Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Tagesbericht. 
Lübeck, 27. Dezember. 
Grundbesitz und Wehrbeitrag. 
Wie man hört, bestehen vielfach Zweifel darüber, wie in den 
ür die Veranlagung des Wehrbeitrags abzugebenden Ver⸗ 
nögenserliärungen der Wert von G run dist ü Ir ann 
eben ist. Während im allgemeinen bei der Festste —* — 
germögens der gemeine Wert Verkaufswert) der einzelnen Be⸗ 
landteile zugrunde zu legen ist, bestimmt 8 17 des Wehrbeitrags⸗ 
etes. dat, bei Grundstücken, die dauernd lan d⸗ oder 
orsvirtschaftlichen oder gäartnerischen Zwecken, 
cpie bei bebauten Grundstücden, die Wohnzwecen oder 
ewerblichen Zwecken zu dienen bestimmt sind und bei 
enen die Bebauung und Benutzung der ortsüblichen Bebauung 
md Benutzung entspricht, der Ertragaswert zugrunde gelegt 
vird. 
Als Ertragswert gilt bei land-oder for st wirtschaft— 
ichen oder Gärtnerei⸗Grundstücken das Fünfund- 
wanzigfache des Reinertrags, den sie nach ihrer wirtlchaftlichen 
tzestimmung bei ordnungsmaßiger Bewirtschaftung mit entlohnten 
remden Arbeitskräften nachhaltig gewähren können. Die der 
dand⸗ oder Forstwirtschaft oder der Gärtnerei einschlieblich et— 
vaiger Nebenbetriebe dienenden Gebcüude und Betrie s- 
rittel (Inventar) sind dabei mit zu berüdfich- 
igen. Der Berechnung des Ertraoswerts ist nicht etwa der 
„or 30 Jahren ermittelte Katastral-Reinertrag zugrunde zu legen, 
ondern der Reinertrag, den ein ordentlicher Unternehmer von 
den Grundstücken nach ihrer bisherigen wirtschaftlichen Bestim- 
ung bei gemeinüblicher Bewirtschaftung und unter gewöhnlichen 
HBerhältnissen im Durchschnitt einer Reihe von Jahren für ein 
Wirtschaftsjahr erzielen kann. Der Reinertrag ist sch ättz un g s⸗— 
veise zu ermitteln. Eine Berechnung des Ertragwertes aus 
jem ron den Grundstücken wirklich erzielten Reinertrage findet 
nicht statt. 
Abweichend von der Reinertragsermittlung deim ländlichen 
Grundbesitz gilt bei bebauten Grundstüücken, die Wohnm- 
zwecken oder gewerblichen Zwedcken zu dienen bestimmt 
ind, als Ertragswert das Fünfundzwanzigfache des Miet- oder 
Pachtertrages, der in den letzten drei Jahren im Durch- 
schnitt wirklich erzielt worden ist oder im Falle der 
Vermietung oder Verpachtung hätte erzielt werden 
önnen, nach Abzug von einem Fünftel fsür Nebenleistungen 
und Instandhaltungslosten oder von dem als erforderz— 
sich nachgewiesenen höheren Beitrage. Ausfälle an Miet- 
oder Pachtgeldern darfen nicht berüchsichtigt werden. War das 
Grundstück nicht oder nur zu einem unwesentlichen Teile ver— 
mietet, so ist der Mietertrag nach den ortsüblichen Mietpreisen 
jur gleiche oder ähnliche Grundstücke zu berechnen. Bei Ume—, 
srweiterungs⸗ oder Neubauten hommt für die Berechnung des 
Mietertrages nur der neue Zustand des Grundstücks in Betracht. 
Bei den gewerblichen Grundstücken sind die Be— 
triebsmittel in der Veranlagung des Ertragswerts nicht in« 
begriffen. Sie gehören, wie die gewerblichen Grundstücke 
jelbst, zum Betriebsvermögen. 
