Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

702 sind lebendig und warm, sein Märchen „Wenn wir Kinder hätten“ ist aus freiem Geiste und aus poesie- durchklungener Gefühlsinnigkeit geschrieben. Die Darbietungen des Vortragenden wurden mit dem lebhaftesten Beifall aufgenommen. .A. Jorns. Geistliches Konzert in St. Marien. (Bach-Konzert.) Das am Sonntag den 10. Dezember in der St. Marienkirche stattfindende geistliche Konzert der Ver- einigung für kirchl. Chorgesang wird in einer einheit- lichen Vorführung von Werken Joh. Seb. Bachs be- stehen und damit der erfreulicherweise in unsern Tagen beständig wachsenden Wertschätzung der Kunst des großen Leipziger Thomaskantors Rechnung tragen. Bei dem Studium des an die Spitze des Pro- grammes zu stellenden a-moll-Orgelkonzertes nun, das Bach nach einem Violinkonzert von Antonio Vivaldi für Orgel bearbeitet hat und das ohne große kontra- punktische Künste ganz auf orgelmäßige Klangwirkungen berechnet ist, drängte sich dem Unterzeichneten die Über- zeugung auf, daß ein Vortrag desselben auf der noch so gut erhaltenen Orgel in der Totentanz kapelle des Versuches wert sei. Dem von Bach so häufig vor- geschriebenen Wechsel von „Hauptwerk“ und „Rück- positiv“ gegenüber befindet sich der Spieler an der modernen Orgel oft in Schwierigkeit hinsichtlich der Regisstrieruug, denn die charakteristische Klangwirkung des früheren „Rückpositivs“ ist auf neueren Werken nur unvollkommen zu erreichen, bei der Totentanz- orgel aber, die überhaupt noch recht genau den Zu- siand der Orgelbaukunst zu Bachs Zeiten repräsentiert, gerade von bester Wirkung. Außer dem a-moll-Konzert hat der Unterzeichnete auch geglaubt, zwei Bachsche Choralvorspiele: „O Mensch, bewein dein’ Sünden groß“ und „Gelobet seist du, Jesu Christ“ auf derselben Orgel vortragen zu sollen. Wenn hierbei hin und wieder einmal der Gedanke an den größeren Schmelz moderner Charakterstimmen auftauchen sollte, so möge die Erwägung darüber hin- weghelfen, daß man die Kompositionen auf einem Instrument gespielt hört, welches noch Bach selbst während seines hiesigen Studienaufenthaltes bei Dietrich Buxtehude im Jahre 1705 häufig genug gespielt haben mag. Im übrigen setzt sich das Konzertprogramm aus Chorgesängen – s8stimmige Motette „Komm, Jesu, komm“ und drei 4stimmige Choräle + sowie Solo- gesängen für Altstimme (Frl. A. Hardt, Hamburg) — Arie aus der h-moll-Messe „Qui sedes“ u. a. zusammen. K. Lichtwark. r > Theater nnd Musik. Drittes Sinfoniekonzert. (18. November.) Die zum Schluß des genußreichen Konzertes ge- spielte D-dur-Sinfonie von Joseph Haydn gehört zu den Werken, in denen sich der Einfluß der kroatischen Volksmusik auf den Komponisten mit absoluter Sicher- heit nachweisen läßt. Es ist das Verdienst von Dr. Kuhac, durch seine fleißige Sammlung süd-slavischer Volkslieder das Material an die Hand gegeben zu haben, das aus Haydns Schöpfungen herausschälen zu können, was auf Laute einer mussikalisch nicht deutschen Sprache hinweist. Für die Beurteilung dieser Frage ist es nicht unwichtig darauf hinzuweisen, daß Haydn dreißig Jahre lang Kapellmeister des Fürsten Esterhazy war, dessen Güter inmitten der kroatischen Kolonie lagen. Dort mußten dem Meister sich Volks. weisen aufdrängen, die in seinen Werken zu benuyet für ihn nahe lag. Für die D-dur-Sinfonie hal Haydn das Motiv des Finales mit geringen rhyth mischen Abweichungen notengetreu der noch heute in Kroatien gesungenen Ballade „Oj Jelena“ entnommen. Das Allegro spiritoso gehört zu den genialsten Sätzen in seinen Sinfonien, gleich groß in seinen geistigen Inhalt wie in der thematischen Durchführung Nach unserem Empfinden nahm Herr Abendroth das Finale in einem etwas zu raschen Thema, so daß manche Einzelheiten verwischt werden mußten. Ganz prächtig spielte das Orchester die ersten drei Säht, namentlich das Menuett haben wir selten so fein ab getönt gehört. Eine wichtige und nachahmenswertt Neuerung war die Beschränkung des Orchesters auf die Beseßzung, wie sie zu Haydns Zeit üblich wart. Die Durchsichtigkeit des thematischen Aufbaues kann durch nichts mehr erzielt werden, als durch die Innt haltung des richtigen Verhältnisses zwischen dent Streichkörper und den Blech- und Holzbläsern. Richard Strauß’.Sinkonia domestica mit der mageren Besetutg von 50 Musikern zu spielen, würde jeder für eit Unding halten, für Haydns und Mozarts Verte glaubt man den vollgesättigten Klang des modern. Orchesters nicht entbehren zu können, trozdem itt sinnloser ist, als wenn ein riesiger Streichkörper " wenigen Blasinstrumente erdrückt. Freilich gehört ! künslerischer Mut dazu, das Orchester für Werke dits. Art zu reduzieren. Selbst ein Mann wie Kitit besaß ihn nicht, als er vor kurzem Hugo Wolfs t kleines Orchester geschriebene Italienische Serenzs mit ihrer entzückenden Filigranarbeit in einer .u seßung von 20 ersten, 16 zweiten Geigen, je 12 vie und Celli und 10 Kontrabässen bot. Möge fi Abendroth auch weiter für ältere Werke seiner lerischen Überzeugung folgen. für Die interessanteste Gabe des Programms war t uns Händels Konzert in D-dur für Streichinstrumet zw dai gel un jet De mi bei Al mi da in m w: H de m al i w Ö u § fi b [ 1 U
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.