Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

2I86 Von des Lebens Gütern allen Ist der Ruhm das höchste doch; Wenn der Leib in Staub zerfallen, Lebt der große Name noh! Auch seines Ruhmes Schimmer wird unsterb. lich weiter glänzen von Geschlecht zu Geschlecht. Denn das ird'sche Leben flieht, Und die Toten dauern immer. Ja, sie dauern immer, die Toten, die durch den Tod nur aufhörten sterblich zu sein, deren Lebens. werk in den Aufgaben der Alltäglichkeit sich. nicht erschöpfte, sondern fortwirkt in den kommenden Gene- rationen, die Bahnbrecher großer Gedanken, die Bildner und Erzieher der Menschheit zur ethischen und ästhetischen Kultur. Ein neues gesteigertes Leben leben diese Großen in den Seelen der nach- geborenen Geschlechter; neue Gedanken erweckend, zu neuen Taten anregend, Stärkung, Erquickung, Er: hebung bietend dem späten Enkel in den Kämpfen seiner Tage, in ihm die Ideen zum Siege führend, für die sie selbst vielleicht in den Grenzen ihrer Zeitlichkeit gegen widerstrebende Mächte ohne Erfolg gerungen hatten. Und wenn es auch selbsstverständ. lich ist, daß nur in dem Gedächtnis ihrer Taten oder in den Werken, die sie hinterließen, diese irdische Unsterblichkeit jener Großen besteht, so läßt doch die rege gestaltende Phantasie derer, in deren Seelen sie dauernd fortleben, fast unbewußt bei manchen von ihnen, besonders bei solchen, die als Künstler schufen, eine wundersame Trennung des Schöpfers von seinem Werke geschehen. Die Gestalten, die der Dichter formte, stehen vor uns als selbständige Einzelwesen, ein eigenes Leben führend, unabhängig von der Persönlichkeit ihres Schöpfers. Das einzelne Kunstwerk übt für sich die ihm eigene Wirkung aus. Keineswegs ist es notwendig, daß bei seiner Be- trachtung unsere Gedanken auch bei seinem Urheber verweilen oder bei den anderen Gebilden, die wir demselben Meister verdanken. Der Künstler und seine Werke haben im Ge- dächtnis der Nachwelt ein sehr verschiedenes Schick. sal. Sie trennen sich oft völlig von einander. Mancher Künstlername wird mit Ehrfurcht genannt von Geschlecht zu Geschlecht, aber dunkle Vergessen- heit verschlang schon längst seine Werke, selbst dann, wenn sie nicht etwa körperlich untergingen im Strome der Zeiten, sondern erhalten blieben, verstaubt in Bibliotheken oder Museen. Sie sind eben tot. Dem jet lebenden Geschlechte haben sie nichts mehr zu bieten an geistiger Anregung oder Belehrung, während ihrem Urheber das dankbare Gedächtnis der Nach. welt Unsterblichkeit sichert für die Verdienste, die er sich zu den Zeiten der Väter erwarb. Und anderseits lebt manches Kunstwerk ein unvegiutis blühendes Leben, während sein Autor, auch wen wir seinen Namen noch nennen, längst für uns y storben ist. Die Homerischen Heldengesänge raisi Begeisterung weckend durch die Jahrtausende, ul wir sehen gelassen zu, wie die Gelehrten darüb streiten, ob Homer je gelebt habe. Die altindish Sakuntala entzückt uns noch heute, aber was wis zi: weiter von ihrem Dichter Kalidasa als seina amen ? So stehen auch neben dem Genius Schiller in eigener Glorie strahlend die Werke, die er scuj Geschwister sie alle, und jedes die ihnen allen ge meinsamen Züge des Erzeugers dem kundigen Blidt erkennbar tragend, aber verschieden von einander und wirkend jedes für sich; wie leibliche Geschwister nebe: einander stehen und neben ihrem Vater. Andeti sprechen die „Räuber“ zu uns, anders ,Wallenstein. Welch ein Unterschied zwischen „Don Karlos" un der „Braut von Messina," zwischen der ,„Jungftai von Orleans“ und dem ,, Telll“ Aber gemeinsan ist ihnen allen und ihren Geschwistern der ett dramatische Geist, der sie durchweht, die anhaltend drastische Spannung, die die Seele des Lesers ode Zuschauers packt und fesselt von der ersten Szert bis zur letzten. Jedes Schillersche Drama wett immer neue Bewunderung für den gewaltigen Urr stand, der seinen Bau scharfsinnig ersonnen und til dem genauesten Gefühl für das theatralisch Wit same bis in alle Einzelheiten gefügt hat, der groß zügig vorschreitet zu dem gewollten Ziel, nie ab irrend in Kleinliches und RNebensächliches, und dr! selbst Schwächen so zu behandeln wußte, daß sie z! Vorzügen wurden. Und neben diesem Verstatdt EE gerüst der Handlung erst zu einer in Schönhel strahlenden Gestalt bildete, indem er es umkleidet! mit dem blühenden Fleische einer von ihm geschafftt! plastischen Sprache, die bald fortstürmt im mächtig! Schwunge der Leidenschast, bald eine Fülle prächtig Bilder vor uns ausbreitet und durch den Reichtun großer Gedanken uns entzückt. Nicht aber den einzelnen Werken des große! Dichters gilt unsere heutige Feier, sondern der Persot ihres Schöpfers. Nicht seine einzelnen Dichtung, Ic: sondern die Frage legt er uns auf die Lipte Lebt Schillers Persönlichkeit noch fortzeugend !!, im deutschen Volke, hat sein Genius noch at t Nachgeborenen eine Mission zu erfüllen ? Bewahtt: wir ihm nur ein ehrendes Gedächtnis für das, y die Väter ihm dankten, und für den Genuß, ] aud lebe Sh er ) ist . geis hun lebe war Vat eint tra den Sä den Gri zu Züt geti Abi Die und uni uni so phe Jo sch! eil ge wt wit feu Al 18 lar zei z
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