Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe M. 
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Heute: Ladenschluß 10 Uhr. 
— ——— —— — Wunoh 
Tagesbericht. 
Lübeck, 23. Dezember. 
die Warnemũnde- Giedser⸗Linle. 
Bei der Ungewikheit, wann die in unserer Presse stark 
besprochene direkte Fehmarnlinie in die Erscheinung treten 
wird, war es durchaus am Platze, daß in den Lübeckischen An⸗ 
zeigen vom 14. Dezember einmal wieder das Thema wegen 
„Verbesserung der Linie Lubed Warnemunde — Kopenhagen“ an⸗ 
geschnitten wurde. Daß diese Linie, die sich heute zu Unrecht 
eine „internationale Route“ nennt, verbesserungsbe⸗ 
dürftig ist, wird niemand bezweifeln. Es hätten daher schon 
seit Jahren die mecklenburgischen, wie auch die dänischen Eisenbahn⸗ 
behdiden es sich angelegen fein lassen sollen, die wiederbolt ge— 
rügten Mängel und Uebelstände auf dieser Route zu 
heseitigen. Vor allem hätte man an maßgebender Stelle 
schon lange bestrebt sein müssen. auf der ganzen 
Strecke eine größere Fahrgeschwindigkeit her— 
beizujühren. was bei gutem Willen hüben und drüben möglich 
gewesen wäre. Letzteres ist um so empfehlenswerter, als 
dvenn die Verbindung Hamburg—Kiel—Kor'ör verbessert wird, 
dann auch die konkurrierende Route Warnemünde — Giedser nicht 
zurückstehen kann, die, sofern sie in Berlin ihren Ausgangs⸗ 
puntt nimmt, auch für den Fall, daß in absehbarer Zeit die 
zentrale „Vogelfluglinie“ gebaut werden sollte, immer ihre 
Bedeutung behalten wird. Also kann man nur dringend hoffen 
und wünschen, daß die betreffenden mecklenburgischen und dã⸗ 
nischen Behörden nun endlich die Verbesserung der Linie Warne⸗ 
munde — Gjedser— Kopenhagen eifrigst betreiben werden. Vor 
allem sollte man aber auf dänischer Seite, wie es schon in 
vortigen Blättern jUngst ausgesprochen wurde, durch die bal⸗ 
dige Annahme der Masnedsundbrüde im däen i⸗ 
ichen Reichstagezur Tatschreiten! 
Or. X. Kunsigeschichtliche Lichtbildervorträge. In seinem 
letzten Vortrage vor dem Feste behandelte Prof. v. Lütgen— 
dorff die Gegenwartskunst des 19. Jahrhunderts, soweit sie 
durch die führenden Künstler Frantreichs von Manet bis Gauguin 
repräsentiert wird, während die sieghaft fortschreitende Kunst in 
Deutschland späteren Vorträgen vorbehalten bleibt. Die vor— 
mprefsionistische Kunst des 19. Jahrhunderts charaͤkterisierte der 
Vortragende treffend als in einer gewissen Furcht vor der 
Gegenwart befangen. Auch tüchtige Maler, die der Farbe ihr 
neues großes Recht gaben, wagen es noch nicht, ihre Stoffe 
dirett aus der sie umgebenden Welt zu nehmen, deren Leben 
und Bewegung zu erfassen, sondern greifen in das Stoffgebiet 
der Vergangenheit zurück oder in das fremder Länder, wie des 
Orients. Es ist dies eine Erscheinung in der Kunstgeschichte, 
die einzigartig ist. Alle großen Kunstepochen sind auch Epochen 
der Gegenwartskunst, nur hier diese Scheu, die zum Teil aus 
dem allzugroßen Nachgeben gegenüber den Wünschen des 
Publikums geboren ist. Weiterhin wird immer noch komponiert, 
es werden nicht Ausschnitte aus der Natur genommen, die 
ebenso wie das Auge nur einen Punkt scharf erfassen und 
das übrige mehr oder weniger undeutlich erscheinen lassen. Doch 
eines wurde schon damals entdeckt, das Tageslicht. Die „braune 
Sauce“ wurde langweilig, die hellen Töne in den Bildern 
kommen auf und geben dem schmückenden Gemälde neuen 
Reiz und warmes Leben. Die Kenntnis des Velasquez förderte 
dieses Streben, man sah, daß auch große Meister der vergan— 
genen Epochen bereits den lichten Schimmer des Lichtes gesucht 
und gestallet hatten. Der eigentliche Impressionismus, ein Spott⸗ 
name, der sich, wie so oft, zu einem Ehrennamen wandelte, 
datiert von Manet. Auch er geht zunächst rein vom Lichten 
aus (Olympia), erfaßt dann aber die helle Klarheit des Tages, 
das grausilbrige Licht des Frühlings, stellt die Menschen in 
die Luft. Sein Seemannsauge sah anders und malte, wie es sah. 
