Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

1 39) ist ht el te ze î: r. ie [C- E. n n, t. n- 1d je ie 2) ; je s 1' U g n L. l, ! . r] Theater und Musik. Stadthallentheate. Die lustigen Weiber von Windsor. Oper von O. Nicolai. (25. Februar.) Nicolais „Die lustigen Weiber," eine der ent- zückendsten Blüten fein komischer Opern, fand am Sonntag eine durchaus erfreuliche Wiedergabe. Wir dankten sie in erster Reihe der hochtalentierten, sich auf jedem Platze als treffliche Künstlerin bewährenden Frau Meyher-Jäger als Frau Fluth und Herrn Liman, der den Falstaff mit köstlicher Komik und, was ihm besonders angerechnet sei, ohne jede Über- treibung gab. Als Frau Reich wußte sich Frl. Schläger durch dezentes Spiel und tüchtige gesang- liche Leistung den lebhaften Beifall der zahlreichen Zuhörerschaft zu erringen. Überraschend gut fand sich Frl. Major mit der Partie der Jungfer Anna Reich ab. Ihre Stimme hat an Kraft gewonnen, und namentlich die höheren Töne weiß sie mit Geschmack zu verwenden. Die tiefere Lage bedarf noch der Kräftigung, ebenso empfehlen wir der Sängerin, der Aussprache des R besondere Aufmerksamkeit zuzu- wenden. Herr Hellmar wußte den eifersüchtigen Fluth, wenn wir von seiner gesanglichen Leistung ab- sehen, gut zu kennzeichnen, während Herr von Borkowski als Reich eine in Gesang und Spiel einwandfreie Leistung bot. Als Fenton konnte Herr Jerschke nur mäßig interessieren; die ganze Art seiner Tonbildung und die allzu häufigen IJntonations- schwankungen verdarben manchen guten Einzeleindruck. Recht gut waren Herr Liban als Junker Spärlich und Herr Böttcher als Dr. Cajus. Die Ausstattung der Oper konnte im ganzen genügen, nur der letzte Aufzug war gar zu armselig inszeniert. Das Orchester hielt sich unter Herrn Kapellmeister Weys’ Leitung recht gut. Nach der mäßig und temperamentlos heruntergespielten Ouvertüre hatten wir uns auf vieles gefaßt gemacht. Tanzidyllen von Miß Duncan. (26. Februar.) Miß Jssadora Duncan ist in Lübeck keine Unbekannte mehr. Schon vor längerer Zeit trat sie im Stadt- theater auf, damals wie am Donnerstag sich gleich lebhafter Anteilnahme seitens des Publikums erfreuend. Wir müsssen für uns gestehen, daß wir zu einem andern Urteil über die choreographischen Leistungen Miß Duncans nicht gekommen sind. Nicht sachver- ständig, um den Bestrebungen des Gastes nach einer Reformierung moderner Tanzkunst Gerechtigkeit wider- fahren lassen zu können, glauben wir doch aussprechen zu dürfen, daß man einen Chopin so wenig wie einen Beethoven oder einen Meister altfranzösischer Suitenmusik durch Tanzidyllen charakterisieren kann. Das, was Miß Duncan bietet, ist im Grunde ge- nommen doch nur etwas rein Äußerliches, und wer etwa glauben wollte, daß die Tänzerin durch ihre Kunst die Empfindungen auslöst, die das Tonstück erweckt oder erwecken könnte, gibt sich unseres Er- achtens einer Selbsttäuschung hin. Von einem Stil dieses oder jenes Komponisten bei Miß Duncans Tanzkunst reden zu wollen, erscheint uns ein zu abenteuerlicher Gedanke, um ernsthaft über ihn debattieren zu können. Schelte uns niemand, wenn für uns die Freude an der s<önen Musik eines Couperin, Rameau, Peri usw. der beste Teil des Abends war. Wenn doch, wollen wir Vorwürfe als Opfer der Ehrlichkeit unserer Gesinnung mit Würde zu tragen suchen. J. Hennings. Siebentes Siufoniekonzert. (24. Februar.) Unter den vier Sinfonien, die Johannes Brahms uns geschenkt hat, hat die zweite in D-dur stets einen bevorzugten Platz eingenommen. Reicht sie auch in dem Reichtum und der Kühnheit der Ideen nicht an ihre Schwestern heran, besitzt sie doch eins, was Brahms’ Orchesterwerken so oft fehlt: Sonnenglanz und echte Lebensfreudigkeit. In ihrem Ideengehalt namentlich in dem ersten Satz und dem Menuett sich mit der fünfzehn Jahre früher entstandenen D-dur-Serenade berührend, atmet sie wie diese Wiener Luft. Wer würde auch nicht in dem zweiten A-dur Thema der ersten Allegros an Franz Schubert erinnert, der wie keiner verstand, so köstlich im Wiener Dialekt zu reden? Herr Kapellmeister Abendroth tat recht daran, wenn er uns diese liebenswürdigste sinfonische Schöpfung des knorrigen Hanseaten in lichtesten Farben bot und wenn er selbst auf jene Stelle im Adagio, aus der auf kurze Weile der melancholische und pessimisstische Brahms zu uns sspricht, warme, helle Sonnenstrahlen fallen ließ. Unser famoses Orchester blieb weder den Intentionen des Komponisten noch jenen des Interpretators etwas schuldig. Das an den Anfang des Konzertes gestellte Manuskriptwerk von Andreas Hofmeier, Sinfonische Phantasie in D-dur für großes Orchester, hat in klanglicher Beziehung für uns nicht ganz die Hoff: nungen erfüllt, die wir nach der Bekanntschaft am Klavier hegen zu glauben sollten. Was ihm fehlt, ist der sieghafte Glanz des Orchesters. Wir meinen damit nicht, daß die Phantasie schlecht instrumentiert sei; wohl aber ermangelt sie oft der tieferen Schlag- schatten, die die Themen in ihrer Gegensätlichkeit uud die ganze thematische Arbeit erst plastisch hervor- heben. Darin beruht auch der sich bei einmaligem Hören leicht aufdrängende Gedanke des aphoristischen Charakters der Musik. Der Vorwurf ist nur schein- bar berechtigt, und ihm zu begegnen dürfte dem Komponisten gerade für die Phantasie am leichtesten fallen. Das Publikum nahm das Werk mit Recht freundlich auf und zeichnete Herrn Hofmeier, der
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