Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

Unterbringung der Arbeiter vorbereitet wird. Es ist uns nun in einem weiteren Antrage. mitgeteilt, daß die betreffende Fabrik, in diesem Falle das Hochofenwerk, selbst für die Unterbringung der Arbeiter Sorge tragen will. Aber ich halte es für sehr bedenklich wenn da die Bestimmung aufge- nommen ist, daß der Wohnkomplex abgeschlossen sein soll von dem öffentlichen Verkehr. Es ist das in dem einem der Berichte gesagt. Ich halte es um deswillen für sehr bedenklich, einer Fabrik die Be- fugnis zu geben, hier Wohnbauten zu errichten, die vom öffentlichen Verkehr abgeschnitten sein sollen, weil dadurch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Arbeiter eine so große und starke werden würde, wie sie im Interesse des Staates nicht sein dürfte. Ich möchte mir daher die Anfrage eriauben, ob der Senat in irgendeiner Art und Weise sich darüber klar ist, ob hier bei dem Anssiedeln der Groß- industrie sich auch für den ‘ Wohnbau der Arbeiter irgendwie eingreifen ließe. Senator Esch en b ur g : Der Staat wird selbst- verständlich dafür nach Kräften Sorge tragen, aber man darf die Aufgaben nicht verschieben. In erster Linie ist es eine Sache der beteiligten Industrie, für das Unterkommen der Arbeiter Sorge zu tragen. Der Staat hat nur Aufsicht zu führen, daß keine Mißstände kommen. Der Senatsantrag wird hierauf angenommen. I:? vierte Senatsantrag wird debattelos ge- nehmigt. Zum fünften Senatsantrage ergreift das Wort Wiss ell: Die Herren, die mit mir die Vor- lage des Senates genau durchgeprüft und ins- besondere die Zeichnungen, die der Senat hat vor- legen lassen, durchgesehen haben, werden sicherlich mit mir der Meinung sein, daß gzwischen den Zeichnungen, wie sie verwirklicht werden sollen, und dem Vorschlage, den die Bauverwaltung gemacht hat, ein so himmelschreiender und himmelweiter Unterschied ist, daß ich es nicht verstehen kann, wenn dieses geringen Betrages von / 180 wegen der ursprüngliche Vorschlag des Senates nicht zur Ausführung kommen sollte. Hier, wo wir einmal Gelegenheit hätten, den Landarbeitern zu zeigen, wie einheimelnd, wie gemütlich man ihnen das Heim auch auf dem Lande gestalten kann, weicht man zurück um eines Betrages von A 180 uillen. Wenn Sie die Zeichnung, die zur Ausführung kommen soll, gesehen haben, werden Sie finden, daß es sich jezt um vier kahle Wände mit einem Dach darauf handelt, während die Vorlage der Bau- verwaltung geradezu gemütlich und anheimelnd wirkte. Ich finde das im höchsten Maße be- dauerlich, daß um A 180 der Senat zurück- 1 7 ; ) Verhandl. d. Bürgerschaft am 2. April 1906. gewichen ist und dem Vorschlage des Bürgeraus- schusses stattgegeben hat. Wo wir vorbildlich be- züglich der Wohnungsverhältnisse wirken können, sollen wir das auch tun, und wir sollten namentlich den Leuten auf dem Lande zeigen, daß sich auch dort andere Häuser bauen lassen, wie sie bisher üblich waren. Man sollte dabei auf den guten Geschmack etwas mehr achten. Wir sollten um eines Betrages von M 180 willen keine solch öde, nüchterne Kate erbauen, wie es nach dem Vor- schlage des Bürgerausschusses geschieht. Ich möchte daher beantragen, daß der Bau nach dem ursprüng- lichen Plane der Bauverwaltung ausgeführt wird. Es handelt sich um eine Summe, die um / 180 höher käme, und die kann meines Erachtens gar nicht in Betracht kommen gegenüber dem ästhetischen Vorteil, den wir damit erreichen werden. Senator Eschen bur g: Nicht nur der MÆ 180 wegen hat man dem Vorschlage der Kommission den Vorzug gegeben, sondern weil man tatsächlich annahm, daß das Gebäude, wie es dort vorgesehen ist, praktischer sei als der Vorschlag der Baudeputation. Außerdem kommen zu den MÆ 180 noch die größeren Unterhaltungskosten. Man hatte angenommen, daß der Vorschlag der Baudeputation in den Unter- haltungskosten kosstspieliger sein würde wie derjenige der Kommission. Dobberstein: Herr Wissell beruft sich auf die Herren, die die Pläne genau eingesehen haben. Aber ich vermisse dabei in den Ausführungen eins. Ich höre wohl, daß Herr Wissell die Pläne genau eingesehen hat, aber ich höre aus seinen Ausführungen nicht, daß er die Kostenanschläge der ersten Aus. führung mit denen der zweiten verglichen hat, denn sonst würde er gefunden haben, daß die Summe nicht um M 180 abweicht, sondern um wesentlich mehr. Bei dem ersten Antrage war weder ein Zaun, noch ein Brunnen, noch die Zementschwelle für den Fußboden projektiert, außerdem ist auch die Grund- fläche des jetzigen Katens bedeutend größer als ursprünglich geplant wurde. Dann ist jet unten eine Stube mehr, als in dem Plane des Bauamtes vorgesehen ist. Es ist dort eine Stube auf dem Boden eingezeichnet, mitten zwischen Balken und mit einem sehr schlechten Zugange. Wenn man die Sache praktisch betrachte, muß man zu der Über- zeugung kommen, daß jedenfalls der Bewohner, solange er draußen steht, das Gebäude wohl sehr anheimelnd und gemütlich finden wird, aber sofern er drinnen ist, wird er die Wohnung ungemütlich finden. Das von der Baudeputation Vorgeschlagene war etwas fürs Auge, aber nichts für den praktischen Gebrauch. Es ist auch jezt nichts gespart. Es sind die Stuben zum Teil größer projektiert als nach
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