Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

4.9 8 meistergehülfen ans Herz zu legen. Damit diene ich der Sache mehr, als wenn ich heute abend weiter gehende Anträge stelle, deren Ablehnung zu be- fürchten aller Anlaß ist. Denn solche Ablehnung schadet sicher. Sie wird den Senat an jeder Jni- tiative hindern. Er wird sagen: Was wollt ihr, die Bürgerschaft hat ja die Sache abgelehnt. Damit fördern wir die Sache nicht, sondern wir schaden ihr und schieben sie auf die lange Bank. Thiele: Auch ich bedauere, daß Herr Dr. Wittern seinen Antrag eingeschränkt und Herr Schulmerich seinen Antrag ganz zurückgezogen hat. Daß alles teurer geworden ist, brauche ich Ihnen nicht zu er- zählen, das wissen wir aus eigener Erfahrung. Herr Dr. Wittern meinte, die Fleischteuerung würde vielleicht eine vorübergehende sein. Das glaube ich nicht. Höchstens könnte durch die staatliche Schweine- zucht ein billigerer Schweinepreis erzielt werden. (Große Heiterkeit.) Ich bin aber für den Antrag Dr. Wittern, um wenigstens etwas zu erreichen. Ich möchte mir noch eine Frage erlauben, die nämlich, ob der hiesige Eichmeister fest angestellt ist oder nicht. Mir ist gesagt worden, er sei nicht fest angestell. Das kaun ich eigentlich gar nicht glauben. Der Beamte ist hier beinahe zehn Jahre im Dienst, und wie ich gehört habe, soll er sehr tüchtig und zuverlässig sein. Zu einem solchen Posten können nur tüchtige Beamte genommen werden. Weshalb der Beamte nicht sest angestellt ist, weiß ich nicht. Wenn er morgen eine bessere Stelle findet, in der er einen festen Posten inne hat, sagt er: Adieu, Lübeck. Man sollte doch Beamte, die tüchtig und zuverlässig sind, festhalten. Was für Eichmeister hit. schon gehabt haben, wissen wir noch von rüher her. Kl a t t- Travemünde: Warum die Lotsen den Hafenmeistergehülfen nicht gleich gestellt sind, kann ich nicht einsehen, denn die Lotsen, die in Travemünde sind, haben alle das Schifferexamen für große Fahrt ebenso wie die Hafenmeistergehülfen, stehen aber trotz- dem im Gehalt um „ 200 hinter diesen zurück. Die Travemünder Lotsen bekommen f 1500 Anfangsgehalt, die Hafenmeistergehülfen / 1700, also M 200 weniger. Diesen Unterschied kann ich nicht begreifen. Wortführer Dr. G ör & : Wollen Sie den An- trag stellen, daß das Gehalt der Lotsen in Trave. münde erhöht wird ? (Hustimmung von Klatt.) Sie wollen also, daß die Lotsen dasselbe Gehalt bekommen sollen, wie die Hafenmeistergehülfen ? Ich mache Sie aber darauf aufmerksam, daß Herr Dr. Wittern seinen Antrag bezüglich der Hafen- meistergehülfen zurückgezogen hat. Er hat heute . f: eit Revision des Gehaltes der Gerichtsvollzieher eantragt. Klatt: Ich wollte noch erwähnen, daß die Travemünder Lotsen einen schweren Beruf haben. Sie müssen in Sturm und Wetter hinaus und setzen sich damit der schärfsten Gefahr aus. Tatsache ist doch, daß am 2. November 1875 drei Lotsen in ihrem schweren Beruf ihr Leben lassen mußten. Ich möchte doch bitten, daß auch die Erhöhung der Gehälter ker Travemünder Lotsen in Erwägung ge- ogen wird. j Wortführer Dr. G ör z : Sie wollen also den Antrag stellen, die Bürgerschaft wolle den Senat ersuchen, eine Revision des Gehaltes der Lotsen in Erwägung zu ziehen. (Hustimmung von Klatt.) Ich habe dann zunächst für diesen Antrag die Unterstützungsfrage zu stellen. Ich bitte diejenigen Herren, die den Antrag unterstützen wollen, sich zu erheben. (Geschieht) Die Unterstützung ist aus: reichend. Senator Dr. Sch ö n: Ich möchte nur erklären, daß die Oberlotsen sich mit den Hafenmeistergehülfen völlig gleich stehen. Die Unterlotsen haben ein etwas geringeres Gehalt. Ein Antrag auf Schluß der Debatte wird ab- gelehnt. Schulmerich: Es ist mir natürlich sehr an- genehm, von Herrn Wisssell gehört zu haben, daß er im Grunde genommen dasselbe will, was ich auch mit meinem jetzt zurückgezogenen Antrag habe er- reichen wollen. Und doch bin ich der Meinung, Herr Wissell tut nicht gut, heute abend den An- trag aufrecht zu erhalten. (Sehr richtig.) Wenn Herr Wissell der Sache wirklich dienen will, was ich nach seinen Ausführungen annehmen muß, glaube ich allerdings, er täte dies mehr, wenn auch er heute abend seinen Antrag zurückzöge. Ich habe leider auch jeßt noch nicht die Überzeugung gewonnen, daß der Antrag angenommen wird. Wie ich schon derzeit bedauert habe, daß Herr Thiele seinen Antrag nicht zurückgezogen hat, sondern ihn zur Abstimmung und Ablehnung kommen ließ, würde ich das heute abend auch wieder ungern sehen. Sie haben heute wiederholt gehört, wie immer wieder hervorgehoben worden ist, daß der Antrag erst vor wenigen Wochen hier abgelehnt sei. Was wir heute abend nicht erreichen können, das können h aber vielleicht in einem halben Jahr erreichen, viel leicht noch früher. Wenn wir aber den Antrag zu oft stellen, ist immer nur ein kleiner Zwischenraun da, und es wird immer heißen, die Bürgerschaf habe den Antrag erst vor einigen Wochen abgelehnt. Wir werden schwerlich für den Antrag des Hern Wisssell die Majorität der Bürgerschaft finden.
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