In allen Fällen kann der Beitragspflichtige verlangen, daß 
tatt des Ertragwertes der gemeine Wert der Grundstücke der 
Veranlagung zugrunde gelegt wird. Die betreffende Erklärung 
ist auf der zweiten Seite der Vermögenserklärung abzugeben. 
x Den Titel „Vrofessor“ hat der Senat dem Fachlehrer 
an der Gewerbeschule und der Baugewerkschule, Herrn Max 
Metzger verliehen. 
Das BSBansatheater ist am ersten Weihnachtstage wieder 
röffnet worden. Die künstlerische Leitung desselben hat, wie 
chon erwähnt, Herr Direktor Hemberger Üübernommen. Welch 
ruten Rufes als Künstler er sich hier noch von seinen früheren 
Luftreten im Hansatheater erfreut und daß eine gute Varieté- 
»Uhne hier ihre Existenz finden kann, zeigte der Besuch des 
Theaters an den Festtagen. An beiden war es vollkommen 
iusverlauft und viele Hunderte Schaulustiger konnten keinen 
kinlah mehr finden. Herr Direktor Hemberger bot dem Publi—⸗ 
um Vorstellungen, wie sie in dieser Art glänzender und vor—⸗ 
iehmer kaum je geboten worden sind. Gleich die drei Original 
Dravias versetzten das Publikum mit ihrem equilibristischen 
Elike-Aklt in berechtigtes Staunen und sie waren so vielver⸗ 
prechend, dah die vieltausendköpfige Zuschauermenge auf die 
veiteren Nummern der Vortragsfolge sehr gespannt war. Die 
Soubrette Tilly Verdier, die bereits vor einigen Jahren mit 
rroßem Erfolg hier auftrat, fand auch jetzt wieder die unge— 
eilte Gunst des Publikums. Sehr sehenswerte Leiftungen an 
Fraft und Gewandtheit bieten die vier Geschwister Welson bei 
ihren Produktionen an den hängenden Seilen und nicht minder 
unterhaltsam ist Paula Duval in ihrem Dressur⸗Akt, vor allem 
mit ihrem musikalischen Wunderhund Bobby. Der Schlußn des 
ersten Teiles des Spielplanes bilden die in ihren Darbietungen 
zuf freistehenden Leitern tatsächlich wohl einzigen sechs Peres. 
Den zweiten Teil des Abends eröffnet das amerikanische Tanz⸗ 
vaar Rivas, die u. a. den Original-Tango vorführen. Der 
Pascha mit seinen fünf Odalisken bieten recht hübsche tangakro⸗ 
zatische Szenen, die dem Publikum eine angenehme Unter⸗ 
jaltung gewährten. Ihnen schlieht sich der Humorist Hugo 
Römer, ein guter Bariton, würdig an. Seine urwuchsige Komik 
owie seine ausgezeichneten Vorträge verfehlten nicht ihre durch 
schlagende Wirkung. Die vier Spisels endlich beschliehen die 
Vorstellung mit ihren akrobatischen Komödien, bei denen das 
Bublikum Tränen lacht. Kein Wunder, dah schließlich das 
Bublikum auch Herrn Direktor Semberger seinen Dank sur die 
rächtigen Vorstellungen durch wiederholte Herausrufe zum Aus—⸗ 
druck brachte und Freunde und Bekamte ihm großze Kränze 
berreichten. Herr Direktor Hemberger dankte für diese Aner⸗ 
ennungen seiner Leitung durch das Versprechen, stets nur voll— 
endete Vorstellungen mit ersten Kräften geben zu wollen. 
