Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

A 13 H Der Schiffskompaß und seine Fehler. Ats vor einigen Wochen in einem Herrenabend der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit die Rede auf den Schiffskompaß gebracht war, wurde auch die Frage angeschnitten, wie denn eigentlich auf eisernen Schiffen ermöglicht würde, den Weg- weiser des Seemannes inmitten so großer ablenkender und störender Massen noch brauchbar zu erhalten. Eine von Zeit zu Zeit in der hiesigen Presse wieder- kehrende Bemerkung, daß der und der auf der Kochschen Schiffswerft neuerbaute Dampfer sich an- schicke, seine Probefahrt zu machen, nachdem am Tage zuvor in der großen Holzwiek die Kompaße . BR Ms.; fragen gerne bereit, einmal an Ort und. Stelle den- jenigen, die Interesse dafür zeigten, das Bestimmen der Kompaßfehler praktisch vorzuführen. Als Vor- bereitung auf diese Übung sollte ein kurzer Abriß der Deviationstheorie in diesen Blättern voraufge- schicktt werden. Da man aber an maßgebender Stelle das lebendige Wort geeigneter erachtete, ergriff Unterzeichneter die Gelegenheit, einem Zuhörerkreise im Herrenabend kurz die Vorbedingungen für gutes Arbeiten des Kompassses zu erklären, darauf die Be- seitigung der örtlichen Ablenkung beim Deviations- pfahl vorzunehmen und durch Legung von Magneten vorgefundene Fehler auszugleichen. Vielleicht erhöht sich der Gewinn für die Teil- nehmer noch dadurch, das ich heute abermals in aller Kürze das wiederhole, was ich neulich bereits ausführte. Ich schicke ebenfalls wiederum voraus, daß ich die Schwierigkeiten durchaus nicht verkenne, diesen etwas spröden Stoff ohne Voraussetzung von Fachkenntnissen zu behandeln, weiß aber dennoch, daß sich jeder meiner verehrten Leser die früher ge- läufigen Kenntnisse aus der Physik sofort wieder ins Gedächtnis zurückrufen wird. Ich kann natürlich nicht ins einzelne gehen und werde auch die Geduld meiner Zuhörer bezw. Leser nicht mit Formeln kränken. Denn es kommt hier nicht darauf an, diesem Kreise ein pouvoir zu schaffen. Mit dem savoir wird ein jeder zufriedengestellt sein. Man bezeichnet bekanntlich alle Körper, welche auf Eisen anziehend wirken, als Magnete. Gewisse, schon im Altertume bekannte Eisenerze sind „natürliche“ Magnete. Solche wurden z. B. bei der kleinasiatischen Stadt Magnesia am Sipylos gefunden und erhielten von diesem Orte, wie man annimmt, ihren Namen. „Künstliche“ Magnete stellt man dagegen durch Be- streichen von Stahl oder Eisenstäben mit anderen Magneten her. Hängt man nun einen solchen, dem nan eine bestimmte geometrische Form, z. B. eines Parallelepipeds oder Rhombus von geringer Dicte, gegeben hat, an einem nicht drillierten Faden auf, oder sett die mit einem „Hütchen“ versehene „Nadel“ auf eine feine, sentrechte Spitze, die „Pinne“, so kehrt dieses Stahlstäbchen, das man aus seiner Ruhe- lage abgelenkt hat, immer wieder in die Nord-Süd- richtung zurück, sobald die störende Kraft entfernt wird. Diese Eigenschaft der Magnetnadel, nach Norden zu zeigen, war schon . geraume Heit vor ihrer Nutanwendung für die Schiffahrt bekannt. Wer nun immer der Erfinder des Schiffskompasses gewesen sein mag, sein Name verdient, stets neben den der berühmtesten Männer genannt zu werden. Sehen wir von den Chinesen ab, welche die richtende Kraft der Nadel schon lange vor Christi Geburt benutzten, so finden wir auch schon in Europa Spuren der Bekanntschaft mit diesem wichtigen Weg- weiser, die viele Jahrhunderte zurückreichen. Ein Schriftsteller des elften Säkulum spricht schon vom „Leidar“. Steine, welcher den isländischen Seefahrern jener Zeit ein bekannter Gegenstand gewesen sein muß! Ein altfranzösisches Gedicht von 1181 erwähnt eine Nadel, die mit einem häßlichen schwarzen Steine bestrichen und vermittels Strohhalmen auf dem Wasser in einem Gefäße sc
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