter einer Ziffer, sondern nur dieses Hanswurstens Konterfei verbrannt worden, unter meinem Namen der Öffentlichkeit übergebe. auch jezt spukt er noch auf unsern Durchschnitts-. theatern herum; freilich tritt er nicht mehr öffentlich Unser Theater. auf, er hält sich zumeist im Repertoir versteckt: seine f Maske ist der lächerliche Dünkel und das geistige Js Nr. s. der Lübeckischen Blätter fteht ‘ein 360 Beharrungsvermögen unseres Publikums; nach wie unterschriebener Artikel; sein Hauptgedanke ist: wir uyr v : er dei Lirttih: che taff müssen aus unserem neuen Theater ein Schauspielhaus Diese Andeutungen wurden gemacht, um dar- machen, auf eine eigene Oper müssen wir verzichten. Es zutun, daß bei einer ernsten Beratung über unser gibt viele Gegner dieses Gedankens; keiner antwortete. Theater das große Publikum wegen seiner Kümmer- Und doch ist die Anregung dieses Artikels so beachtsam lichkeit durchaus unmaßgeblich bleiben muß, daß aber daß es sich wohl verlohnt, sich näher mit ihm zu wegen der Volkstümlichkeit der dramatischen Kunst befassen. ' ä hier nicht Vergnügungs- und Geschäftsinteressen aus- Bei der Untersuchung seiner Tendenz müssen wir shlaggebety sejn. dürfe. Die Yet. wie 'tztiser uns zunächst darüber klar werden, als was wir unser Theate! bildend wirken kann, will ernst bedacht sein, Theater ansehen wollen; ist es. eine ,„Lustbarkeit“ vor allem missen wir dann äber. auch den großen oder eine „Erziehungsanstalt“ ? Das Richtige liegt Miet hats gt wagen.. . L)c;: wohl dazwischen; es sollte die volkstümlichste Be- Es ist im Grunde eine besonders günstige Lage, friedigung eines Kunstbedürfnisses der Gesellschafgt Heu anfangen zu können; soll aber etwas Haltbares sein, sein Wesen wäre heiterer Erns. Daß die geschafft werden, dann keine Konzessionen! dramatische Kunst die eigentliche Volkskunst ist, Unsere erste Überzeugung muß sein: nur das beweist ein Blick in ihre Geschichte, insbesondere im Beste dürfen wir bieten. Wenn ein Fremder über die Geschichte von ihrer Geburt. das Lübecker Theater urteilt: „ganz nett“, müßte In der Tat scheint es jetzt aber, als werde unser das für den Lübecker beschämender sein als wenn er Theater in erster Linie als Lustbarkeit angesehen. kein Theates gehabt hätte. Können wir aber Bestes Das Publikum verlangt die unglaublichsten Kon. leisten: . zessionen; ein Variete und höchstens ab und zu eine Wenn wir eigenes Schauspiel und eigene Oper Operette wäre ihm das liebste. – Und dabei sot Haben - keineswegs. Es ist nicht gut möglich, noch die dramatische Kunst die volkstümlichste sen? diese Kosten aufzubringen, während das Publikum ~–~ Man halte bitte dagegen, daß unser Publikum zu diesem Besten erzogen werden soll. Es würde im allgemeinen (daß der geneigte Leser hier aue. eben werden wie früher, und einzelne, vielleicht gar genommen ist, bedarf keiner Erwähnung) dem „Volken mehrere wohlgelungene Aufführungen dürfen uns recht fern steht. Dies Publikum ist zu faul, um nicht täuschen. Der Artikelschreiber 360 ist in volkstümlich sein zu können. Wirkliche Kunst richtet diesem Sinne überzeugend; er verweist auch auf die sich niemals nach dem Publikum, sie lebt in ständigem Bremer Verhältnisse. So kann es immer höchstens Krieg mit ihm; ein gelungenes Kunstwerk ist immer „ganz nett" werden. noch höchstens nur ein Sieg, aber (gottlobl) noch Daran, unser Theater lediglich als Opernhaus lange kein Frieden einzurichten, denkt kein Mensch; es wäre Unsinn. So steht's auch mit dem Theater. Wer das nicht Hier können sich Schauspiel und Oper zujammen glaubt, der greife zu Eduard Devrients „Geschichte auf wirklicher Höhe nicht halten, weil es an einem | AR
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