Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

* 5 — — 3* 3 ——— 8* 9 39 —2 * F —J 5 —5 — 3* 3 3 F 9 4 
Dienstag, den 23. Dezember 1913. Abend⸗Blatt Ur. 649. 
Ausagabe A. 
— 
Vor fünfzig Jahren. 
1863. — 6 
23. Dezember. 4 7 
Die fächsische Brigade der Bundes⸗Exekutionsarmee über⸗ 
schreilet bei Büchen die lauenburgische Grenze und bezieht 
bei Schwarzenbek und Gülzo w Quartiere ohne Wider⸗ 
stand zu finden. 
weit herabgegangen ist, daß ein stärkeres Einsetzen der Bau⸗ 
atigkeit erwünscht erscheint. Während seit der ersten Zäh—⸗ 
uung vom Jahre 1003 die Zahl der leerstehenden Wohnungen 
tändig, und zwar von 427 auf 2680, gewachsen war, ging 
ie im vorigen Jahre auf 2308 und in diesem Jahre auf 1538 
urück. Damit ist dem Gesamtbedarf nach der Berechnung des 
tatistischen Amts vorläufig noch genügt. Auch was die Klein⸗ 
wohnungen bis zu drei Zimmern anbetrifft, so ist die Zahl 
der leerstehenden Wohnungen, die seit dem Voriahre von 1296 
auf 901 zuruckgegangen ist, zwar, im ganzen genommen, noch 
rusreichend, in einzelnen Bezirken aber, so besonders im Stadt⸗ 
eil Gaarden, wo im ganzen abgelaufenen Jahre keine Neu⸗ 
zauten aufgeführt wurden, so stark gesunken, daß der Bestand 
in leeren Wohnungen als zu gering bezw. geradezu Bedenken 
rregend bezeichnet werden muß. In diesen Bezirken stehen heute 
»on den vorhandenen Wohnungen nur 1,26 bis 1,89 vom 
zundert leer, so daß hier das Einsetzen einer lebendigeren 
zautätigleit dringend erforderlich erscheint. — Die schönste 
zierde Kiels, die prächtige Düsternbrooker Hölzung, die 
den Kriegshafen bis zu Wik hinaus begrenzt, hat durchweg 
ilte Buchenbestände. Schleswig-holsteinische Sachverständige, zu⸗ 
neist Forsträte und Oberförster, erklärten, daß der größte Teil 
es Düsternbrooker Gehölzes bereits die Altersgrenze erreicht 
abe, durchweg sind die Buchen 150 bis 200 Jahre alt. 
a die Buche selten über 200 Jahre alt wird, so muß energisch 
ine Verjüngung der Bestände betrieben werden, wenn das 
zehölz den späteren Generationen erhalten bleiben soll. Die 
ztadt läßt jetzt tüchtig aufräumen, alles, was bereits krank 
t, fällt unter der Axt des Holzfällers. In voriger Woche ist 
iancher stattliche Baum gefallen, gegen 400 Raummeter Holz 
st gewonnen worden. Der Wald zeigt große Lüden, doch wird 
orgfältig für Nachwuchs gesorgt. Unterbleibt die Verjüngung 
es Forstes, so befürchten die Sachverständigen, daß der Boden 
ür Laubholz nicht geeignet sein wird. Durchschnittlich müssen 
ährlich 2000 Raummeter geschlagen werden. 
