Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

586 stelle das Gefühl und die Gewißheit mitgenommen, daß durch solche Tätigkeit unendlich viel in unserm sozial-rechtlichen Leben gemildert, gebessert werden kann und daß es wünschenswert wäre, im lieben Vaterlande an allen Orten solche Rechtsauskunft- stelen zu haben, wie die Stadt Lübeck stolz sein darf, eine die ihre zu nennen. Anna Schulh. Orgelkonzerte und Gottesdienste. Ein Echo zum Nachklang des Herrn Langen. Es wäre schade, wenn der su warm und frisch geschriebene Appell des Herrn Langen an die Kirchen- vorstände und an die Geistlichkeit keinen Widerhall wecken sollte. Freilich wie es denn so zu gehn pflegt, daß, wer für eine an sich gute Sache eintritt, leicht die Wirkung derselben überschätzt, so spricht aus seinem Artikel auch eine Hoffnung, die uns übertrieben erscheint. Wir glauben nicht, daß eine auch noch so ausgedehnte Pflege der Kirchenmusik allein den „heimatlos gewordenen religiösen Gefühlen“ die Heimat zu geben vermag und sind der Überzeugung, daß uns Naumann, von dem dies ernste und zum Nachdenken reizende Wort stammt, darin zustimmen würde. Aber trotz dieser und anderer übertriebenen Hoffnungen, welche Herr Langen für das kirchliche und vollends das religiöse Leben auf die Erfüllung seiner Wünsche setzt, wir stimmen ihm vollkommen bei in seiner Bitte an die Kirchenvorstände, die doch die Sache in die Hand nehmen müssen, auf eine Vermehrung kostenlos zu besuchender musikalischer Veranstaltungen Bedacht zu nehmen. Wir glauben auch, das gerade jetzt, wo eine sehr berechtigte, aber auch verhältnismäßig sehr große Erhöhung der Gehälter der Organisten unmittelbar vor der Tür steht, diese zu einer größeren Arbeitsleistung im Dienst der guten Sache sehr gern bereit sein werden. Bei der Lektüre des Langenschen Artikels kamen uns aber noch andere Gedanken. Die von ihm konstatierte Leere der Gottesdienste zeigt sich besonders in den Frühgottesdiensten, welche in St. Marien, im Dom und in St. Petri abgehalten werden. Bewundernswert ist gewiß die Treue der Geistlichen in der gewissenhaften Vorbereitung auch zu diesen Gottesdiensten, wir wollen auch kein Wort darüber sagen, daß für diese Gottesdienste ein verhältnis, mäßig sehr großer und doch auch kostenreicher kirchlicher Apparat in Bewegung gesetzt werden muß, denn wenn auch nur eine Seele hier wirklich Erbauung findet, so rechnen wir nicht kleinlich die Kosten nach, aber wenn doch die geringe Anzahl der Teilnehmer, die sich noch dazu bei der Größe unserer Gotteshäuser fast ganz verlieren, das Gefühl, einem erhebenden Gemeindegottesdienst beizuwohnen, kaum aufkommen läßt, so liegt die Frage doch nahe, könnten diese Gottesdienste nicht auf eine gelegenere Stunde verlegt werden. Nun beweisen aber die Erfahrungen, die man mit den Sonntags-Abendgottesdiensten in der Jakobikirche wie im Dom gemacht hat, daß diese Einrichtung gerne benutzt wird, und zwar insonder- heit von sogenannten kleinen Leuten, während uns über einen Hauptgottesdienst einer unserer Haupt- kirchen gerade kürzlich die Klage entgegengebracht wurde, es wäre „der reine Herrschaftsgottesdienst.“ Was hindert denn zunächst, einmal im Winter die Frühgottesdienste in St. Marien und der Petri- kirche auf den Abend zu verlegen? Jm Dom haben wir, wie erwähnt, im Winterhalbjahr, wenigstens von Advent an (warum eigentlich nicht früher schon?) Abendgottesdienste neben Früh. und Hauptgottes- diensten. Von der Zivilgemeinde stellen sich nur sehr E §r h §tg;ttLtimse eit forte zicht desir dienst in der so gern besuchten St. Jürgen-Kapelle eingerichtet werden können ? Die Rücksicht aufs Militär dürfte dabei nicht ausschlaggebend sein. In Rückerinnerung an eigne Erfahrungen, die wir in unserer Militärzeit machten, scheint es uns sehr erwünscht, besondere Militär- gottesdienste, deren Ansprachen viel mehr auf die Soldaten zugeschnitten sein können, einzurichten. Kann einer der hiesigen angestellten Geistlichen die Abhaltung derselben nicht übernehmen, so ist die Aufforderung an die Militärbehörde nicht unberechtigt, für unser Regiment einen besonderen Militärgeist- lichen anzustellen, der dann auch Zeit hätte, sich um die Pflege des religiös.sittlichen Lebens unseres Militärs auch außerhalb der Gottesdienste zu be- mühen. 1240. Die neue Volksschule in der Vorstadt St. Jürgen. Am Montag den 15. Oktober d. J. wird die neu- erbaute II. St. Jürgenschule in der Kahlhorststraße, kurz vor dem Krankenhause, eröffnet werden. Wieder ist in unserer Stadt ein neues Schul- gebäude erstanden, auf das wir mit Freude und Stolz blicken können. Ja, mit Freude und Stolz, denn wohl kaum wird man in einer Stadt ein Volksschulgebäude finden, mit dem dieses Haus nicht jeden Vergleich aushalten könnte. Das neue Schul- gebäude macht den Erbauern alle Ehre, denn mit einfachen Mitteln und Sparsamkeit ist hier nicht allein etwas wirklich Praktisches und Solides, sondern auch gleichzeitig Schönes geschaffen worden. Dies bezeugt schon der Eindruck, den das Haus auf den Beschauer von der Cronsforder Allee aus macht. Da Kindermund oft unbewußt das Richtige trifft, so möge hier nur die Äußerung eines kleinen Mädchens erwähnt werden, das beim Anblick ausrief: „Mutter, diese Schule sieht wie ein Schloß aus!“ Die § [:3
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