Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

. J.. > schulbehörde hat derzeit empfohlen ~ das war im Jahre 1888 – für jetzt von dem Erlaß gesetzlicher Bestimmungen abzusehen, wodurch der zwangsweise Besuch der Schule geregelt würde. Es wurde damals eine Kommission des Bürgerausschusses eingesetzt. Diese hat sich auch mit der Frage beschäftigt und gesagt, die Kommission müßte bezweifeln, daß die Eltern der in Betracht kommenden Kinder stets ein- sichtig genug sein werden, dieselben freiwillig der Anstalt zuzuführen. Sie war deshalb der Ansicht, daß es nicht lange währen könne, bis sich herausstelle, daß allerdings gesetzliche Bestimmungen notwendig sein würden. Ich meine nun, daß dieser Zeitpunkt schon lange gekommen ist, daß wir gesetzliche Bestimmungen für solche Kinder, die wegen nichtnormaler Begabung dem Unterricht in der Volksschule nicht folgen können, nicht länger entbehren können zum Wohle unserer Volksschule sowohl als auch zum Wohle der minder. begabten Kinder. Nun werden viele von Ihnen wissen, mit welch derbem Mamen die Berend Schrödersche Schule in weiten Kreisen belegt wird. Man bekommt ihn immer wieder zu hören, wenn man in der Lage ist, den Eltern den Rat zu geben, nehmt euer Kind aus der Volksschule fort und schickt es zu seinem eigenen Wohle in die Berend Schrödersche Schule. Man muß, wenn man nach dem Augenschein urteilt, allerdings zugeben, daß eine gewisse Berechtigung für die Eltern vorliegt zu glauben, daß nach der Bestimmung nicht strikte ver- fahren wird, wonach diejenigen Kinder, welche einen höheren Grad geistiger Schwäche aufweisen, vom Besuch der Berend Schröderschen Schule auszu- schließen sind, damit sie in der Tat das sein kann, was sie sein soll, eine Hilfsschule für die Volks. schule. Das wird sie erst, wenn nun auch in der Tat alle Kinder, die die geistigen Fähigkeiten nicht haben, die man für die Volksschule voraussetzen EU.; St ESR Ct ôe Schwachbefähigte mit der derzeitigen Taubstummen- anstalt und der jetzigen Schule für Taubstumme wirklich zum Segen beider Anstalten ausfällt, wage ich zu bezweifeln, obwohl ich nicht verkenne, daß allerdings manche Gründe für diese Verbindung sprechen. Jedenfalls aber bin ich der Ansicht, daß es an der Zeit ist, dafür zu sorgen, daß minder- begabte Kinder der Volksschule entzogen und der Hilfsschule überwiesen werden. Es ist auch zu prüfen, vb wir nicht eine weitere Einrichtung brauchen für die Kinder, die noch zu wenig begabt sind, um dem Unterricht in der Berend Schröderschen Schule folgen zu können, aber dennoch unterrichtsfähig bleiben. Ich höre ja, daß sogar an der Idiotenansstalt Unterricht erteilt werden soll. Nun wissen wir alle. 39§ daß zwischen normal begabten, schwachbefähigten, im höheren Grade schwachsinnigen oder sogar idiotischen Kindern keine scharf zu ziehenden Grenzen sind. Daß aber eine Grenze da ist, wissen wir auch alle, und daß es nur im Interesse auch der Berend Schröderschen Schule sein kann, wenn diese Grenze strenge inne: zn rtr zh jut" eiu rq vu hüt Grenze scharf zu ziehen ist, wenn wir andererseits einen Zwang ausüben wollen, wonach die minder; begabten Kinder aus der Volksschule in die Berend Schrödersche Schule verseßt werden sollen. Aus dem allem komme ich zu der Überzeugung. da diese Vor- lage auch entschieden keinerlei Eile hat, daß es sich empfehlen würde, wenn die Bürgerschaft eine Kommission einseßen möchte, um die Verhältnisse dieser Schule und die Frage, ob sich es empfiehlt, das Schulgeld für auswärtige Kinder an dieser Schule zu erhöhen, zu prüfen. Ich beantrage daher die Verweisung der Vorlage an eine Kommission. Senator Dr. Schön: Es scheint mir nicht an- gezeigt, alle Fragen, die Herr Schulmerich vorgebracht hat, gleich in einer Bürgerschaftskommission zu be- handeln. Ich als Vorsitzender der Oberschulbehörde, sowie Herr Senator Vermehren als Vorsitzender der Abteilung, der die Berend Schrödersche Schule speziell untersteht, haben die Ausführungen gehört und werden darüber jedenfalls der Behörde berichten. Es scheint mir zunächst Sache der Oberschulbehörde zu sein, die hier vorgetragenen Fragen zu prüfen, und ich halte es auch nicht für richtig, sie mit der heutigen Vorlage zu verquicken. Was nun die Schulgeldfrage anlangt, so darf ich darauf aufmerksam machen, daß für die Taubstummen bei Hiesigen und Fremden schon bisher ein Unterschied in dem Schul. geld bestanden hat. Fremde Taubstumme haben bislang ein höheres Schulgeld bezahlt als hiesige. Das ist Veranlassung gewesen, auch der Frage wegen! der Schwachbefähigten näher zu treten. Im all- gemeinen ist es richtig, daß die Bürgerschaft wieder- holt sich dahin ausgesprochen hat, daß es ein zwet- schneidiges Schwert sei, für Auswärtige er höheres Schulgeld zu fordern, namentlich auch mit Rücksicht auf die Pensionsväter. Hier liegt die Sache aber anders. Hier handelt es sich nicht um eine allgemeine Schule, sondern um eine besondere. Schule, die sich nicht jede Stadt leistet. (Sehr richtig.) Ich glaube, wenn wir in eine derartige Schule auch Kinder art der Nachbarschaft gegen ein Schulgeld von nur U aufnehmen, so würde sie bald überfüllt werden u uns sehr große Kosten verursachen. Man wirde füt Fremde Geld aufwenden müssen, ohne daß wir et !! entsprechenden Vorteil hätten. Bisher ist man k der Meise vorgegangen, daß man einfach die A
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