Kiel, 23. Dez. Die Sanierung der Baltischen 
Mühle A.«G. bei Kiel wird, wie man befürchtet, nicht durch⸗ 
eführt werden können. Eine Generalversammlung hatte jüngst 
eschlossen, eine Hypothekenanleihe in Höhe von 1200000 M 
zufzunehmen, um neue Betriebsmittel zu beschaffen und die 
Jochzuverzinsenden Bankkredite abzustoßen. Man hoffte da— 
zurch den Betrieb dieses gewaltigen Etablissements, das zu 
en größten Deutschlands gehört, aufrechtzuerhalten. Es ist 
nicht gelungen. Bisher sind nur 920 000 Magezeichnet worden. 
der Zeichnungstermin wurde verlängert, trozdem ist eine Er— 
öhung der Anleihesumme nicht erreicht worden. Da die Bank⸗ 
redite gekündigt find, wird die Gesellschaft, wenn ein Verkauf 
der eine Verpachtung der Mühle nicht durchfübrbar ist, vor⸗ 
ruslichtlich auidieren. — * 
Greßzherzoatum Odenburg und Fürstentum Lübed. 
Oldenburg, 23. Dez. Beim Landtag ist folgen— 
der Antrag der Staatsregierung eingegangen: Der Landtas 
volle sich mit der Herstellung eines Liegeplatzes für das 
3. Schulschiff des Deutschen Schulschiffvereins 
— 
lären und die nach Abzug eines Zuschusses des Deutfchen 
Zchulschiffvereins von 3200 Muund eines Zuschusses der Stadt 
klsfleth in Höhe der Hälfte der weiter erwachsenden Kosten 
chöchstens aber von 5000 M) erforderlichen Mittel bewilligen. 
Der Finanzausschuß des Landtaas beantragt die Annahme des 
Antrages. 
Veteranenfonds eine Ehrengabe von 259 ie i von 
Königl. 2 53 — wurde R aͤphen 858 n 
ersparnisse. In einem hiesigen Sparklub, der alljährlich 
zu Weihnachten die Ersparnisse zurückzahlt, bonnten 4658 Wi 
xerteilt werden. Diese nette Summe wird schon in manchem 
dause zur Erhöhung fröhlicher Weihnachtsstimmung beitragen 
önnen. — Treibijagden. Sonnabend sanden in Breiten- 
elde und Alt⸗Mölln Treibjagden statt. Erlegt wurden auf 
»er Feldmark Breitenfelde 88 Hasen, 6 Kaninchen, 2 Fasanen- 
hähne, 1 Schnepfe und 1 Krähe; auf der Feldmark Alt⸗Mölln 
12 Hasen, 8 Kaninchen. 2 Eichhörnchen und 1 Raubvogel. 
F. Lauenburg, 23. Dez. Ausz eichnun a. Den 
Miigliedern der Freiwilligen Feuerwehr, F. Nissen und H. 
uders, wurde für langjährige, verdienstvolle Betätigung im 
Feuerlöschdienst das Ehrenzeichen ausgehändigt. — Der 
weigleisige Ausbau der Strete Lüneburg— 
züchen ist schon wiederholt dringend gefordert worden, weil 
ie Bahn hier besonders dann überlastet sein soll, wenn in· 
olge Stilliegens der Elbschiffahrt der Güterverkehr stark zu⸗ 
immt und zur Entlastung der Strecke Lüneburg ⸗Hamburg 
ahlreiche aus dem Suüden kommende Güterzüge über Lüne« 
urg —Büchen nach Hamburg geleitet werden müssen. Vorläufis 
oird dieser Ausbau, der wahrscheinlich auch eine Verbreiterung 
er Lauenburger Elbbrüde nötig machen würde, jedoch nicht 
lusgeführt. Wie nämlich von amtlicher Stelle mitgeteilt 
vird, ist der Bahnhof Adendorf, die erste Station diesseits 
uneburgs, im letzten Jahre mit sehr erheblichen Kolten ver⸗ 
rößert worden. Außer der Beseitigung des Schienenuüberganges 
er Chaussee Scharnebed-⸗Adendorf und Ersatz durch eine Wege⸗ 
berführung sei ein 625 m langes zweites Hauptgleis geschaffen 
vorden, in dem die längsten Güterzüge kreuzen und überholi 
erden könnten. Weiter sei in diesem Jahre bei Dalldorf, 
wischen Lauenburg und Büchen, ebenfalls ein zweites, langes 
leberholungs⸗ und Kreuzunagsgleis hergestellt worden. Durch 
iese Erweiterungsbauten im Verein mit den in Echem und 
zauenburg zur Kreuzung und Ueberholbung dver lãnosten 
züge schon vorhanden gewesenen Gleisanlagen sei die Leistungs⸗ 
ähigkeit der Bahnlinie Lüneburg —Büchen so erheblich gesteigert 
borden, daß der Bau des ganz durchgehenden zweiten Gleises 
orläufig wenigstens nicht als unbedinat notwendig angesehen 
oerden könne. 
