Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Neueste Nachrichten und Telegramme 
der A.u nud Z. 
Weihnachten im Kaiserhause. 
WV. Neues Pala's, 24. Dez. Der Kaiser und die 
Kaiserin feiern mit den anwesenden Kindern das Weihnachts- 
est auch in diesem Jahre in hergebrachter Weise. Heute vor⸗ 
nittag 11 Uhr machte der Kaiser bei Schneegestöber seinen am 
Weihnachts⸗Heiligenabend gewohnten längeren Spaziergang im 
Park von Sanssouci und Umgebung. Bei Veginn des Spazier⸗ 
ganges erfreute der Kaiser die Gartenarbeiter, über hundert, 
zdurch Geldgeschenke. Gestern nachmittag besuchte der Kaiser 
die Weihnachtsbescherungen bei den Regimentern der Leibgarde⸗ 
Husaren und der Gardes du Corps. Er gedenkt heute nachmittag 
3Uhr der Bescherung der Leibkompagnie des 1. Garderegiments 
u Fuß beizuwohnen. Im Muschelsaale des Neuen Palais 
ist die Geschenktafel mit den Weihnachtsbäumen sür das Kaiser⸗ 
paar, die Damen und Herren der Umgebung, die Kinder und 
knkelkinder aufgebaut worden. Die Kaiserin war noch am Vor⸗ 
nittag mit den Damen damit beschäftigt, die Gaben zu ordnen. 
— General von Löowenfeld nahm als Gast des Kaifers 
nur die Festtage im Neuen Palais Wohnung. Am Nachmittag 
vird durch die Kaiserin der Dienerschaft im Schildersaale be⸗ 
chert. Um 4 AUhr ist Weihnachtstafel in der Jaspisgalerie, um 
itUAhr beginnt die Bescherung im Muschelsaale. 
Berlin, 24. Dez. Die kronprinzliche Familie ist 
heute morgen in Berlin eingetroffen und wird das 
Weihnachtsfest in der kaiserlichen Familie verleben. Der Kron⸗ 
rinz führt später noch einmal nach Danzig zurfck auch die 
tronprinzessin wird ihn dorthin begleiten. 
Die gefundheitliche Behandlung der Seeschiffe im Kaiser⸗ 
Wilhelnt⸗Kanal. 
Berlin, 24. Dez. Dem Reichstag sind die Beschlüsse des 
zundesrats über die Vorschriften wegen der gesundheitlichen 
Behandlung der den Kaiser-Wilhelm.Kanal benutzenden See— 
chijfe zugegangen. Es sind besondere Bestimmungen getroffen 
ber die Behandlung:; der Schiffe, die aus der Ostsee oder 
Rordsee kommen und nach einem Hafen (Lösch- oder Ladestelle) 
nnerhalb des Kanals oder an der Elbe oder Kieler Förde 
ahren wollen. Außerdem sind besondere Bestimmungen er— 
assen für die Behandlung solcher Schiffe, die aus der Ostsee 
voder Nordsee kommen und nach einem entfernteren deutschen 
dafen fahren wollen oder, ohne einen deutschen Hafen anzu— 
aufen, in das Ausland gehen. 
Aus Braunschweig. 
Braunschweig, 24. Dez. Die Ernennung des Legations— 
rats Boden zum Minister des Innern hat in Braun— 
chweig große Befriedigung hervorgerufen, weil der neue Mi— 
nister ein entschiedener Gegner der hannoverschen 
Welfen ist. Man hofft, daß damit eine endgültige Abfage 
der herzoglich-braunschweigischen Regierung an die hannoverschen 
Welfen dokumentiert werden soll. Irgendwelcher Neujahrs⸗ 
mpfang oder eine Begrüßung welfischer Führer durch den 
Serzog ist ausgeschlossen, genäß den Wünschen, die von Berlin 
und Gmunden der herzoglichen Regierung zugegangen sind. 
Dem Herzog von Cumberland ist die anspruchsvolle Haltung 
er hannoverschen Welfen, der mit Recht darin eine Er— 
chwerung der Stellung seines Sohnes in Braunschweig erblidt, 
imbequem geworden. Wie aus Gmunden gemeldet wird, er 
hielten sämtliche leitende Kabinettsbeamte des Herzogs von 
Lumberland schriftlich Befehl, weitere Auslassungen zur han- 
iorerschen Frage weber zu veranlassen noch Auskünfte darüber 
un die Presse oder an Personen zu erteilen. Eine Erklärung 
u der antipreußischen Rede des hannoverschen Welfenführers 
vird nicht erfolgen. 