* Vom Theater. Hans Islaub, der Oberregisseur 
uind Direktions-Stellvertreter des städtischen Opernhauses in 
Röln, der unter Intendantsrat Georg Kurtscholz in gleicher 
kigenschaft vom 1. Oktober 1908 bis 18. Mal iglin 
ienen Lübecker Stadttheater tätig war, soll al— Nachfolger 
)»es Hofrats Max Behrend, der bekanntlich zum Intendamen 
»es Schauspielhauses in Frankfurt a. M. erwählt wurde, ab 
„April 1814 zum Leiter des Mainger Sladtiheatere den 
Mainzer Stadtverordneten vom dortigen Magistrat vorge—⸗ 
schlagen werden. Die Wahl dürfte, wie wir zuverlässig er— 
ahren, durchaus gesichert sein. Hans Islaub, der dem 
ztuttgarter Hoftheater als Regifseur und Mitglied bis Mai 
903 angehörte, wurde von Intendantsrat G. Kurtscholz als 
kegifseur der Oper an unser neues, im Jahre 1900 am 
Otktober eröffnetes Stadttheater berufen. Im Verein mit 
einem Direktor und unserm Herrn Kapellmeister Pfeiffer 
at er mit grotzem Geschick ein vorzügliches Opernentem hle 
Erb, Bartsch. Weber, Skretten, Vottges, Haas, Fischer, Vange⸗ 
eld, Schenck, Göbel usw.) zusammengestellt, wie er bisher im 
Iten Lübecker Stadttheater niemals zusammen vereint gewesen 
ar. Die glanzvollen und sorgsam vorbereiteten großen Opern, 
ir erinnern nur an „Lohengrin“, „Tannhäuser“, „Mar— 
arete“, „King des Nibelungen“ usw., die unter Islaub über 
ie neue Lübecker Bühne gingen, sind noch in bestem An⸗ 
enken. Hans Islaub schied mit seinem Direktor, der nach 
jähriger Tätigkeit die Direktion der Vereinigten Lübecker 
tadtiheater niederlegte, aus dieser Stellung, um schon im 
‚uni desselben Jahres seinen neuen Posten am Kölner Opern⸗ 
aus anzutreten. Hans Islaub, der sich auch in Köln 
hnell eine achtunggebietende Stellung erworben hat, und 
inen neuen Vertrag abermals bis zum Jahre 1818 
nit Pensionsbercchieung abge'schossen hat, der ihm gleichzeitig 
ie Befugnis der Direktions-Stellvertretung zusicherte. Die vielen 
übecker Freunde des Herrn Islaub werden die Nachricht 
ur Berufung an die Spitze des Mainzer Stadttheaters ge— 
din mit großem Interesse und aufrichtiger Freude entgegen⸗ 
ehmen. Auch wir wünschen dem liebenswürdigen und talen⸗ 
sjeiten Künsftler für seinen neuen verantwortlichen Posten viel 
Slũcd. 
Das liebliche Weihnach'sfest mit seinen glänzenden 
eschmückten Tannenbäumen, strahlendem Lichterglanz, schönen 
ßeschenken und mannigfachen kulinarischen Genüssen, anderer⸗ 
its aber auch vielen Ausgaben für die Eltern, Onkel und 
'anten liegt nun wieder hinter uns und glücklich preisen 
iögen sich alle, die reich und nach ihren Wünschen beschenkt 
rorden lind, die sich ihren unverdorbenen Magen uber die 
resttage hinweggerettet haben und in deren Börse auch noch 
»wiel übrig geblieben ist, daß es für eine fidele Silvesterfeier 
ingt. Am ersten Festtag herrschte richtiges Weihnachtswetter, 
ämlich gelindes Frostwetter mit starkem Rauhreif und strich— 
beisem Schneefall, also richtiges Winterwetter. Abends trat 
Aieder leichter Frost ein; doch in der Nacht zum zweiten 
resttag erfolgte ein völliger Witterungsumschlag. Es erhob 
ch ein stürmischer Südwestwind, begleitet von unaufhörlichem 
degen. So endete das Fest hinsichtlich des Wetters recht 
ingemütlich. Tannenbaumbrände sind erfreulicherweise nicht vor⸗ 
ekommen. 