Gr.⸗Grönau, 23. Dez. Die neue Orgel wurde 
zonntag unter großer Beteiligung der Gemeinde beim Gottes⸗ 
enst zum erstenmal benußt. Dieselbe ist. yon dem ·Orgel⸗ 
uer Kempper, Lubedt, erbaut und macht dem Meister 
chre. Die alie Orgel war im Jahre 1806 als ein jchon ge⸗ 
rauchtes Werk von Lübed nach hier gekommen, hat also 
änger als hundert Jahre ihren Zweden gedient. Frau Musik⸗ 
ireltor Johannsen aus Kiel erfreute Sonntag die Gemeinde 
urch zwei Solyoporträge während des Gottes dienstes. 
SGtroßherzoatümer Wiedlenbura. 3 
R'o sto d, 23. Dez. Verkauft hat Rittergutsbesitzer 
Manzel auf Balkenkoppel sein Gut an Landwirt Weidel. Der 
ßreis für die Liegenschaften beträgt 374 000 M., für das 
Inventar 10 000 M. — Einen Mordversuch machte in 
Ziezen ein Schnitter auf eine Schnitterin. Er stieg nachts in 
hre Kammer und suchte sie zu erwürgen. Als sie ihn ab— 
chüttelte, fuchte er sie mit einem Spaten zu erschlagen, konnte 
ber von Kollegen, die auf die Hilferufe des Mädchens herbei⸗ 
ilten, entwaffnet werden. Aus Zorn darüber, dah sein Mord⸗ 
inschlag vereitelt wurde, wollte er sich die linke Hand mit 
inem Beil abhaden, traf aber nur den Zeigefinager. der alatt 
ahoetrennt wurd 
— 
Hheer und Flotte. 
Der kleine Kreuzer Karlsruhe“. Die Abnahmefahrt des 
auf der Germaniawerft erbauten kleinen Kreuzers „Karlsruhe“ 
ist vorzuglich verlausen. Sämtliche Maschinen und Hilfsmaschinen, 
sowre Kesselanlagen haben vollig einwandsfrei funktioniert. Die 
vertraglichen Leistungen sollen weit Abertroffen worden sein. 
Das Schiff wurde sofort von der Abnahmekommission der 
Marine Uübernommen 
— 
Aus den Nachbargebieten. 
Bamestadte. 
