Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

7T 58 Museum mehrere wissenschaftliche Berufsbeamte nötig aben wird, es kann sich nur um die Frage haudeln, wie die neue Organisation am praktischsten und billigsten zugleich einzuleiten sei, ob sie für die Gemeinnützige Gesellschaft allein zu teuer, vorläufig noch von ihr in Gemeinschaft mit dem Staate oder ob sie von diesem allein getragen werden soll. Man begegnet nun vielfach der Auffassung, unsere Zustände wären bessser, wenn die gesamte Leitung des Museums in einer Hand läge. Wenn es wahr ist, was oben in Ubereinstimmung mit anderen gesagt wurde, daß nämlich die Mängel unseres Museums mit den Worten mehr Raum, mehr Geld, mehr Arbeitskräfte richtig beschrieben sind, so kann ich nicht einsehen, was in unserer Sammlung — ich rf" cirtuzuer wor sie drs n OU hien rte aturhistorischen Direktor unterstellt gewesen wäre. Der Bestand dieser Sammlung hat sich in den letzten siebe Jahren verdoppelt, gegen zwei Dutzend wissenschaft-| [liche Arbeiten sind in derselben Zeit aus ihr publiziert worden. Meint man, daß die Anregung durch eine nichtsachverständigen Direktor einen über unsere Samm- ung gestellten Assistenten zu größerer Tätigkeit hätte anspornen können? Oder glaubt man, daß derselbe Direktor eine Vergrößerung des Museums oder Er- höhung des Budgets erreicht haben würde? JIch kann es mir nicht denken, ich halte es vielmehr mit dem Artikel 831 wie immer so heute noch für einen Rückschritt, für ein Hemmnis der Entwicklung, den Gedanken einer Vereinigung der Sammlungen unter einer Leitung zu pflegen. T Schon die allererste Frage, die sich aufdrängt, welcher der in den verschiedenen Museumsabteilungen vertretenen wisssenschaftlichen Disziplinen der Direktor angehören solle, muß zu berechtigten Meinungs- verschiedenheiten Anlaß geben. Ich will gar nicht einmal so weit spezialisieren, alle heute bestehenden Abteilungen einander in Gegensatz zu stellen, es genügt, etwa eine Gemäldegalerie, eine Sammlung prähistorischer Knochenreste und eine Kollektion in Spiritus gehängter Schlangen in einem Atem zu ennen. Alles dies soll unter einer führenden Oberleitung stehen, wer aber soll diese sein? Wird sie, sie mag einer Abteilung angehören, welcher sie wolle, objektiv genug sein, gleichzeitig die auseinander- gehenden Forderungen zu würdigen ? Imp..) Es wird allerdings anerkannt, daß ein Einzige ie heterogen Bestände des Museums nicht über- ehen und beherrschen kann; der zukünftige Direktor oll dafür Assistenten bekommen. Was aber wird amit gewonnen? Sind die Assistenten selbst keine eeigneten Kräfte, keine selbständig denkenden, rbeitenden, handelnden und treibenden Naturen, keine Organisatoren, so nützt der beste Direktor nichts, die Abteilungen, von denen er nichts versteht, stagnieren und verkümmern. Sind ssie aber die geeigneten Männer, so wird ihnen eine so große und so selbständige Arbeit zufallen, daß sie mit der Stellung als Assistent eines berufsfremden Direk. tors, mit dem Widerspruch zwischen äußerer Ab- hängigkeit und innerer Selbständigkeit dauernd nicht werden sich vertragen können. Schmerzliche Präzedenz- fälle liegen vor. Ich unterstreiche berufsfremd, da ein Assistentenverhältnis an sich solche Konflikte natürlich nicht notwendig bedingt, und ich unter streiche dauernd, weil sich gewiß junge Ajsistenten anderer Museen auf kurze Zeit finden und anstellen lassen, dauernd aber nur bleiben werden, wenn sie einmal Aussicht haben, selbständig zu werden. Zumal das kleinere Material, die schwerer zugängliche Literatur, die Abgelegenheit von den großen Mittel punkten der Wissenschaft Nachteile bringt, die sie als Assistent eines größeren Musenms nicht kennen. Ganz junge Assistenten kann man außerdem nicht gebrauchen, da ihre Tätigkeit, ihre Verantwortlichkeit völlig die einer leitenden Stelle, also Museums- erfahrung voraussezt. Gerade älteren aber würde Selbständigkeit ein ausreichendes Äquivalent für das niedrigere Gehalt sein, mit dem wir voraussichtlich zu rechnen haben werden, und man würde, wenigstens soweit ich die Ethnographie übersehen kann, nicht allzu große Schwierigkeiten haben, eine geeignete Per sönlichkeit zu finden. Ä. Ist es demnach auf der einen Seite unbillig, einen Mann mit den Aufgaben leitender Stellung in ein Assistentenverhältnis herunterzudrücken, so ist es andererseits auch unökonomisch, da man sich des [Wertfaktors der Selbständigkeit entäußert, die eivzilt Lockspeise, die man bieten kann, wo keine Orden und Titel zu vergeben sind; es ist endlich unpraktisch da wieder nur ein Provisorium geschaffen, nichts Endgültiges, wieder nur für einige Jahre ein sh gestopft wird, keine neue Grundmauer aufgefü wird, die für die Dauer hält. >45 tur Ich wiederhole ferner für diesen Punkt u . was ich vorhin für die Raumfrage ausgeführt hot das ist die Schwierigkeit, das Museum für Völkerkut. hz: Ä U;: mer pur von dir ebensantti] zu seinem Rechte kommen, wenn sein Leiter sen. eines kulturhistorischen Direktors ist, wie we einem naturhistorischen unterstellt ist. Nicht ven natürlich würden die übrigen Sammlungen chen wenn der allgemeine Direktor aus dem ethnologi\"[ Fach gewählt wird. Die Dinge liegen eben auch so einfach, wie man meint. Man lasse fh, mit nicht durch die scheinbare Leichtigkeit verführen
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