SWelilhnachtsfeier der Guttemplerloge, Glücksquelle“. 
lim zweiten Weihnachtsfeiertage, nachmittags, hatten sich die 
stitglieder der Loge „Glücksquelle“ des neutralen Guttempler- 
rdens mit ihren Kindern und zahlreichen Bekannten und Freunden 
ur Weihnachtsfeier versammelt. Drei prächtig geschmückte Weih— 
achtsbäume und nützliche kleine Geschenke harrten der freudig 
rregten Kinderschar, die das Zeichen zum Beginn der Feier 
aum abwarten konnte. Nach einem kleinen, von einer Dame 
usgeführten Klaviervortrage hielt der Vorsitzende der Loge, 
err Holzopfel, eine von Herzen kommende und sichtlich zu 
erzen gehende Ansprache an die Kinder, worauf von letzteren 
inige Weihnachtslieder gesungen wurden. Nunmehr nahmen die 
tinder an einer für sie hergerichteten Tafel Platz und wurden 
rit einer Tasse Scholbolade und mit Kuchen bewirtet. Nach 
ieser Erquickung traten sie bei Aufruf ihrer Namen vor den 
zabentisch und empfingen ihrem Alter entsprechende Geschenke, 
zährend sich die Erwachsenen am Kaffeetisch labten. Ein vor— 
üglicher durch Herrn Blöss dargestellter Weihnachtsmann sorgte 
ür Unterhaltung der Kinder, auch wurde ihnen ein kleines Tanz- 
ränzchen geboten, woran sich auch die Erwachsenen in zwang- 
oser Weise beteiligten. Auf allen Gesichtern lag der Ausdruck 
erzlicher Freude. Humoristische und ernste Vorträge und Reden 
rhöhten die Festesfreude, so dah jeder zu seinem Rechte kam. 
Mit dem Bewußtsein, einen genußreichen Abend verlebt zu 
aben. trennten sich die Festteilnehmer. Der Verlauf des Festes 
rbrachte wieder einmal einen vollgültigen Beweis dafür, daß 
s auch möglich ist, ohne Alkohol recht vergnügt zu sein. 
Schiffszusammenstoj. Aus Kopenhagen wird gemeldet: 
der schwedische Dampfer „Vestkusten“ aus Halmstad hat am 
3. d. M., mittags, als er vom Zollhause abging, um nach 
hßothenburg zu dampfen, im Außenhafen mit dem Dampfer 
Hesvik“ aus Tvedestrand, von Riga mit Holz nach Birkenhead, 
ollidiert. Letzterer wurde an Steuerbord mittschiffs ge— 
roffen und erhielt ein großes Loch unter der Wasserlinie, auch 
rurde ihm das Decd erheblich beschädigt. Der „Vestkusten“ er⸗ 
sielt nur leichten Schaden, kehrte aber nach dem Zollhause 
urück und ging am 25. d. M. nach Malms, um dort aul 
docums Werft zu reparieren. Dampfer „Hasvik“ kam hier 
in. um Kohlen zu nehmen. 
Die deutichen Krematorien im November 1913. Die 
ztatistik des November zeigt wieder das erfreuliche Ergebnis 
aß die Zahl der Einäscherungen in Deutschland lich erheblich 
ermehrt hat. Die einzelnen Krematorien melden, der Flamme 
ufolge, folgende Zahlen: Baden-Baden 8 6, V. 10), Berlin 
7. ). Bremen 50 (69), Chemnitz 53 (48), Coburg 21 672). 
/essau7 (I). Dresden 55 6G1), Eisenach 11 (10 Eßlingen 
(O). Frankfurt a. M. 6 (a), Gera 16 (17), Göppingen 8 (4), 
jotha 35 (42), Greifswald ĩ (0), Hagen 6 (2), Hamburg 50 
10), Heidelberg 8 (11), Heilbronn 6 (2), Jena 19 122), Karis- 
uhe 15 (16), Leipzig 93 (906), Lubeck 10 (135). Mainz 30 
23), Mannheim 26 (18), Meiningen 7 (8), Munchen (240(62). 
