Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wöchentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abenos, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
hreis für das Vierteljahr 3,30 MWark einschließlich 
Bringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
Besteleid 3,30 Mart. Einzelnummern 10 Pfa.! 
nzeigenpreis (Ausgabe 4 und B) für die 
etle 20 Pfg. Kleine Anzeigen (Arbeitsmarkt usw.) 
5Pfs., für Auswärtige 30 Pfg., f. Geschäftl. Mit⸗ 
ilnugen 1Mk. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
-matz den Anforderungen entsprechend höher. d — 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und hansestadt Lübed 163. Jahrgang Nachrichten sür das herzogtum Lauenburg, die 
beiblatt: Gesetz, und Verordnungsblatt e cruzgeem eene hürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren⸗ 
EEEEEEEEEEVVVVV —— 25 3 —E —— J zende mecklenburgische und holsteinische Gehiet. 
Drud und —2 Gebruder B or ch ers G. m. b. S. m Luͤbeck. — Geschäftsstelle Abrepuaus (Konigstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
Sonnabend, den 27. Dezember 19153. Abend⸗Blatt Ur. 653. 
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Ausqoł 
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Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 3 
Umfang der heutigen Nummer 6 Seiten. 
Nichtamtlicher Teil. F 
Der Friede im Raßssenstreit. 
Der Friedensschluh, der den Streit zwischen Aerzten und 
trankenkassen hoffentlich dauerhaft beendet, ist schneller ge— 
ommen, als man nach der Stimmung, die auf beiden Seiten 
utage trat. vermuten konnte. Auch die Vermittler selbst werden 
diesen raschen Erfolg nicht erwartet haben. Noch vor etwa vier⸗ 
‚ehn Tagen meinte Staatssekretär Dr. Delbrück bei seiner Beant⸗ 
vortung der bdonservativen Interpellation über die Krankenver⸗ 
icherung, er halte die Zeit für nicht gekommen, eine Vermitt- 
ung zu versuchen, er gebe aber die Hoffnung nicht auf, daß— 
»och noch eine Einigung zustande komme. Und noch vor wenigen 
Tagen stand im Korrespondenzblatt der freien Gewerkschaften zu 
esen, ein Friedensschluh mit dem Leipziger Verband sei unmöglich, 
uind man hielt Herrn Frähdorf, den Mortführer der Ortskranken— 
assen, für den Verfasser dieser Zeilen. Alle Anzeichen deuteten 
wwmit zum mindesten auf langwierige Verhandlungen. Nun 
haben zwei Tage genügt, um den Frieden zu stiften. 
Man tut dem Verdienste der Vermittler — neben Herrn Del— 
brück und seinem sozialpolitischen Adlatus Caspar nahmen auch 
dandelsminister Sydow und Ministerialdirektor Neuhaus vom 
Landwirtschaftsministerinm an den Verhandlungen teil — keinen 
Abbruch, wenn man den Frieden, der am dienstag in der 
Berliner Wilhelmistraße geschlofsen wurde, nicht als das Ideal 
einer wirtschaftspolitischen Verständigung ansieht. Noch immer 
leiben genug Einzelheiten übrig, die einer Verständigung von 
Fall zu Fall, von Ort zu Ort überlassen sind. Große Gruppen 
on Krankenkassen, die Betriebskrankenkassen der Eisenbahnen 
und die Knappschaftskassen sind von den Bestimmungen, wie 
iie jetzt in Berlin festgesetzt wurden, ausgeschlossen. Die Hono— 
rarfrage bleibt Einzelverträgen überlassen. Die Aenderung des 
Arztsystems, der Punkt also, der die vielberufene freie Aerzte— 
wahl, den Ausgangspunkt des Kassenstreites, betrifft, kann nicht 
aur bei Uebereinstimmung beider Teile vorgenommen werden, 
ondern auch, wenn bei mangelnder Einigung beider Teile ein 
‚wichtiger Grund“ vorliegt. In alledem liegt noch genug Zünde— 
toff für Konflikte; man weiß, welche erbitterten Kämpfe schon 
um die Honorierung geführt wurden. Das wird in Zukunft 
oermutlich nicht anders sein. Und auch über das, was ein 
‚wichtiger Grund“ sei, um eine Aenderung des Arztsystems zu 
ꝛechtfertigen, werden Aerzte und Kassen oft recht verschiedener 
Meinung sein. 
