Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

nicht die verschiedenen Behörden auch untereinander vorher einigen könnten, möchte ich doch zu erwägen anheimstellen. Senator Dr. Fe h lin g : Die Baudeputation und die Verwaltungsbehörde haben sich darüber ver- ständigt, daß bei Straßenarbeiten möglichst zugleich von beiden Behörden vorgegangen werden soll und das lästige und kostspielige wiederholte Aufreißen der Straßenstrecken, wenn irgend angängig, ver- mieden wird. Sollte einmal dagegen verstoßen werden, so ist das bedauerlich. Im allgemeinen ist auch in der Bürgerschaft anerkannt, daß eine Besse- rung der Zustände gegen früher durch das gute Ütswmtquirtz der Beamten beider Ressorts ein- getreten ist. A. Pape: Ich habe vorhin Einzelheiten über den Kontrakt des Herrn Direktor Piorkowski mit- geteilt und gesagt, daß auch auf den kleinsten Wanderbühnen derartige Verhältnisse nicht herrschten. Es ist eine alte Taktik, daß man die Richtigkeit h;: ich “hr s wu: -:; zu untersuchen, ob das, was ich mitgeteilt habe, zutrifft, oder ob es hier heißen muß: Gelogen wie gedruckt. Aber ich bin der Meinung, daß die Theateragenten am allerwenigsten für diese Sache verantwortlich gemacht werden können. Um ein weiteres Beispiel zu geben, möchte ich mir mit Er- laubnis des Herrn Wortführers gestatten, aus der Hausordnung einzelues vorzulesen. Für diese ist st:e: Direktor Piorkowski unbedingt verantwortlich. a heißt es: § 2. Die Direktion kann zu jeder Tageszeit die Gesellschaft ganz, zum Teil oder einzelne und, wenn es nötig ist, auch noch nach der Theaterzeit zu Diensstleistungen oder Konferenzen zusammenberufen lassen. (Strafe M 1-10.) § 35. Es ist Grundsaty der Direktion, nur Dienste, und zwar nur gute Dienste, zu bezahlen. Selbstverständlich entscheidet nur der Direktor, was „gute Dienste“ sind. Hier ist in dem Blatte etwas gesagt, was für uns jedenfalls sehr schwer- wiegend ist, und ich möchte dringend bitten, daß alles nach Möglichteit untersucht wird. Ich habe die Sache hier vorgebracht, damit doch Gelegenheit gegeben wird, Unrichtigkeiten nachzuweisen. Ich halte es immer für das richtigste, daß, wenn der- artige Sachen in Blättern stehen, die Behörden das richtig stellen, was unrichtig ist. Dann gestatten sie mir, noch auf einen Punkt erh r Br hto we z6 sie auch immer wieder erhöhen müssen , besonders jetzt beim Inkrafttreten des neuen Zolltarifes. Da é, ( q" Verhandl. d. Bürgerschaft am 19. März 1906. möchte ich an die Beamten die dringende Bitte richten, daß sie auch Rücksicht nehmen auf diejenigen, die sie in erster Linie unterstißen müssen. Ich habe schon in öffentlichen Versammlungen darauf hin- gewiesen, daß besonders die besser gestellten Beamten sich zu Einkaufsgeschäften vereinigen. Damit drücken sie die Detaillisten und machen den Leuten das Leben schwer, Leuten, die doch in erster Linie berufen sind, die Kosten für die Gehälter der Beamten mit auf- zubringen. Ich möchte die dringende Bitte aus- sprechen, daß die Beamten sich nicht mehr in der Weise zusammentun, daß sie dadurch die Erwerbs- fähigkeit weiter Kreise schädigen. Ich erinnere, daß meine Frau in einem Laden etwas gekauft hat. Da ist dann ein Beamter gekommen, der gesagt hat, er bekäme den und den Rabatt. Meine Frau sagte mir, nie und nimmer ginge sie wieder zu dem Geschäftsmann hin. Es ist erklärlich, wenn unter solchen Umständen Sachen vielfach von auswärts bezogen werden, die hier unbedingt gekauft werden könnten. Daran sind in ersler Linie die Beamten schuld, die auf unsere Detaillisten- und Erwerbs- kreise in dieser Weise wirken. Ich möchte daher bitten, daß sie in dieser Beziehung allen gleiches Recht zugestehen. Dobberstein: Über die dargelegten Theater- verhältnisse gestatten Sie mir auch ein Wort. Die Verträge kenne ich selbst uicht, aber ich habe aus dem Vorgelesenen – Herr Pape hat die Quelle nicht mitgeteilt, in welcher Zeitung der Artikel ge- standen hat ersehen, daß es sich einzig und allein darum handelt, was soll und was hätte der Staat dem Theaterunternehmer an Unterstützung geben müssen oder nicht. Der Staat hat für das Theater- unternehmen eine bescheidene Subvention gegeben, und da möchte ich doch ganz besonders hervorheben, daß die Direktion Leistungen bringt, die durchaus weit über das Maß hinausgehen, was der Theater- direktor an Subvention vergütet bekommt. Die Zeitungen legen in ihren Kritiken ein sehr scharfes Maß an die einzelnen Vorstellungen, aber alle haben anerkannt, daß im Theater ganz außerordentlich gute Leistungen geboten werden. Der Besuch der Vor- stellungen ist aber, und das liegt ja am Lübecker Publikum, immerhin ein mäßiger zu nennen. Wir haben es bei früheren Theaterdirektoren gesehen, daß sie sich nicht halten können, weil sie hier mit einem Defizit gearbeitet haben. Es ist auch mit den Sommervorsstellungen nicht gut gegangen. Soll der Staat nun seinen Einfluß darauf anwenden, die Kontrakte des Theaterdirettors zu kontrollieren, so wird die notwendige Folge sein, daß man von Staats wegen dem Direktor das Defizit deckt, das da- durch entstehen würde, wenn er mildere Kontrakte
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