Der Kriegsminister gegen das Journal d'Alface⸗Lorraine. 
Straßburg, 24. Dez. Um 113 Uhr mittags wurde nach 
einstimmiger Beratung des Gerichtishofes das Urteil gegen den 
Lorraine verkündet. Danach wurde der Angeklagte Jung, der 
den inkriminierten Artikel verantwortlich gezeichnet hatte, zu 
)rei Wochen Haft verurteilt, außerdem wurde auf Veröffent⸗ 
lichung des Urteils in den Straßburger Neuesten Nachrichten, 
der Straßburger Post und dem JIvurnal dAlsace⸗Lorraine er— 
lannt. Hinsichtlich des Angeklagten Mink wurde das Ver—⸗ 
ahren abgetrennt und die Vertagung ausgesprochen, da der 
Ztaatsanwalt im Verlaufe seines Plädoyers erklärte, er werde 
»en Beweis antreten, daß Mink der Verfasser des mit dem 
VPseudennm „Lippo Memmi“ unterzeichneten Artifels set 
Prinz zu Wied. 
Köln, 24. Dez. Prinz Wilhelm zu Wied ist heute rormittag 
nit seiner Familie in Neuwied eingetroffen. Er hat, 
vie miigeteilt, in Berlin die Abgesandten des all ichen Volkes 
mpfangen. Auf seine Einladung kommt diese Abordnung nach 
Reuwied. um dem Prinzen einen Besuch abzustatten. Auf der 
ahrt nach Alhanien werden die Ahgesandten den Vrinzen be— 
leifen 
Die deutschefranzösijchen Verhandlungen. 
Berlin, 24. Dez. Gleich im Januar werden die deu tsch⸗ 
französischen Verhandlungen wieder aufgenommen werden, die 
im Auswärtigen Amt in Berlin seit dem November stattfinden 
uind deren Gegenstand kleinasiatische Bahnfragen und kürkische 
Finanzfragen sind. Wenn die Verhandlungen bisher noch nicht 
u einem positiven Ergebnis geführt haben, so liegt dies nicht 
an dem guten Willen der Bevollmächtigten, die sich, auf fran—⸗ 
zösischer so gut wie auf deutscher Seite. darüber ksar sind, 
daß Konzessionen von beiden Seiten die Voraussetzung des 
kinverständnisses sind. Die Unterbrechung der Verhandlungen 
st nur dadurch eingetreten, daßz zwei der französischen Bevoll⸗ 
nächtigten. Herr Ponfot vom Ministerium der auswärtigen An—⸗ 
gelegenheiten und Herr Sergent, der Vizedirektor der „Bank 
von Frankreich“, sich nach Paris begeben haben, um das Weih— 
nachtsfest dort in ihrer Familie zu verleben. Gleich nach ihrer 
kückkehr werden die Berliner Verhandlungen ihren Fortqanq 
rehmen. 
Frankteichs Enttäufchungen mit der schwarzen Armee 
Maris, 24. Dez. Heute wird gemeldet, daß auch jene 
oo Neger aus Gugdelgupe, die man“ in bas“7 
Kolonial-⸗Infanterieregiment in Bordegus einstellte, sich nfolge 
des Zlimas, das ie nicht vertragen Tonnen, in einer schle hbien 
ßesundheitsverfassung befinden, 15 Mann liegen schwer bant 
im den Lazaretten, drei find, bereits gestothen. Das Kriegs— 
ninisterium hat eine Unterfuchung ingeleitet und verlangt, 
nan solle Vorschläge machen, wie die matischen Einflaffe 
bei den schwarzen Soldaten zu bekämpfen seien. 
kine Nenerlindung für die Luftifahrt von England angekauft. 
