Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

wird. Wir würden unser Budget um noch mindestens „ 30000 jährlich belasten, und die Kosten würden wieder den Hausbesitzern auferlegt werden. Es ist bis- her allgemein üblich gewesen, daß, wenn hier Arbeiten vorgenommen sind, zu denen der Staat eine Bei- hülfe gegeben hat, dann auch Rücksicht auf die ein- MM M;; Äquivalent bekommen. Dieser Verdienst ist dem hiesigen Baugewerbe genommen dadurch, daß die Direktion des Hochofenwerkes die Arbeit einer fremden Firma überwiesen hat. Dadurch haben wir keine Aussicht auf irgendwelchen Verdienst, wohl aber die Aussicht, daß wir die Lasten tragen müssen, die er- forderlich sind, um die ganze Sache betriebsfähig zu machen. Seinerzeit habe ich mit Freuden dem Antrage zugestimmt, daß der Staat Aktien zum Hochofenwerk im Betrage von .# 1 300000 über- nahm. Aus diesen Aktien hat der Staat auch keinen Vorteil, denn wir müssen sie zu Pari hergeben, wenn die Aktien steigen und die Aktionäre die Aktien wieder haben wollen. Ich weiß, daß die Bürger- schaft die Vorlage des Senates annehmen wird, aber ich muß mich dagegen verwahren, daß die erforder- lichen Kosten auf ein en Stand abgewälzt werden, um die Finanzen wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Aus diesem Grunde muß ich gegen die Vorlage sprechen, und ich werde auch gegen sie stimmen. Senator Eschen bur g : Ich glaube, daß das Hochofenwerk die von Herrn Stender gewünschte Rüctsicht auf die Bevölkerung nicht außer acht lassen wird. Man wird aber dabei bedenken müssen, daß das Werk eine ganze Reihe von Gegenständen zu vergeben hat, die hier weder gemacht noch geliefert werden können. Es sind das alles Arbeiten von Spezialfirmen, die hier nicht zu haben siund. Auf die Einzelheiten glaube ich nicht weiter eingehen zu brauchen. Sie täuschen sich aber, wenn Sie glauben, daß die Kosten dieser Uferbahn schließlich auf die Steuerzahler abgewälzt würden. Sie müssen die ganzen Sachen an der Untertrave als einen Ge- genstand auffassen. Der Ankauf der Ländereien allein ist es nicht, sondern Sie müsssen sie mit den vor- handenen Verkehrswegen in Verbindung seßen, um sie wertvoll zu machen, in diesem Falle mit der Eisenbahn. Wenn Sie die neuen Ländereien wieder zu Industriezwecken verkaufen, werden Sie die Kosten der Eisenbahn selbstverständlich aufschlagen, und Sie werden anf die Weise ihr Geld wiedersehen. Aber von einer dauernden Belastung der Steuerzahler kann hier keine Rede sein, wenn ich auch zugebe, daß zunächst das Geld noch nicht wieder da ist. Er werden es aber im Laufe der Jahre wieder. ekommen. 17:3 s . Verhandl. d. Bürgerschaft am 2. April 1906. Rosenquist: Ich freue mich, daß Herr Stender die Sache zur Sprache gebracht hat. Ich kann mich im Grundprinzip mit ihm nur einver- standen erklären, um so mehr, wenn man sieht, daß bei jeder Gelegenheit seitens der arbeitenden Be- völkerung den Meistern und den Gewerbetreibenden das Leben bis zum Exzeß sauer gemacht wird. Wird nun noch vom Großkapital versucht, durch billigere auswärtige Arbeitskräfte die Preise zu drücken, so werden wir vollständig aufgerieben. Ich freue mich darum, daß Herr Stender die Sache angeschnitten hat, und ich möchte doch bitten, bei solchen Gelegenheiten anders zu verfahren. Wiss ell: Der Umstand, daß eine Privat- gesellschaft Arbeiten nach auswärts gibt, kann nie entscheidend sein, ob wir irgendwie Verkehrsverhält- nisse verbessern wollen oder nicht. In diesem Falle würde dem Bau der Bahn im Interesse der Ver- besserung der Verkehrsverhältnisse zuzustimmen |ein. Es wird dadurch Gelegenheit gegeben werden, dort Industrie anzusiedeln. Wenn man aber derartige unliebsame Erscheinungen – und daß es eine un- liebsame Erscheinung ist, gebe ich gern zu — zu verzeichnen hat, daß hier eine Industrie, die mit Staatsmitteln groß wird und zu deren Kosten der Staat beiträgt, die Arbeiten nach auswärts gibt, müsssen w i r dafür sorgen, daß nicht solche Verhält- nisse hier eintreten und die Gesellschaft billige Ar- beiter von auswärts bezieht. Wir können dafür Sorge tragen, daß zum mindesten die hier üblichen Löhne und Arbeitsverhältnisse von derartigen In- dusltrien innegehalten werden. Solange aber die Bürgerschaft in dieser Beziehung nicht nach dem Rechten sieht und Anträge, die bezwecken, bei den Staatsarbeiten dies zur Bedingung zu machen, ab- lehnt, darf sie sich nicht wundern, wenn die Sache so kommt, wie in diesem Falle. (Sehr richtig.) Dr. Li en au: Nach dem Vorschlage des Se- nates sollen wir den Betrag von AM 560 000 für die Bahn bewilligen. Meines Erachtens ist nun der Antrag nicht ganz richtig gefaßt, insofern als wir nicht die Summe von M 560 000 voll zu be- zahlen haben. Es kommen für uns eigentlich nur M 560 000 abzüglich der seitens der Firma Asmus zu zahlenden Gebühren in Betracht. Denn in § 2 des Vertrages mit dieser Firma heißt es, daß die Firma für die Gewährung des Bahnanschlusses eine Änschlußgebühr von M 300 und eine weitere Ab- gabe von rund A 5550 zu entrichten hat. Ich erwarte, daß ebensogut das Hochofenwerk und die sonstigen Interessenten später dort heran- gezogen werden. Meines Erachtens wäre es an sich also richtiger zu sagen, daß das Finanzdepartement angewiesen werde, der Baudeputation die Kosten
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