Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

des Senates hat eben erklärt, daß der jetzige Abzug vollständig genügend sei. Ich möchte bitten, sich doch heute einmal davon zu überzeugen, daß bei Südwestwind der Graben vollständig trocken liegt. Auch der Herr Senatskommissar kann sich heute davon überzeugen. Das liegt daran, daß der Graben viel zu flach ist. Ich möchte doch bitten, daß in dieser Beziehung Remedur geschaffen wird. So, wie die Verhältnisse liegen, kann die Sache nicht bleiben. Senator Dr. Schön: Der Wunsch des Herrn Meeths wird wahrscheinlich erfüllt werden können. Meines Erachtens steht dem Wunsche nichts entgegen. Vom 22. Juli ab sollen die Pläne für das Publikum ausgestellt werden. Es wird sich also wohl noch vorher ein Tag finden lassen, an dem die Pläne für die Bürgerschaftsmitglieder zugänglich sind. Ich werde dem Senate darüber berichten und glaube, wie gesagt, nicht, daß irgend etwas im Wege steht, dem Wunsche zu willfahren. Senator Heinr. Evers: Ich wollte nur da- gegen Einspruch erheben, daß Sparssamtkeitsrücksichten bei der Baudeputation maßgebend gewesen sind. Jeder weiß, daß, wenn ein Siel gelegt werden soll, erst die Unterlage dafür da sein muß. Das Siel konnte früher nicht gelegt werden. Um die Miß- stände nicht zu groß werden zu lassen, hat man den Graben offen gelassen. Der Graben ist neuerdings vertieft, weil er sich bei Westwind als zu flach erwies. Dr. Wichmann: Der Herr Senatskommissar sagte, man habe die Übelstände nicht zu groß werden lassen wollen. Ja, größer können sie gar nicht mehr werden. Ich habe hier den Brief eines Arztes, der in der Schwartauer Allee wohnt und der mir in beweglichen Worten schildert, wie die Anwohner dieser Straße durch den Gestank der Ausdünstungen des Stadtgrabens belästigt werden, nicht einmal die Fenster kann man zum Lüften aufmachen. Dieser Übel. stand ist nicht nur an der Puppenbrücke vorhanden, sondern bis zur Drehbrücke hin. Ich weiß nicht, ob es möglich sein würde, durch Baggerungen Wandlung zu schaffen. Ich fürchte, die Sache wird noch schlimmer als sie jetzt schon ist. Daß es aber dahin hat kommen können, ist ein Vorwurf, den ich der Baudeputation nicht erssparen kann. Dieser schmale Graben, den man zwischen dem Ufer und dem zu- geschütteten Terrain gelassen hat, ist nur ein Rinn- stein, weiter nichts, eine Strömung kann durch den- selben nicht erzeugt werden. Wenn die Baudeputation derartige Sachen macht, kann sie sich nicht wundern, P: in der Bürgerschaft vernichtende Urteile gefällt werden. Wiss ell: Herr Senator Evers hat in seinen letzten Ausführungen das etwas eingeschränkt, was 2. «H & er vorhin sagte. Er sagte zuvor, die Voraussetung des Baues sei gewesen, den Wasserlauf nicht zu unterbrechen. Die uns unterbreitete Vorlage ging von der Voraussezung aus, daß die Sielleitung so frühzeitig gelegt würde, eine direkte Wasserverbindung zu ermöglichen. Wir sind der Meinung gewesen, und wir haben auch hier darauf hingewiesen, daß dieses kleine Siel nicht im entferntesten Abhülfe schaffe. Was als Wasserlauf bezeichnet ist, ist tat- sächlich, wie Herr Dr. Wichmann sagte, ein Graben, den unter Umständen ein Kind überspringen kann. Die notwendige Bewegung des Wassers kann er nicht schaffen. Das kommt nicht nur bei der äußern Puppenbrücke in Frage, sondern gerade ebenso bei der Brücke der Lübeck.Eutiner Bahn. Der Zustand ist ein solcher, wie er wirklich gar nicht schlimmer werden kann. Die Gegend dort ist, weil sich das Wasser staut, ein Herd für Insekten. Zu Tausenden, möchte ich sagen, schwirren sie an der Oberfläche. Wenn man über diese Brücke hinüberging, sah man sie bei diesen heißen Tagen überall schwirren. Bei diesem tintenfarbigen Zustande des Wassers sind die Klagen, die Herr Dr. Wichmann vorgebracht hat, so berechtigt wie nur irgend etwas. Uns sind Dutzende von Klagen brieflich von Anwohnern der Schwartauer Allee zugegangen, in denen uns mitgeteilt wurde, daß die Leute des Gestankes wegen nicht einmal die Fenster offenhalten könnten. Ich kenne die Zuschrift des Herrn Dr. Wichmann nicht, aber so werden auch die Briefe lauten, die an uns gekommen sind. Ich muß offen gestehen, daß die Behörde meines Erachtens die Gesundheit der Einwohner mit einer Leichtfertigkeit in Gefahr bringt, die ~ z Wortführer Dr. G ö r t : Der Ausdruck leicht. fertig ist nicht parlamentarisch und ziemt sich nicht. Ich rufe Sie deshalb zur Ordnung Wissell (fortfahrend): Dann will ich sagen, daß die Behörde auf diese Art und Weise die Gesundheit der Bevölkerung nicht so schügt, wie es hätte ge schehen müssen. Nur dadurch hat sich mir ein Aus- druck auf die Lippen zwingen können, der vielleicht nicht parlamentarisch, wohl aber zutreffend ist. Dr. Wichmann: Ich habe erst bei der erhitzten Debatte über den rinnsteinartigen Wassergraben ver- gessen, auf eins zurüctzukommen. Der Herr Etyett kammissar hat uns darin doch nicht ganz recht be- richtet, wenn er uns darauf vertröstet, daß t Straße am Lindenplatz erst dann gebraucht y4d: wenn der neue Bahnhof in Betrieb genommen i t Nein, die Sache liegt ganz anders, wie uns wie kt holt von sehr maßgebender und orientierter Seite mitgeteilt worden ist. Der Güterbahnhof, für tej diese Straße die Hauptzufahrtstraße ist, wird brrz dier Sen- Gecbst. vielleicht auch erst in den erf
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