Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe M. 
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vor hundert Jahren. 
1813. — 
24. Dezembe. 6 
Die, Festung Belfort wird durch bayrisch⸗ osterreichische 
Truppen eingefchlossen. 
26. Dezember. 
Die Festung Torgau apimiiert. Von 25 900 Mann bei 
Beginn der Belagerung waren nur mehr 4246 Kampffühige 
Pug heblieben, die kriegsgefangen werden. 600 Kampfunfähige 
berden nach Frankreich entlassen: 8400 Kranke und Verwundete 
zAeiben in den Lazaretten. 
Mittwoch, den 24. Dezember 1913. 
Abend⸗Blatt NUr. 651. 
iner kurzen Andacht wurden die Frauen mit Kaffee und Kuchen 
ewirtet; während der Zeit führten die Kinder, Weihnachts⸗ 
seder singend, einen Reigen um den Tannenbaum auf. Am 
zchlu wurde der Baum geplündert. Die Kranken und 
zchwachen bekamen ihre Weihnachtsgeschenke ins Haus ge⸗ 
hickt; in einigen Fällen bestanden die Geschenke in barem 
As 
— 
zu ersuchen, da die Stände vorher hätten gehört werden müssen, 
Die Beschlusse des Landtages zur Disziplinarordnund 
der Landschullehrer wurden von der Regierung nicht aw 
genommen. — Die Wünsche des Bundes der Handwerket 
Verlegung der Unterrichtsstunden auf die Abendzeit will mar 
auf sich beruhen lassen. Am Sonnabend nachmittag wurde 
der Landtag geschlossen. 
Schönberg, 24. Dez. Die Großherzogin über-, 
nahm bei der siebenten Tochter des Arbeiters Blöcker in Selms-— 
dorf Patenstelle. Sie ließ sich durch die Frau des Ortsgeist- 
sichen vertreten, von der auch das Patengeschenk überreicht 
purde. — Verhafteter Fahrraddieb. Als der Gen— 
arm Lehmberg aus Selmsdorf Montag morgen auf der 
Dorfstrahe einen Fremden mit einem Rade traf, der ihm ver⸗ 
ächtig vorkam, stellte er ihn zur Rede. Dabei kam es heraus, 
»aß der Mann, der ein Schlossergeselle aus Wik war, das 
Kad in Reinfeld gestohlen hatte. Der Fremde wurde verhaftet. 
Bunte Chronik. St 
Die Mordtat auf Schloß Dahkowynokra. 
Posen, 22. Dez. Nach einer authentischen Ermittlung 
iber die Bluttat Mielzynskis beging dieser die Tat im 
zchlafzimmer der Gräfin nicht infolge eines ertappten Ehe⸗ 
ruchs, sondern nach längerem Beisamnrensein mit der Gattin 
ind dem Neffen infolge eines Streites wegen Ehedifserenzen. 
die Erschossenen befanden sich in voller Toilette; die Gelell⸗ 
chafterin von Koczerowski war bei der Tat anwesend. Miel⸗ 
yiynski wurde am Sonntag abend vor dem Amtsgericht Grãtz 
rneut vernommen. Die Gräfin hat einen Schuß in die Brust, 
zet Neffe in den Hals erhalten. Die Ehe war unglücklich: die 
hatten lebten bis zum vorigen Oktober getrennt. 
