Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

779 nige ung ung I Der Bürgerausschuß hat bereits am letzten Isittwoch zu der neuen Senatsvorlage Stellung zenommen und mit großer Mehrheit deren Mit- genehmigung durch die Bürgerschaft mit einer unwesentlichen, nur die Bestimmung der Kasse, aus der die Kosten des Wettbewerbs zu zahlen sind, be- treffenden Änderung befürwortet. Ohne Opposition ist dieser Beschluß freilich nicht gefaßt nud solche wird auch in der Bürgerschast nicht fehlen. Manche halten noch immer mit Hartnäckigkeit an ihrer Lieblingsidee, das Theater auf dem Zollschuppenplatz errichtet zu sehen, sest, obschon sich mehr und mehr die Überzeugung Bahn bricht, daß durch einen jolchen Bau ein nie wieder gut zu machender ästhe- ther Mißgriff gemacht worden wäre. Andere glauben, daß unsere Stadt trotz ihres erfreulichen wirtschaftlichen Aufschwunges neben dem Aufwand sür ein Theater eine wenn auch einigermaßen produktive Ausgabe für andere nicht notwendig damit zusammenhängende Zwecke ihren Finanzen nicht zumuten dürfe. Es wird dabei verkannt, daß wir gerade durch die Vereinigung mit dem Theater billiger zu einem Saalbau, für den ein Bedürfnis nicht geleugnet werden kann, gelangen, als wenn dieser demnächst für sich errichtet werden müßte. Daß dann ein jedenfalls erheblich kostspieligerer Bau ohne finanzielle Hülfe des Staates ins Werk geseßt werden würde, erscheint bei dem damit ver- bundenen Risiko als ausgeschlossen. Mag aber solche pessimistische Auffassung an fich geltend gemacht [dez so darf dieselbe doch nicht dazu führen, em Antrage des Senats insoweit beizupflichten, als f den Bau des Theaters auf den schenkweise zur erfügung gestellten Grundstücken zum Gegenstande hat, .? Bau von Konzert- und Gesellschaftsräumen aber abzulehnen. Noblesse oblige. Wer der Meinung ist daß der Schenker seiner Vaterstadt nicht einen großen Dienst erwiesen, sondern eine lästige Ver- pflichtung auferlegt hat, der möge konsequenterweise le ganze Schenkung ablehnen. Sie aber annehmen und zugleich dem Wunsch des Gebers entgegen- handeln, worauf im Bürgerausschuß ein Antrag in der Tat gestellt ist, heißt obigen Grundsat, schlecht verstehen. Vir halten es für völlig ausgeschlossen, faß sich die Bürgerschaft auf diesen Standpunkt [! könnte, sind vielmehr überzeugt, daß ihre qlehrheit wie diejenige des Bürgerausschusses in s§zlbqret Würdigung des von Herrn Senator Possehl V seine vornehme Schenkung geknüpften, allen in Buß auf den Neubau des Theaters bestehenden u hürfuissen in praktischer Weise Rechnung tragenden d unsches dem Antrage des Senates zustimmen und uit das schwierige Werk der in dieser Frage führten Verhandlungen vor Abschluß des alten ahres zum Segen unserer Stadt krönen wird. _.8. leine cacht iters he- t in Ins- & so- heim jerer zach- W () () () allen fiehlt igen, hrtet stens j des ' 000 ) da- sucht auf der aus: .rar der it get etet t Zw gtel geil uf del aich il g 11) ll Der Verein der Musiksreunde in Gefahr? Stärker als sonst war in diesem Jahre die regel- mäßige Beratungsversammlung der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütiger Tätigkeit besucht, offen- bar ein Anzeichen dafür, daß Gegenstände von besonderem Interesse auf der Tagesordnung standen und daß über einzelne Punkte Meinungsverschieden- heiten zu erwarten seien. In der Tat verhielt sich die Sache so. Der Verein der Musikfreunde, dem die Gesellschaft seit nunmehr zehn Jahren einen jährlichen Beitrag von A 2000, der jedesmal auf die Dauer von fünf Jahren bewilligt war, zahlt, hatte auch diesmal wiederum gebeten, den bisherigen Beitrag auf weitere fünf Jahre zu bewilligen. Die Vorsteherschaft hatte diesen Antrag aber insofern modifiziert, als sie nur die Bewilligung auf ein Jahr ihrerjeits befürwortete. Der Direktor legte gleich- zeitig dar, daß die Vorssteherschaft wohl unter den gegenwärtigen Verhältnissen es für eine Ehrenpflicht ansehe, dem Verein der Musikfreunde seine bisherige Unterstützung auch fernerhin zukommenzulassen, daß sie es jedoch nicht für angezeigt erachte, durch eine fünfjährige Bewilligung der Möglichkeit, daß veränderte Verhältnisse den Zuschuß entbehrlich machten, vorzugreifen. Insbesondere könne und müsse erwartet werden, daß die Neuregelung der Theaterverhältnisse auch den Verein der Musikfreunde in die Lage versezt, für die dem Theater zu ge- währende Musik eine derartige Vergütung zu erlangen. daß er auf eine Unterstützung durch die Gefellschaft verzichten kann. Die Versammlung der Gesellschaft hat sich in ihrer Mehrheit für den Standpunkt der Vorsteherschaft entschieden und sich trop warmer Befürwortung der Bitte des Vereins nur zu einer einmaligen Bewilligung bereit finden lassen. Von Vorstandsmitgliedern des Vereins war für die HSjährige Bewilligung geltend gemacht, daß der Verein in seiner Existenz ernstlich gefährdet werde, wenn er nicht schon jeßt auf 5 Jahre die von der Gesellschaft zu erwartenden M 2000 zugesagt er- halte. Nur die H jährige Bewilligung durch die Gesellschaft werde auch in Privatkreisen Zusagen von Beiträgen auf die gleiche Dauer erlangen lassen; übrigens seien diese privaten Beiträge in letzter Zeit so stark zurückgegangen, daß auch bei veränderten Verhältnissen der Verein der Musikfreunde die Unter- stützung der Gesellschaft mit mindestens A 2000 nie würde entbehren können. So dankenswert diese offene Erklärung des Vereinsvorstandes ist, wird man sich mit ihr jedoch sachlich kaum einverstanden erklären können. Es ist keine Frage, daß der Verein der Musik- freunde für das ganze künsstlerische Leben ungerer Stadt heute eine Bedeutung erlangt hat, die weit
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