Degas schritt weiter und gab Neues in der natürlichen Er— 
kassung der Bewegung, aber auch er bedurfte noch eines ge— 
wissen Kostüms, und wenn es das Ballettkostüm oder der rote 
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Der Weihnachtsmann. 
Lübeder humoristische Weihnachtsspaziergänge 
von Direttor —»if Albert. 
10. 
Sieh dir nur mal die schöne Möbelausstattungsvisitenkarte 
an, welche die Fir ma Hintze K Stech (Inhaber Carl 
Stech) in der Mühlenstraße abgegeben hat, nämlich das Schau— 
fenster mit der äußerst geschmackvollenZimmerausstattung. Solche 
Möbelfabrik muß doch wirklich interessant sein. Komm, wir 
wollen sie uns einmal ansehen. Wir fahren mit der Elektrischen 
nach der Moislinger Allee, dort ist die Möbelfabrik, 
die seit 1891 besteht und sich von Jahr zu Jahr erweitert hat, 
so daß sie wohl zu den größten Fabriken mit gezählt werden 
kann. Schon das Holzlager ist so groß. wie es mancher Holz— 
— 
das Holz zur Schlachtbank, es werden aber keine Würstchen 
daraus gemacht, sondern Möbel. Hier sind Sägen, rund wie 
ein Weihnachtspflasterstein und scharf wie ein Rasiermesser. 
Wie Butter werden da 12 übereinander gelegte Bretter zer— 
schnitten. Für nervöse Ohren ist solch Sägewerk natürlich nicht 
gecignet, wenn da so viele Sägen rasseln, denn verständlich 
lann man sich da nur machen, wenn man sich in die Ohren 
brüllt. Es ist ja auch nicht nötig, denn hier gilt es nur arbeiten! 
Wir kommen dann in die Leimwerfstatt, wo die Bretter mit 
der Hand und später dann auch mit der Leimauftragenmaschine 
zusammengeleimt werden. 10000 Kilo verbraucht die Fabrik 
allein an Leim, ohne daß ihre Kunden geleimt werden. Dann 
deht es in die Schleifmaschinenabteilung, wo die Hölzer und 
Bretter geschliffen werden. Drei große Walzen mit Sand— 
oapier reiben da die Flächen spiegelglatt. Wie mancher Jüng— 
ing könnte hier Schliff lernen, aber es würde ihm wohl zu 
veh tun, solch' Sandvpapier nimmt keine Rückicht. Nun sehen wir 
die verschiedenen Werlstätten mit Furniermaschinen und An— 
fertigungsräumen, denn die verschiedenen Möbel werden aleich 
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Dienstag, den 23. Dezember 1915. 
