Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

) A war voller Feuer und Temperament und übte eine starke Einwirkung auf die Herzen der Zuhörer aus. Ihm gebührt auch besonderer Dank für seine Regie- führung, die für stimmungsvolle Dekorationen und geschickte Arrangierung der Ensembleszenen gesorgt hatte. Ein packender Realismus kennzeichnete das Spiel von Fräulein Leithner. Die Künstlerin scheute auch vor den starken Akzenten schroffster Naturwahr- heit nicht zurück und erbrachte dadurch den Beweis, daß ihr ein großes Charakterisierungsvermögen auch für moderne, verzweigtere Aufgaben eigen ist. Der Pfarrer wurde von Herrn Brandt vornehm und recht eindrucksvoll gesprochen. Von den übrigen Dar- stellern traten noch Fräulein König mit ihrer drastischen Bäuerin und Fräulein Wenaldy durch ihre überaus shmpathische Art im Ton und in der Erscheinung hervor. Zu nennen sind schließlich noch Herr Poetter und Herr Spamer, sowie Herr Schäfer. Dieser letztere freilich und auch Herr Schlüter schienen sich mit der im Schauspiel vorgeschriebenen Mundart nicht sehr vertraut gemacht zu haben. A. Jorns. Carmen. Oper von Bizet. (6. Februar.) Die große Beliebtheit, deren sich Frl. Lily Herking während ihrer Wirksamkeit am hiesigen Stadttheater erfreute, fand auch am Dienstag wieder in einem nahezu ausverkauften Hause Ausdruck. Wer die mehr als nur talentvolle Sängerin zuerst als Ortrud gesehen hatte, mußte ihre künstlerische Ent- wickelung mit regem Interesse verfolgen. Die umfang- reiche, sorgsam ausgebildete und modulationsreiche Stimme, verbunden mit großem schauspielerischen Vermögen ließen Frl. Herking für die von ihr ver- körperten Rollen stets das Richtige treffen. Jn keiner andern Partie kam die ursprüngliche Begabung der Künstlerin so zum Durchbruch wie in der Titel- rolle von Bizets „Carmen,“ in der sie einen Vergleich auch mit den ersten Bühnengrößen nicht zu scheuen braucht. Wohl verführt sie das zeitweise noch überschäumende Temperament oft zu einer stärkeren Schattierung in der Charakterisierung der Zigeunerin als vielleicht angemessen erscheint, aber über der unwider- stehlich mit sich fortreißenden Gesamtleistung vergißt und verzeiht man gern derartige kleine Übertreibungen. Von ergreifender Wahrheit des Ausdrucks war die Künstlerin im Schlußatte, in dem sie zudem von dem in den beiden ersten Aufzügen nicht besonders inter- essierenden Herrn Jäger als José aufs wirksamste unterstützt wurde. Als Micaëla erfreute Frau Meyer- Jäger erneut durch Natürlichkeit in Spiel und Gesang. Die übrigen Rollen hatten in der Besetzung keine Änderung erfahren. J. Hennings. Gemeinnühige Rundschan. Der Verein für Volkshygiene in Berlin hat in diesem Jahre zum ersten Male unbemittelte Knaben der ersten Volksschulklassen auf achttägige Wanderungen geschickk. So hat eine Abteilung dieser Knaben Hamburg und die Unterelbe besucht. Von Hamburg wanderten sie nach Blankenese, setten über die Elbe, durch- wanderten das ,„Alte Land“ mit seiner großartigen Obstkultur, Land Kehdingen und endeten in Cuxhaven, von wo sie ein Dampfer nach Hamburg zurückführte. (Päd. HZeitg.) Y o k ale N o ti z e n. ~ Der Senat hat den hiesigen Rechtskandidaten Hrn. Adolf Koch zum Referendar ernannt und ihn als solchen vereidigt. ~ An Stelle des zum Staatssekretär des Aus- wärtigen Amtes ernannten bisherigen preußischen Gesandten bei den Hansestädten Hrn. von Tichirschky und Bögendorff ist Freiherr von Heyking, bisher Gesandter in Belgrad, zum preußischen Gesandten bei den Hansestädten ernannt worden. ~ Der Kaiserliche Postdirektor. a. D. Georg Proffen, der frühere langjährige und verdienstvolle Leiter unseres Posstamtes, ist am 2 Februar im Alter von 72 Jahren in Hannover verstorben ~ Lübeck-Büchener Eisenbahn-Gesellschaft. Betriebs- Ergebnisse für den Monat Januar 1906. s Befördert sind (nach den vorläufigen Ermittelungen): 1906: 233 169 Personen und 102 065 Tonnen Gut gegen 1905: 191 791 . L . Eingenommen sind: vr ' St. NSG. Bülämüit! M M M M 1906 vorl.: 143 0029 262 263 41 750 AAT 015 19089 - : 131 712 226 890 43 700 402 302 Unterschied 1906 : +11 290 +35 373 =1 950 +44 713 1905 endg.: 132358 258 095 50 535 440 988 ~ Verein gegen den Mißbrauch geistiger Getränke. In den fünf Verkaufsstellen wurden vom 1. Januar bis 31. Januar abgegeben: vrtlitiq: Ul. Ut Ui: :1 delt Markt . . 6 6 1082 114 3936 Struckfähre © 21 800 542 1307 Lastadie . 32 32 1073 1136 4886 Markthalle * 30 1475 287 3314 Untertrave . 10 645 306 2479 99 5075 2385 15922 . y)
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.