Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

31. 
i 966 
Ausgabe A. 
— — — 
Unwetter und Schneestürme. 
Lübeck, 30. Dez. 
Unwetter an der Unterelbe. 
DT. Hauihurg, 29. Dez. Der Sturm, der, vermischt mit 
Hagelböen und dichtem Schneetreiben, seit einigen Tagen an 
der Unterelhe wütet, hält mit unverminderter Kraft an. Das 
unsichtige Wetter erschwert, es den einlsommenden und aus⸗ 
sahrenden Schiffen ungemein, richtigen Kurs zu halten. In 
der Elbmündung ist, es zwischen dem Hamburger Dampfer 
Selene Blumenfeld“ und einem englischen Dampfer zu einem 
Zusammensioß gekommen. bei dem der Engländer schwere Ha— 
varien erlitten hat. 
Störungen im Telephon⸗ und Telegraphendiensi. 
DT. Berlin, 29. Dez. Durch die Scneestürme, die in 
der vergangenen Nacht und am gestrigen Sonntag, im ganzen 
Reiche gewütet haben, ist im telegraphischen und tselephonischen 
Verkehr eine empfindliche Störung verursacht worden. Tele— 
gramme von und nach dem Auslande erleiden fast ausnahmslo— 
erhebliche Verzögerungen. Die telephonische Verbindung milt 
Wien, Budapest, Prag und Paris und einem Teil Suũdwest ⸗ 
deutschlands ist, seit gestern abend vollkommen unterbrochen. 
Die Postverwaltung ist zwar eifrig bemüht, die Störungen 
o schnell als möglich zu beseitigen, doch ist an eine geregelte 
Wiederaufnahme des Fernsprechdienstes noch nicht zu denken. 
Auf den in Frage kommmenden Strecken sind die Telephon— 
drähte unter der Schneelast gerissen und müssen. nachdem die 
chadhaften Steslen, ausfindig gemacht worden find, was viel 
Zeit in Anspruch nimmt, erst wieder instand gesetzt werden. 
gKöln, 25. Dez. Die gestern und in der verflossenen Macht 
im gesamten westdeutschen Gebiet herniedergegangenen Sbane e⸗ 
Pgey haben große Verkehrsstörungenzim Fefolge. 
Der Teiebhonvoerkehr mit Süddeutschlandaist vollstaͤndig 
Anterbroschen. Die Züge treffen mit großen Vergpätun⸗— 
gein ein, Einzelne Duͤtrikte der, Eifel und des Oberrheins 
sind vollständig vom Verkehr abgeschnitten. 
Einstellung von 4000 Arbeitslosen. 
O7T. Berlin 29. Dea. Infolge des starken Schneefalls in 
der vergangenen Racht, haben der Berliner Magistrat sowie 
die Post⸗ und Eisenbahndehörde insgesamt 4000 Arbeitslose 
lageweise in Dienst gesteilt, um die Schneemalsen aus den 
Straßen zu entfernen. Es find nur arbeitslose Familienväter 
hierbei berũucksichtigt worden. 
Unwetter im Sauerlande. 
DIJI. Hagen, 28. Dez. Durch das, eintretende Tauwetter 
sind im Eauerlande grotze Wassermaffen frei geworden, so 
dg 8 vefürchtet wird Der Schnee⸗ und Regenfall 
auerf an. 
Kassel. 29. Dez. Die durch den Schneesturm ent⸗ 
tandenen Verkehrsstörungen hielten heute den ganzen 
Tag über an. Namentlich die nach Norddeutschland gehenden 
Schnesfizünge erliften arößere Verspätungen. so daß Vor⸗ 
üge abgeiafssen werden mußten. Der D-gug 78 erlitt eine 
Versptung von gnderthalb Stunden. Große Schneemassen sind 
namentlich im Sauerlande niedergegangen. Auch bei Kassel 
liegt der Schnee bereits einen halben Veter hoch. 
Die Mofel um 254 Meter gestiegen. 
PDPI. TIrjier, 29. Dez. Infolge des starlen Schneefalles 
ist die Mojel seit aß Stunden um 212 m gestiegen. 
