Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

Das sind Paragraphen, die einfach unerhört sind und die weit über das hinausgehen, was Herr Wissell über die Arbeitsordnung der Baudeputation vortrug. Ich meine, daß gerade diese Sache beweist, wie not- wendig es ist, bürgerliche Deputierte überall einzu- schalten, damit uns die Zusicherung gewährt wird, daß derartige Sachen nicht vorkommen können. Ich bin fest überzeugt, daß, wenn man die Sache nicht nur vom finanziellen Standpunkte aus betrachtet hätte, ein anderes Resultat sich ergeben hätte. Jeder bürger- liche Deputierte hat die Verpflichtung, sich so weit wie möglich nach einzelnen Sachen zu erkundigen. Das ist hier, wie ich wiederholt zu beobachten Ge- legenheit gehabt habe, durchaus nicht der Fall wie in anderen Städten. Ich habe vor einiger Zeit er- fahren, daß die bürgerlichen Deputierten sich dort um alles kümmern. Sie spielen nicht den Denun- zianten, aber sie kümmern sich eingehend darum. Hier kann man das von einem bürgerlichen Deputierten durchaus nicht behaupten. Das ist aber auch erklär- lich, denn es sind durchweg immer dieselben Herren, die in allen Behörden sind. Ihnen wird dadurch ein großes Stück Arbeit aufgelegt, und man kann es ihnen nicht übelnehmen, wenn Fie den Pflichten, die sie gewissermaßen übernommen haben, nicht in vollem Maße genügen können. Nun möchte ich noch mein Bedauern darüber aussprechen, daß bei Pflasterungs- und Sielbauten nicht mit der nötigen Schnelligkeit vorgegangen wird. Es wird häufig beschlossen, daß etwas geschehen soll, aber daß die Arbeiten auch nur annähernd mit der wünschenswerten Schnelligkeit gefördert werden, kann man nicht behaupten. Wir haben erlebt, daß in den letzten sechs Jahren die Zuschüsse von der Ver- waltungsbehörde an den Staat sich um Hundert- tausende gesteigert haben, während wir bei den Pflasterungsarbeiten stillstehen. Wir müssen wünschen, daß auch hier in den Vorstädten in bezug auf die Pflasterungsarbeiten unbedingt mehr geschieht. Es herrschen hier Zustände, die jeder Beschreibung spotten. Wenn Fuhrherren ihren Knechten verbieten, bestimmte Straßen überhaupt zu benutzen, ist das für Lübeck ein höchst unwürdiger Zustand, und ich möchte dringend bitten, daß in dieser Beziehung etwas mehr geschieht. Die Ausführungen, die ich sonst zu machen habe, werde ich mir für die Einzelberatung vorbehalten. Senator Eschenburg: Ich habe mir gar nicht erlaubt zu kritisieren, daß Herr Wissell seine Wünsche vorgetragen hat. Das liegt mir völlig fern, ich habe die Bürgerschaft nur gewarnt, sich gewissermaßen an Stelle der Behörden zu setzen und damit die Be- ratungen über das Budget so kompliziert zu machen, daß wir das Budget nicht fertig bekommen. Das ist der Sinn meiner Ausführungen gewesen. Was KF .) f Ü s : Verhandl. d. Bürgerschaft am 19. März 1906. Herr Pape über den Kontrakt des Herrn Direktor Piorkowski gesagt hat, kann hier auf seine Richtig- keit niemand konstatieren. Aber für solche Verträge ist der Direktor gar nicht so verantwortlich wie Sie sich vorstellen, sondern auch er ist abhängig von den Theateragenturen. Er bekommt die Verträge nach einer gewissen Schablone. Wir haben aber nicht den Standpunkt einer großen Hofbühne einzunehmen, sondern müssen mit den Verhältnissen rechnen. Daß der Mann hier aber in öffentlicher Bürgerschaftssitung heruntergesetzt wird, ist kaum zu verantworten. Mit den Leistungen, die er bietet, kann man, glaube ich, im allgemeinen sehr zufrieden sein. Wollen Sie den Leuten Kontrakte vorschreiben, wie sie Herr A. Pape oder irgend ein anderer wünscht, werden Sie dahin kommen, daß Sie einen Theaterunter- nehmer überhaupt nicht bekommen. Dann können bie sich einen Intendanten aus Ihrer Mitte wählen. (Heiterkeit. treit) rehling. Nach den Antworten, die die Herren Senator Eschenburg und A. Pape Herrn von Schack gegeben haben, kann ich mich kurz fassen. Auch ich möchte Sie warnen, einen solchen Antrag anzunehmen, wie ihn Herr von Schack eingebracht hat. Ich nehme an, daß Herr von Schack noch nicht lange Mitglied der Kaufmannschaft ist, sonst hätte “ Szjen üusru r ht t L 1.57 burg hat schon ausgeführt, daß die Kaufmannschaft gezwungen ist, infolge neuer Kaibauten ihre alten Schuppen abzubrechen und sehr wertvolle neue Schuppen zu bauen. Anderswo geschieht dies vom Staat, und die Kaufmannschaft hat nichts damit zu tun. Herr von Schack weiß es wohl nicht, daß das große Terrain der alten Dröge jenseits an der Trave kostenlos von der Kaufmannschast dem Staate ab- getreten ist, um dort Kais zu bauen und die Trave zu verbreitern. Die Kaufmannschaft ist damals ge- zwungen, dort ein teures Lagerhaus zu bauen als Äquivalent für die neuen Kaianlagen. Herr Oberbaudirektor Rehder kommt sehr bald mit neuen Vorlagen, die natürlich noch sehr gründlich geprüft werden müssen, es betrifft die Hafenanlagen unter- halb der Trave und die Klappbrücke bei der Struk- fähre. Sie können überzeugt sein, daß, wenn die Kaufmannschaft Auflagen übernehmen muß, sie nicht davor zurückschreckt, und ich freue mich, daß gerade Herr von Schack als ein Vertreter des Kleinhandels durch seine Anregungen mit dazu beitragen wird, daß wir von ihm und seinen Freunden eine gute Unterstützung finden werden. Wenn wir nicht durch die Klugheit unserer Vorfahren Mittel hätten, uns zu rühren, müßten wir jetzt Umlagen wie in Preußen bei der Kaufmannschaft erheben, und dann möchte
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.