Wien, 24. Dez. Die von dem österreichischen Flugzeug— 
'onstrulteur und Luftschiffer Dr. Ninführ erfundene auts— 
natische Kipp- und Sturzsicherung für Flugzeuge, 
e iedes Kippen nach der Länas- oder Querrichtung umßzahn 
nachen sollen, wurde von der englischen Marineverwaltung für 
00 000 Kronen zur ausschließlichen Verwendung erworben. Es 
vird erwähnt, daß der Erfinder seinerzeit der österreichischen 
»eeresperwaltung die Erfindung gratis angeboten habe, aber 
urüchgewiesen worden sei, 
— 
W. Berlin, 24. Dez. Die Norddeutsche Allgemeine 
zeitung schreibt:“ In seiner Zuschrift an die Kreuzzeitung 
ahm der Polizeipräsidentvon Berlin nicht in seiner 
mntlichen Eigenschaft. sondern als Privatperson zu dem kriegs⸗ 
erichtlichen Verfahren gegen den Leutnant v. Forstner 
ztellung. Bei der politischen Bedeutung der Angelegenheit 
ird selbstverständlich die Staatsregierung zu entscheiden haben, 
»b und inwieweit im vorliegenden Falle die freie Meinungs- 
sußerung die Grenzen überschreitet, die dem politischen Be⸗ 
mten auch als Privatperson durch seine Stellung gezogen sind, 
ind die nötigenfalls erforderliche Korrektur eintreten lassen. 
V Berlin. 24. Dez. Die Norddeutsche Allge— 
neine Zeitung schreibt: Ein schönes Bild von Opfer⸗ 
dilligkeit unserer Landleute in Brasilien zeigen die jetzt be— 
annt gewordenen Ergebnisse derr Sammlungen, die an— 
äblich des Regierungsjubiläums des Kaisers 
unden deutschen Kreisen Brasiliens veranstaltet 
eind. Für deutschnationale Zwechke im Lande selbst, Vereins— 
wede, Schulen, Kirchen und Volksbibliotheken sind etwa 60 000 
Nark aufgebracht worden. Ferner wurden etwa 3600 M dem 
zentrallomitee des Deutschen Vereins vom Roten Kreuz über—⸗ 
iesen. Beide enthalten namhafte Einzelbeträge angesehener 
Nitglieder der Kolonie. 
W. Meran, 24. Dez. Der österreichische Finanzminister 
ßraf Zaleskisist gestorben. 
W. Konstantinopel, 24. Dez. Die Regierung bereitet ein 
ieues Militärdienstgesetz vor. Der Entwurf sieht die allge— 
neine Dienstpflicht vor. Die Nichtmuselmanen werden 
segen Zahlung einer Loskaufsumme vollständig vom Militär— 
ienst befreit. Der Entwurf betreffend die Reorganisation 
er Dienstzweige im Kriegsministerium ist der deutschen Mili— 
ärmission zum Studium überantwortet worden. Die deutsche 
Nilitärmission hielt gestern unter Teilnahme des Kriegs⸗ 
ninisters eine Sikung ab 
Verlehrsftörung darch Schneefall. 
Köln, 24. Dez. Durch die in der vergangenen Nacht im 
zergischen Lande gefallenen Schneemassen sind im Be— 
rieb der Staatsbahn und Kleinbahnen erhebliche Störun-—⸗ 
sen eingetreten. Die Züge der Staatsbahnen treffen mit 
roßen Verspätungen ein. Auf der Kleinbahnstrecke Rem⸗ 
cheid — Solingen ruht der Betrieb teilweise. Im oberen 
SZaartal hat die Kälte der letzten Tage eine starke Eisbildung 
jervorgerufen. Die Schiffahrt auf dem Saarkanal mußte bis 
ruf weiteres eingestellt werden. Im ganzen Rheintal hält 
jer Schneefall an. 
Ein neuer Preis für bildende Kunst. 
IJ„Wien, 24. Dez. Die „Gesellschaft der bildenden Künste“ 
zeschloß, einen alllährlich zu vergeben Preis von s0 ooo Kr. 
uür hervorragende Kunstwerke der Malerei, Bildhauerei und 
Irchttektur zu zahlen. Der Preis soll abwechselnd einem öfter— 
eichischen und einem ausländischen Künstler zustaktten ommen 
W. Hamburg, 249. Dez. Der HAmburger Dampfer 
Emir“, von Afrika kommend, ist bet Julessand mit dem 
usgehenden Bremer Dampfer „Vulcan“ kollidiert. 