Wenn aber dennoch Aussicht vorhanden ist. daß *ι 
Ztreitigkeiten nicht denr Frieden im ganzen Reiche gefährlich 
zerden, so bietet hierfür die Ausgestaltung des Schiedswesens 
jewähr. Wenn einmal die paritätisch besetzten Schiedsämter ge— 
orochen haben, deren Entscheidung für beide Teile bindend ist, 
»bedeutete eine Auflehnung, sei es der Aerzte oder sei es der 
assen, an irgend einem Orte einen groben Vertrauensbruch. 
ie Organisationen würden dann völlig außerstande sein, durch 
oralische oder materielle Druckmittel wie Boykott, Sperre und 
ergleichen mehr, ihren Berufsgenossen zu Hilfe zu kommen. In 
er Regelung des Schiedsgerichtswesens sehen wir darum die beste 
zrundlage, da ein Zustand, wie wir ihn in den letzten 
ahren erlebt haben, am ehesten zu vermeiden ist. 
Die Einsicht in diese Friedensgewähr wird hoffentlich auch 
ie Beteiligten, welche nicht mit allem, was in Berlin erreicht 
zurde, zufsrieden sind, jetzt der Einigung günstig stimmen. Gewiß 
aben die Aerzte nicht die bedingungslose Anerkdennung der freien 
lrztwahl erlangt, aber auch den Kassen ist es nicht gelungen, 
un nach reinem Belieben ihre Aerzte auszuwählen. Sie sind 
erpflichtei, die Aerzte zu nehmen, welche durch die Eintragung 
mein Register ihren Willen erklärt haben, Kassenpraxis zu über—⸗ 
lehmen. Und wenn auch die Auswahl unter den in dieses Re— 
ister eingetragenen Aerzten einer Verständigung zwischen Aerzten 
nd Kassen überlassen bleibt, der Arzt also durch die Eintragung 
och kein Recht auf Beschäftigung von seiten der Kassen ge— 
onnen hat, so ist doch die Beschäftigung der Nerzte der 
reien Willlür der Kassen entzogen. Auch daß die Zahl der 
nzustellenden Aerzte sich nach der Zahl der Versicherten bemessen 
oll, ensspricht nicht dem Ideal der freien Arztwahl, aber 
s gibt doch einen gewissen Maßstab für die richtige Verteilung 
on ärztlichem Angebot und Nachfrage, wobei jetzt nicht weiter 
intersucht werden soll, ob die Zahlen von mindestens 1350 bezw. 
000 nun gerade den richtigen und unwandelbaren Mapstab 
arstellen. Das wird auch sehr von lolalen Verhältnissen 
ind Berufssstand der Versicherten abhängen. Das Prinzip ist 
ꝛeniastens anerkannt, daß nicht die Kassen die Zahl der 
lerzte derart einschränken, daß es doch wieder auf eine 
Monopolstellung einiger weniger Aerzte herauskommt.. 
Hier wie in anderen Punkten das richtige Maß zu finden, 
as wird man eben der praktischen Erfahrung überlassen müssen. 
das läßt sich nicht von heute auf morgen entscheiden. Auch die 
nderweite Unterbringung der Aerzte, die während des Kampfer 
n die Stelle der kämpfenden Berufskollegen traten, wird sich 
icht so einfach regeln lassen. Aber das mindert doch nur 
benig die Bedeutung des Friedensschlusses, der die Grundlagen 
chafft für einen Frieden, der hoffentlich über die zehn Jahre 
einer vertragsmäßigen Dauer hinausgeht. 