Dakowynokre, 23. Dezember. Montag früh 8 Uhr 
and die Ueberführung der Leiche des Grafen Miaczynski nach 
oird, die Ueberführung der Leiche des Grafen Miaczynski nach 
„er Familiengruft in Bendlowo statt. Um 4 Uhr wurde auch 
ie VSeiche der Gräfin von Mielzynski aus dem Schlosse ge—⸗ 
zracht. Acht Jäger brachten den Sarg zur Aufbahrung in die 
Ortskirche. Die Gesellschafterin der ermordeten Gräfin war 
ioch am Tage nach der Tat abgereist, um die beiden Töchter 
des Grafen Mielzynski zu holen. Seute früh um 8 Uhr 
wurde die erste Messe sür die Gräsin gelesen, um 818 Uhr die 
weite, der sämtliche Beamte und Arbeiter des großen Güter—⸗ 
omplexes Dakowy beiwohnten. Die Beisetzung selbst erfolgte 
ann im Kloster Bocnik, wo sich die Familiengruft des Grafen 
von Mielzynski befindet und wo man zunächst eine stille Messe 
as. Die gesamten Geistlichen des Dekanats Graetz waren 
rößztenteils erschienen. Unter Glockengeläute und dem Ge— 
solge allerLeidtragenden wurde dann der Sarg zur Gruft 
zetragen und ins Grab gesenkt. Es wurden keinerlei An— 
prachen gehalten, weder bei der Ueberführung noch in der 
Kirche selbst. 
Schweres Rodelunglücd. Bei Aschach (Oberöster- 
eich) ist ein Schlitten, auf dem sich vier junge Leute be— 
anden, beim Rodeln in die Donau gefahren. Trotz sofortiger 
Hilfeleistung konnte keiner gerettet werden. 
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gerichtet worden, und den armen Verwundeten blühte ein 
glücklicher Abend.“ 
Vom Lazarett aus begab Graf Fred Frankenberg sich in 
die Villa aux onrbrages, zum Kronprinzen. Sein Tagebuch 
meldet: * 
„Der Kronvprinz hatte eine große Anzahl Offiziere einge⸗ 
aden, ein prächtiger Christbaum brannte, ein Männerchor von 
ärtigen Garde-⸗Landwehrleuten sang einige fröhliche Lieder. 
Ddann begann eine Lotterie von hübschen und nicht hübschen 
Sachen, die aus Gaben eines jeden der Eingeladenen bestanden 
zum Schlun machte ich die dritte Cinbescherung im HSotel de— 
Koͤservoirs bei der zweiten Staffel des Hauptquartiers mit. 
Im Salon des Herzogs von Koburg waren hier Baum und 
kisch aufgebaut. Die Lotterie, die stattfand, bot wirklich 
zlänzende Gewinne. Mir fiel eine zierliche Bronzeschale zu. 
Dder Kronprinz, der uns auch beehrte, bemühte sich recht heiter 
„u sein — aber es gelang keinem der Versammelten, in eine 
ichtige veragngte Laune hineinzukommen. Die Gedanken flogen 
veit fort in die Heimat nach dem Christbaum im Familienkreise. 
Der laute Jubel fröhlicher Kinder, das Lächeln einer glücklichen 
Mutter lagen einem jeden in Herz und Sinn.“ —— 
Und nun, zum Schluh, lassen wir uns nach dem Hause 
ühren, wo Graf Bismarck, der Kanzler des Norddeutfchen 
Bundes, und mit ihm die mobile Bundeskanzlei ihren Sitz 
arfgeschlagen hatten. Dort beging der grohe Staatsmann,. 
»essen geniale und kraftvolle Politik Deutschlands Heere bis 
or die Tore von Paris geführt hatte, das Weihnachtsfest mit 
einen Räten. Einer von ihnen, Graf Paul Hatzfeldt, berich⸗ 
ete am nächsten Tage seiner Gemahlin, der Gräfin Helene Hab—⸗ 
eldt, geborenen Mitßz Moulton, nach Berlin: 
„Der Weihnachtsabend gestern war recht trübselig. Nach 
em Mittagessen hatten wir einen Baum, und Keudell schenkte 
edem von uns eine Kiste guter Zigarren, die Bleichröder ihm zu 
diesem Zweck hatte zugehen lassen. Im übrigen wurde der 
Abend ganz wie jeder gewöhnliche verbracht. Ich arbeitets 
ind trank meine Tasse Milch (Tee bekommt mir nicht) und 
ehrte um 412 Uhr in meine Wohnung zurück. Hier habe ich 
noch bis J Uhr gearbeitet. Du siehst also, sehr vergnüglich war 
es nicht!“ 
Bismard selbst hatte zwar am 24. Dezember an seine 
semahlin gelchrieben: „Es ist schwer, heut getrennt zu lein.“ 
Iber die Geschäfte ließ er des Feiertages wegen nicht ruhen. 
