Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchent. ch 4mal Wochemags niorgens und 
abends, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
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Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 163. Jahrgang Neachrichten sur das herze tum Lauenburg, die 
Beiblatt: Gesetz⸗ und Verordnungsblatt 2.8 — — * der Jahroange der er e zurstentümer Ratzeburg, Lübecl und das angren⸗ 
ha SSSSSGSSBSOGSSSSSSESSSO—σσ Aan ee ee — zende medlenburgische und holsteinische Gehiet. 
Druck und Verlag: Gebrüder Borchers G. m. b. 8. m Lũbed. — Geschäftsstelle Au A40 (Köoniastr. 46). Fernsprecher 8000 u —E 
Montag. den 29. Dezember 1913. 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
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Ahend-Blatt NKr. 656. 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
Umfanag der hentigen Nummer 6 Seiten. 
Nichtamtlicher Teil. 
Cin Mußerhaushalt. 
t, drücht dort auch die Abgabe an das Reich nicht allzu sehr, 
bwohl die Matrikularbeiträge mit etwas mehr als dem Reichs⸗ 
urchschnitt, namlich mit 84,4 Pfennig auf den Kopf der preuki⸗ 
hen Bevölkerung berechnet sind und zusammen 33,89 Millionen 
dark betragen. Dabei hat Preuben im Jahre 1914 allerlei 
ihlbare Einbupen an Staatssteuern infolge der neuen Reichs- 
nanzreform (beĩ der Rüstungsdeclung) zu erleiden. An der Wert⸗ 
uwachssteuer glaubt der Finanzminister in Zukunft statt 1 Million 
ur noch 580000 Mark vereinnahmen zu können, da der 
deichszwang für diese Steuer bekanntlich fortgefallen ist und einige 
emeinden schon ihre gänzliche Beseitigung durchgesetzt haben. 
uch der Anteil Preußens an der Reichserbschaftssteuer ist durch 
as neue Reichsgesetz über Aenderungen im Finanzwesen von 
nem Viertel auf ein Fünftel zusammengeschmolzen. Dagegen 
ziird der große Ausfall von 13 Millionen Mark aus Stempel— 
bgaben von Gesellschaftsverträgen und Versicherungen ent— 
rechend dem neuen Reichsstempelgesetz vom Reich für das Etats- 
ihr 1914 noch erstattet. 
Sehr lehrreich ist die Feststellung, daß die Veranlagung 
um neuen Wehrbeitrag in Preußen verhältnismäßig wenig 
Irbeit und Kosten verursacht. Das hängt damit zusammen, 
aß die einmalige Reichssteuer im großen ganzen nach dem 
Nuster der preußischen Einkommensteuer eingeschätzt wird. Es 
rauchten deshalb keine neue Behörden geschaffen zu werden, 
eindern es genügte die einmalige Erhöhung einiger Fonds, um 
en ganzen großen Veranlagungsapparat zur Wehrsteuer ar— 
eitsfähig zu machen. 100 000 Mark für den Hilfsarbeiterfonds, 
90 6000 Mark für den Remunerationssonds — das ist ischon 
Iles 
/2,1 Piill.,, die Steuern insgesamt mit 522,8 Mill., sodann die 
Betriebsverwaltungen abzüglich der Kronfideikommißrente mit 
0,0 Mill. (Domänen 15,9 Mill., Forsten 81,8 Mill.), Lotterie 
nit 12,4 Mill., Seehandlung mit 4,55 Mill.,, Münze mit 
22 Mill. Berg-, Hütten⸗ und Salinenverwaltung mit 18,0 
Hill,, die Eisenbahnen nach Abzug der Rüclage des Aus⸗ 
