Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

120 haben sollte, daß eine solche Einrichtung notwendig und segensreich ist, wenn Sie mitwirken wollen für diese Sache, so ist der Zweck meiner Ausführungen . gest es der kaufmännischen Jugend können Sie gewiß sein. Literarisches. „Königsglaube" von Hermann Stodte. Ein biblisches Drama in fünf Aufzügen. Vita, Deutsches Verlagshaus, Berlin. A 2. Nachdem dieses Drama bereits im vorigen Jahre in einer literarischen Mantinee zu Elberfeld seine Urauf- führung erlebt hatte, wurde es vor einigen Wochen im Schillertheater zu Berlin sehr günstig auf- genommen. Wir Lübecker werden bald die Freude haben, es auf der Bühne unseres Stadthallentheaters gespielt zu sehen. Ich will nicht eine Kritik des Dramas geben. Den Genuß der Lektüre kann sich ein jeder leicht verschaffen und dann selbst urteilen. ? will in wenigen Zügen eine Analyse des Dramas versuchen. Was in dem lieblichen Spiel des ersten Bildes kindlicher Scherz zu sein scheint: Adonia auf Davids Thron, von Gott berufen, und Abisag ihm huldigend das wird zum großen Ernst des Dramas. Von Kindheit an schlummerte der Glaube an sich und seine Berufung zum Throne in Adonias Seele. Als die verstoßene Mutter tränenreichen Abschied nahm, sprach sie über ihren Sohn: Gott will dich groß und herrlich machen und zu einer Waffe in seiner Hand. Heyd ein Sturm flutete es mir durch Adern und Herz: du sollst König sein! Und dieser Glaube liegt in meiner Seele wie ein Fels auf Meeres- grunde. Dieser Glaube ist mein Flügel, der mich trägt über Berge des Widerstandes.“ In all seiner Leidenschaftlichkeit ist Adonia der ver: jüngte David, der jezt sterben will. David sagt es von sich, aber auch für Adonia ist das Leben ein grünes Tal, „wo mein Herz in Gluten gestanden, in Gluten des Stolzes und der Liebe – und – des Hasses, wo ich mit Tränen getrauert um Freunde, um Töchter ~ und – Söhnel“ Den Gegensat zu beiden bildet Salomo, der weise Regent, der Schüler des Propheten. Die Entscheidung, wer von ihnen König sein soll, liegt noch bei David. Der wird bestürmt. Abisag ist zuerst bei ihm: sie lieben alle den Adonia. Aber vor Davids Augen steigt der Schatten Absaloms auf. Für den andern sprechen Bathseba und Salomo selbst. „Wie ein Tempel kühl und rein und heilig muß die Brust des Königs sein. Ein Höherer soll er schweben über der Tiefe, wo die Menschen unten lieben und hassen.“ Vor dieser kalten Regentenweisheit staunt der alte David, denn sie ist seinem Wesen fremd, seinem Denken neu. Aber das eine fühlt er: wenn Salomos Frieden die Zukunft des Landes ist, dann wird nicht am Ende der kommenden Regierung dem Lande Krieg drohen und den König Reue quälen. So ist der Spruch fast schon gefällt. Aber den Adonia liebt der Vater, in ihm liebt er die Wiederholung seines eigenen Wesens, liebt in ihm den Helden. Und gerade diese Heldenschaft verlangt das Volk und das Heer. Felsenfest und tatverlangend ist der Königsglaube in Adonia geworden, und er ist rein eblieben: f yuvet h rie o21d rider zh: yvge "t Die Entscheidung lag bei David. Sie ist nicht ge- fallen, der König wirft sie auf Jehovah selbst. Nach dem Gebet im Tempel entscheidet David. Das Bild des Friedens, das Salomo gemalt, hat in ihm gewirkk. Darum erwählt er Salomo. An Jehovahs Statt hat David gesprochen. Damit hat er an den Grund des Königsglaubens gegriffen, der in Adonia mächtig ist, dem gerade Gott seine Zuversicht in die Seele gegossen hat. David hat sie nicht zum Wanken gebracht. „Reiße mir nicht diesen Glauben an mich selbst aus meiner Seele. Zwecklos wär's ja, daß ich geschaffen wurde. Die Sonne muß doch brennen ~ siehst du, das Heilige in mir, das kann Tretleibsn bei Jehovah, der in seinem Glauben lebt, heißt aber Verrat üben an Vater und König. Diese Treue führt ihn in die Arme des Verräters Joab. Jetzt wirken dessen Einflüsterungen. Adonias Streben nach der Königsherrschaft kam aus reiner Flamme. Daß er sich zum Rächer der väterlichen Sünde berufen fühlt, gab ihm Joab in die Seele. Das ist die Krankheit seines Glaubens, die ihm den Fluch des Vaters einträgt. Das angemaßte Richteramt, das Trübe in der göttlichen Flamme seiner Begeisterung, lähmt seine Entschlossenheit, nimmt ihm die Klarheit seines Handelns, wirft ihn in Zweifel. Aus dem Zwie- spalt reißt ihn Abisag, die vom Sterbelager des Königs kommt. Der sterbende Vater verlangt nach seinem geliebten Sohne. Der Sohn braucht die Verzeihung des Vaters. Er kann mit Joab und dem Heere keine Gemeinschaft mehr haben. „Weg mit den Waffen der Gewalt! Irdische, armselige Werkzeuge, mit euch wollt’ ich Gottes 1| s1 | Q N! u N E . . Zz1i M ge eit T: de mme D m ah
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