WVh.“ Metg. 29. Dez. Die Mosel ist infolge des starken 
gestrigen Schneeftürms und des darauf folgenden Tauwetters 
Awa Uh m gestiegen. In Trier stieg die Mosel in den 
leßten 24 Stunden um mehr als 2 mz. Fie steigt noch an⸗ 
dauernd. Nuf denm Hochwald und der, Eifel liegt der Schnee 
einen halben Meter hoch. Der Verkehr ist unterbunden, die 
Zoge I ven Berfpälungen. Die Drahtleitungen sind viel⸗ 
ach ve 7 
Schneefturnt in Bahern. 
DT. München, 29. Dez. Seit Freitag herricht im 
Bayrischen Walde ein Schneesturm von ungewöhnlicher Stärke, 
der zahlreiche Verkehrsstörungen zur Folge gehabt hat. An 
anchhen Siellen liegt der Schnee mehrere Meter hoch. Falls 
Tauwettfer eintriti. werden Ueberschwemmungen befürchtet 
W. Stuttgart, 29. Dez. Der gestrige Orkan richtete in 
ver Umgebung der Freudenstadt besonders schweren Schaden 
an. In“ den Stadtwaldern sfind dreitausend Festmeter Tannen⸗ 
häume umgeworfen worden., Das, Dach der Klosterkirche des 
Klosters Reichenbach wurde stark heschädigt. In Rippoldsau 
varf der Sturm ein 17jähriges, Mädchen von einer Brücke 
7J den Flutz. Das Hädchen fiel auf den Kopf und war 
sofort tof. 
vy. Vetersburg, 20. Dez. Bei Sebastopol, ist nach 
aukerordentlich hefügem Schneefall starkes Tauwettex ein⸗ 
getreten. Alle Täler sind durch die niederströmenden Gebirgs⸗ 
dähser überschwemmit. Viele Häuser und Brüden find 
erftoͤrt worden. Eine große Anzahl Menschen. namentlich 
Kinder, sind ums Leben gekommen. 
F. Piostau. 29. Dez. Bei der, Station Czekinc an 
der Eisenbahn Moskau—Kursk sind sieben Personen im 
Schneesturm umgekommen. 
v. Saratow, 29. Dez. Nach einem, Schneesturm, der den 
ganzen Tag angehaften batte, wurden in der Umgebung der 
Stadt zehn vom Jahrmarkt heimkehrende Bauern erfroren 
rufgefunden wanzig werden noch nermißk!‘ 
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Unwahre Kinderaussagen vor Gericht und 
ihre Folgen. 
Von Dr. D. Hochstein 
Der Drogist Greve wurde im Jahre 1908 von der Straf⸗ 
tammer Neustrelitz wegen eines angeblich an einer 13fährigen 
Dekonomieratstochter begangenen Sittlichleitsverbrechens unter 
Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 
3 Jahren zu 2 Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 10. März 1910 
ZHerließ er nach verbühßter Strafe als körperlich und geistig ge— 
hrochener Mann das Zuchthaus. Anfang September d. J. wurde 
er nach den Blättermeldungen im Wiederaufnahmeverfahren 
reigesprochen. da die Hauptbelastumgszeugin. das ecwähnte 
Mädchen, jetzt von Gewissensbissen getrieben, gestanden hat, 
daß ihre damalige Aussage völlig frei erfunden war. Diefer 
ragische Fall lenkt wieder einmal die Aufmerhamkeit auf das 
ichwierige Problem der Bewertung der Kinderaussagen vor Ge— 
eicht und legt zugleich auch die Untersuchung der Frage nahe. 
welche Folgen es für die Eidunmündigen, also für die Perfonen 
oor vollendetenn 16. Jahre, die noch nicht vereidiat werden 
dürfen. in strafrechtlicher und zivilrechtlicher Hinsicht haben dann, 
nenn sie als Zeugen durch eine bewußt unwahre Ausfage die 
Berurteilung eines Unschuldigen herbeiführen. 