Vulcan“ ist schwer leck geworden und wurde auf Strand 
eletzt; der Dampfer ist voll Wasser gelaufen. Der Dampfer 
Emir“ ist mit schwerem Bugschaden an die Stadt gekommen. 
)er zweite Offizier des „Vulcan“ ist verletzt und mit dem 
Emir“ nach Hamburg gebracht worden. 
W. Samburg, 24. Dez. Die Vereinigten Elbe⸗ 
hiffahrt-Gesellschaften geben bekannt, daß in ihren 
ilverlehren die Expeditionen der vorgeschrittenen Jahreszeit 
ind des verringerten Güterangebots wegen, fortan nicht mehr 
egelmäßig, sondern nur nach Bedarf stattfinden. 
WV. Bremen, 24. Dez. Der Norddeutsche Llonyd 
at dem Bremer Vulkan in Vegesakd den Bau von drei 
roßen Frachtdampfern von ie 12000 Tons Trag- 
ihigleit und 13 Meilen Geschwindigkeit in Auftrag gegeben. 
ie Dampfer fsind für den Ostasiendienst bestimmt. 
W. Berlin, 24. Dez. In dem Prozeß Koghen wurde 
er Angeklagte Koghen wegen fortgesetzten Betruges zu zwei 
jahren Gefängnis unter Anrechnung von einem Jahr sechs 
Nonaten Untersuchungshaft pberurteilt. Die Mitangeklagten 
lakubowitz und Gelhorn wurden freigesprochen. 
W. Frankenberg (Sachsen), 24. Dez. Der bei dem Eisen⸗— 
sahnunglück am Harrasfelsen schwerverletzte Reisende 
dloß-⸗Dresden ist in der letzten Nacht im hieligen Kranken⸗ 
aufe gestorben. Damit ist die Zahl der Opfer auf zehn ge— 
tlegen. 
München, 24. Dez. In Imnflingen hantenp fand 
er, Landwirt Stentz bei der Heimkunft seine Frau an einem 
zalen aufgehüngt vor. Sie hatte vorher ihre zwei Mädchen 
rwürgt. Die Tat geschah wahrscheinlich in einem Mufall von 
eistiger Umnachtung. 
W. München, 24. Dez. In der vergangenen Nacht wurden 
den Erdgeschossen der neuen Pinakothet drei Ge— 
bälhde im Gesamtwerte von 3000 Marfk ehedeen Der Dieb 
at auch andere Räume des Erdgeschosfes besucht, in denen sich 
»ertvolle Antiquitäten befinden, die er iedoch unberührt ließ 
7 ist unerkannt entkommen. 
Meßtz, 24. Dez. Nach einer Blättermeldung ereignete sich 
ei Chateau-⸗Salins ein AUtomobilunglüc, wobei die 19— 
aührige Tochter des Hotelbefitzers Woizard aus Chateau⸗Salins 
ofort getötet wurde. Die übrigen drei Insassen, der Bruder 
»es Mädchens und die Eheleute Bod find schwer verletzt. 
W. Stochholm. 24. Dez. Der ehemalige Unteroffizier 
boerngren wurde heute wegen Spionage zu fünf 
Jjahren Strafarbeit und zwei Jahten Ehrverlust und der ehe— 
nalige Student Holsteinsson zu drei Monaten Gefänanis ver— 
irteilt. 
London, 24. Dez. Zwei deutsche Matrosen, Deser⸗ 
eure aus Kiel, sind gestern von den britischen Behörden 
sach Deutschland ausgeliefert worden. 
W. Prag, 24. Deze Zwei Männer und drei Frauen 
ind verhaftet worden, die in zwei eigenen Werkstätten in 
zororten Banknoten und Silbergeld in großer Menge 
zergestellt und in Umlauf gefezt hatten. 
Varis, 24. Dez. Der Streik der Sscchlachter in den 
Szchlachthäusern dauert an. Nur in, La Vilette arbeiteten die 
schlachter heute vormittagg. In Vaugirard ist der Streit 
n den Schlachthäusern fast allgemein. 
Georgetown (Britisch Guahang), 24. Dez. Es ist festgestellt, 
aß bei X gestriaen Feuer 23 Persfonen umgekom⸗- 
nwen iin 
fus den Nachbargebieten. 
Großherzogtümer Medlenburg. 
