Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

565 Monate lang angeschafft, was gerade verlangt wird; dann ist für dies Jahr kein Geld mehr da, und die “rz. Bücher sind in kurzer Zeit eine tote Masgse. In s! Praxis: Ein Mitglied des Lehrer- kollegiums wünscht seinen Mitarbeitern diese oder jene neue Methode, diese oder jene neue Entdeckung der Auffassung zugänglich zu machen; die nötigen Bücher werden gekauft und gelesen; sie könnten an andrer Stelle noch weiter wirken; aber sie sind in der k: Fremde fast unzugänglichen Lehrerbibliothek begraben. q Oder: Die Bibliothek soll zur wisssenschaftlichen Förderung dienen. Ein Kollegium vertritt drei bis fünf Sprachen, Mathematik, alle Zweige der Natur- wissenschaft, Geschichte, Erdkunde, Religionslehre ~ ganz davon abgesehen, daß die technischen Fächer auch ihre Literatur haben; da kommt auf jedes Fach, sagen wir M 20, höchstens M 30, d. h. ein Tropfen auf den heißen Stein. Ein tüchtiger und tätiger Kollege sagte mir neulich: Ich brauche jährlich für / 150 bis 200 Bücher, wenn mein Unterricht OL BGT br vieren könnte ihm , und andern auf einmal elfen. Oder: Es gibt, und muß in unfßerer Zeit geben, eine Unzahl wissenschaftlicher und pädagogischer Zeitschriften, die wir bitter nötig haben, um auf der Höhe zu bleiben; gar nicht immer, um sie alle von Anfang bis zu Ende zu lesen, viele nur, um sie durchzusehen. Es ist mehr wert, möglichst viele kurze Zeit zur Verfügung zu haben, als wenige recht lange. Aber von den vorhandenen Mitteln kann jede Schule bestenfalls nur anschaffen, was sie direkt angeht, und das nur mit Auswahl; und es wäre doch für das gegenseitige Verstehen recht gut, wenn wir von der Realschule sehen könnten, was in der Welt des Gymnasiums sich neu zu gestalten sucht, und nicht minder umgekehrt. Von solchen Erwägungen ausgehend, hat unser Kollegium seine Bibliotheksverhältnisse neu zu ordnen gesucht. Der erste Schritt betraf die Anschaffung der Zeitschriften. Durch das liebenswürdige Entgegenkommen des NKatharineums und der Stadtbibliothek war uns folgende Einrichtung möglich: Wir schaffen nach ge- meinsamer Verständigung an; jede Schule behält ihre Zeitschriften vier Wochen, dann kommen die Hefte in das Lesezimmer der Bibliothek. Lieber wäre es uns gewesen, sie einen zweiten Monat zur Auslage im Ronferenzzimmer auszuwechseln ~ o große Eile wie bei Tagesblättern hat es ja nicht und dann erst an einen dritten Ort zu bringen; wir hätten es dann beide bequemer gehabt. Da sich das nicht gleich erreichen ließ, haben wir uns zunächst mit dem kleineren Fortschritt begnügt. Denn ein solcher bleibt es auch so: wir haben das doppelte Material zur Durchsicht und Auslese, und nebenher haben andere Leute auch noch etwas von den Mitteln, die uns bewilligt sind. Nun aber ein Hindernis, das sich schwer geltend macht: das Lese- zimmer der Stadtbibliothek ist – von zwei Nach- mittagen abgesehen + nur zu einer Zeit offen, wo wir durch unsern Beruf verhindert sind, es zu be- nutzen. Wir hatten deshalb von Anfang an die Lesehalle, die immer offen ist, als Auslagestelle vor- geschlagen; den Einwand, daß es dort zu unruhig sei, mußten wir als berechtigt anerkennen und so uns mit der Hoffnung bescheiden, daß das Lesezimmer einmal länger geöffnet wird. Was die Büchersammlung angeht, so haben wir von vornherein sie nur auf eine Handbücherei an- gelegt, d. h. auf eine Zusammenstellung der Bücher, die wir zum täglichen Nachschlagen brauchen. Für allen weiteren wissenschaftlichen Bedarf halten wir uns an die Stadtbibliothek. Die Behörde und die gesetzgebenden Körperschaften sind unsern Vorschlägen beigetreten; sie haben uns eine größere einmalige Summe bewilligt, die sich auf zwei bis drei Jahre verteilen wird; so kommen wir mit geringeren Mitteln aus und haben dafür unser Handwerkszeug auf einmal. Denn dieses System erspart manches; statt der M 500-700, die unsere höheren Schulen sonst brauchen, haben wir nur M 150 für Zeitschriften, M 100 für die jährliche Auffüllung der Hand- bibliothek in den Etat einzusezen brauchen. Dazu kann man die Bücher im Konferenzzimmer auf- stellen, was einen Bibliotheksraum unnötig macht, und wird, wenn ersst die erste Arbeit au der Hand- bücherei getan ist, die Arbeitskraft des Bibliothekars gespart werden, die an den deutschen höheren Lehr- anstalten meist mit ' dem Erlaß von ein bis zwei Fterftunden, d. h. mit M 150—300 vergütet wird. Wiederum zeigte sich nun aber die Unzulänglich- keit unserer Stadtbibliothekseinrichtungen: man muß seine Bücher – der Unterschrift wegen + selbst abholen, und das geht meist nur in unserer Dienst- zeit. Durch das Entgegenkommen von Herrn Prof. Curtius ist uns nun gestattet, daß wir die Zettel unterschrieben einschicken, wenn unsere Unter- schrift durch den Schulstempel beglaubigt ist; so lassen wir — vorläufig zweimal in der Woche den Schuldiener die Bücher von der Blibliothek holen und sie zurückbringen.
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