Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

„u) r . "v.. J H haben zweimal davon Abstand genommen und aus sehr guten Gründen. Wir haben statt dessen die Erbschaftssteuer auf die Deszendenten und Aszendenten eingeführt und die Steuer progressiv ausgestaltet, um dadurch einen Ersag für die Vermögenssteuer zu haben. Ob wir später nicht auf die Vermögens- steuer zurückzukommen gezwungen sein werden, bleibe dahingestellt, unmöglich ist es nicht. Aber schwerlich wird eine Vermögenssteuer im großen und ganzen besser gefallen als die Erbschaftssteuer, denn die erstere bezahlt der Lebende alle Jahre, die Erbschafts- steuer bezahlt aber eigentlich niemand. Der, der die Erbschaft bekommt, erhält nur so viel weniger, als er sonst bekommen würde. Wenn das nur in mäßigen Grenzen bleibt, ist das so schlimm nicht. (Heiterkeit.) Dann hat Herr Wisssell auch von der Zuwachssteuer gesprochen. Auch sie ist uns nichts Fremdes mehr. Unsere Steuerbehörde zerbricht sich über sie seit langer Zeit den Kopf. Warten Sie nur ab, viel- leicht wird in späterer Zeit auch ein Gesetz über die Zuwachssteuer vorgelegt werden. Sie brauchen von dem Stillschweigen des Senates nicht darauf zu schließen, daß wir die Steuer nicht wollen. Jm großen und ganzen wird in der Bürgerschaft sehr viel gesprochen, so daß man tatsächlich gut tut, sich auf das Notwendige zu beschränken. Zunächst liegt aber die Zuwachssteuer noch etwas ferne. Da wir aber davon sprechen, möchte ich das doch anführen, daß die Wertsteigerung an Grundstücken vielfach überschäßt wird. Wenn Herr Wisssell aber Zahlen verlesen hat, kann er daraus wissen, was ein Haus gekostet und was es beim Verkauf erbracht hat, was aber für Lasten auf dem Haufe gelastet haben, welche Reparaturen, welche Mieteausfälle usw. da gewesen sind, können Sie daraus unmöglich wissen. Also auch in diesem Punkte ist mit den Zahlen nichts Ä E Net; Grundsstücksumsäten in den letzten Jahren in einer Krisis im Baugewerbe gestanden haben, teilweise auch mit herbeigeführt durch die kontinuierlichen Streiks im Baugewerbe. Sie sind die Ursache ge- wesen, daß die Leute vielfach Grundstücke unter Preis fortgeschlagen haben. Auf leere Plätze ist zeitweilig viel verdient, doch nicht so viel, wie man auf den ersten Blick glauben könnte. Es ist von Herrn Wisssell angeführt, der Staat bezahle die Straßen. Das ist nicht richtig. Wenn jemand bauen will, dann hat der Unternehmer zunächst die Straße fertigzustellen. Schon seit langen Jahren haben sie erst die Straße bis zum Tz zu vollenden, und erst dann bekommen sie die Erlaubnis zum Bauen. Windel: Als ich vor drei Jahren bei der Position Lustbarkeitssteuer bat, man möge dieses 186 Gesetz einer Revision unterziehen, da die Steuer von einem großen Teil der hiesigen Wirte sehr schwer empfunden würde, hatte ich die Mehrheit der Bürger- schaftsmitglieder auf meiner Seite. Leider hat sich die daran geknüpfte Hoffnung nicht bewahrheitet. Es sind die Abgaben für die Lustbarkeitssteuer die- selben geblieben, und die Wirte müssen wohl oder übel dasselbe bezahlen wie vorher, ganz gleich, ob ihre Existenz vernichtet wird oder nicht. Daß man nun aber zu den schon hohen Abgaben noch neue hinzufügen will, kann ich durchaus nicht billigen. Ich muß betonen, daß meines Erachtens die sogenannte Steuerfindungskommission sowohl als auch der Bürger- ausschuß nicht genau orientiert gewesen sind über die Lage unseres Wirtestandes in hiesiger Stadt. Oberflächlich betrachtet ist das Wirtsgewerbe ein sehr rosiges, aber in den meisten Fällen ist das tatsächlich nicht der Fall. Der größte Teil der Wirte ist, wie ich hier schon einmal ausführte, durchaus nicht auf Rosen gebettet, und meistens sind sie nur die Arbeiter der Weinhändler und Bierbrauereien. Darf ich Sie nun, meine Herren, bitten, mit mir eine kleine Exkursion durch Lübeck machen zu wollen. Ich kann mir über hiesige Wirteverhältnisse, da ich schon seit den siebziger Jahren im gleichen Geschäft tätig bin, einigermaßen ein Urteil erlauben, und ich möchte Ihnen einige unserer Wirtschaften, die hauptsächlich im allgemeinen bekannt sind, vorführen und Ihnen zeigen, wie dort die Besitzer gewechselt haben und wie sie in den meisten Fällen ihr Geschäft aufgeben mußten. ohne etwas für sich und Familie zu erübrigen. Fangen wir bei dem Burgtor an. „Tivoli." Das kenne ich seit Riehls Zeiten. Riehl hat seinerzeit gut existiert. Später kam Fuhrmann dort hin, der durchaus nicht untüchtig war und dann Muuß, der sein Vermögen, das nach meiner Taxierung M 40 bis 50 000 betragen hat, dort zugesezt hat, denn er ist mit einem weißen Stock davongegangen. Dann kommt das Hotel du Nord. Ich kenne es von Hahns Zeiten an. Ich glaube, die Herren et mir darin beistimmen, daß in den Jahren vor un mit Hahn das Hotel ein recht gut besuchtes war: Ich bin dort beschäftigt gewesen und weiß, daß, ät der Verkehr nach Finnland, Rußland, Norwegen u Schweden ein sehr starker war, wir täglich ein rts! ansehnliches table d'hote von vielleicht vierzig ' fünfzig Personen hatten. Das finden Sie hier te in keinem Hotel mehr in Lübeck. Den Herren, e dann den Betrieb übernommen haben, wird m nicht allen vorwerfen können, daß sie schlecht s wirtschaftet haben. Das kann man wohl einzelnen nachsagen, aber nicht allen, und doch sind sie ; davongegangen, weil sie dort nicht existieren tu. Dann haben Sie in der Beckergrube das Hotel,
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