Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

79 % Ordensverleihung und Festessen hinauslaufen. Die Ehrung soll vielmehr einen Ausbau seines in einer bestimmten Richtung unvollendet gebliebenen Lebens- werkes bedeuten. Wagner hat nicht nur eine Reihe in sich ge- schlossener Kunstwerke geschaffen; er erstrebte vor allem eine Reformation unseres Kunstlebens; ein neues Ideal war ihm aufgegangen von der Würde, mit der die Kunst dargeboten und mit der sie empfangen werden soll. Die Summe aller Elemente seines Kunstideales faßt man heute in dem Worte Bayreuth zusammen. Hat dieser Name nun auch schon längst über beide Seiten des Ozeans einen starken Glanz gewonnen, so ist es doch fraglich, ob der deutsche und der künstlerische Gedanke, der den Meister bei der Gründung des Festspielhauses beseelte, inzwischen bei seinem eigenen Volke zu tieferem Ver- ständnis gedrungen sei, und offenbare Tatsache ist es, daß das Bayreuther Kunstwerk den Angehörigen seines Volkes noch nicht in dem erwünschten Maße zu eigen gemacht werden konnte. Einzig darin nun erkennen die Freunde seiner Kunst eine wahre Ehrung Richard Wagners, wenn an seinem 100. Geburtstage gesagt werden kann, daß die lebendige Teilnahme der Ration am Bayreuther Kunstleben innerlich gesteigert ist und daß äußerlich die Mittel beschafft sind, um denen den Eintritt ins Bayreuther Haus zu erleichtern, die völlig aus eignen Mitteln einem edlen Kunstverlangen nicht genügen können. Im Hinblick auf diese Ziele dürfte der Vorwurf unzeitiger Verfrühung ent- sprechender Bemühungen wohl kaum erhoben werden. Die Arbeit geschieht auf einem Boden, der erfahrungs- gemäß keine schnellreifenden Früchte zeitigt. Fast 30 Jahre seines Lebens hat Wagner eine heroische Willenskraft eingesetzt, umschließlich die Scholle p gtripe; ost dt to St RT rz h schaft heute eine Stunde der Betrachtung, so durfte uns der Heldengesang der Beethovenschen Symphonie, der uns soeben umrauscht hat, die würdigste Einleitung hierzu dünken. Die Bedeutung aber des Wagnerschen Bayreuth glaube ich Ihnen nicht besser darlegen zu können, als wenn ich Sie bitte, der Entstehung, Wandelung und schließlichen Gestaltung des Bay- reuther Gedankens in Wagners eignem Leben mit mir nachzugehen. Es war in den Tagen. der Revolution von 1848 und 49. Wie alle deutschen Herzen damals vom Verlangen nach einer Neugestaltung Deutschlands glühten, so hatte von seinem Künstlersiandpunkte aus auch der Dresdener Hofkapellmeister Richard Wagner sich ein Bild von der Neugestaltung des deutschen Kunstlebens entworfen. M Aus jahrelanger Tätigkeit und Beobachtung kannte er den dämonischen Zauber, den das Spiegel- bild des Lebens da oben auf den Brettern der Bühne auf jung und alt, hoch und niedrig ausübt. Keine andere Kunst kann sich an durchdringender und bezwingender Kraft mit der Wirkung vergleichen, die das Drama ausübt. Und zwei Künste, Dichtung und Musik, treten hier in einen Bund, der die Macht jeder einzelnen noch vielfältig sieigert. Am Drama, dem gesprochenen wie dem tonvermählten, hatten bisher schon die vorzüglichsten Genien der Nation gearbeitet; ihm selbst war noch eine neue Verbindung der Schwesterkünste aufgegangen. Die Tonsprache Beethovens hatte die Fähigkeit, das Seelen leben auszusprechen, wunderbar gesteigert. In der Anwendung dieser Sprache erkannte er die Möglich- keit, dem deutschen Drama eine bisher ungekannte Eigenart in einem großen Stile zu geben. So erschien ihm die dramatische Kunst der lebendigste Ausdruck einer schönen Kultur und ihre, Meister werke der kostbarste geistige Besitz der Natio. In welchen Händen befand sich aber das Juwel und welcher Gebrauch wurde davon gemacht? Hier chien dem Künstler ein trauriger Mißstand, ja eit Mißbrauch schmählichster Art in aller Öffentlichkeit lvorzuliegen, und niemand kümmerte sich darun. Von der Existenz der dramatischen Kuust in deu Winkeltheatern sah er natürlich ganz ab, nur ihre qlänzendsten Stätten faßte er ins Auge: Hoftheater hieß in Deutschland der Ort, wo die dramatisht Kunst ihre kostspieligste Pflege findet. Ein Karalith der für das Theater eine gewisse Neigung bekun hat, wird der Hoftheaterintendant, d. h. ber otet! Leiter des Kunstinstituts. Ein wirres Durcheinandt der entgegengesettesten Stilarten füllt das Reperto der allabendlichen Vorstellungen, von denen kein einzige den Stempel stilgemäßer Korrektheit .! " trägt. Und all die Vergeudung von Mitte . ' der einen und die industrielle Ausnugung der Y auf der andern Seite richtet sich auf ein gerstt!2; süchtiges, aus kopfmüden Bürgern und wohlhabens | Müßiggängern bestehendes Publikum, das to das Theater füllen soll. „Das heißt eine Welt ist deine Welt,“ sagte sich Wagner. §#11f : Revolutionsgewitter, so hoffte er damal 1. qui sich über Deutschland zu entladen anfing, nich i hier eine reinigende Wirkung ausüben? Köni ; Im Frühling 1849 schienen sich 1m uz Sachsen günstige Aussichten für eine freihe ij Reform aller Verhältnisse zu erössnen. Do ne im Drange der politischen Tagesereignisse, § je t Wagner damals fieberhaften Anteil nahm, tut , Zeit, wo ihn eine Fülle dichterischer U beschäftigte, - Kaiser Rotbart, Siegfried un von ! ruhig verhä sation Könit sind: Sichl Gesic Aufl Einr bildv der ! für | nisse Erfc höht Da Verl Cho in 1 top Dre nur Gef Bu: Zü; flar die fol ge: El ini ge! YM kl A C U ; b D! ( 11 Y.
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