ürnberg (16 (0), Offenbach a. M. 20 (21). Poeßneck 4 613), 
eutlingen 1(1), Sonneberg i. Th. 13 615), Stutigart 34 
7). Tilsit 2 (0). Treptow-Berlin 8(0), Ulm 18 138). 
Jeimar 10 (9), Wiesbaden 12 (0). Zittau 28 28), 83widau 
. S. 18 (20), zusammen 818 (718), mithin eine Zunahme 
on 100 — 14 90. Unter den Eingeäscherten befanden sich 
86 Männer und 332 Frauen. Die Gesamtzahl der im Jahre 
913 bis zum 31. Nov, stattgefundenen Einäscherungen beträgt 
234 gegen 7954 im gleichen Zeitabschnitt des Borjahres, also 
ine Zunahme von 1280 — 1660. Die Anzahl aller in Deuisch⸗ 
and erfolgten Einäscherungen beträgt 55633. 
Der beste Schütze im 9. Armeekorps erhält alliährlich 
ine vom Kaiser verliehene goldene Uhr. Diesmal erhielt sie 
Interoffizier Karl Lill aus Bramstedt. Er dient bei der 
. Kompagnie des Inf.Regts. „Graf Bose“ in Altona. 
Die Apsfelfinen werden billig. Die Apfellinenernte ist 
n diesem Jahre ungewöhnlich ergiebig ausgefallen, nicht nur 
n Spanien und Poriugal, sondern auch auf den Balearen und 
m Algier. Das beweisen die großen Sendungen, die alltäglich 
Marseille, dem Zentralhafen für Apfelsinenexport, eintreffen. 
ie Früchte sind wohl zurzeit noch etwas sauer. da diese Apfel— 
nen die ersten der Saison sind. Aber das ist ein Fehler. der 
sch bald bessern wird und wir dürfen in der sicheren Hoffnung 
eben, daß wir in diesem Jahre ungemein billige und wohl— 
chmeckende Apfelsinen erbalten werden. 
o. Stadttheater. Spielplan vom 28. Dez. 1913 bis 3. Jan. 
qu4. GAenderungen vorbehalten): 
onntag, nachm. 3 Uhr: Weihnachtsmärchen. „Rumpelstilzchen.“ 
enntag, abends 744 Uhr: „Der lachende Ehemann.“ 
ontag, nachm. 3 Uhr: Vereinsvorstellung. 
ontag, abends 724 Uhr: „Der Freischütz.“ 
enstag, 7525 Uhr: „Der lächende Ehemann.“ 
ittwoh, 723 Ühr: Bunter Abend. 
o»nnerstag, nachm. 3 Uhr: „Rumpelstilzchen.“ 
onnerstag, abends 79 Uhr: „Fledermaus.“ 
reitaag. 740 Uhr: „Mignon.“ 
vnuabend, 8 Uhr: .Biel Lärm um nichts“.“ 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der AA. und 
W. Kondtantinopel, 27. .. (icidung des Wiener k. k. 
Telegr.KorrBureaus.) Die Wieldung, dah der deutsche und 
zer russische Botschafter vorgestern dem Großwesir einen neuen 
entwurf für die Reformenin Armenien überreicht hätten, 
st unrichtig. Die Botschafter hatten gestern mit dem Großa 
vesir eine gemeinsame Besprechung bezüglich der Frage von 
sesormen in Ostanatolien und über die beste Art der 
rösung dieser Frage. 
