Full text: Lübeckisches Adreß-Buch 1878 (1878)

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rote im Winter Vorstellungen stattfinden, und ausgedehnten Sälen und Wirthschaftt- 
lokalitäten zur Abhaltung von Bällen, Concerten u. dgl. m. 
Hosfmann's Victvria-Tlieater, eine dicht vor dem Mühlenthore belegen« i« 
Frühjahr 1867 eröffnete Sommerbühne mit einem geschniackvoll decorirten Saale, da 
als Zuschauerraum, rote auch zu! Concerten, Bällen und anderweitigen geselligen Zwecken 
dient. Das zu dem Etablissement gehörige Wirthschaftslokal, ivelches vordem der „Kien¬ 
räucherhof" hieß und jetzt den Namen Victoria-Garten führt, ist eine viel frequen- 
tirtc Gartenwirthschast. 
Der Club, ein Verein für Lectüre und gesellige Unterhaltung, benutzt die Parterre- 
Lokalitäten des neu erbauten Grundstückes Schüsselbuden 194. Unter deinselben befindet 
sich Fredcnhagen's Keller mit höchst sehensroerthen gothischen Gewölben. 
Für gesellige Unterhaltung und Lectüre bestehen außer der erwähnten Harmonie 
und dem Club noch der Bürgerverein, die Union, die Concordia, die Ressource 
u. a. m. In alle diese Gesellschaften können durch die Mitglieder auch Fremde eingeführt 
werden. 
Volksfeste. Das Vogelschießen der Waisenkinder, mit der Armbrust »ich 
einem hölzernen Vogel, findet am Mittwoch vor Johannis auf dem ehemaligen Bürger- 
Schützenhofe in der Vorstadt St. Lorenz statt. 
Das allgemeine Scheibenschreßen, aus dem Jahre 1848 stammend, ist das¬ 
jenige Volksfest, welchem sich die allgemeinste Theilnahme zuwendet. In neuerer Zeit 
hat man demselben zum Angedenken an den Ausbruch des Krieges gegen Frankreich 
voni Juli 1870 den Namen „Volks- und Erinnerungsfest" beigelegt. Die Feier findet 
gegen Ende des Monates Juli vor dem Burgthore statt und erstreckt sich auf zwei Tage 
«Sonntag und Montag). Die Betheiligung am Feste steht Jedermann frei und die 
Zahl der als Festtheilnehmer Unterschriebenen betrug in den letzten Jahren über 4M 
Ein feierlicher Auszug eröffnet das Fest; der Festplatz vor dem Burgthore iß mit Er¬ 
frischungszelten umgeben und wird an beiden Abenden brillant erleuchtet, für Volksbe¬ 
lustigungen der verschiedensten Art ist gesorgt; das Schießen geschieht nach Scheiben st«! 
Distanzen von 175 und 120 M. Die Leitung des Festes besorgt ein Comite, ivelches i“) 
nach Bedürfniß selbst ergänzt. 
XVI. Vermischte Notizen. 
Archiv, öffentliches. Es besteht aus zwei Abtheilungen. Die eine befindet sich 
in einem obern Gewölbe der Marienkirche, die Trese genannt, und enthält fast alle 
älteren Urkunden, auch neuere Staatsvertrnge und überhaupt ivichtige Docinne»^ 
Die andere Abtheilung befindet sich in der Registratur im sogenannten alten Kanzlei- 
gebäude," und dient vorzugsweise zur Aufnahme der erledigten Acten und Bücher, sowie 
der Privaturkunden. Archivar: C. F. Wehrmann. 
Begräbnißpläße: der allgemeine Gottesacker vor dem Burgthore; der Gertrudeii- 
Kirchhof ebendaselbst; der St. Jürgen-Kirchhof vor dem Mühlenthore; der St. Lorenz- 
Kirchbos vor dem Holstenthore. 
Freimaurerlogen: die Loge zum Füllhorn, constituirt 1772 von der großen 
Landesloge von Deutschland zu Berlin, und die Loge zur Weltkugel, constituirt 17'" 
von derselben,' letztere hat sich 1802 der großen Üoge von Hamburg angeschlossen. Sie 
versammeln sich nach vorangegangener Bekanntmachung durch die Lübeckischen Anzeigen 
in ihnen eigenthümlich gehörenden Versammlungshäusern, nämlich die Loge zur Weltkugel, 
Mengstraße 6, und die Loge zum Füllhorn, St. Aiinenstraße 703. 
Der Aathsweinkeller, ein hoch und schön gewölbter Keller, welcher unter der 
ganzen Ausdehnung des Rathhauses und der Börse sich erstreckt, ist unlängst mit einen 
ans öffentlichen Mitteln bewilligte» Kostenaufwand von mehr als 80,000 Ä durchgehe»» 
u»o stylgemäß möblirt worden. Die in diesen Räumen schwunghaft betriebene Restauration 
„nd Weinschänkwirthschaft ist Privatunternehmen der Pächter des Rathsweinkellers. 
Die Schiffcr-sffesellschaft, vormals eine mit besonderen Vorrechten ausgestattete 
Corporation, die seit dem Erlaß des Gewerbegesetzes vom 29. September 186b « 
freie Genossenschaft fortbesteht, besitzt ein Versammlungshaus in der Breitenstraße w 
et. Jacobi Nr. 797, dessen Diele, noch ganz in der alterthiimlichen Ausstattung ° 
siebenzehnten Jahrhunderts erhalte», sehenswürdig ist als das einzig übrig gebliebe>
	        
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