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Morgen⸗Blatt Ur. 648. 
den Besuchern die von den Kindern mit größter Sauberkeit 
elbst angefertigten Buchbinder⸗,, Laubsäge- und andere Ar—⸗ 
veiten, die sämtlich mit viel Geschick ghne kostspielige Werlzeuge 
bährend der Aufenthaltsstunden im Hort gearbeitet jind. Wer 
inmal Gelegenheit hatte, einer so schönen and harmonischen Weih⸗ 
achtsfeier beizuwohnen, wird sicher hochbefriedigt mit dem 
Wunsche heimkehren, daß die Horte, die in —ADD— 
rütziger Weise die ohne Aufsicht befindlichen Kinder vor den 
hefahren und schlechten Einflüssen der Gassen schützen, weiter 
nühen und auch fernerhin stets milde Hände und freundliche 
sönner finden möchten. 
* Wunschzettel. In den Häusern, wo Kinder sind, spielt 
n der Zeit vor Weihnachten der Wunschzettel eine große Rolle. 
die Erlaubnis der Eltern, nunmehr all die Wünsche, die der 
deinen Welt anläßlich des bevorstehenden Weihnachtsfestes am 
zerzen liegen, zu Papier bringen zu durfen, lassen sich die 
on der Vorfreude ergriffenen Kleinen nicht zweimal sagen. 
Ver nur irgendwie imstande ist, die Feder zu regieren, sitzt 
etzt mit hochrotem Kopfe eifrig schreibend über einen mächtigen 
deihen Bogen gebeugt, und nur zu oft wird hier das Unzu⸗ 
ängliche des Raumes Ereignis; denn all die zahllosen Dinge, 
on deren Besitz das Kinderherz sehnend träumt, mü'sen hier 
ufgeführt werden, und dazu langt bei den riesigen Buchstaben. 
velche die kleinen Hände malen, der geringe Flächeninhalt 
es Bogens oft nicht aus. so daß Nachträge gemacht werden 
üssen, die dann der Papa mit äußerlichem Staunen und inner⸗ 
schem Schmunzeln in Empfang nimmt. Füur die kleineren 
zeschwister müssen die groößeren zumeist die Aufstellung des 
Punschzettels übernehmen, was auch gern geschieht, fühlen sich 
och die damit Beauftragten im Bewußtsein ihres Konnens 
ierdurch außerordentlich geschmeichelt. Das Studium der 
Wunschzettel gewährt den Eltern stets ein großes Vergnügen; 
enn das kindliche Denken und Fühlen kommt in diesen häufig 
echt unorthographischen Schriftstücken deutlich zum Ausdruc. 
Zuppenstuben und Kaufmannsläden, Badepüppchen und Blei⸗ 
oldaten, Schaukelpferde und Eisenbahnen, Autos und Luft⸗ 
chiffe und tausend andere Dinge werden da heih ersehnt und 
urch dickes Unterstreichen als besonders begehrt hervorgehoben. 
Freilich kann das Christkindchen nicht immer alle Wüunsche 
rfüllen; denn die teuren Zeiten nötigen so manches Ehepaar 
u erheblichen Streichungen in der Liste. Dieser oder jener 
rzieblingswunsch der Kleinen lähßt sich aber in den meisten Fällen 
erwirklichen, und groß ist dann ihr Jubel, wenn am heiligen 
Ibend eine oder die andere der erträumten Herrlichleiten 
inter dem kerzenschimmernden Christbaum von liebender Hand 
rufgebaut wurde. Glücdlich die Eltern, die imstande sind, be⸗ 
cheidene kindliche Wünsche zu erfüllen! Das Leben versagt dem 
Menschen ohnehin in späterer Zeit so vieles. 
r. Flugleistung eines Lübeder Fliegers. Wie der sport⸗ 
ijchen Leitung des Lübecker Vereins für Luftfahrt mitgeteilt wird, 
mnternahm der Lübecker Fieger Weiß am verflossenen Frei— 
ag vom Flugplatz Bork aus einen Dauerflug um eine Prämie 
er Nationalflugspende. Weiß stieg um 10,20 Uhr mit einer 
Frade-Flugmaschine, die mit Militärsteuerung versehen war, 
ruf und landete glatt um 12,24 Uhr, also nach einem Fluge 
»on 2 Stunden 4 Minuten Dauer. Der Flug ist um so be— 
nerkenswerter, als derselbe bei starker Kälte stattfand, so daß 
»er mehrstündige Aufenthalt in dem bei den Gradeapparaten 
blichen vollständig freiliegenden Sitz keineswegs zu den An⸗ 
iehmlichkeiten gehörte. Herr Weiß erhält für den Flug eine 
Brämie von 2000 M. — Im kommenden Frühjahr beabsichtigt 
zerr Weiß auch in seiner Heimatstadt auf dem Landungsplatze 
in der Israelsdorfer Allee Flüge zu zeigen. 