W. Wien, 26. Dez. Die Neue Freie Presse meldet aus 
Zofia: Ministerpräsident Radoslawo w hat dem 
Aönig die Demisfion des Ministers des Aeubern 
ßhenadiew überreicht. Der König hat die Demission 
ingenommen. Der Ministerpräsident übernimmt das Mini—- 
berium des Aeußern provisorisch selbst. Man glaubt, daß Tont- 
chew, der bisherige Finanzminister, das Portefeuille des Aeußern 
päter übernimmt. 
W. Petersburg, 27. Dez. (Meldung der Petersburge 
Telegraphen⸗Agentur.) Die in der Presse anlählich der bevor⸗ 
stehenden Urlaubsreife des rufssischen Botschafters in 
Zonstantino pel v. Giers verbreiteten Gerüchte, daß der 
Botschakfter seinen Posten verlassen werde. sind gänzlich un— 
hegründet. 
Aus der Reichshauptstadt. 
WV. Berlin, 27. Tez. Starker Sturm, der an 
25. Dezember in BSerlin und Amgegend getoht hat, ‚„ichtete 
nit orkanartigen Stößen von ganz, ungewöhnlicher Stärke viel 
ach Schaden anSqhaufensterscheiden wurden eingedrüdt 
nd Dadiegel. losgerissen und auf die Straße geschleudert. 
jin der Ede Friedrich⸗ und Jägerstraße ist ein fast 4 Meter 
anger Dachsims krachend auf den Bürgersteig gefallen. 
Mehrere Pafsanten konnten sich nur mit Mühe retten. Auch 
n den Waldungen, ist bedeutender Schaden angerichtet worden. 
wicht weniger als fünf größere, Bräggede ind 
in den Felertagen in Groß Berlin gusgebrochen. Die Lösch— 
Abeiten gestalteten sich teilweise so schwierig, daß fünf Feuer⸗ 
vehrleute dabei zu Schaden gekommen sind. 
Die in den laufenden Stadtetat für freie Mittags- 
peisung bedürftiger Gemeindeschüler eingestellte Summe von 
8 X erwiee e wentn aeend Vyß Ier 
agistrat in der nächsten Sitzung der adtvperordnetenver⸗ 
einn eine Vorlage einbringen wird, die weitere 50 000 M 
rür diesen Zweck fordert. 
Zugentglei ung. 
Groningen, 27. Dez. In der Nähe des Oranie-Kanals ist 
in Schnellzug entgleist. 5 Personen, unter denen 
ich auch der Sohn des Ministerpräsidenten befindet, sind ge— 
ötet und 12 verwundet worden. 
Schwere Bluttat. 
W. Oberstenfeld (Oberamt Marbach), 27. Dez. In der 
Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zwischen 3 und 4 Uhr 
am der seit einiger Zeit von seiner Frau getrennt lebende 
Wilhelm Kimmerlen von Beilstein hierher und brachte nach 
inem Streit seiner Frau, seinem Schwiegerdater und zwei 
zchwãgerinnen schwere Verletzungen durch Dolchstiche bei. Auf 
wei im Nachbarhause befindliche Männer, die auf die Hilfe⸗ 
ufe der Verletzten aus dem Fenster sahen, schoß er. Der 
vchwager Kimmerlens erhielt 18 Schrotkugeln in die Brust. 
zm ganzen wurden 8 Personen verletzt, teilweise sehr schwer. 
sach der Tat kehrte er nach Beilstein zurück, wo er einigeAuf⸗ 
„eichnungen machte. Als ihn ein Landiäger verhaften wollte 
erschoß er sich. 
Schwere Einfturzkatastrophe. 
Torre Annunziata, 27. Dez. In einem Raume, der zur 
Fabrikation von Feuerwerkskörpern dient, hat eine Explo- 
ion stattgefunden. Bisher wurden 14 Leichen und 5 Ver— 
etzte unter den Trummern hervorgezoagen. 
