Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

170 Wetterübersicht für 1904. Auch im verflossenen Jahre 1904 sind in gewohnter Weise die meteorologischen Beobachtungen in Lübeck nach Anordnung des königl. preußischen meteorolo- gischen Institutes zu Berlin angestellt worden. Die dieser Nummer beigegebene tabellarische Übersicht stellt die gewonnenen Werte anschaulich zusammen. Wir erfahren aus dieser Tafel, daß der mittlere Barometersstand des Berichtsjahres 759,6 mm gewesen, die Quecksilbersäule am 14. November bei 758,5 den höchsten, bei 730,5 am 10. Februar den tiefsten Stand erreicht hat. Das Mittel der Luftwärme betrug fürs ganze Jahr 8,1 HZentigrade; während das Thermometer am 16. Juli bis zu 32,0 ° stieg, sank es am 29. Februar auf 7,4 d als Minimum des ganzen Jahres. Vergleicht man die Nieder- schlagsverhältnisse mit denen der Vorjahre, so fallen hier sofort die noch allen Wetterkundigen lebhaft in der Erinnerung gebliebenen Tage der Dürre und Wassserarmut unserer Flüsse während des verflossenen Sommers wieder ein. Im Vorjahre 1903 sind 198 Tage mit Niederschlägen, also Regen, Schnee oder Hagel, verzeichnet, 1904 aber brachte uns deren nur [74 mit einer Gesamthöhe von 521,7 mm, 1903 dagegen 720,91 Während in der Zeit von 1900 bis 1903 an Gewittern notiert sind: 16, 8, 14, 15, brachte uns das Berichtsjahr 18 solcher Tage, wiederum eine Zunahme der seit 1896 merklich seltener gewordenen Erscheinung. Von 1888 bis 1891 haben wir jährlich 24, 25, 22 und 22 Tage mit Gewittern verzeichnet; diese Zahl fällt dann in den beiden folgenden Jahren 1892 und 1893 auf 15 bezw. 13, um für 1894 und 1895 wieder auf 25 anzusteigen. + Nebel haben uns 39 Tage ge- bracht. Bei dieser Angabe werden aber nur Tage mit mittlerem und dichten Nebel gezählt, ganz leichte Trübung der Sichtweite ist in dieser Zusammen- stellung nicht mit aufgenommen. 12 Tage brachten Sturm, an 153 war die mittlere Bewölkung größer als 8 (= trübe), an 36 aber unter 2 (= heiter). In etwas gegen früher abweichender Weise sind die Windbeobachtungen gezählt worden. Vordem wurden hier nur ganze Zahlen angegeben. Seit der Auf- stellung des selbstregistrierenden Windmesssers aber ist es möglich, außer den früher notierten Haupt- und Hauptzwischenstrichen noch die Richtungen wie NNO, ONO, OSO usw. mitzuzählen. Da aber in allen meteorologischen Zusammenstellungen als End-. resultate nur die hier gebrachten acht Richtungen angegeben sind, mußten die fortzulassenden Winde auf die Nebenstriche verteilt werden, wodurch die „halben“ Beobachtungen zu erklären sind. Nach Anordnung des meteorologischen Zentralbureaus in Berlin sind schon im Sommer vergleichende Beob- achtungen angestellt zwischen den Thermometern in der bisherigen Anordnung am Turme des Observa- toriums und denen in der sogenannten englischen Hütte, westlich vom Gebäude der Navigationsschule. Diese Vergleichungen sollen im kommenden Jahre noch fortgeseßt werden, um einen genügend sicheren Vergleichsfaktor zum Anschließen der früher gewonnenen Werte an die neuen Ermittelungen zu gewinnen. Allerdings hat sich dabei eine große Unbequemlichkeit für den Beobachter herausgestellt, da es im Winter abends bei Schnee; und Sturmwetter nicht gerade zu den Annehmlichkeiten gehört, eine glattgefrorene Treppe zu erklimmen und sich die Laterne immer wieder auswehen zu lassen. Außerdem haben sich manche freiwillige, jedoch sehr unerwünschte Beob- achter eingestellt, die die Thermometer zur Unzeit kontrollieren und unliebsame Störungen trotz der an der Hütte angebrachten Strafandrohung ver- ursachen. Aus diesem Grunde sind auch, entgegen der von Berlin getroffenen Anordnung, die Registrier instrumente noch immer nicht dort in der Hütte aufgestellt, sondern haben ihren alten Platz am Turme behalten, wo sie zwar auch mutwilligen Be- schädigungen ausgesetzt sind, aber doch wohl noch für sicherer angesehen werden können, als jenseit der Brücke auf nichtumfriedigtem Plate. Auf Wunsch der Deutschen Seewarte ist in Aus- sicht genommen, künftig auch vom Maste der Schule die auf dem Hafengebäude gezeigten Sturmwarnung signale auszuhängen. Jedoch haben sich die Mittel für die Beschaffung der Signalkörper noch nicht berritstelen lassen. Nach Anweisung derselben dürfte es sich ohne Unkosten bewerkstelligen lassen, die jezt viel beachteten Signale auch an der genannten Stelle zu zeigen. Denn eine telepho nische Übermittelung des Hamburger Telegramms vom Hafengebäude an die Schule wird nur geringe Unbequemlichkeiten verursachen. ~ Die Seewartt überzeugte sich allerdings, daß die beabsichtigten Signale nicht vom Hafen aus erblickt werden können, ist aber doch der Ansicht, daß ein Bekanntgebet derselben am genannten Orte für die Förderung der Wetterkunde nur von Vorteil sein wird. Da dieses Heißen der Sturmwarnungen ferner die Aufmertsant keit der Navigationsschüler immer von neuem auf meteorologische Vorgänge hinlenken wird, hat die Behörde für die Navigationsschüler die Absicht de! Seewarte gerne unterstütz. p ( 3 Z , Z t
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