Dänische Antwort. J 
Die Flensburger Nordmark-Versconmlung hat in danischen 
Treisen diesseits und jenseits der Grenze starken Eindruck gemacht. 
kine gut drientierende Zusammenfafssung aus dem Königreich 
dänemark ist in einer Kopenhagener Korrespondenz der Kölnischen 
zeitung enthalten. Es heihtt darinn 
„Die von der Versammlung in Flensburg am 14. Dezember 
esaßte Resolution hat in Dänemark in weiten Kreifen sehr un- 
timmend gewirkt; namentlich haben viele Kopenhagener Preke 
rgane verschiedener politischer Parteifarbe sich darüber sehr un⸗ 
ehalten ausgesprochen, dan die Flensburger Versammlung, au 
er mehrere höhere deutsche Staatsbeamte teilgenommen hatten, 
eschlossen habe, die Regierung in Berlin zu ersuchen, dahin zu 
dirken, da man in Dänemark die Verpflichtungen aus dem Op- 
antenvertrag erfülle. Es ist hier sogar von verschiedenen Seiten 
ie Erwartung zum Ausdruck gelommen, daß das dänische Aus⸗ 
»ärtige Amt an mahgebender deutscher Stelle wegen der Dänemari 
„urch die mehrerwähnte Resolution zugefügten „Beleidigung“ 
ewisse Schritte unternehme. Wenn auch ein amtliches Ein— 
hreiten dänischerseits recht unwahrscheinlich sein dürfte, sucht 
nan von privater Seite aus um so eifriger nach Mitteln, 
ie geeignet seien, den Deutschen die hier herrschende Miß— 
immung über die Flensburger Vorgänge klar vor Augen zu 
ühren. So haben mehrere hiesige Geschäffsleute beschlossen, 
ber ihre deutschen Verbindungen in Schleswig-Holstein den 
zoykott zu verhängen. Der Anfang ist mit dem Flensburger 
dommerzienrat Hübsch gemacht worden, der sich unter den— 
migen Personen befand, die die Einladung zur Flensburger 
zersammlung erließen. Herr Hübsch hat während einer langen 
deihe von Jahren eine rege Geschäftsverbindung mit dänischen 
setreidekaufleuten und Müllern unterhalten und soll in Däne- 
nark viel Geld verdient haben. Auf der Kopenhagener Börse 
aben etliche der bisherigen größten Kunden des Herrn Hübsch zu 
rkennen, daß sie die geschäftliche Verbindung mit dem Letzt— 
enannten nicht fortsetzen wollen. Das Kopenhagener Blatt 
zoveditaden spricht seine Freude über das „vaterländische und 
on daänischem Gemeinschaftsgefühl zeugende Verhalten“ der be⸗ 
reffenden dänischen Großkaufleute aus! In dieser Verbindung 
nag noch erwähnt sein, daß auch in der gestrigen Sitzung des 
rolkethings des Reichsstages von konservativer Seite die Flens⸗ 
jurger Vorgänge zur Sprache gebracht wurden. Während der 
zerhandlung über einen vom Handelsminister vorgelegten Gesetz⸗ 
orschlag über die Stellung der Handlungsreisenden in Däne- 
rark, denen die Regierung gewisse Erleichterungen eingeräumt 
ahen will, erklärte der konservative Abgeordnete Schopelin, 
ah er die Frage in Verbindung mit den bevorstehenden Ver— 
jandlungen über neue Handelsverträge gelöst haben möchte, und 
aß jedenfalls zurzeit kein Anlaß vorliege, den deutschen Hand⸗ 
ungsreisenden ihre Lage zu erleichtern; das würde ganz und 
zar nicht am Platze sein, so lange die Deutschen der An—⸗ 
chauung huldiaten. die durch die Flensburger Schlaqworte: 
der sich ein- bis zweimal in der Woche zur Teestunde im Palais 
einfand, immer stärker hingezogen sühlte, zumal er nie versäumte, 
einige liebenswürdige Worte an sie zu richten. 