leichsfonds (2,10 v. H. des statistischen Anlagekapitals der 
fkisenbahnen — 79,2 Mill.), mit 244,4 Mill. Mark. Der 
kisenbahnzuschuß ist um 10,3 Mill. höher als im Etat für 1913 
ingestellt. Auf der Einnahmeseite des Staatshaushalts haben 
ie auf 52,8 Mill. sich belaufenden Steuererträge mit 153,8 
Mill. das Uebergewicht über die 360,8 Mill. betragenden Ein— 
ünfte aus den Betriebsverwaltungen. Die Ausgaben, 
eren Gesamthöhe gleichfalls 892,3 Mill. beträgt, so daß von 
iner Anleihe auch im Etat für 1914 abgesehen werden konnte, 
elaufen sich bei den Dotationen auf 187,4 Mill. Mark, wovon 
»er Dienst der gegen 1913 um rnud 454 Millionen erhöhten 
Ztaatsschuld 105,6 Mill. und die Allgemeine Finanzverwaltung 
39,4 Mill. beanspruchen. Die Staatsverwaltungsausgaben — 
auernde und einmalige — erfordern 704,9 Mill. Mark, 
zoran das Kultusministerium mit 294,9, das Ministerium des 
znnern mit 103,9, das Finanzministerium mit 99.4, die Justiz⸗ 
erwaltung mit 87,3 Mill. beteiligt sind. Auf der Ausgaben— 
eite haben gegen den Etat 1913 größere Erhöhungen erfahren 
»er Schuldendienst um 10,5 Mill. die Kulfusverwaltung um 
3,7 Mill., die Finanzverwaltung um 6,6 Millionen. Wenn im 
ztatsentwurf für 1914 bei Heranziehung aller vorhandenen 
kinnahmen von einer Anleihe abgesehen werden konnte, so des⸗ 
»alb, weil aus dem Ausgleichsfonds für die dringend 
otwendige weitere Ausgestaltung der Eisenbahnanlagen ein 
zetrag von 45 Mill. Mark bei den außerordentlichen Ein—⸗ 
ahmen der Eisenbahnverwaltung eingestellt worden ist. Dem 
lusgleichffonds werden daher im Tahre 1914 nach dem Etats— 
ntwurf rechnungsmäßßg nicht 79,2 Mill., sondern nur 34.0 Mill. 
ugefihrt werden fäünnen 
Es ist ein altes Herkommen in Preußen, den Staatshaushalt 
ern nach der großen Etatsrede des Finanzministers den Abge— 
ordneten und damit der Oeffentlichkeit zu übergeben. Für den 
derrn Finanzminister hatte diese Gepflogenheit ein Gutes. Er 
'onnte bis dahin unbekannte Ziffern vortragen und sich dabei 
der andauernden Aufmerksamkeit des hohen Hauses und des Landes 
erfreuen. Für die Zuhörer aber hatte die Uebung den Nachteil, 
daß sie völlig unvorbereitet den zahlreichen Ziffern gegenüber— 
randen und einen Kommentar schon früher erhielten, ehe sie den 
Hegenstand des Kommentars geuauer kannten. Nun hat das 
preußische Finanzministerium die alten Bahnen verlassen und nach 
Urt des Reichsschatzamtes die Hauptstärke des preubischen Reichs— 
aushalts bereits im poraus halbamtlich veröfsentlicht. Ist auch 
noch keine genaue Nachprüfsung der Einzelheiten möglich, so äRann 
sich doch der Abgeordnete und der preufische Staatsbürger, falls 
er Interesse und Neigung für den Etat besitzt, in großen Zügen 
bereits mit der Finanzgebarung seines Staates vertraut machen, 
um spüͤter desto verständnisvoller den Erläuterungen des Mi— 
nisters solgen zu können. So wird man also vom alten Brauche 
agen dürfen, daß der Bruch mehr ehrt, als die Befolgung.. 
