Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

.. ON i. UN IB s u ", Senator Heinr. Evers: Ich kann im allgemeinen zugeben, daß es in mancher Beziehung eine Annehm- lichkeit ist, wenn die Bedürfnisanstalt mit dem Gebäude verbunden wird, das Gebäude als solches muß aber doch nicht geschädigt werden. Es sind ja auch Bedürfnisanstalten im Gebäude, und es wird dem einzelnen immer möglich sein, eine solche zu benußen. Aber eine öffentliche Bedürfnisanstalt für den allgemeinen Verkehr in das Gebäude ein- zubauen, hält der Senat nicht für richtig, weil sie den zu stellenden Ansprüchen nicht genügen würde. Sie würde vor allem nicht hell sein, und das 1st doch die erste Bedingung. Wenn man sie hell haben will, muß die Anstalt ins Parterre; dann würden aber die Geschäftsräume beschränkt, und das schien nicht angebracht. Da wir nun in der Nähe genügend Räume haben, eine solche Anstalt unterzubringen, wird die Sache noch weiter geprüft und eventuell der Bürgerschaft darüber noch ein Antrag gebracht werden. A. Pape: In einem Notschrei einer hiesigen Zeitung wird auf die schlechte Reinigung der Straßen und Plätze vor unsern öffentlichen Ge- bäuden hingewiesen. Ich kann das aus eigener Erfahrung nur bestätizen. Überall, wo öffentliche Gebäude sind, wird die Reinigung der Fußsteige höchst mangelhaft vorgenommen. Ich möchte doch dringend bitten, dafür zu sorgen, daß in dieser Beziehung Remedur geschaffen wird. Wenn ein Schneefall vorgekommen ist, läuft sofort die Polizei von Haus zu Haus und sorgt dafür, daß die Privaten ihre Fußsteige reinigen. Aber vor unsern öffentlichen Gebäuden geschieht gar nichts. Jch möchte doch bitten, daß diesem Ubel abgeholfen wird. Ich will davon Abstand nehmen, auf Einzel- heiten einzugehen, Sie finden meine Bemerkung überall bestätigt, wo sich öffentliche Gebäude befin- den. Im übrigen verstehe ich nicht, weshalb Sie über den Sparsamkeitsvorschlag vun Herrn Thiele ein derartiges Gelächter ansstimmten. (Thiele: Sehr richtig.) Sie kennen doch das Sprichwort, daß, wer den Pfennig nicht ehrt, des Talers nicht wert ist. Man soll auch im Kleinen sparen, damit man unter Umständen auch große Summen aus-. geben kann. Es ist eine alte Erfahrung, daß große Summen mit Leichtigkeit ausgegeben werden, sobald man aber bei kleinen Ausgaben Sparsamkteits- vorjct kae macht, ist gewöhnlich ein Höllengelächter ur Stelle. î Heinsohn: Über die bessere Eimichtung der Bedürfnisanstalt auf dem Markte sind wir gewiß alle ersreut. Ich möchte aber bei dieser Gelegenheit zur Erwägung anheimgeben, ob nicht in dem Hause, in dem so viele Leute sich zeitweise auf- halten, wenn auch keine größere, so doch eine ein- fache Bedürfnisanstalt angelegt werden könnte, die für die Bedürfnisse der Männer genügte. Man könnte sie ja abends schließen, damit sie nicht die ganze Nacht offen bleibe. Es wird ja jetzt die Zahl der Schalter bedeutend vermehrt, trotzdem wird es sich nicht vermeiden lassen, daß sich zu gewissen Zeiten viele Leute im Gebäude ansammeln. Dann möchte ich bei dieser Gelegenheit dem Herrn Vorsitzenden der Steuerbehörde gegenüber noch die Bitte aussprechen, daß während der Zeit, wo die neue Einrichtung noch nicht getroffen ist, bei starkem Andrange, falls an den Schaltern nur ein einzelner Beamter tätig ist, nach Bedarf auch ein zweiter Schalter eröffnet werde. Ich hatte neulich Gelegenheit, als es sich um die Einkassierung von Gemeindeabgaben handelte, diesen Mangel zu beobachten. Wie Sie wissen, hat mancher drei oder vier Hettel, und troßdem nur neun Personen da waren, ging es mit dem Abfertigen recht langsam. Es kostete ein bißchen zu viel Zeit. Jh möchte bitten, dem Oberbeamten die Instruktion zu erteilen, daß bei größerem Andrange ein zweiter Schalter geöffnet wird. Senator Heinr. Evers: Ich verstehe die An- regung von Herrn Heinssohn dahin, daß er wünscht, daß wenigstens im kleineren Maßsstabe eine Be- dürfnisanstalt für Herren im Gebäude sFelbst er- richtet wird. Windel: Zu der Sache der Bedürfnisanstalten in diesem Hause will ich nicht sprechen. Ich möchte nur den Wunsch wiederholen, daß endlich die Be- dürfnisanstalt in der Glockengießerstraße entfernt wird. Herr Senator Evers sagte soeben, daß eine gute Bedürfnisanstalt gewiß eine Annehmilichkeit sei, aber die Anstalt in der Glockengießerstraße ist ganz gewiß keine Annehmlichkeit, sondern sie ist eine Un- annehmlichkeit für das ganze die Glockengießerstraße passierende Publikum. Th. Schwartz: Ich kann nicht verstehen, wie man sich hier über die Bedürfnisanstalt nahezu eine Stunde unterhalten kann. Ich bin doch der Meinung, daß, wenn man ein Haus bauen will, man auch datür Sorge tragen muß, in einem so großen Verwaltungsgebäude, wo Tausende von Menschen verkehren sollen, auch eine Bedürfnis- anstalt anzulegen. Wenn das bis dahin nicht ge- schehen sei, liegt es an dem Architekten. Mit einem so unfertigen Plan dürfte uns aber der Senat nicht kommen. Es darf auch nicht nur eine Bedürfnisanstalt für ein Geschlecht, sondern es 608 j
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