Der junge Graf Michail Nikolaiwitsch, ein schöner Mann von 
distinguierter Erscheinung, ritterlicher Gestalt. war mit jeinen 
neancholischen Augen so zecht dazu geschaffen, Eindruck auf 
jrauenherzen zu machen, um wieviel mehr mußte ihm das Herz 
ieses jungen, verwaisten Mädchens entgegenschlagen. Dazu kam, 
an seine chevalereske Art gleichsam sieghaft auf jeden, der mit 
hm in Verkehr kam, wirkte, jeder für sich davon überzeugt 
var, dab seine Liebenswürdigkeit speziell ihm gelte. So war 
s natürlich, dab auch Tatjang so fühlte, ja als unerfahrenes 
unges Mädchen, das noch dazu den Kopf voll von romantischen 
Träumen und Hoffnungen hatte, sich sein freundliches Entgegen- 
ommen ganz anders auslegte, ihr Herz schlagen fühlte, wenn 
ie nur seinen Namen nennen hörte. 
Michail hatte auch wohl den Eindrud gemerkt, den er auf 
»as junge Mädchen machte, und wenn er seinen Vorteil nicht 
»araus zog, so lag dies nicht etwa an irgend welchen morali— 
chen Bedenken — denn er war in keinen Weibergeschichten durchaus 
cicht strupulss —, sondern eher daran, daß sein Herz vielleicht 
rugenblicklich nicht frei war. 
Trotzdem also Tatijanas Liebe vorläufig keine Nahrung fand 
der vielmehr gerade deshalb entfaltete sich dieselbe immier 
särker und lieh sie auch die quälerische Behandlung der alten 
ßraͤsin ertragen. Denn Tatjana war sich wohl bewußt, daß 
ie, um dem Grafen nahe zu fein, ihn wenigstens ab und zu 
ehen und sprechen zu können, sich ihre Stellung im Hause er— 
alten mußte. Nber was sie auch sonst noch an das gräfliche 
zalais, welches sie in diesem Falle geradezu als eine Schutzwehr 
insah, fesselte, war die Furcht vor Nemilow. Gleich in der 
rsten Zeit ihres Aufenthaltes bei der Gräfin hatte sie von ihm 
in Briefchen erhalten, worin heiße Liebesworte standen, und 
horin er sie von neuem anflehte, ihm nicht jede Hoffnung für 
ie Zukunft zu nehmen. Tatjana hatte den Brief mit Zittern 
elesen und dann verbrannt; hoffend, daß, wenn sie nichts von 
ich, hören ließ, er seine Belästigungen einstellen würde. Aber, 
»al sie sich darin getäuscht, hatten ihr schon die nächsten Tage 
zezeigt. denn als sie einmal zufällig am Fenster stehend guf die 
ztraße sah, erblickte fie ihn, wie er auf der bem Palais 
Tatjana. 
Roman aus dem Leben Petersburgs 
von Haus Becker. 
2. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
Nemilow merkte wohl, was in ihr vorging, und schmerzlich 
iächelnd sagte er: 
„Seien Sie ganz ruhig, Tatijana Alexandrowna, ich bin nicht 
betrunken, wenigstens nicht betrunken, wie Sie das glauben, 
venn ich vielleicht auch meinen Kopf nicht ganz in der Ge— 
walt habe. Sie sind noch jung, können noch nicht einmal be— 
zreifen, was in mir vorgeht, aber, Tatjana Alexandrowna, ich —“ 
und wieder überkam es ihn wie auf seinem Zimmer, er stürzte vor 
hr nieder, griff nach ihrer Hand, und schluchzend stieß er hervor: 
„Nein, ich leide es nicht, ich siebe Sie, Tatjana, ich lasse Sie 
nicht von mir, gehören Sie mir!“ 
Er bedeckte ihre Hand, die sie ihm vergeblich zu entwinden 
uchte, mit Küfsen, er kühte ihr Kleid, er hätte ihre Füße geküht, 
die slawische Natur war bei ihm durchgebrochen, jede Beherrschung 
don ihm gewichen. 
Bleich, verstört siand er da. Die Gegend, in der sie sich 
befanden, war einsam, kein Mensch weit und breit, sie war ihm 
vilstos preisgegeben. 