sßamburg, 23. Des. Eine lustige F ahrt ins Ge 
ãnanis, die aus Medlenburg nach Hamburg führte, bildet 
hier augenblidlich den Gesprächsstoff. Aus Medlenburg kam 
in Transporteur nach Samburg, der einen jungen Mann hierher 
hringen follte, weil dieser sich wegen Unterschlagung verant⸗ 
worten mubte. Gefangener und Transporteur verstanden lich 
auf dem Wege hierher prächtig. Der Gefangene, ein Hamburger 
Kind, schilderte dem Kleinstädter Hamburg in den verlockendsten 
Farben. Hier angekommen, verstand es der junge Mann, 
seinen Zwangsbegleiter so zu führen, daß man auch über den 
Dom kam. Solchen Trubel hatte der Transporteur noch nie 
gesehen. Vor der Haaseschen Acht-Bahn blieb man ltehen und 
beschtor, eine Fahrt zu machen. Das geschah auch. Nun hatte 
der Transporteur Geschmack an dem Domtrubel gefunden, und 
anstatt seinen Schutzbefohlenen in das Gefängnis zu bringen, 
machte er mit ihm einen khleinen Dombummel. So kam man auch 
zur Rodelbahn. Das imponierte dem Transporteur mächtig 
und er lud den jungen Mann zu einer Fahrt ein. Der Gefangene 
gab aber an, er könne das Nodeln nicht vertragen, wolle dem 
Begleiter aber das Vergnilgen nicht stören und würde, wenn 
er einmal rodeln wolle, unten so lange warten, bis die Fahrt 
beendet sei. Darauf ging der Transporteur ein. Oben war 
ein grober Andrang und der unten stehende Gefangene übersah, 
dau sein Begleiter vor einer Viertelstunde nicht herunterlommen 
würde. Um sich die Zeit zu vertreiben, beschloh er, eine in der 
Glashüttenstratßze wohnende Braut schnell zu besuchen. Er tröstete 
sich damit, daß, wenn der Transporteur ihn nicht finden würde, 
er ihn auf dem Seiligengeistfelde suche und daß sie sich dann 
— — 
aber, wie das auch nicht weiter verwunderlich, in die Länge 
und der Züngling traf seinen Transporteur nicht wieder. Nach— 
dem dieser lange Zeit gesucht hatte, erschien er bei der Behörde 
und gab an, daß sein Gefangener ihm im Gedränge entwischt sei. 
Die Kriminalpolizei suchte vergeblich nach dem Durchbrenner. Als 
dann der Termin wegen der Unterschlagung aufgerusen wurde, 
erschien seelenveranügt der Beschuldigte, der sich die Nacht über 
in allen möglichen Lokalen aufgehalten hatte, um seinen Trans⸗ 
porteur zu suchen. Die Geschichte könnte einen famosen Stoff 
zu einer Operette abgeben. 
Schleswia⸗Holsiein. 
Kiel, 23. Dez. Ueber die leerstehenden Woh⸗ 
nungen in Kiel macht das ltatistische Amt Mitteilungen, 
die nachweisen. dak die Zahl derselben heute stellenmeise so 
Lauenbar a. 
Mölln, 23. Dez. Ehrunag. Die hiesigen Veteranen des 
Qriegas 1870/71 e»rhielten aus dem nom Kreif hereiftgeftetTfen 
Bucher unterm Weihnachtsbaum. 
P. Die Vögel des Freistaates und des Fürsten— 
ums Lübed. Von Werner Hagen-Lübed. (Verlag von 
W. Junk, Berlinm, W. 15) Ein wertvolles Buch hat uns 
Werner Hagen in fleibiger Forscherarbeit geschaffen. Wertroll 
jür jeden Naturfreund, dem ein Vogel nicht nur ein Vogel. ist, 
der staunend vernehmen mag, daß in dem engen Gebiet 267 
Arten vorkommen, 163 als Brutvögel anzusprechen sind. Wert- 
voll auch für jeden Ornithologen oder solche, die es werden 
wollen, oder für solche, die überhaupt dent Studium der Natur- 
geschichte sich widmen. Aufer dem systematischen Verzeichnis der 
vporlommenden Arten und dem sypeziellen Teil bringt das Buch 
eine Geschichte der Lüheger Vogeltunde, berichtet eingehend über 
den Vogelzug und schildert die Wichtigkeit des Priwalls als 
Beobachlungsplatz für den Zug, für eine Vogeiwarte. Die An⸗ 
unftsdaten einer Anzahl Frühlingskünder sind notiert und bieten 
einen guten Anhalt für Nachbeobachtung. Ein Kapitel Vogel- 
chutz in alter und neuer Zeit ist mcht vergefsen. Das Buch ist 
Us Geschenlwerr wohlgeeignet und, wird vielen eine wilsrmmene 
Gabe auf dem Weihnachtstisch sein. 