der Glanz des Christbaums diente ihm als Beleuchtung zur 
Arbeit. Anr zweiten Feiertage sagte er der treuen Gefährtin 
eines Lebens „Gruhj und Dank fur die reizenden Becher.“ Und 
ugte hinzu: „Das Bäumchen brannte zum Kaffee und ich 
chrieb bei leinem kladernden Lichte nach Minchen “. 
Im Schein der Weihnachtskerzen schrieb Bismarck nach 
München, um den König Ludwig II. von Bayern zu bestimmen 
Wilhelm J. von Preuhen die Kaiserkrone anzutragen.. 
Der. A. von Wilbe.“ 
Großherzoatümer Medlenbura. 
Schwerin, 24. Dez. Das Hoflager ist Montag auf 
inbestimmte Zeit nach Ludwigslust verlegt worden. — Bei 
»em aroßen Brand, der das Residenzschloß heimgesucht 
at, hat auch die Schweriner freiwillige Turnerfeuerwehr an 
en Lösch⸗ und Rettungsarbeiten mit regem Pflichteifer und un— 
rmüdlicher Ausdauer teilgenommen. Der Großherzog ließ nun 
Aen Mitgliedern der Feuerwehr für jhre opferwillige SHilfe 
eine dankbare Anerkennung aussprechen. — Die Rettungs— 
nedaille am Bande wurde Lt. v. Bülow Ernst) im 
aesigen Gren.-Keg. Nr. 89 vom Kaiser verliehen. Lt. v. Bülow 
at am 9. Juni mit eigener Lebensgefahr einen Grenadier 
om Tode des Ertrinkens im Lohmühlenteich im Lochstedter 
ager gerettet. — Neues Krankenhaus des Roten 
treuzes. Das an der Lützowstraße liegende, dem Marien⸗ 
aus angegliederte neue Krankenhaus des Marien⸗Frauen⸗ Ver—⸗ 
ins vom Roten Kreuz, mit dessen Bau erst im Juli begonnen 
ourde, ist infolge des für das Bauhandwerk bisher so gün— 
tigen Wetters soweit gefördert worden, daß bereits am Freilag 
as Richtfest gefeiert werden konnte. Das langgestredte, drei 
ztodwerk hohe Gebäude repräsentiert sich als ein recht stattliches 
trankenhaus. 
Rostock, 24. Dez. Rostock um ein altertüm— 
iches Gebäude ärmer. Der Gebäudekomplex auf dem 
»em Kaufmann Otto Schabbel gehörenden Grundstücke Be— 
juinenberg 6, dem sogenannten Glockengießerhof, wird 
etzt abgebrochen. Die Gebäude, die auch bei dem kürz⸗ 
ich erfolgten Rundgange des Heimatbundes durch Alt-Rostock 
esichtigt wurden, sind im ersten Viertel des vorigen Jahrhunderts 
rbaut und haben zuerst ein Kloster beherbergt. Mehrere 
ruf dem Hofe angebrachte eiserne Tafeln legen von Fürsten⸗ 
»esuchen und von dem ersten Glockengusse in Rostock, der an 
ieser Stelle vollzogen wurde, Zeugnis ab! sie sollen dem Alter⸗ 
umsmuseum überwiesen werdhen. 
