Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

gewahrt zu haben. (Sehr richtig.) Die Miete ist eigentlich höher, als ich erwartet hatte. Das ist für die Gemeindekasse um so angenehmer, als, wie der Herr Vorredner mit Recht bemerkt, für einzelne unserer Häuser der Mieteertrag ein sehr geringer ist. Dazu gehört namentlich das Grundstück an der Parade, das kaum ein Prozent abwirft, das aber hoffentlich bald seiner zu Anfang in Aussicht ge- nommenen Bestimmung überliefert werden wird. Heute morgen hat die Firma Nöhring sich noch be- reit erklärt, die Miete auf M 8000 zu erhöhen, wenn ihr gestattet werde, einen Teil des Gebäudes für einen anderen Laden in Untermiete zu geben. Dies Gebot ist der Behörde noch gar nicht mitgeteilt; die Beratung steht noch aus. Ich resümiere: es ist von seiten der Verwaltungs: behörde alles geschehen, um zu einem günstigen Ab- schluß zu kommen. Sind die Bekanntmachungen mit zu kleinen Lettern gedruckt gewesen, so mag es in diesem Punkte künftig besser gemacht werden. Sicher ist, daß die Angelegenheit nicht unbekannt geblieben, und es ist wohl anzunehmen, daß bessere Angebote nicht haben erwartet werden können. Hoffentlich ge- nügt Ihnen diese Auskunft. (Lebhaftes Bravo.) v. Scha >: Ich danke dem Herrn ständigen Senatskommissar für seine erschöpfende Auskunft und erkläre mich mit derselben vollkommen zufrieden. Interessant wäre mir noch zu erfahren, ob das Spritzenhaus allein an Herrn Nöhring vermietet ist, oder ob auch die Hintergebäude dazu gehören. Dar- über hat der Herr Senatskommissar sich nicht ge- äußert. Es sind das auch ziemlich große Wertobjekte. Im übrigen will mir scheinen, daß wir mit dem Vertrage, wenn wir die großen Umbaukosten und die Kürze des Vertrags in Berücksichtigung ziehen, wohl zufrieden sein können. Es war aber nötig, das möchte ich doch betonen, daß alles dies öffentlich festgestellt wurde, da die unsinnigsten Gerüchte in der Stadt über diese Angelegenheit zirkulieren. Senator Dr. Fe h lin g: Es ist das Spriten- hausgrundstück vermietet, wie auch annonciert ist, nicht Teile desselben. Hof und Hintergebäude ge- hören mit dazu. Es wird aber eine ertragreiche Ausnutzung durch Untervermietung kaum für den gegenwärtigen Mieter in Frage kommen. Sollte er doch einzelne Teile mit Genehmigung der Verwaltungs- behörde weiter vermieten können, ist es ihm wohl zu gönnen, denn die Pachtsumme ist eine recht erhebliche. Der Senatsantrag wird hierauf angenommen. Die Senatsanträge 10 und 11 werden ohne Debatte angenommen. ; Zum zwölften Senatsantrag ergreift das Wort Th. Schwartz: Da ich kein Spieler bin, habe ich mich in meinem Leben wenig um alle diese 309 ) Verhandl. d. Bürgerschaft am 21. Mai 1906. Dinge bekümmert. Nun habe ich im Frühjahr dieses Jahres aus Hanau von einem Freunde einen Brief bekommen, in dem er mich bat, ich möchte ihm Auskunft geben, ob das Bankhaus Wehrmann in Lübeck ein vertrauenswürdiges Geschäft sei. Ich habe im Adreßbuch nachgesehen und gefunden, daß ein Bankhaus Wehrmann nicht existiert, wohl aber ein Handlungsgehülfe namens Wehrmann in der Gloxinstraße, wenn ich nicht irre, wohnt. Ich habe dann meinem Freunde mitgeteilt, daß die Sache jedenfalls brenzlig sei und ihm geraten, davon ab- zusehen. Der betreffende Wehrmann Fei nur eine vorgeschobene Person für andere, die hier tätig wären und die ihr Schäfchen ins Trockene zu bringen verständen. Nun sind noch eine ganze Reihe von weiteren Prospekten aus dem Deutschen Reiche an mich gelangt, welche wiederum verschiedene Bank. häuser hier aufweisen, so z. B. das Bankhaus Grevesmühl, das hier auch nicht existiert, und noch mehrere andere. Jetzt, nachdem die Geschichte in Fluß gekommen ist, scheint man eine andere Praxis zu verfolgen. Am Donnerstag abend der vorigen Woche erhielt meine Wirtin in Berlin ebenfalls ein solches Ding. Da ist nicht mehr von einem Bank- haus die Rede, sondern es heißt nur, daß ein ge- wisser Karl Kabermann der Vertreter sei. In allen diesen Prospekten ist nirgends die richtige Person angegeben. Soviel ich mich erkundigt habe, werden diese Prospekte hier sehr wenig ausgegeben. Sie werden aber im Deutschen Reiche in großen Massen, millionenweise verbreite. (Hört, hört!) Da ich über diese ganze Lotteriegeschichte nicht unterrichtet bin, habe ich mich nach der Sache etwas umgesehen und mich erkundigt, wie es mit diesen Art Dingen steht. Voraus will ich schicken, daß auf allen diesen Prospekten in gesperrter Schrift gedruckt steht, daß die Gewinne staatlich garantiert sind. Ich hatte mir deshalb vorgenommen, hier in der Bürgerschaft an den hohen Senat eine Interpellation dahingehend zu richten, ob es wirklich der Wahrheit entspräche, was in diesen Prospekten gedruckt ist, ob nämlich der lübeckische Staat diese Gewinne staatlich garantiert. (Widerspruch.) Ja, so steht es hier auf diesen Pro- spekten. Die Gesellschaften haben ihren Sit in Lübeck, unterstehen also den lübeckischen Gesetzen, und wenn sie solche Prospekte in die Welt hinaus- schicken, auf denen ausdrücklich steht, daß die Ge- winne staatlich garantiert sind, da meint das Publikum im Reiche, daß der lübeckische Staat für die richtige Auszahlung der Gewinne aufzukommen habe. (Sehr richtig) Das wäre für mich eine sehr bedenkliche Sache, und deshalb beabsichtigte ich, an den Senat eine Interpellation nach dieser Richtung hin zu richten. Nun ist durch die Fülle der Ge-
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