O „Auf hoher See“. Von Georg Engel. Vita-Ver— 
ag. — Die deutsche Literatur ist nicht mehr arm an Büchern. die 
ich mit, dem Meer und dem Leben auf der See befassen. Rillen 
denen. die einst selbst den Melodien gelauscht. die der Stuͤrm 
im Talelwerk des Seglers spielte, und Veute, die auf der Kom— 
mandobrücke der Windhunde des Dzeans“ gestanden, erfütit 
es stets mit großer Freude, wenn wieder ein Werf herauskoinmt, 
dem deutschen Volke das Meer und die Schiffe und Binder vom 
Leben an Bord, Häfen und, Molen, von Hochseefischerei und Segei- 
sport zu zeigen. Ein solches sauber ausgestatietes Buch mit 
obigem Tilel liegt vor uns; ein sarbiges Kunstblalt und 150 
Bilder schmücken den Heinen Band, der sich durch die prach 
tigen IUustrationen und guten Drudk besonders auszeichnet. Wir 
ehen im farbigen, Titelbild die Dwarslinie der eisenstarrenden 
Panzer herandampfen und glauben förmlich, die brüllende Bran- 
zung donnernd zu hören, wenn wir im Bilde die Rordsee hei 
delgoland betrachten. Friedliche Stille haucht das nächste Bild, 
Segeltrodnen im Hafen. aus. und fast schwindelig wird uns, 
venn wir mit den Kadetten in die hohe, Takelung des Schul— 
Hiftes wie Eichhörnchen hinaufklettern sollen, An den ersten 
dohenzollern, der seinem durch den dreifigiährigen Krieg ver⸗ 
zrmten Brandenburg Seegeltung verschaffen wollte, erinnert Hans 
Veterlens Bild von der Flolte unter dem roten Aar im weißen 
Feld vor Friedrichsbutg beim Kap Tres⸗ Puntas an der fernen 
afrikanischen Kuüste. dluch der Texte der die faubere Reihe 
der Bilder angenehm unterbricht, führt uns mit lautem Wedruf 
hinaus aun die hohe See. Baid liegen wir friedlich vor Anker 
und erfreuen uns an dem slattlichen Anblid des Paradierens 
auf der Rahe, was für die Beteigten weniger augenehm zu 
sein Peg Schreiber dieser ZJeilen hat gigl eine Slunde lgug 
auf der Bramrahe der gitene Deutschtande sin Hofen von Alhen 
die Pinasse mit dem König der Hellenen von oben betrachten 
können. Bequemer hätte man's heute, vielleicht an Bord des 
Zeppelin (Seite 27) und etwas frischer und ierchser ber den Sturm- 
ich der Torpedoboote“, die uns auf weiteren Bildern vor— 
neführt werden. Much uns Lübeckern isf ein⸗ Freude mit der Mie— 
dergabe des Bohrdtschen Bildes gemacht. das durch die Munifizenz 
Zenator Possehls das Rathaus schmückt. Noch viele schöne An— 
ichten und Beschreibungen finden wir vom Srort- und Fisch 
ang, vom Stapellauf und der Taufe und ron der Gefahr der 
zeefahrt. Wie durch einen Zusammenstoß mit dem Eisensporn 
⸗es entgegenkommenden Dampfers der Bug des eigenen Fahr 
euges von oben bis zur Wasserlinie aufgerissen werden kann 
eigt eine andere Abbildung. Einst und jetzt (Seite 77) stellt 
es kühnen Weltentdeders Christoph Columbus kleine Nußschale 
em Giganten „Imperator“ gegenüber. Dann, sehen wir, bar⸗ 
ige blaue Jungen das Deck vpor den Riesenkanonen reinigen 
nd sehen tief im Raume die Feuerleute an der Arbeit, haben 
us jeder Lage und in jedem Wetter und von allen Zonen An—⸗ 
ichten, die uns wirklich auf die hohe See versetzen und uns 
inen Begriff geben können von dem, was es heibt: navigare 
iegoszo est! Man wird manchem eine große Weihnachtsfreude 
nit dem Buche bereiten können: die Anschaffung fei warm 
empfohlen. 67 4 
D. Roland Klintens Exbe. Roman von Adeline 
KFräfin zu Rantzau. Geh. 4 M, geb. 5M. (Berslin: Mrartin 
Barned. — Ein Roman gus der Gegenwart, in dem die 
jrauenfrage mit ihren mancherlei Problemen int Mittelpunkt steht 
ind die hHristliche Weltanschauung als die einzige Macht, die die 
Auft zwischen Mann und Frau überbrügen kann, kkat zur, An⸗ 
chauung gebracht wird. Die feinsinnige ZJeichnung der Charaktere. 