Sternberg, 24. Dez. Der Landtag bewilligte für 
den Bau einer Zwangserziehungsanstalt für konfirmierte Mädchen 
n Ludwigslust 40 000 M. — Der Verbesserung der Pen— 
ionsverhälftnisse der Geistlichen in Medlenburs⸗ 
ztrelitz wurde infofern zugestünmt, als alle Pensionszulagen 
ensionsfähig sein sollen. — Aus der Landesiteuerdasse wurden 
und 350 000 Mbewilligt als Beihilfe für drei zu erbauende 
debenchausseen· vvyn Moitin nach Hageboek, von Schwaan nach 
elowm und von Friedland nach Schwanbeck. — Ueber die Be— 
chäfttig ungausländischerpolnischer Arbeiter ent⸗ 
pann sich eine sehr lebhafte Aussprache. Die Strelitzer Re— 
ierung hat in einer Bekanntmachung den Rückkehrzwang dieser 
lusländer für einige Wochen im Winter vorgeschrieben, damit 
iese Arbeiter in Medlenburg nicht einheimisch werden. Der 
dandtag heschloß. die Regierung um Zurücknahme des Erlasses 
Dor fünfzig Jahren. 
863. 
24. Dezember. .. 
Die Sachsen rücken in Altona ein, nachdem diese Stadt 
von den Danen anstandslos geräumt worden ist. 
Aus den Nachbargebieten. 
Bansestadie. 
Hamburg, 24. Dez. Todesfall. Mn 22. Dez. starb 
nach 23jähriger ärztlicher Tätigkeit der seit dem Jahre 1809 
ils Prosektor an der Irrenanstalt Friedrichsberg wirkende Ober⸗ 
arzt Dr. med. Theodor Kaes. Der Verstorbene wurde am 7. Nop. 
1852 zu Amberg geboren. 
Kleine Nachrichten.) Selbstword eines Ham-— 
»urger Ehepaares. In einer Gastwirtschaft in Kayhude 
jaben sich, wie aus Oldesloe gemeldet wird, der Gastwirt Mende 
ind seine Frau aus Hamburg, wohnhaft Bramfelderstraße 16, 
durch Erhängen das Leben genommen, In ihrem Besitz befanden 
sich noch 1.228 M. Mende war Kassierer des Sparklubs Sicher 
Gold und hat die Gelder in Höhe von 3000 Muuuter⸗ 
agen. 
ESEschleswig⸗Hotein. 
Neumünstter, 24. Dez. „Verzeihe mir, wer kann!“ 
ODer frühere Hotelbesitzer Meyer aus Brenten vertrank hier seine 
Barschaft, 79 M, und erhängte sich dann, nachdem er zuvor 
n seinem Notizbuch vermerkt hatte: „Verzeihe mir, wer lann!“ 
- Fischzüchterei. In Arpsdorf soll eine Fischzüchterei 
ingelegt werden. 28 Unternehmen wird von einem Kon— 
ortium gesoördert. uptfächlich sollen Karpfen und Forellen 
gezüchtet werden 
VLauenbura. 
Möllun, 24. Dez.“ Die Weihnachtsbesche— 
ungen hierselbst, die der Wohltätigkeit gewidmet sind, haben 
chon vor⸗dem Feste stattgefunden. Freitag v. W. wurden 
r der Privat⸗Töchterschule 16 bedürftige Mädchen mit Klei⸗ 
dungsstüden und anderen nutzlichen Sachen reich bedacht. Mon—⸗ 
iag folgten die Bescherungen im Kinderhort und in der Volks⸗ 
chule. In der letzteren konnten dank dem Wohltätigkeitssinn 
inserer Burgerschaft 84 Kinder mit Kleidungsstücken und Kuchen 
eich beschenkt und hoch beglückt werden. Dienstag abend fand 
die Bescherung im Frauenverein statt. An zwei langen Tafeln 
m großen Saal des Kolosseums saßen über 50 Witwen, für 
velche der Weihnachtstisch gedeckt war; zwei Tische waren ür 
5 Kinder. meistens Maisen und Halhmaisen., hergerichtet. Nacß 
Tin Weihnachtsfest in großer Zeit. 