Erfreulicher als die Aeußerlichkeit frühzeitiger Veröffentlichung 
st aber noch der Inhalt des preußischen Haushaltes. Mit 
'etten Lettern darf darüber geschrieben werden: Eine Staats— 
rnleihe ist, wie im Vorjahre, unnötig! Die Ein— 
iahmen deden die Ausgaben, wie in jedem guten Privathaus— 
zalt. Natürlich müssen im Notfall auch schnell einmal die Be— 
riebsmittel verstärkt werden können, und es sind für diesen Zweck 
.O0 Millionen Mark für Schatzanweisungen vorgesehen. Aber 
vas bedeutet ein Eventualkredit von 100 Millionen in einem 
ßaushaltisvoranschlag, der mit 4846 Millionen Mark ohne jede 
Anleihehilfe im Gleichgewicht ist! Sogar seine richtige Schul— 
venlast hat der preußische Etat, wie sie in jedem gut geführten 
Staalshanshalt notwendig vorkommen muß, will man nicht die 
Hegenwart zugunsten der Zukunft übermäßig belasten. Freilich, 
die preußische Staatsschuld beziffert sich auf das nette Sümmchen 
yon 104 Milliarden! Aber der größte deutsche Bundesstaat 
ann sich diese Schuldenlast schon leisten, denn ihr steht mehr 
als genügende Deckung an werbenden Einnahmequellen, befonders 
kisenhahnen, Forsten, Domänen usw. gegenüber. 
Weil der Grundaug der Finanzen in Preußen ein so gesunder 
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Solcher Sparsamkeit am rechten Ort kann man sich nur freuen. 
Nagecen will scheinen, als ob die Besoldungsverbesserungen der 
zeamten recht knapp ausgefallen wären. Den Lowenankeil ver⸗ 
hlingt die Eisenbahnverwaltung mit 15122 von insgesamt 1994 
Nillionen. Das hängt mit der Aufbesserung der Postassistenten 
nd Posischaffner im Reich zusammen, denen nun jetzt in Preußen 
ie gleichen Kategorien der Eisenbahnbeamten folgen sollen. 
Nan darf den preußischen Etat als einen Musterhaushaltsplan 
msinanzieller Hinsicht stark loben und die preufische Finanz⸗ 
ebarung als vorbildlich empfehlen. Gewisse soziale Mängel 
esitzt er freilich daran dürfte aber Herr Lentze, der preußische 
inanzminister, persönlich weniger Schuld haben, als der preu— 
ische Landtag, deßen befannte Zusammensetzung dem widerstrebt. 
Kationale Reklame. 
Vor kurzem lasen wir in der Times eine Annonce, die 
zie jeltsame Ueberschrift trug: „Annonciere dein Land“. So 
ierkwürdig die Ueberschrift anmutet, so bemerkenswert er— 
cheint der Gedanke, der zum Ausdruck gebracht wird. Wir 
eben den Inhalt in folgendem wieder: 
„Es ist. jetzt schon viel zu viel annonciert, mögen Sie 
ehaupten. Aber geschieht es in der richtigen Weise? Ver— 
ündet es der Welt ringsum, was es ihr wirklich sagen 
oll?! Sind Großbritanniens Produkte bekannt, wie sie es 
in sollten?! Lassen wir andere Nationen uns „den Markt 
rehlen“, möchte ich wissen. Ich schlage vor, daß England 
in jeder Ware, die unsere Küsten verläßt, ein leicht erlenn— 
zares Warenzeichen anhringen sollt⸗ 
die Einnahmen und Ausgaben im preußischen Staatshaushalis⸗ 
etat für 1914. 
Nach dem Nettovoranschlag der Staatseinnahmen und 
ztaatsausgaben sür das Etatsjahr 1914 in Preußzen 
eziffert sich die Gesamteinnahme auf 892,3 Millionen Mark 
der 40,8 Mill. Mark mehr als im Etat für 1918. An dem 
zesamt der Einnahmen iind beteiligt die direkten Steuern 
nit 480,7 Mill. Mark. die Zölle und indirekten Steuern mit 
zus mir geworden ist, seitdem ich Sie nicht sehen, nicht mit 
zhnen sprehen darf. Sie dürfen mich jetzt nicht ohne ein Wort 
on sich weisen, lassen Sie mich hoffen, daß ich Sie erringen, 
ah ich einmal vor Sie hintreten darf, um Ihnen eine Heimat 
nzubieten.“ 
Tatjana hatte soweit ihre Fessung wieder gewonnen, daß sie, 
is er jetzt schwieg, ärrherlich ruhig antworten kounte. 