Rom, 27. Dez. Die Explosion erfolgte in einem Haus. 
n, dessen oberstenn Stockwerke sich eine geheime Werzk— 
tägtte, für Herstellung von Feuerwertstörpern be- 
and. Da während des Weihnachtsfestes die süditalienische Be— 
örkerung ihrer Freude vielfach durch Abbrennen von Ve— 
arden Ausdruck gibt, so war die Werkstätte mit Arbeit über- 
äuft und sechsundzwanzig Personen hatten Tag und Nacht 
4 tun. um die Bestellungen auszuführen. Von alledem 
atte die Polizei keine Kemitnis. Die AÄrbeit war im besien 
zange, als um 312 u nachts plötzlich eine Ungeheure 
“Xplofsion erfolgte, die die ganze Stadt aufwedte. Als 
ie Leute nach der Via Forno strömten, die von dichem Qualm 
;xfüllt war, zeigte sich, daß ein dort gelegenes dreistöckiges 
ßehäude vollkommen zerstört war. Wo das Haus gestanden 
jatte, erhob sich nur noch ein rauchender Trümmerhaufen, 
aus bem Wy immer von Zeit zu ein dumpfes Krachen 
röhnte. Erst jetzt erhielten, die Behörden Kunde von dem, 
vas die ganze Stadt gewußt hatte, und leiteten die Rettungs- 
ersuche ein, die nach Ankunft, der Neapeler Feuerwehr und 
xs Militärs in Fluß kamen. Doch waren die Arxbeiten übera 
ius schwierig, da siets neue Explosionen von Dynamita 
»Orräten zu befürchten waren. Der Besitzer der Werhstätte 
jat verbrecherisch leichtsinnig gehaust. Die Explosion entstand, 
ls der Direktor“ Ddas Fenster öffnen wollte, wobei er über 
ine Bombe stolperxte. Die Bombe platzte und sofort 
xaplodierte das ganze Pulvermagazin. das sich im Hause be—⸗ 
and. Nach einer anderen Version sol der eigene Bruder des 
direktors. der mit diesem verfeindet war, aus Vendetta 
as Haus in die Luft gesprengt haben. Tatsache ist jeden- 
glls, daß der Bruder entfsohen ist, während der Be— 
itzer in Stücke zerrissen wurde. 
Kollision zuwrier Dampfer. 
PC. Le Havre, 27. Dez. Eine heftige Kollision hat fich im 
iesigen Hafen zwischen dem Dampfer „Sainte Adresse“ und dem 
chwedischen Dampfer , Elisabeth“ ereignet. Beide Dampfer er⸗ 
itten schwere Beschädiaungen. Der Dampfer „Sainte Adresse“ 
odar so tief in den Rumpf des schwedischen Dampfers hinein- 
efahren, daß er nur mit Hilfe eines Schleppers aus ihnr 
erausgezogen werden konnte. Der durch die Kollision entstan- 
dene Schaden ist recht beträchtlich. 
3 Fischerboote untergegangen. 
W. London. 27. Dez. In der Nähe der Varoer-Inseln 
ind am Mittwoch drei Fischerboote, die mit neunzehn 
Nann ausgesahren waren, vom Sturme überrascht 
— und untergegangen. Die Besatzungen sind er— 
truRfTen 
* 
N. Kölu, 27. Dez. Dex Witwe des bei einem Flieger— 
moalück getöteten Gendarmen Schmidt aus Büchenbeuren wurde 
vurch die Stiftung einer namhaften Spende aus der 
Larnegiestiftunng eine Weihnachtsfreude bereitet. 
Die Wifwe erhält für jedes ihrer, sechs Kinder bis zunm sech- 
ehnten resp. achtzehnten Lebensjaht 120 Muiährlich. 
Mezieres, 27. Dez. In einer Fabrik in Mouzon exploq,— 
ierte eine Lötlampe, wobei zwei Arheiter getötet und 
— 
& . ẽ 
Angekommene Schiffe. 
trauemünde, 24. Dezember. 
Pass. 
D. Britannia. Jankowski. 
Kett Reiledaun 
—X 
von 
Emden
	        
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