benso wic die dramatische Gestaltungskraft der Verfasserin 
nachen das Buch ganz besonders lesenswert. 
P. Heirgt ausgeschlossen. Erzühlung von Erna 
Wagener. 1,830 M. — Sechs Schwestern. Erzählung 
on M, v. O. (Schwerin: Hofbuchhändler Fr. Bahnd 
7. E. Wagner erzählt von einem jungen Witwer, der mil ver⸗ 
hiedenen Hausdamen traurige Erfahrungen gemacht hat, bei 
inem neuen Engagement von vornherein allen Heiratsgedanken 
hin gegenüber vorbeugen will, daher sein Inserat grit dem 
rigingnen Zusatz: „Heirgt ausgeschlossen“ versieht. Wie sich 
araufhin ein junges gehildetes Mädchen meldet und mit der 
ziebe der Kinder doch auch sein Herz gewinnt. das ist so reizend 
ind spannend geschildert, daß wir dies Buch für das Weihnachts- 
est bestens empfehlen koönnen. — Ein frischer, froͤhlicher, nafür— 
icher Zug bis zum Uebersprudeln, wie er der Jugend eignet, 
ibt der zweiten anmutigen Erzählung von M. v. O. ihren 
—D — 
iches Buch für zunge Mädchen und für Volkshibliotheken. 
Richard Wagner. Von Vrofessor J. Hartog. Mit 30 
Abbildungen. 1,80 M. —, Der Starz Napoleons. Von 
5. PzGeerke. Mit zahlreichen Ahbildungen, und Porträts. 
30 M. Meipgia: Johannes M. Meulenhoff) — 
Auch, in diesem Jahre liegen zwei reizende Neuheiten der 
Neulenhofi⸗Ausgaben, die inhaltlich wie auch bezüglich der 
usstattung jeder Büchersammlung zur Jierde gereihen, zum 
Jeihnachtseste vor. Professor Hartog gibt in einem Buche eine 
iographie Richard Wagners, die auf gründlichen historischen 
tudien beruht, aber doch ganz populär gehalten ist und gerade 
etzt. wo in wenigen Tagen „Paärsifal““ „frei“, wird, von be— 
onderem Interesse ist. — Geerke gibt in seinem Werlk über 
»en Sturz Napoleons eine treffliche Ergänzung zu dem bereits 
riiher in MAieser Samimluncg erschienenen Maunenn-Vand . Vomn 
—B8 
Leutnant zum Kaiser“. Die Darstellung des Unterganges Na 
dleone gegenwärtig auch von besonderem Interesse, ist mit 
roper geschiticher Treue, in für jedermann verständlicher 
ind sich wie eine Erzählung lesenden Weise aufgezeichnet worden⸗ 
Mit, diesem Bande liegt nun eine recht beachtenswerte neut 
Ddarstellung vom Leben Napoleons vor. 