„Jwan Petrowitsch, begreifen Sie doch, daß ein solcher 
leberfall, wie Sie ihn jetzt ins Werk gesetzt haben, un— 
löglich das erzwingen oder erreichen kann, was Sie damit er— 
»ichen wollen. Verstehen Sie doch, ja, Sie mussen das ver— 
rhen, dar Sie damit gerade das Gegenteil herbeisführen, daß 
ie mich ängstigen, während Sie verlangen, daß ich Vertrauen 
mIhnen sassen soll. Ueberdenken Sie meine Worte, Sie werden 
liir recht geben und mir. wenn wir uns wiedersehen. anders 
egenübertreten.“ 
Sie hatte schnell und leise gesprochen, so daß keiner der 
zorübergehenden irgend etwas Ungewöhnliches zwischen den bei— 
en bemerkt hatte. Jetzt blieb sie vor der Tür eines großen 
zeidenwarenhauses stehen, reichte ihm die Hand, und ehe er 
och recht zu Worte kommen konnte, war sie in dent Magazin 
erschwunden. 
Auf Nemilow hatte der Inhalt der Worte keinen Eindruck 
emacht. nur der Klang ihrer Stimme tönte noch in ihm nach. 
Vie ein wonniges Gefühl durchströmte es ihn, er wollte warten, 
r wollte, er mußte sie noch einmal sprechen hören. 
Doch als Tatjana nach einer halben Stunde das Magazin 
erließ, solgie ihr ein Diener des Geschäfts, mit Paketen beladen, 
er lie bis an ihren Schlitten begleitete. Im Vorübergehen 
ichte sie Nemilow freundlich zu und war dann, ehe er 
och seinen Entschluß, aussühren konnte, im' Gedränge ver— 
hwunden. Als er sich gefat und ihr folgend zu der Stelle 
am, wo ihr Schlitten gestanden, war der Platz leer, und 
hon weit sort auf dem Newski-Prosvekt sah er das Gefährt 
ahiniagen. 
„Zu spät, aber ich treffe sie wieder.“ 
Inzwischen hatte Tatjanga das gräfliche Palais erreicht 
ind durste, nachdem sie die eingekauften Sachen der Gräfin 
bgeliefert, bis zum Diner auf ihr Zimmer gehen. Hier in 
Tatiana. 
Roman aus dem Leben Pekersburgs 
von Haus Becker. 
(3J. Fortsetzung.) achdruck verboten.) 
Sie hatte auf Veranlassung der Gräfin eine Ausfahrt zu 
nachen, um in einigen Magazinen des Gostinno-Dwor Einkäufe 
u besorgen. Als sie im gräflichen Schlitten vom Hause fortfuhr, 
ah sie, wie sie besürchtet hatte, Nemilow wieder auf der 
Straße. Kaum hatte er den Schlitten mit Tatiana bemerkt, 
als er sofsort in eine Droschke sprang und demselben folgte. 
Der gräfliche Schlitten erreichte als erster die Kaufhallen, und 
Tatjanag schlüpsfte eilig heraus, um möglichst schnell in eines 
—DOO— 
Es gelang ihr dies jedoch nicht so vollständig. daß ihr Vor— 
solger sie nicht noch gesehen hätte, und so fand sie ihn denn, 
als sie das Geschäft verließ, auf und ab wandernd, sie erwartend. 
Nieit höflichem Gruß trat er auf sie zu, erkundigte sich nach 
hrem Wohlergehen und bat, sie bis zum Schlitten oder, falls 
sie noch Finkäufe zu machen hätle. auf ihrem meiteren Gange 
egleiten zu dürfen. 
Tatjana fühlte sich so überrumpelt, daß sie stillschweigend mit 
dem Kopfe nickte und ihren Weg an seiner Seite sortsetzte. 
Nemilow brachte das Gespräch auf ihr Zusammenleben auf 
dem Gute, damals nach dem Tode ihres Vaters, eräzählte, 
vie er bald nach ihr das Gut verlassen, wie er — und auf 
inmal mitten drin in dem, was allein ihn innerlich beschäftigte —, 
ich nach ihr gesehnt, tagtäglich an dem gräflichen Hause gewartet, 
im sie nur einmal sehen zu können, wie er sie liebe, wie 
r ohne sie nicht leben könne und zugrunde gehe. 
