Full text: Lübeckische Blätter. 1906 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1906 (48)

Wortführer Dr. Görtz: Die Geschäftsordnung kenne ich ganz genau. Ich handhabe sie in einer der- artigen Weise, wie sie auch von meinen Vorgängern hier im Hause stets gehandhabt worden ist. Wir haben immer daran festgehalten, daß bei der Beratung eines bestimmten Gegenstandes ein Redner auch be- rechtigt war, von dem Gegenstand abzuschweifen und allgemeine Mißstände, die mit dem Gegenstand der Tagesordnung nur lose zusamenhängen, zur Sprache zu bringen. Geht der Redner zu weit ins Detail und schildert er Zustände, die überall nicht vor das Forum der Bürgerschaft gehören, so kann der Wort- führer ihn zurechtweisen oder ihm das Wort entziehen. Hempel: Der Herr Wortführer hat gemeint, die unerquickliche Sache dürfe nicht weiter erörtert werden. Ich halte aber dafür, daß Beamten, die angegriffen sind, zumal man schon so weit gegangen ist, Gelegenheit gegeben werden muß, die Angriffe zurückzuweisen. Ich halte es für eine heilige Pflicht, dem Johanneum ein Zeugnis auszustellen, das dem, das Herr August Pape ihm gegeben hat, geradezu widerspricht. Ich habe früher einen Sohn in diese Schule geschicktt, der sie bis zum Abitur durch- gemacht hat, und ich muß gestehen, daß ich vor der Schule und ihren Lehrern die vollste Hochachtung habe. Ich möchte bei dieser Gelegenheit auf eine Begebenheit hinweisen. Es ist einmal ein Schul- mann gefragt worden, wie er mit all den Kindern fertig werde. + — (Glocke des Wortführers.) Wortführer Dr. Görg: Ich bitte, jezt nicht mehr über diesen Gegenstand zu sprechen. Ich habe Ihnen zudem das Wort nur zur Geschäftsordnung erteilt. A. Pape (zur Geschäftsordnung): Ich bedauere recht sehr, daß es mir durch die Geschäftsführung des Herrn Wortführers unmöglich gemacht wird, auf die doch gewissermaßen erfolgten Angriffe des Herrn Direktor Dr. Müller nun des näheren eingehen zu können. | Wortführer Dr. Görtz: Ich konstatiere Herrn Pape gegenüber, daß von seiten des Herrn Direktor Dr. Müller kein einziger Angriff erhoben ist, sondern daß Herr Direktor Dr. Müller nur seinerseits Ver- anlassung genommen hat, sich gegen die Angriffe zu wehren und seine Schule, die er zu leiten hat, zu verteidigen. Weiteres ist nicht vorgekommen. A. Pape (zur Geschästsordnung): Ich möchte darauf hinweisen, daß mir von Herrn Direktor Dr. 1 70 . ) Müller der Vorwurf gemacht ist, daß ich mich nicht an die Obersschulbehörde gewandt hätte. Ich bin bei Herrn Senator Dr. Schön, dem Vorsitzenden der Behörde gewesen, ich habe ihm gesagt, ich er hebe die höchsten Vorwürfe der Parteilichkeit gegen die Schule, ich bäte deshalb darum, dem Examen als Zuhörer beiwohnen zu können. Wortführer Dr. G ör ß: Ich entziehe Jhnen nun das Wort. Senator Dr. S < ön : Es ist richtig, daß Herr Pape mir gegenüber das Wort gebraucht hat, daß am Johanneum „Parteilichkeit“ herrsche. (A. Pape: Sehr richtig!) Darauf habe ich ihm gesagt: Bringen Sie mir Tatsachen, die den Vorwurf be- st?rhe. denn die allein können zu einer Untersuchung ühren. A. P ap e (zur Geschäftsordnung) : Ich möchte demgegenüber bemerken, daß ich ferner dem Herrn Senator gesagt habe, ~ Wortführer Dr. G ör y : Das ist keine Be- merkung zur Geschäftsordnung. A. Pape (zur Geschäftsordnung): Ich möchte der Bürgerschaft nur mitteilen, daß ' Wortführer Dr. G ör ß : Das gehört auch nicht zur Geschäftsordnung. (Zuruf A. Pape: Aber zur Richtigstellung.) Es steht bei Ihnen, ob wir jezt die Debatte heute abend fortsetzen oder auf- hören wollen. Es ist schon nach 10 Uhr. Ich teile Ihnen aber gleichzeitig mit, daß wir am nächsten Montag, abends 6 Uhr, wieder zu einer Sitzung zusammenkommen müssen. : Professor Dr. Ba e t h > e: Ich habe in der vorigen Sitzung einen Antrag gestellt, dem der Senat zugestimmt hat, daß nämlich alle Änderungen des Budgets, die wir bis zum 31. März beschlossen haben, noch nachträglich ins Budget eingeseßt werden sollen. Wenn wir aber erst heute in acht Tagen wieder Sitzung haben, so schreiben wir dann schon den 2. April. Es ist nun die Frage, wie die Y führung meines Antrages gehandhabt werden so Darüber müßten die Herren Senatskommissare be- fragt werden. Wortführer Dr. G ör ß : Diese Woche geht das wirklich nicht mehr, da wir noch so viel mit andern Dingen zu tun haben. Wir können aber am nächsten Montag nachträglich alles genehmigen. . Schluß der Sitzung 10 Uhr 10 Minuten. (Nach stenogr. Aufzeichnungen.) Druek und Verlag von H. G. Rahtgens in Lübeck.
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