Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

208 lübeckischen Material wurde als fränkische aus dem 6. Jahrhundert sicher erkennt und zeigte so den Zusammenhang der westdeutschen Forschung mit der unsrigen. Am Tage nach dem Vortrage hat Herr Prof. Schuchhardt ferner Gelegenheit genommen, den Ringwall von Alt-Lübeck selbst zu besichtigen und wertvolle Hinweise zu geben, in welcher Weise eine fruchtbringende Durchforschung aufzunehmen und welche Fragen dabei zu lösen seien. Da er sich endlich in dankenswertester Weise erboten hat, u MA hoffen, daß die Ausgrabungen, die dann im Spiät- sommer dieses Jahres in Angriff genommen werden sollen, nicht planlos und fruchtlos verlaufen, sondern ein befriedigendes Resultat ergeben werden. pr. Professor C. Schumann. Zu Ostern 1906 scheidet aus dem höheren Schul- dienste unseres Staates der Professor am Katharineum Colmar Schumann im Alter von 62 Jahren. Er sieht auf 36 Dienstjahre zurück, von denen 27 dem lübischen Staatsdienste angehören. Klassische Philo- logie und Germanistik waren seine Hauptlehrfächer; im Deutschen hat er viele Jahre den Unterricht auf der obersten Stufe erteilt. Wissenschaftliche Ver- senkung ins Deutschtum und tätige Förderung der Blüte des reinen Deutschtums, das sind die beiden Richtungen, auf denen der schauenden und der schaffenden Natur eines deutschen Mannes ein schönes Ziel winkt. Auf diesen Bahnen hat Schumann als Jugendbildner und als Bürger unserer Stadt und unseres Vater- landes andauernd eine anerkannte und erfolgreiche Tätigkeit gefunden. Der diesjährige Jahresbericht des Katharineums zählt die stattliche Reihe seiner wisssenschaftlichen Veröffentlichungen auf. Hat ein schon seit manchen Jahren nicht ganz befriedigender Gesundheitszustand sich allmählig so gestaltet, daß r. t E P ;;: warten, daß die ihn nunmehr beschiedene Amtsmuße der von ihm so schön geförderten deutschen Volks- kunde zugute kommen wird. Auch in unserm Vereinsleben wird seine bedeut- same Wirkung hoffentlich noch weiter zu spüren sein. Schumann hat in Lübeck, wie allbekaunt, den „Deutschen Abend“ eingerichtet, eine Zusammen- fassung aller deutschgesinnten und das Deutschtum fördernden Bestrebungen. Insonderheit ist er am hiesigen Orte der tätigste Vorkämpfer gegen den Fremdwörterunfug. Er gehört in die Reihe der Männer, denen wir es zu danken haben, daß wir in sprachlicher Beziehung jetzt ein feineres Gewissen haben, als vor etwa 15 Jahren der Deutsche seiner Sprache gegenüber besaß. So steht zu hoffen, daß Professor Schumann in der Zeit einer wohlverdienten Amtsruhe noch Ge- legenheit finden wird, an der Stärkung vaterländischen Geistes mitzuwirken. 165. Der Wettbewerb zur Erlangung eines Bebauungsplanes für das Gebiet zwischen der Holstenstraße und dem Lindenplaye. Erfreulicherweise haben die letzten Jahre uns eine Reihe von Preisausschreiben auf dem Gebiete der Architektur gebracht, ein Zeichen dafür, daß wir uns der Verantwortung für unser schönes Stadtbild be- wußt zu werden beginnen. Die bisherigen Aus- schreiben bezweckten sämtlich die künstlerische Aus- gestaltung von Bauwerken, mag es sich um einzelne Baulichkeiten gehandelt haben, wie bei dem Marien- kirchen-Werkhaus, bei dem Johanniskloster und dem Borriesstift, oder um eine Gruppe von Häusern, wie bei den Bauten des Tivoligrundstücks; mag endlich, wie es bei dem Fassadenwettbewerb des Vereins von Kunstfreunden der Fall war, bestimmend gewesen sein der Wunsch, allgemein auf eine angemessene architektonische Ausgestaltung der Fasssaden und auf eine Fortentwickelung der überkommenen lübeckischen Bauformen hinzuwirken. Mit dem vorliegenden Wettbewerb wird nun ein neues Gebiet betreten. Nicht sowohl die architektonische Ausgestaltung als vielmehr die Gruppierung von Bauwerken hat er zum Gegenstande, ja weitergehend die Grundzüge der Einteilung und Bebauung eines bestimmten Gebietes einschließlich der Anordnung von Straßen und Plätzen. Denn immer mehr hat neuerdings sich die Überzeugung Bahn gebrochen, daß die Schönheit eines Stadtbildes nicht nur auf der Gestaltung der einzelnen architektonischen Gebilde beruht, sondern wesentlich auch darauf, daß die Ge- samtanlage den Rücksichten der Zweckmäßigkeit und der Schönheit gleichermaßen Rechnung trägt. Wie unsere Vorfahren mit sicherem Kunstverständnis im Inneren der Stadt Lübeck eine den höchsten An- forderungen entsprechende Anlage geschaffen haben, so wollen wir jegt für ein an die Altstadt an- grenzendes Gelände, dasjenige, welches zwischen der Holstenstraße und dem Lindenplatze belegen, durch die Verlegung der Bahnhofsanlagen frei wird, im Wege des Wettbewerbes einen Bebauungsplan er- langen, der, wie es in dem Ausschreiben heißt, eben- sowohl den praktisch-wirtschaftlichen Interessen wie Schönheitsrücksichten genügen oll.
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