Schwerin, 25. Dez. Auszeichnung des Oberpon— 
»irektors Dehn. Der Großherzog empfing den Oberposta 
irektor Geh. Oberpostrat Dehn, der am 1. Jan. in den Ruhestand 
ritt, in Abschiedsaudienz und verlieh ihm das Großlom turkreug 
ʒes Greifenordens. — Jum Schlobbrand. Die beim Schloh⸗ 
rand aus den gefährdeten Gemächern in Sicherheit gebrachten 
Nöbel, Gemälde usw. wurden vorgestern von Mannschaften des 
reldartillerie Regiments Nr. 60 ins Schloß zurücktransportiert. 
- Berkauft hat Rittergutsbesitzer Manzel auf Balkenkopper 
ein Gut an Landwirt Weidel. Der Preis für die Liegenschaften 
eträgt 374 000 M, für das Inventar 10 000 M. 
DT. Rostock, 25. Dez. 80jähriger Geburtstag 
»es Generals Bronsart von Schellendorf. Der 
rũbere preuhische Kriegsminister und General der Infanterie 
Bronsart von Schellendorf beging Dienstag auf seinem Gute 
Narienhof seinen 80. Geburtstaaq. 
Rostock, 25. Dez. Seltsamer Tod einer Russin 
zei Rostock. Mord ader Selbstmorde Diens tag 
nittag kurz vor 1 Uhr hat sich am Zuleitungskanal der Warnow 
n der Nähe der Eisenbabnbrücke der Strecke Rostock Stral⸗ 
und eine seltsame Affäre abgespielt, die sich alleim Anscheine 
ach als ein schweres Verbrechen darstellt. Der an der Brücke 
edienstete Brückenwärter sah kurz vor 1 Uhr zwei Personen, 
inen jungen Mann und eine junge weibliche Person auf einer 
Wiese an der Warnow sich in auffälliger Weise umhertreiben; 
r beobachtete das sonderbare Paar längere Zeit und sah 
u seinem Erstaunen, daß der Mann mit dem Frauenzimmer 
n den Kanal sprang. Nach kurzer Zeit kam der Mann wieder 
us dem Wasser heraus, sprang aber bald noch einmal in den 
danal und holte das Mädchen ans Land, wo er es am Ufer 
iederlegte. Dann lief der Fremde davon. Det Brückenwärter 
erfolgte ihn jedoch und es gelang ihm, den Mann zu ergreifen. 
dachdem der Beamte festgestellt hatte, dah das Mädchen era 
runken war, führte er den Mann der Rostocker Staatsanwalt⸗ 
chaft zu. Es wurde festgestellt, dah es sich um ein russisches 
baar handelt. Der Mann ist von Beruf Matrose und wollte 
ich in Rosiock wieder anheuern lassen. Die Ertrunkene soll 
eine Braut gewesen sein. Das Paar hat sich bereits einige 
zeit in Rostock aufgehalten. Nach dem vorliegenden Sachver⸗ 
alt muß angenommen werden, daß sich der Mann des Mädchens 
ntledigen wollte, daß also ein schweres Verbrechen vorliegt. 
)as Ergebnis der Untersuchung steht jedoch zurzeit noch nicht 
est. so daf auch die Möglichkeit vorliegt, dah das Paar 
zelbstmord beabsichtigte, wobei dann allerdings nur das Mädchen 
en Tod gefunden hat. Die Leiche ist beschlagnahmt worden. 
Goldberg, 28. Dez. In die Transmission ge⸗ 
aten und gefköstet. In der hiesigen Genossenschaftsmolkerei 
reignete sich ein Unfall. Der Lehrling Hans Krumm, Sohn 
es Erbpächters Krumm aus Plauerhagen, wurde von der Trans 
nission der Maschine erfaßt und mit dem Kopf derartig an 
ie Wand geschleudert, daß der Tod sofort eintrat. Der Ver— 
ng?ückte war 1754 Jahre alt. 
Wittenburg, 25. Dez. Ein Großfeuer vernichtete 
dienstag morgen die im Jahre 1860 hier vor dem Steintor 
rbaute Maschinenfabrik von Chr. Lüth (Inh. Adolf Lüth). 
