Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

606 Der Vortragende gab zuerst in kurzen, klaren Worten einen Lebensabriß des verewigten Afrikaners, als dessen Hauptverdienst die Niederwerfung des ge- fährlichen Araberaufstandes und seine für uns vor- bildliche Behandlung der Neger hingestellt wurden, und schilderte dann genau und ungemein anschaulich Land und Leute unserer ostafrikanischen Kolonie. Nach seinen Darlegungen hat das Land in physikalischer Beziehung manche Vorzüge, doch ist es in hohem Grade bedauerlich, daß die vorhandenen Flüsse nicht schiffbar sind und auch kaum jemals schiffbar gemacht werden können. Die Bevölkerung des Landes weist an Fremden außer den Europäern, die unter dem Einflusse der Tropensonne immer bleicher und häß- licher werden, noch die Araber und Inder auf, die meist Großkaufleute oder Zwischenhändler sind. Die Masse der Bevölkerung bilden die etwa sieben Millionen zählenden Bantuneger. Ihre Charaktere, ihre Sprache, ihre Sitten und Gebräuche wurden von dem Vor- tragenden ausführlich behandelt, wobei er sehr häufig zur Erläuterung des Gesagten auf seine eigenen Er- lebnisse und Erfahrungen zurückgriff. Über den wirt- schaftlichen Wert unserer Kolonie äußerte sich Herr von Liebert sehr günstig. Er ist der Ansicht, daß sich das Land für den Anbau von Baumwolle und Gummibäumen zur Gewinnung von Kautschuk ganz besonders eignet, und verspricht sich aus diesen Boden- erzeugnissen für die Zukunft sich immer mehr steigernde Erträge. Nachdrücklichst aber betonte er, daß die wirtschaftliche Erschließung des Landes von dem Bau von Eisenbahnen abhängig sei. Eine nördliche, 150 km lange Bahn sei ja glücklich im Laufe von zwölf Jahren fertiggesteltt und auch eine mittlere Linie von Bagamoya aus in Angriff genommen, durchaus er- forderlich sei aber noch eine dritte, südliche, die die Küste mit dem Nyassasee verbinde. Zum Schluß kam der Redner auf den jetzigen Aufstand in Ostafrika zu sprechen, der nach seiner Meinung bald niederge- schlagen sein wird, da es den Eingeborenen an guten Waffen fehlt. Nach dem Vortrage fand zu Ehren des Herrn von Liebert im Bildersaale der Gesellschaft zur Be- förderung gemeinnütziger Tätigkeit ein einfaches Abend- essen statt, in dessen Verlaufe noch manches kernige deutsche Wort gesprochen wurde. Groß war der Ein- druck, den der Gast durch den Vortrag Dahnscher Balladen erzielte. Als Mitternacht vorüber war, gedachte man auch in Rede und Deklamation des be- ginnenden 90. Geburtstages unseres heimischen Dichters Emanuel Geibel. – Bemerkt sei noch, daß die Samm- lung für das Wißmann-Denkmal die stattliche Summe von M 300 ergeben hat. [. Abend der Literarischen Gesellschaft zu Lübet am Freitag den 20. Oktober. Maria Pospischil vom Stadttheater in Hamburg las Maeterlinc „Der Tod des Tintagiles“ und den vierten Akt aus ,Alladine und Palomidas.“ Die Wirkung war eine ersschütternde und tiefgehende. Be- sonders, als die Künstlerin den „Tod des Tintagiles" las. In eindrucksvoller Lebendigkeit ließ sie das Drama ersstehen, diesen furchtbaren, hoffnungslosen Kampf gegen die unerbittliche grauenvolle Macht, die erbarmungslos ihr Opfer hinunterschlingt. Die Macht des Unsichtbaren, des Unergründlichen, des absolut Kalten und Dunklen, des Unabwendbaren ist es, die Maeterlinck im „Tod des Tintagiles“ zum Ausdrut bringen will. Er schildert sie in der beklemmenden Angst des Tintagiles und seiner Schwestern, in den verzweifelten Kampfe, den die Schwestern um ihren geliebten Bruder führen, und in dem geheimnisvoll furchtbaren Dunkel, das zuletzt Tintagiles verschlingt und erwürgt. Der Tod, der Unentrinnbare in der Gestalt des Grausens. Frau Pospischil brachte das alles zum ent sprechendsten Ausdruck. Ihr schön klingendes Organ verdeutlichte alles, die immer wachsende Angst, den grauenvollen Aufschrei des Entsezens, das verzweifelt Weinen und Bitten, rasend wütenden Troß und müde Resignation. Der Akt aus „Alladine und Palomidas“ wurde von ihr gleichfalls vortrefflich z! Gehör gebracht. Er gibt uns eine Liebesszene von traumhafter Zartheit. Die Worte klingen aus der Chaos zweier Seelen heraus, die der Überschwang ursprünglichsten Gefühles einander suchen und finden läßt und die sich aus dem Dunkel ein ureigenté, leuchtendes Paradies erstehen . .lassen. Sie scheuen zurück vor der gemeinen Deutlichkeit der Dinge und flüchten vor ihr, als ihrem verhaßten Feinde, |" den Tod. Zum Schlusse trug die Künstlerin mit meiste hafter Nuancierung verschiedene „Gedichte in Prosa von Turgenjeff vor. Dem Vorstande der Literarischen Gesellschaft 9° bührt für diesen Abend der wärmste, innigste Int A. Jorns. [..; Theater und Musik. Stadthallentheater. Der Troubadour. Oper vol Verdi. (17. Oktober.) t Uns über die leider recht mangelhaft verb!!! j. Erstaufführung von Verdis „Troubadour“ vj! in bührender Deutlichkeit auszusprechen, scheint n gleichzeitigem Interesse von Publikum und Ir! zu liegen. Als Ganzes mußten wir die Vorst paß ablehnen, so sehr wir auch anerkennen wollen, . 17; w hi w n J q
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