Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

c hk t . O O H 1.1 C' H machte. Diese Frage werden wir uns immer wieder vorzulegen haben, und es wird für uns heißen, ob wir gewillt sind, dem Provisorium eine größere Subvention zur Verfügung zu stellen. Mögen die Herren, die heute in dem Sinne des Herrn Pape gesprochen haben, nur dafür sorgen, daß Verhand- lungen mit dem Theaterdirektor angeknüpft werden, um ihm anstatt der heutigen Subvention / 10 000 mehr zu geben, vielleicht ist er dann bereit, milde Kontrakte abzuschließgen. Das wird doch bei jedem Geschäftsmann so sein, daß, wenn er von irgend- einer Seite Unterstützung bekommt, er seinen Arbeitern 20 oder gar 50 Prozent mehr Lohn geben kann. Heute kann er das nicht machen, denn die Konkurrenz ist da. Hilft mir aber einer — Wortführer Dr. G ör ß : Ich habe Sie nicht unterbrechen wollen, aber ich bitte Sie, daran zu denken, daß wir uns bei der Beratung des Budgets befinden. Das, was Sie jetzt vortragen, steht mit dem Budget in einem gar zu losen Zusammenhang. Wir sind hier nicht dazu da, die Leistungen des Theaterdirektors in irgendeiner Weise zu kritisieren und seine Tätigkeit zu beleuchten, sondern wir haben in erster Linie für die Erlediqung des Budgets zu sorgen. Dobberstein (fortfahrend): Ich habe nur des- wegen dazu Stellung genommen, weil das Theater r Nds ts M tos ccrvs ner hat. Jch möchte nur noch eins erwähnen. Die beiden Herren Vorredner mögen in manchen Punkten recht haben. Aber es war im vorigen Jahre, als das Provisorium abgeschlossen wurde, bereits Hoch- sommer, und da ist es dem Direktor erst im Juli möglich gewesen, Personal zu engagieren. Er war genötigt, sich an ein Theaterbureau zu wenden, und war von diesem abhängig, um überhaupt in dem Stadium noch Leute zu bekommen. Daß damit mancherlei Übelstände verknüpft waren, ist klar, und wenn das eine nicht gewesen wäre, wäre vielleicht auch das andere nicht eingetroffen. Der Kardinal- punkt aber der ganzen Frage ist die Geldfrage. Be- willigen wir mehr Geld für den Zweck, so können wir alles haben. A. Pape: Ich möchte nur kurz eins bemerken. Herr Senator Eschenburg hat gemeint, vielleicht müßte dann aus der Bürgerschaft ein Intendant für das Theater gestellt werden. Ich glaube, man kann sagen, daß sich ein Intendant hier schon gefunden hat. (Große Heiterkeit.) Dann möchte ich noch kurz bemerken, daß mir eben mitgeteilt wird, daß der Theaterdirektor den Vertrag wieder abgeändert hat. Jedenfalls trifft aber das zu, was ich vorhin ausgeführt habe. I Q 3 Rosenquist: Ich freue mich, von Herrn Senator Dr. Fehling zu hören, daß die Behörden dazu ge- kommen sind, sich gegenseitig zu verständigen. Ich bedauere nur, daß es auch bei diesem Falle nicht geschehen ist. Wenn für eine Straße vorher bekannt- gemacht wird, daß sie für drei Monate gesperrt wird, sollte man annehmen, daß die andere Behörde Bescheid weiß und nicht anderthalb Wochen oder vierzehn Tage später kommt, um die Straße nun s§' neuem aufzugraben. So etwas sollte nicht vor- ommen. Geheimrat Brecht: Die wichtigeren Anregungen, die in der Generaldebatte, soweit sie den Namen verdient, gegeben sind, haben schon zum größten Teile ihre Erledigung gefunden, indem die Herren gesehen haben, daß die Türen, die sie öffnen wollen, bereits weit offen standen, daß also das, was sie anregen wollen, bereits in Arbeit war. Offen geblieben sind die von Herrn Wissell angeregten Arbeiterfragen. In bezug darauf stehe ich im wesentlichen auf dem Standpunkte, der vom Senatstische zum Ausdruck gebracht ist, daß es sich nämlich nicht empfiehlt, daß die Bürgerschaft als parlamentarische Körperschaft sich ohne Not in die Arbeiter- oder Beamtenver- hältnisse einmischt, sondern daß es weit mehr emp- fehlenswert ist, solange es geht, den Behörden und den leitenden Beamten die Verantwortung und auch die Freude zu lassen, für die Verhältnisse des ihnen unterstellten Personals zu sorgen und sie so zu regeln, wie sie es mit den ihnen bewilligten Mitteln machen können. Ich darf dabei ohne weiteres an- nehmen, daß man möglichst wohlwollend die Ver- hältnisse des unterstellten Personals regeln wird, und ich glaube nicht, daß zurzeit irgendwo die Ver- hältnisse derart sind, daß es notwendig wäre, einen Eingriff von seiten der Bürgerschaft herbeizuführen. Daher kann ich nicht empfehlen, dem Antrage Wissell zuzustimmen. Ich halte den Antrag zudem für zu weitgehend, insofern er darauf hinausgeht, daß wir gemeinschaftlich mit dem Senat Reglements für die Verhältnisse der städtischen und staatlichen Arbeiter erlassen sollen. Ich glaube, das haben wir nicht nötig. Dagegen hat Herr Wissell einen Punkt an- geregt und eine Behauptung aufgestellt, die wir nicht unbeachtet lassen können. Er hat erklärt, daß in der Arbeitsordnung, die für die staatlichen Arbeiter erlassen sei, Bestimmungen getroffen wären, die zwar nicht gesetzwidrig seien, insofern als die Bestimmung der Gewerbeordnung nicht maßgebend Find für die staatlichen Arbeiter, die aber so weit von den Be- stimmungen der Gewerbeordnung abwichen, daß es bedenklich sei. Ich halte es zwar nicht für not- wendig, daß die Bürgerschaft hierdurch gleich Ver anlassung nimmt, ihrerseits tiefer in die Sache hinein-
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