Am 24. Dezember 1870 in Versailles. 
ago. „Ich gäbe den schönsten Pariser Einzug darum, wenn 
ch heute zu Hause sein könnte!“ So hörte Graf Fred Franken— 
erg. wie er in seinen Kriegstagebüchern berichtet, einen tapferen 
Uten General ain 24. Dezember 1870 bei der Weihnachtsfeiet 
„zu Versailles in den Bart brunmen.“ Ueberall, wo deutsche 
Truppen im Felde standen, weilten am Heiligen Abend des 
arohen Jahres, das Deutschlands Einheit schus, die Gedanken 
bei Weib und Kind, bei Eltern und Geschwistern. An diefen 
Abend lebte in allen Herzen nur die heiße Sehnsucht nach den 
Lieben in der Heimat und verdrängte für die Dauer einiger 
vehmütiger Stunden das stolze Bewußtsein, so herrliche Siege 
rrungen zu haben, der glorreichen Beendigung des Feldzuges 
jo nahe zu sein. Und überall bemühte man sich, so gut es 
zing. den Schein des Weihnachtsfestes zu erwecken, einen Baum 
zu schmücken und Geschenke unter seinen Zweigen auszubreiten. 
Dazu gab in Versailles, vor den Mauern von Paris, 
stönig Wilhelm J. von Preußen, der hier sein Hauptquartier 
zim 5. Oltober aufgeschlagen hatte, selbst das Beispiel. Der 
Zönig beobachtete, um die Worte des Prinzen Kraft zu Hohen⸗ 
ohe⸗Ingelfingen zu gebrauchen: „selbst in der ernsten und an⸗ 
trengenden Kriegszeit die kindliche, Kebenswürdige Anhänglich- 
reit an seine gewohnten Gebräuche‘“. Und Hohenlohe fährt 
ort: „Am 24. Dezember durfte den König nur das Aller⸗ 
mausichiebbarste der Geschäfte des Krieges vorgebracht werden. 
Sonst wendete er den ganzen Vormittag dazu an, um Weih—⸗ 
iachtsgeschenke für alle diejenigen auszusuchen, denen er solche 
ugedacht hatte. Wenn nun auch seine nächste Umgebung diese 
Heschenke bei der Abendbescherung nach der Tafel erhielt, so ver—⸗ 
andte er doch auch viele an andere Menfchen, sowohl in Ver— 
ailles, als auch in die Heimat. So hat er an diesem 
Weihnachten 1870 für 52 Menschen in Versailles Geschenke aus— 
gesucht. TDiefe verpackte er dann eigenhändig und schrieb die 
Adresse selbit, so dah die Beglückten auch noch sein Auto— 
zanh als Andenken hatten, das den möhten mehr wert war, 
iis das Geschenk an sich.“ — 
Wie dann das Weihnachtsfest bei dem greisen und all- 
ʒeliebten Konig verlief, hat sein Oberftallmeister Fedor von 
wauch am 26. Dezember in einem ausfuͤhrlichen Bricfe au seine 
Hemahlin, Frau Elisabeth von Rauch geborene Gräfin Wal⸗ 
dersee, geschildert: 
„Wir haben hier unfer Weihnachten sehr hübsch gefeiert. 