In urafrechtlhich er Beziehung scheiden vorweg die nod 
nicht 12 Jahre alten Kinder aus; denn sie dürfen nach dem 
Gesetz überhaupt nicht bestraft werden. Aber auch gegen die 
über 12 Jahre allten Kinder kann strafrechtlich nicht viel unter⸗ 
nommen werden, da das Gesetz eine unbeeidigte salsche Zeugen⸗ 
aussage straflos äbt Wenn die wissentlich falsche Aussaat 
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Dienstag, den 30. Dezember 1915. 
Abend⸗Blatt Ur. 658. 
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Aus den Nachbargebieten. 
Hansestaͤdte. 
W. Bremerhaven, 30. Dez. Raubmordveruch, 
kin Urlauber des 75. Regiments in Bremen namens Hinvpel hat 
Zomtag abend die 70jährige Frau Buüssing in ihrem Loden 
n Lehe Überfallen und zu erdrossfeln versucht, um 
Fie Kafse zu ra uben. Er wurde von dem Schwieg ersohn 
er Frau u berrascht, der dadurch das Leben gerettet wurde. Der 
Täter, der geflüchtet war, wurde Sonntag abend in Bremer⸗ 
aven verhaftet. 
Grosherroatum Oldenburg und Fürstentum Lubec. 
W. Oldenburg, 30. Dez. Großfeuer. In dem be⸗ 
rachbarten Westerstede brach in der Nacht vom Sonnabend auf 
Zoantag ein Großfeuer aus, das das Warenhaus von 
Sanders und einige Nebengebaude einäscherte. 
Schleswig⸗Holftein. 
Neumünster, 830. Dez. Eine unliebsame Meu— 
ahrsüberraschung haben die Stadtkollegien den hiefigen 
zaus⸗ und Grundbesitzern bereitet. In vertraulicher Sitzung be⸗ 
chlofsen sie, den Zinsfuh für Hypotheken von 45 auf aꝝ o⸗ 
u erhöhen. Die städtische Spar⸗ und Leihkasse erhöht ihre 
Finnahmen dadurch um jährlich 75. bis 80 000 M. 
Lauenbara. 
Ratzeburg, 30. Dez. Fünfzig Jahre waren am 
Weihnachtsmorgen verflossen, daß die lauenburgische Kom— 
agnie des ehemaligen 14. dänischen InfRegts.,, die in der 
sdacht zuvor von Mölln nach Ratzeburg marschiert war, auf 
em hiesigen Marktplatz aufgelöst und zur Reserve entlassen 
vurde. Nur die Kapitulanten und Musiker behielt man; sie 
aurden auf Umwegen nach Kopenhagen gebracht und wieder 
n die Armee eingestellt. wo sie noch ein Jahr lang den 
Ȋnischen Krieg mitmachten. 
Friedrichsruh, 30. Dez. Ein selten schönes 
Berhältnis besteht zwischen der Fürstin von Bismard 
ind ihrem Guts⸗ und Forstpersonal, das auch Sonnabend 
vieder durch die den Forstbeamten und Arbeitern veranstaltete 
Veihnachtsbescherung im Hotel „Waldesruh“ in Aumühle leb— 
saft zum Ausdruck kam. Oberförster Titze begrühßte die zahl⸗ 
eichen Gäste und überbrachte die Weihnachtsgrüße der hohen 
yrau, die leider am Erscheinen. perhindert war. Sämtliche 
zeamte und Arbeitder erhielten an Stelle des früheren 
Peihnachtspräsents ein ansehnliches Geldgeschent. Mit einem 
zemüllichen Festball, an dem auch die Fürstentöchter Gödela 
uind Hannah eifrig teilnahmen, fand die schöne Feier ihren 
Abichluß 
Bunte Chronik. 
das Eisenbahnunglück im Kaiser⸗Wilhelm⸗Tunnel. 
Köln, 20. Dez. Bei dem Zuguünglück im Kaiser⸗Wilhelm⸗ 
Tunnel bei Kochem wurden etwa 20 Güterwagen svoll« 
tändig zertrüummert und außerdem drei Lokomotiven. 