Ingers Ehe. Roman von Emmy Drachmann. Einzig 
iutorifierte Uebersezung aus dem Dänischen von Otto Rühlemann. 
feg. brusch, 3 Bi, in Leinen geb. 4 M. GWerlag von Albert 
zoidschmidet. Bersin W, 38). . Wer eine überzeugende 
Zeelenschilderung, eine eindrudsvolle Milieuzeichnung liebt, wird 
er Verkasserin Pank wissen, daß sie aus ihren großen Schmer⸗ 
en dies Bekenntnisbuch geformt hat. Ob von der stillen, opfer⸗ 
reudigen Liebe des zungen Mädchens zu dem berühmten Manne 
die Rede ist. — ob von den kurzen, Zeiten jubelnden Ehe- 
lücks, dem namenlosen Schmerz, der beiseitegeschobenen Frau, 
nmer hat kiefstes. wahrstes Erleben die Feder geführt. Und 
ie immer und immer wieder die Hoffnung in Inger gufflammt, 
benn sich der schwache und flatterhafte Gatte wieder zu ihr 
urüczufinden scheint. wie sie vergebend immer von neuem die 
dand ausslredtt, bis ihr nichts übrig bleibt, als ein stummer 
herzicht — das ist der Keidens weg einer Frau. deren echt weibliche 
zůte sich gleich bleibt in Licht und Dunkel. Darum sei dieset 
ßRoman, der eigentlich kein , Roman“ ist, sondern ein Stüc 
vahrsten Lebens, besonders uneren Frauen ans Herz gelegt. 
Die Welt in Gold. Novelle von Rudolf Herzog. Ein⸗ 
vandentwurf und Buchschmuck von Hanns Anker, Gerlag der 
J. G. Col taschen Buchhandlung Nachfolger. Stuttgart, 
In Leinenband 2,50 M. — Ein farbenprächtiges Bild alademi-— 
chen Lebens ist es, das Rudolf Herzog hier vor uns entrollt, 
in Bild so voll und tief, wie es nur ein Künstler schaften kann, 
n dessen eignem Innersten die treibenden Kräfte dieses hei-— 
eren und doch von so ernstem Streben erfüllten Lebens 
nächtig wirlen. Wohl ist das eine Welt in Gold. Dieses Gold 
ber glänzt nicht in trügerisch blendendem Schein. es ist das 
deltje Metall, an dem unser Nolk einen unneraünolichen Eab 
desizt vor allen anderen. 
Beethoven, Von Professor Dr. Herm. Irhr. von der 
Zfordten. 2. Aufl. Wissenschaft und Bildung. Bd, 17. In 
Jriruene dand 125 M. (Verlag, von Quelhe k Meyer 
nLeipzig.).,— Mit seltenem Geschidh ist es dem Verfasser 
elungen, in knappem Rahmen ein abgerundetes Bild von 
Beethovens menschlichen und künstlerischen Eigenschaften zu zeich- 
ien, das ohme die üblichen Phrasen einer überspannten Künsta 
ervergötterung getragen wird von einer echten und tiefen Beet⸗ 
vovenbegeisterung, den Beschauer fesselt und innerlich für den 
roben Meister gewinnt. Dazu gesellt sich eine feinsinnige Wür—- 
igung der Sonaten und Kanimermusik,. der Sinfonien. der 
)per „Fidelio“ und anderer Werke Beethovens. Ganz beson⸗ 
»ers eingehend ist die missa solemnis besprochen. ja dieser 
etzte Abschnitt ist geradezu ein kleines Meisterstück fachkundiger 
inführung in die Schönheit des Kunstwerkes. Stets ermuntert 
ver Verfasser, sich die Werke des Tonmeisters zu beschaffen, sie 
iu spielen und fleißig zu hören. Alles in allem ein einzig« 
rtiges Beethoven⸗Brevier, wie man es in den Händen jedes 
⸗jildeten wünschen mächt⸗
	        
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