Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

Gebäude verlangen größere Ruhe, es tut nicht gut, sie unmittelbar an den Verkehr zu rücken, man muß ihnen einen Vorplatz geben, welcher sie vom Lärm des Tages trennt und ihnen im Bild einen ruhigen Vordergrund schafft. Der Eggelingsche Entwurf hat auch hier wohl das Richtige getroffen und zugleich in seiner Be- bauung des Zollschuppenplatzes eine geschicktere Aus- nutzung des Baugeländes in wirtschaftlicher Be- ziehung gegeben. Der Entwurf zu dem Vorplat; vor dem Holstentor in den Plänen von Blunck und von Stumpf und Rings ist nicht so geglückt wie in den vorgenannten, weil in ihnen der große zusammenfassende Zug fehlt. Auch ist die Architektur dieser Pläne nicht so ge- lungen, daß man wünschen möchte, sie ohne weiteres in die Wirklichkeit übersezt zu sehen. Ein Vergleich namentlich mit dem mit dem ersten Preise gekrönten Entwurfe zeigt deutlich, wie ein Beschränken in der Verwendung der Mittel der Architektur hier am Platze ist, wenn man nicht zu sehr in die Schönheit des vorhandenen Stadtbildes eingreifen will. Große Turmbauten und Giebelhäuser, welche das Holstentor weit überragen, wird man in dessen Nähe nicht wünschen, wenn man auch sonst das Be- streben des Architekten anerkennen muß, selbständige neue Platz- und Straßenbilder zu schaffen. Sehr schön und anheimelnd ist in dem Blunckschen Entwurf der kleine Platz an der äußeren Holsten- brücke gestaltet, der in Verbindung mit der malerischen Brücke zu einem der schönsten Architekturbilder gehört, welche der Wettbewerb geliefert hat. Es mag dabei allerdings dahingestellt bleiben, ob diese Art der Bebauung an der Brücke, welche auf die Fundierungsmöglichkeiten gar keine Rücksicht nimmt, die richtige ist, ob nicht vielmehr die Ent- würfe mehr Recht haben, welche an der Brücke eine Bebauung nur an der Nordseite annehmen, so daß vom Lindenplatz her der schöne Blick auf die Wall. tuts über die neue Brücke hin vollständig frei bleibt. Für die Brückenarchitektur selbst sind die ver- schiedensten Vorschläge gemacht worden. Die Figuren der alten Puppenbrücke finden nur zum Teil Ver- wendung. Dagegen haben manche Architekten durch Aufbauten auf den Widerlagern versucht, der Brücke selbst mehr Bedeutung zu verleihen. Es dürfte dieser Versuch nicht überall geglückt sein. Man kann, glaube ich, bei den doch immerhin kleinen Ab- messungen der Brücke in der Längenausdehnung und dem Fehlen einer inneren Berechtigung für derartige Aufbauten wohl sagen, daß auch hier das Einfachste das beste gewesen iste. Ganz srchlicht löst der A. 1 - Eggelingsche Entwurf die Aufgabe, indem er die Brüstung mit der Stirnmauer zu einer Fläche zu- sammenzieht und nur in den durch die Konstruktion tr V E Urs der Nur geringer dekorativer Schmuck und die auf dem kräftig abgesetzten Widerlager aufgestellten Figuren der alten Brücke, sowie einfach gestaltete seitliche Treppen geben dem ganzen Bilde bei der großen Monumentalität der Anlage etwas un-. gemein Reizvolles. Die Architekten Heidenreich und Jacobs verbinden in ihrem Entwurf mit einer ebenfalls einfach und monumental gehaltenen Brückenarchitektur den Vor- schlag für die Errichtung eines Reiterdenkmals, das an der einen Seite des östlichen Widerlagers auf schlichtem Sockel über das sonst übliche Maß auf- ragend, von einem Steingehege umgeben, sicherlich dem in die Stadt Hineinkommenden ein packendes Bild bieten könnte. Auch in den nicht mit einem Preise bedachten Entwürfen sind noch manche schöne Gedanken ent- alten. h So hat der Entwurf mit dem Motto , Alfred“ eine interessante Brückenanlage in Verbindung mit zwei Brückenhäusern ähnlich wie im Blunckschen Ürte us jedoch bescheidener in der Höhenentwicklung eschaffen. ? Es würde zu weit führen, im übrigen auf alle Einzelheiten einzugehen, auch alle Gedanken zu verfolgen, durch welche die mehr praktische Seite der Aufgabe eine Lösung erfahren hat. Es mag nur ganz kurz das Ergebnis des Wett- bewerbs zusammengefaßt werden. Durch denselben sind Pläne gewonnen für die Bebauung der Umgebung des Holstentores, aus denen klar hervorgeht, daß hier eine bedeutungsvolle Plat- anlage geschaffen werden kann, welche der Schönheit des Stadtbildes und des Holsstentores in keiner Weise Eintrag tut. Dabei ist es möglich, durch die Anlage eines vertieften Vorhofes die Wirkung des Holstentores wesentlich zu heben, ohne daß deshalb an der Höhen- lage der benachbarten Straßen, wie sie durch die ):; Brücken gefordert wird, etwas geändert werden raucht. ht ich ist durch die Pläne dargetan, daß im Rahmen der neuen Platanlagen für die Bebauung "ESE EE E std; zuerst immer den Bauplatz suchen wird. Und gerade darin, daß der Staat die Grundstücke in der Hand hat, liegt die Gewähr, daß bei der Verwirklichung |.
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