Die Unfallstelle liegt zwischen dem Schacht, den man zur Ent⸗ 
lüftung des Tunnels ungefähr in seiner Mitte jetzt baut, und 
einem füdwestlichen Ausgang bei Eller. Jedenfalls ereignete 
ich das Unglück dadurch, daß das Gleise vor der Fertig4 
tellung von dem Güterzuge befahren wurde. Das Unglück 
ätte leichl noch gröher werden können; gleich hinter dem Güterzug 
am ein stark mit Militärurlaubern besetzter Personenzug. Er 
zonnte jedoch noch rechtzeitig zum Stehen gebracht werden. Ob 
auf der Baustrecke keine Warnungszeichen aufgestellt waren, oder 
ob die aufgestellten Signale nicht sichtbar waren, muß die Un—⸗ 
tersuchung ergeben. 
DT. Trier, 209. Dez. Die bei dem Eisenbahnunglück im 
staiser⸗Wilhelm⸗⸗Tunnel schwerverletzten beiden Beamten sind im 
Laufe des heutigen Tages gestorben, so daß sich die Zahl 
der Tolen bei dem Eisenbahnunglück auf vier erhöht 
Ein Nachspiel zum Raub in der Dresdner 
Bank in Berlin. Die Zioilkammer in Osnabrück ver⸗ 
handelte im Auftrag der Dresdner Bankgegen die 
Eheleute Hattke in Engter, die, wie seinerzeit gemeldet, 
inen Teil der von Bruning veruntreuten 260 000 Mein 
hrem Hause versteckt hatten. Die Dresdner Bank hatte die 
Eheleute auf Zahlung von 33000 Muverklagt in der An⸗ 
nahme, daß die Beklagten diesen Betrag von der gestohlenen 
Summe noch im Befitz hätten. Das Urteil des Landgerichts 
zing dahin, daß den Eheleuten ein Eid zugeschoben wird, daß 
fie nicht wissen, wo sich das Geld befindet. Leisten sie diesen 
Fid, so wird die Klage der Dresdner Bank abgewiesen, verwei⸗ 
gert einer der Beklagten den Eid. so wird er zur Zahlung der 
Zumme verurteilt. 
W. Mit dem Fahrstuhl abgestürzt. Sonntag abend 
urz nach 11 Uhr stürzte der Direktor der chemischen Fabrik 
-„chering, Dr. Bauer, im Hause Neue Kantstraße Nr. 3 in Char— 
ottenburg, wo er wohnte, aus der vierten Etage 
nit dem Fahrstuhl in den Kellerraum. Er wurde 
schwerperletzt ins Krankenhaus Westend gebracht. wo er Montaa 
morgen verstarb. 
70. Riesenbrand in Montreal. Ein—enormes 
Zchadenfeuer hat einen großen Teil der alten französischen 
Stadt im Osten Montreals in Asche gelegt. Das Feuer, 
das in dem von den sogenannten „Aladiern“ bewohnten 
Stadtteil ausbrach. verbreitete sich mik unheimlicher Schnellig⸗ 
eit. Durch den Bruch eines Hauptrohres der Verdun Wasser⸗ 
eitung herrschte großer Wassermangel. und auch vom nahe 
elegenen Fluß war die Wassetzufuhr sehr schwierig, da der 
St. Lorenz⸗Strom fest zugefroren ist. Eine große Anzahl 
der alten ärmlichen Hütten sind zerstört und auch bereits 
wanzig große Gebäude sind den Flammen zum Opfer ge— 
allen. An einigen Punkten der bedrohten Stadtviertel ent⸗ 
iand durch die Explosion von Gasrohren eine Panik. Die 
Feuerwehr arbeitet fieberhaft und versucht durch ausgedehnte 
Sprengungen mit Dynamit eine freie Zone zwischen dem Brand⸗ 
„erd und den angrenzenden Häusern zu schaffen, um die Aus-— 
»ehnung der Feuersbrunst begrenzen zu können. Der Schaden 
t enorm. Das Wasser, das aus den Rohren der Dampf⸗ 
pritzen kommt, gefriert sofort, so wie es auf den gefrorenen 
Boden oder die Häuser aufschlägt. Pioniere und Artillerie 
helfen der Feuerwehr und den Polizeimannschaften. 