Biele Maschinen waren nicht versichert. Ueber die Entstehungs⸗ 
irsache konnte bis jetzt noch nichts ermittelt werden. Aus dem 
Vohnhaus konnten noch die Mobilien gerettet werden, ebenso 
das Nachbararundstiick des Postschaffners Bartels 
VDermischtes. 
age. Weihnachtsfpielzeug für Millionäre. Im Schau⸗ 
enster eines der ersten Geschäfte für Luxusartikel in Paris 
ieht man jetzt vor Weihnachten, wie der N. G. C. von dort 
zeschrieben wird, allerliebste, zierlich geflochtene und mit einer 
unten Schleife aus Seidenstoff versehene Körbchen, in denen 
juf einem Grunde von duftigen Blumen allerhand sorgfältig 
earbeitetes Spielzeug ruht. In dem einen Körbchen ist ein 
litzblankes Automobil, gerade groß genug für eine Puppe, 
n dem anderen ist ein aus Holz geschnißtes Pferdchen und 
u einem dritten ein Haus aus Pappe mit Türmen und 
zchornsteinen, Türen und Fenstern. Was soll dies Spiel⸗ 
eug in einem Laden, dessen Kundschaft nicht Kinder, sondern 
ẽrwachsene und zwar sehr verwöhnte, anspruchsvolle Er⸗ 
pachsene sind? Die Antwort ist leicht gefunden. Der 
eiche Mann, der seiner Frau zum Weihnachts- 
este eine Limousine neuester Konstruktion schenken 
»ill, um ihr einen lang gehegten Herzenswunsch zu 
rfüllen, kann ihr den Kraftwagen doch beim besten Willen 
icht am heiligen Abend aufbauen. Und der Vater, der 
einen herangewachsenen Sohn durch ein Reitpferd überraschen 
oill, ist in derselben Lage. Nicht anders ergeht es ihm, wenn 
r seiner verheirateten Tochter und seinem Schwiegersohn die 
zilla auf dem Lande, nach der sie sich schon so lange sehnen, 
um Weihnachtsfest verehren will. Nun, wenn der Gegenstand 
Abst nicht aufgebaut werden dann, so läht man ihn in ver— 
leinertem Maßstabe herstellen und so nett wie möglich heraus— 
utzen. Jenes Geschäft übernimmt es, das Auto, das Reit— 
ferd, die Villa in jedem einzelnen Falle ganz getreulich nacha— 
uahmen so daß der Beschenkte sich am Weihnachtsabend ein 
enaues Bild von der ihm zugedachten Gabe machen kann. Es 
it, wie man sieht, ein Spielzeug nur für Millionäre, dieses 
„pielzeug. das so harmlos und so billig aussieht... 
C. K. Ein igartige Münze ist, wie aus London be⸗ 
ichtet I iinzigertige Vuneeh Substription für das 
Britische Museum erworben worden, Das lostbare Stück ist 
ine Gosdmünze, das einzige bekannte Beispiel eines goldenen 
Hßeldstückes, das von dem ee König Offa (7 8 6 4- 796) 
zeschlagen wurde. Dieser beruhmteste unter allen Fürsten des alt 
zritischen Königreiches Mercia war ein Ireyd Karls des 
ßroßen. Die Münze ist nicht nur als Unikum bemerlenswert, 
ondern auch deshalb, weil sie, obwohl von einem christlichen 
Zönig geschlagen, eine mohammedanische Inschrift in arabischer 
Sprache trägt Das Stue poraαÜ; erbalten 
— — 
Luftfahrt. 
Freilassung des Ballons „Duisburg“. Petersburg, 
'3. Dez. Die im Gouvernement Perm verhafteten deutschen 
ruftichiffer, die die Rekordfahrt mit dem Ballon „Duisburg“ 
nternommen hatten, sind aus der Haft entlassen worden, nach- 
em sich jeder Verdacht als hinfällig erwiesen hat. Es wurde 
estgestellt, dah der Ballon unfreiwillig nach Rußland ver— 
hlagen worden ist. An der Grenze ist der Ballon, wie ferner 
estgestellt worden ist, von russischen Grenzwächtern und Sol— 
aten scharf beschossen worden. 
Leipziger Flugwnche. Leipzig, 23. Dez. Für eine im 
zuni stattfindende Flugwoche, die Ueberlandflüge zwi— 
chen Leipzig — Berlin—Dresden bringen wird, ist 
in Preis von 100000 Mdgeitiftet worden
	        
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