Soaeben noch von dem Glanze der großen Welt träumend, seh 
ie diesen Armseligen hier zu ihren Fühen. Ein Ekel padte sie. 
„Iwan Petrowitsch!“ schrie fie auf. „Lassen Sie mich, 
ommen Sie zu sich/ /“/“ 
Dabei versuchte sie, ihm ihr Kleid zu entreißen und endlich, 
endlich ließ der Paroxismus bei ihm nach, er schlug die Hände 
vor's Gesicht, und nur noch leise weinend, ließ er sie frei. 
„Tatjana Alexandropna, detzeihen Sie mir, verneihen Sie, 
daß ich Sie liebe, daß ich Ihnen meine Liebe gestanden habe, 
dai ich Ihre Trauer. Ihre Tugend mit meiner Leidenschoft 
destört — es war stärker als ich ich bin unterlegen — geben Sie 
mir ein gütiges Wort, daß ich nicht der Verzweiflung anheim— 
alle. nehmen Sie mir nicht alle Hoffnung, ich will streben, ich 
will arbeiten, um mich zu Ihnen zu erheben.“ 
Es war wieder der ruhige Mensch, der ihr all die Zeit hin⸗ 
durch treu zur Seite gestanden, ihr Mitleid regte sich, ja nicht 
nur Mitleid. Nachdem die Furcht vor seinem Ausbruch ge⸗ 
chwunden, erfüllte sie auch ein wenig Stolz auf ihre Eroberung. 
das Weib war in ihr erwacht und genoß das Gefühl der Macht, 
as es auf den Mann auszuüben imstande ist. 
Schweigend noch, aber schon versöhnt, reichte sie ihm die 
»and, und ohne weiter ein Wort zu sprechen, kehrten sie zum 
zutshof zurück. a 
Die Tage vergingen mit Vorbereitungen für die Abreise, dann 
aum der Tag der Trennung. 
Nemilow hatte sich die ganze Zeit still verhalten und auch 
eute, am letzten Tag, störte nichts den Abschied. Der Wagen 
»ar vorgefahren, Tatjana verabschiedete sich von der noch 
n Hause zurücgebliebenen Dienerschaft, die alte Marfa, die sie 
ur Bahnstation begleitete, war ächzend aufgeklettert und Tatjana 
bandte sich nun an Nemilow, ihm die Hand reichend. 
Schnell faßte er sie, drüdte glühende Küsse darauf, flüsterte 
nur ihr verständlich: 8 
„Ich lasse Sie nicht, was auch kommen mag.“ 
Dann hob er sie auf den Tarantaß, und sort ging es in 
nie Welt. in das Leben. 
III. 
Im Apraxinschen Palais war heute wieder einmal, wie die 
dienerschaft sich ausdrückte, der Teufel los. 
Die alte Gräfin Nagte über ihre Nerven und kehrte die schlech— 
ste Laune heraus. 
Schon am Teetisch hatte es angefangen, alles wurde ge— 
adelt. Die Sahne sei säuerlich, die Butter, das kranzösische 
Beipbrot hart. Unliebsame Worte folgten dann, und ihr: „Liebe 
'atjana Alexandrowna, Sie müssen besser aufpassen, mich 
nsame, alte Frau nicht so vernachlässigen“ klang so spitz 
af man die Traäͤnen in Tatjanas Augen verstehen konnte. 
Bußte sie doch im voraus, daß das den ganzen Tag anhalten 
rürde, dap die Gräfin, wenn sie einmal angefangen, kein Ende 
inden konnte. 
Ach, wie war alles so anders gekommen, als sich Tat—⸗ 
ana erträumt. 
Seit vielen Monaten war sie nun hier im Hause. Immer 
ur Dienst um eine launenhafte Frau, niemals ein Wort der Liebe. 
)azu im Herzen noch die Trauer um den Vater, um die verlorene 
eimat, die Freundinnen im Institut. 
So war es kein Wunder, daß. sich Tatiana zum jungen Grafen,
	        
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