—Wegen Betrugas sich selbst gestellt. Der Guts— 
berwalter des Rittergutes Marienborn bei Kopenhagen. 
namens Fog, hat sich der Polizei gestellt mit der Selbstbezichti— 
nung, dem Rittergutsbesizer Grafen Moltke 100 000 Mund 
dessen Bruder 145 000 Meentwendet zu haben. Die Betrügereien 
erstreken sich uber einen Zeitraum von zehn Jahren 
W. Von einem tollwütigen Hunde gebissen. 
Kürzlich wurden von einem Dobermannhunde, dem Stadtverord- 
ieten Kaufmann Bernhard in Königshütte (Gberschl.) ge— 
)örig. drei Personen und der Besitzer selbst gebissen. Der Hund 
purde erschossen. Die im Beuthener Hygienischen Institut vorge⸗ 
rwmmene Untersuchung hat ergeben, daß der Pund tollwut⸗— 
Lrank war. Die gebissenen Personen sind zur Schutzimpfung 
BAch Rreslau s gehbrocht worden 
Gtroßherzogtumer Medlenbura. 
Schwerin, 830. Dez. Einen Selbstwordversuch 
wrachte Sonnabend abend eine in der Schlohstraße wohnende 
ltere Haushälterin. Nachdem sie die Türschlöfser und Ritzen 
erstopftẽ hatte, drehte sie den Gashahn auf. Abends gegen 
210 Uhr wurde man durch das Stöhnen der Betäubten im Hause 
usmerksam und veranlahte ihre Ueberführung in das Kran—⸗ 
enhaus. wo sie gestern nacht verstarb. 
Rostod, 30. Dez. Vom elektrischen Schlage ge— 
õ tet. In Elmenhorst war in der Nacht auf Sonntag die Lei⸗— 
ung der Ueberlandzentrale vonr Sturm heruntergerissen und 
uf die Strahe geworfen worden. Als im Halbdunkel der 
Milchwagen des Erbpächters Westendorf aus Nienhagen des 
Weges kam, gerieten die Pferde in den Draht. Beide stürzten 
zu Boden und eines der Tiere hatte einen so starken elektrischen 
Zzchlag erhalten, daß es auf der Stelle verendete. Ohne zu 
vissen, was vorlag, schirrte der Knecht die Pferde ab, lam aber 
zlücklicherweise nicht zu Schaden. 
Sportnachrichten. 
410 Renntage sanden im Jahre 1913 in Deutschland 
tatt, die auf 106 verschiedenen Rennplätzen vor sich gingen. Die 
Zahl der Rennen betrug 2422 
Luftfahrt. 
Absiurz eines Fliegess. Johannisthal, 30. Dez. 