Sie wollte ihm diese Sprache verbieten, sie wollte ihn 
nrückweisen, aber angesichts der vielen Menschen, die in der 
Nachmittagszeit die Kaufhallen füllen, teils um Einkäufe zu 
nachen, teils um zu flanieren und die Auslagen in den Schau— 
enstern anzusehen, mußte sie sich zurüdhalten, um jenen nicht 
no mehr in Rage zu bringen. So konnte sie nur immer flüstern: 
„Hören Sie auf, Iwan Petrowitsch, verlafsen Sie mich.“ 
„Ich Sic verlassen, Tatjana Alexandrowna, ich soll diesen 
nir vom Zufall geschenkten Augenblick nicht ausnützen dürfen, um 
Ihnen mein Herz ausschütten zu können? Sie wisfsen nicht. mas 
—— 
der Einsamkeit überlegte sie was sie tun konnte, um den 
veiteren Verfolgungen Nemilows zu entgehen. 
Da fiel ihr Blick auf einen kleinen Brief, welcher auf 
dem Tische lag. Erstaunt betrachtete sie die von ungeübtei 
zand geschriebene Adresse, doch als sie den Brief schnell geöffnet, 
en Inhalt überflogen hatte, erhellte ein frohes Lächeln ihre 
züge. Der Brief war von ihrer alten Dienerin Marfa und ent— 
siielt die Mitteilung, daß diese zu ihrem Bruder in Petersburg, 
er einen kleinen Handel mit Früchten, Seife, Lichtern ufsw. 
etrieb, gezogen sei und mit ihm, der Witwer und kinderlos war, 
usammenlebte. Marsfa sprach die demütige Bitte aus, ihr Herz— 
hen wiedersehen zu dürfen, segnete sie schon im voraus für die 
kriüllung ihrer Bitte und schrieb, diaf sie tagaus, tagein auf 
as Glück, welches ihr mit dem Besuche Tatianas bevorstehe, 
u Hause warten würde. 
Ja, sie wollte hin zu Marsa. Ihr wollte sie sich anver—⸗ 
rauen, und diese sollte mit Nemilow sprechen, damit er seine 
gerfolgungen einstelle. 
Noch heute wollte sie die Gräfin bitten, ihr den morgigen 
Jachmittag freizugeben — sie konnte ja Marfas Brief vor— 
eigen — und die Gräfin würde sie nicht abhalten, diesen 
Ilt der Pietät zu vollziehen, der alten treuen Dienerin die 
Freude des Wiedersehens zu bereiten. 
Wie Tatjana vorausgesehen, so geschah es. Die Gräfin 
rlaubie ihr nicht nur, den Nachmittag für sich zu benutzen, 
ondern lellte ihr auch ihren Schlitten zur Verfügung. 
So iuhr denn Tatjana anderen Tages gegen drei Uhr herüber 
jach Wassili Ostrow, wo sich die Wohnung ihrer Dienerin 
sefand. und die schnelle Fahrt bei dem prächtigen, llaren 
jrostwetter, die Hoffnung, daß Marfa Nemilow zur Vernunft 
zringen würde, wie die Freude, ihre alte, treue Freundin wieder— 
usehen, erfrischte und belebte Tatiana so, daß sie mit glänzenden 
Jdugen und roten Wangen an der Handelsbude vorfuhr. 
Kaum stand der Schlitten, als ein alter Mann aus der 
Bude herauskam und ihr mit vielen Verbeugungen beim Aus— 
teigen behitflich war und sie dann durch die Bude hindrirch 
n die Wohnung führte. 
Dicke, heiße Lust, der Geruch des Oels von den Lampen 
por den Heiligenbildern, vermischt mit dem Duft der in der 
Bude feilaehaltenen Früchte und anderen Waren schlug ihr ent—.
	        
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