Full text: Lübeckische Blätter. 1905 ; Verhandlungen der Bürgerschaft. 1905 (47)

132 Den 22. Juny wurde von Muck in meinem Contoir arretiert und gleich darauf mein Cont. ver- siegel. Ich hatte gerade den letzten Brief in der Hand den du mir geschrieben. Am 24. wurde mein Contoir geöfnet durch 2 Gend’'armes und von Policey Comm. sorgfältig untersucht, und da ich mich nie verbotener Correspondence schuldig gemacht auch nichts gefunden, was mich sirasbar machen konnte. Denselben Tag wurde von Muck freygegeben und hat alle mögliche Satisfaction erhalten. Am 2B2sßten morgens 5 Uhr wurde ich von einem Policey Com- missair aus'n Bette geholt, mußte mich gleich nach dem Domstirchhof begeben, wo ich um 2 Uhr Mittags mit 32 meiner Mitbürger nach Hamburg in Begleytung von circa 300 Mann Soldat abgeführt wurde, ohne Heit genug zu haben, von der Familie Abschied zu nehmen, der' es abgeschlagen wurde, mich noch in der Capitelstube zu sehn. Die Mrtter sah ich ehe ich das Haus verließ, sie war untröstlich. Die Kinder haben unaufhörlich geweint, als man ihnen sagte, daß der Vater abgeführt sey. Wir sind unterwegs sehr schlecht behandelt und kamen erst am andern Mittag 2 Uhr in Hamburg an ohne zu wissen an welchen Ort man uns bringen würde. Der Zug mit 7 Wagen ging langsam durch die Stadt, hielt zuerst bey der Policey an und von da wurden wir nach dem Baumhause geschafft, in ein Schiff gesetzt, welches uns an Bord der Ceres bringen sollte, eines neues halbfertigen Schiffes, welches dem Vorsatz des Baumhauses gegenüber lag. Die Bekannten in dieser Begleitung waren Doct. Buchholz, Doct. Lembke, M. A. Souchay, Doct. Trendelburg, Gansland, W. Behntke, Horstmann, Marty, Petersen und Wendt und mehrere andere. . . . Durch eine glückliche Wendung brachte ich es soweit, daß Dr. Trendelburg, und ein 83jähriger Bürger und ich nicht an Bord kamen, sondern die Erlaubniß erhielten, zurückzukehren um im neuen Baumhause bey Uhlenhorst unter Wache zu bleiben. Ich kann die gute Aufnahme dieses menschen- freundlichen Mannes nicht genug rühmen und brachte 14 Tage sehr erträglich dort zu, jeden Tag erwartend, daß ich zum Verhör kam, den 15ten Tag erhielt ich die Erlaubniß nach Lübeck zurückzukehren, ohne zu wissen, warum ich dort gewesen sey. Bald darauf kriegte ich ein böses Fieber und wurde während dieser Krankheit wieder arrettiert, da man aber meine Unmöglichkeit sah zu entkommen so hob sich der Arrejt von selbst auf. Ich bin unter- dessen in eine Strafcontribution von 83 000 fr. ge- setzt, die ich für den Augenblick nicht aufzubringen im Stande war. Im August konnte ich wieder im Hause herumgehen und ans Contoir, erhielt aber Nachricht, daß man wieder verschiedene Bürger aus- heben würde, die ihre Contribution noch nicht bezahlt hätten. Ich war hier wieder aufgezeichnet so ließ ich mein Pferd ans Thor bringen und ging zu Fuß nach. Seitdem befinde ich mich Holsteinischen besuche hier alle Geschäftsfreunde und suche den Tag so oconomisch und so leidlich zuzubringen als möglich. . . . Einmal war ich in der Stadt, kam aber nur mit Gefahr wieder in Sicherheit, einmal kam die gute Mutter mir auf einen Theil des Weges entgegen. . . Ich bin meistens, so auch jetzt hier in Eutin (es ist dies Wort im Original in Geheimschrift geschrieben) . .. Hier ist auch die ganze Familie Nölting & Müllers im ganzen 70-80. Ich ziehe da sehr oft auf be nachbarte Güter und in benachbarte Städte habe alle Woche 4 >< Bericht vom Hause und disponire so viel ich kann und was zu disporieren ist. Ein Unglück folgt indessen dem Anderen. Der Talg in Hamburg ist auch verlohren. Es kam eine Requisition von 5000 Oxhoft Wein die in 14 Tagen nach Hamburg mußten geliefert werden. Ich habe Grube sein Lager in Hamburg eingelöst es lag leider in meinem Keller, der größte Teil isl genommen, ich kann meinen Vorschuß nicht decken. Die Gläubiger der Masse erhalten garnichts. Die Stolterfoht verliert 4500. Ich hatte überdies eine Parthie Wein auf Speculation gekauft mit den besten Aussichten vor der Welt in der Auction des R. K. Jch habe voriges Jahr für circa 60 000 frs. Holz von der Commum gekauft, was konnie sicherer seyn ? Es mußte Gewinn geben. Jeder beneidete „mich un dieß Geschäft, welches mit der größten Überlegung eingeleitet und nur dmch Sachkenner wie Christer betrieben war, der Theil daran hatte. Jetzt werden alle Tage 10 faden Holz requiriert die geliefert werden müssen, ohne auf Bezahlung Av spruch machen zu können. Wer wird noch Muth be halten in irgend ein Geschäft, es sey welcher Art ei wolle, einzugehen ? Balken, Bretter Eisen ist aufs Neue requiriert die Holzhändler werden Bettler. . 1143. Kunstsalon Möller. Die Ausstellung der Schwarz-Weiß.Kunst ist auge! blicklich mit einer kleinen Kollektiv.Ausstellung hiesiz! Kunsstgewerbler verbunden, dem Besten, was die il Dezember und Januar dieses Winters von dem Kielt! und dem hiesigen Kunstgewerbeverein gemeinsam il Kiel veranstaltete Ausstellung bot. Diejes Kind!! zimmer, an dessen Ausführung sich die hiesigen Firn! Sch.amm, Berkenthien sowie Frau Luise Mah yo wiegend beteiligten, rührt im Entwurf zur Hauptjat! von dem Zeichenlehrer Rudolf Curdt her und zeicht! sich k mäßic aus. eine ( und gestell lichen Weiß der $§ rundu der L ist hi der m arbeit entwi Natü: die i Absch durch, welch. möbel ungut bei i Gren; Wege von Ausfi gefüh mir i gewess entwc Leuch hier zu b weibl Else Bei Kunst Techr aber ausgt May weit und dener den ! zur ist, Frau Nade Kuns steht, die
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