Es fand abends in einem großen Saal (der Präfektur, wio 
ver König wohnte) statt, mit Weihnachtsbaum hübsch dekoriert 
and ein großer, mächtiger Tisch aufgestellt, auf den alle Ge— 
schenke, mit Namen daran, gelegt waren. Der König in der 
Ditte, neben ihm rechts und lsinks der Grohherzog von Baden 
ud der Kronprinz, daran anschliehend Prinz Carl, die Grout⸗ 
verzöge von Medlenburg, Weimar, Oldenburg, der Herzog von 
Altenburga, Prinz Adalbert, die Erbaroßherzöge von Streliiz, 
Tchwerin, Weimar, Oldenburg, der Erbprinz von Hohenzoklern 
ind Prinz Friedrich von Hessen, die jeder ein bis zwei hübsche 
zachen in Sèvpres-Vasen. Bronzesachen, Aquarellen oder der—⸗ 
leichen erhiekten, neben Pfefferkuchen und Schololade in allen 
töglichen Formen. Wir und ron sämtlichen Prinzen und Fürsten 
in Adjutant erhielten ebenso einen Gegenstand und Pfefferkuchen 
luher den Genannten waren noch Fürst Pleß. Putbus und Lynar 
ingelabden und bedacht. Du kannste Dir alfo denken, da es 
ine ganze Menge Menschen und Geschenke waren. Der König 
atte jedem einzelnen das Geschenk bestimmt. Es waren dazu 
zachen aus Berlin gekommen, sehr vieles aber auch hier 
ekauft. durch Perponcher und Pückler (die Hofmarschälle) be— 
rgt. Alle Sachen wurden zum König gebracht. Er suchte alles 
nzeln aus und schrieb für jeden einen Zettel. So haben die 
zachen- einen besonderen Wert und zeigen, wie er trotz aller 
iner Sorgen und Gefchäfte doch daran dachte, der ganzen 
imgebung eine Festesfreude zu machen. Ich kam besonders gut 
Irt, da ich zwei Gegenstände ethielt, nämlich eine sehr hübsche 
chreibmappe und ein sehr nettes Portefeunille in der Tasche zu 
agen, beides von Juchten, rot mit Gold. Der König selbst 
chielt von der Königin eine große Kabinetiphotographie, Knie⸗ 
ud sitzend, etwa drei Fub hoch in rotenn Sammetrahmen, eine 
hr schöne sitzende Statuette von Friedrich dem Großen, von der 
llerdings nur ein Gipsabdruck geschickt wurde, um das Original, 
as in Marmor ist, nicht der Beschädigung auszusfetzen, eine 
übsche Aquarelle von Scheuren: „Die Wacht am Rhein“ mit 
interschrift der Königin: „Zur Erinnerung an den 17 Juli 70* 
Tdag der Kriegserklärung), noch mehrere hübsche Bronzen und 
eraleid en. . .. Nochher war richtiges Weihnachtssouper mit 
zierkarpfen und Mohnpilchen, kurz der Abend erinnerte so viel 
ilis möglich an die Heimat. war eine kleine, wenn auch das 
ehlende nicht ersetzende Freude und wohltuend durch die liebe⸗ 
olle Absicht des alten, gnädigsten Herrn, dazu beizutragen, 
as allen fehlende Familienfest weniger empfindlich zu inachen. 
eir zeigte so recht wieder sein übervolles Herz. .. Das ist ein 
kreignis, was noch nie dagewesen, auch wohl schwerlich wieder 
intreten möchte, wenigstens wollen wir wünschen, dak wir 
s nicht wieder erleben. datr ein König von Preußen urit dem 
zrößten Teil der deutschen Fürsten in Versailles, Paris be— 
agernd, das Weihnachtsfest unter den Donner der Forts 
eiert!“ 
Und nun ein anderes Bild. Graf Fred Frankenberg, der 
im Kriege in doppelter Eigenschaft, als Malteser-Ritter bei der 
reiwilligen Krankenpflege und zugleich als Offigier im Gefolge 
»es Kronprinzen, teilnahm, zeigt es uns, indem er schreibt: 
„Die Weihnachtsfeier begann für mich im Schlosslazarett, 
v0 in dem Mittelsaale des Erdgeschoises eine große Christ⸗ 
escherung sür die Verunndeten und Kranken hergerichtet worden 
var. Ich hatte eine Menge mützlicher und angenehmer Gegen⸗ 
ände (Wollkleider, Kattunschnupftücher mit eingedrudten 
„chlachtenbildern, Pfeifen, Photographien. Pfeiferkuchen und 
ztrietzel) gekauft. Ein Dutzend Bäume waren recht nett her—
	        
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