Montag nachmittag kurz vor 4 Uhr stürzte der Flieger Remus 
zon der ersten Kompagnie des Flieger-Bataillons in Döberitz 
nit einem Ago⸗Doppeldecher infolge Bruches der Flügel aus 
iner Höhe von 800- 1000 Metern nahe Johannisthal ab. Der 
zfurz wurde dadurch, da der Apparat auf Bäume fiel, wesent, 
ich abgeschwücht. NRemus wurde in schwerverletztem Zustande 
„das Kreistrankenhaus in Briß üherdefübr“ 
Alerdings geeignet ist. den Beschuldigten verächtlich zu machen 
oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder desfer 
xredit zu gefährden, so kann möaglicherweise wegen verleumderi— 
cher Beleidigung nach 8 187 St.G.B. gegen den Jeugen ein— 
neschritten werden. Gewöhnlich wird es aber hier an der recht⸗ 
eitigen Stellung des erforderlichen Strafantrages sehlen. Auch 
zie Verfolgung wegen falscher Anschuldigung nach ß 164 St.G.B 
ann in Betracht kommen, wenn das Kind, das die falsche 
zeugenaussage macht,. auch die erdichtete Tat selbständig zur 
Inzeige gebracht hat. In der Regel geht jedoch die Anzeige von 
inderen Personen. vielfach auch auf aronymem Wege, aus und 
das Kind wird hierauf erst zeugschaftlich zur Sache vernommen, 
o dat, dann der Paragraph über falsche Anschuldigung nicht 
utrifft. Zu beachten ist überdies noch daß das Kind nach 
56 St.⸗G.⸗B. nur dann wegen verleuniderischer Beleidigung 
der salscher Anfchuldigung verurteilt werden kann, wenn es 
ur Zeit der Begehung der Tat die zur Erkenntnis ihrer Straf⸗ 
arkeit ersorderliche Einsicht befessen hat. Der Vorentwurf zum 
jeuen Deutschen Strafgesetzbuch füllt auf unserent Gebiete zwar 
ine Lücke aus, indem er in 8 108 wissentliche und fahrlässige 
aliche uneidliche Zeugenaussagen mit Strafe bedroht, rückt jedoch 
andererseits die Strafbarkeitegrenze vom 12. zum vollendeten 
.4. Lebensjahre hinauf. 
In zivilrechtlicher Hinsicht ist davon auszugehen, daß 
eine wissentliche falsche Zeugenaussage, die genracht wird, um 
ie Verurteilung eines Unschuldigen herbeizuführen, nach 8 826 
3. G.B. dem unschuldig Verurteilten geaen den falfchen Zeugen 
inen Anspruch auf Erfatz des gesamten Schadens, den er durch 
„ie Verutteilung erlitten hat. verschafft. Insoweit der un— 
—— —— — 
schuldig Verurteilte auf Grund des Reichsgesetzes vom 20. Mai 
1898, betr. Entschädigung der im Wiederaufnahmeverfahren frei— 
zesprochenen Personen, von der Staatskasse eine Entschädigung 
erlangt hat, geht nach 8 3 des genannten Gesetzes sein Recht 
ruf Entschädigung gegen den Zeugen auf die Staatslafsse über, die 
ann ihrerseits von dem Zeugen den Rücdersfatz der von ihr ge— 
ahlten Entschädigung verlangen kann. Was nun die Eides- 
mmündigen betrifft, so sind nach 8 828 B. G.B. Kinder 
iter 7 Jahren für einen von ihnen verursachten Schaden im 
AUlgemeinen nicht verantwortlich. Personen im Alter zwischen 
mund 18 Jahren haften hingegen für den durch ihr falsches 
zeugnis verursachten vollen Schaden. wenn ihrerfeits nicht der 
stachweis erbracht wird, daß ihre geistige Entwicklung sie zur 
Zeit der Abgabe des falschen Zeugnisses noch nicht in den Stand 
gesetzt hatte, das Unrecht ihrer Handlung gegenüber dem Mit— 
nenschen einzufehen und zugleich die Verpflichtung zu etkennen. 
n irgend einer Weise für die Folgen ihrer Handlung selbst 
einstehen zu müssen. Das Gesetz geht aber im Interesse einer 
zgerechten Schadensausgleichung noch weiter. Es können nämlich 
auf Grund des 8 829 B. G.B. unter gewissen Voraussetzungen 
auch Kinder unter 7 Jahren. sowie Versonen im Alter von 7 
zis 18 Jahren. bei denen zur Zeit der Vornalmie der schädi— 
genden Handlung die eben erwähnte zur Erkenntnis der Verant⸗ 
wortrichleit erforderliche Einsicht poch nicht vorhanden war, zum 
Ersatz des durch ihr Tun verurfachten Schadens verurteilt werden. 
Aus den vorstehenden Ausführungen ergibt sich, daß auch 
die unbeeidigten unwahren Zeugenaussagen Unerwachsener 
mmerhin, und zwar besonders in zivilrechtlichet Hinficht schwer⸗ 
wiegende Folgen für die Zeugen haben können ruv.
	        
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