In die Standesregster des Standesamte bezirks Lübed 1 
purden vom 14. bis 20. Dez. 1913 eingetragen: 34 Geburten 
20 Knaben und 14 Mädchen), 19 Aufgebote, 15 Eheschließungen 
und 20 Sterbefälle, darunter 8 Kinder unter 8 Jahren. 
8 Weihnachtsmut'ik vom Turm der Argidien-Kirche. Wie 
vir zu unserer Freude hören, hat der Kirchenvorstand von 
St. Aegidien beschlossen, am Heiligen Abend nach Schluß des 
däutens, 81/2 Uhr, vom Turm der Kirche einen Pasounenchor 
pielen zu lassen. Wir zweifeln nicht, daß diese Neueinrichtung 
»on vielen Gemeindemitgliedern dankbar begrüht werden und 
ur weihevollen Einleitung des schönen Weihnachtsfestes bei— 
tragen wird 
Rock der Rennbahn war; Renoir erst greift tiefer ins 
Tagesleben und erkannte, daß jedes Stück der Natur inter⸗ 
ssant und des künstlerischen Ausdrucks wert sei. In der Suche 
ach neuerem und tieferem, der Natur ebenbürtigem Erfassen 
es Gesehenen wurde das Licht in seine Bestandteile zerlegt. 
Nan erkannte, daß die Farbenmischung auf der Palette zu 
Trübungen der neuen Farbe führe und setzte nur die reinen 
zarben nebeneinander. indem man es dem Auge des Beschauers 
berließ, die Komposition zu erraten. Das war und das ist 
uuch heute naturgemäß nur möglich, wenn man sich in richtigem 
Ibstande von dem zu beschauenden Bilde befindet. Monet 
st hier der Meister; aber auch hier gilt wie überall der Satz: 
Lenn zwei dasselbe tun, ist es nicht dasselbe. Aus den ge⸗ 
ingeren Nachahmern schloß das Publikum auf die Gering⸗ 
bertigkeit der ganzen Kunstrichtung, die schlechte Qualität vieler 
mpressionistischer Bilder ließ es auch die guten in Bausch und 
Zogen verwerfen. Sisley zog in dieser Lichtzerlegung die 
jußernen Konsequenzen. während Cezanne wieder mehr die 
reude an der Farbe selbst hatte, sie als Ganzes und Wert⸗ 
olles gestaltete. Zu einer oft wiederholten Mahnung, die 
och niemals genug ausgesprochen werden dann, gab die 
zetrachtung dieser Kunstwerke dem Vortragenden Anlaß. Be—⸗ 
sor man ein Urteil über ein Kunstwerk fällt, soll man zunächst 
inmal in eifrigem Bemühen zu ergründen suchen, was gut 
n einem solchen Werke ist, und nicht auf die Fehlerjagd 
ehen, wie das so billiges und beliebtes Gehabe ist. — In 
er weiteren Entwicklung der Kunst fiel immer mehr das 
heatralische in der Kunstgestaltung fort, regierte immer mehr 
as reine Leben, die Natur. Auch die künstliche Beleuchtung 
hurde in das Bereich der Darstellung gezogen und die Effekte 
m geschlossenen Raum studiert. Das Seelische kommt wieder 
u feinem Rechte, je mehr die Betrachtung der Technik und 
ie Festigung der eroberten Grundsätze in Farbe und Licht 
ortschreiset. Carriére mit seiner weichen, verschwimmenden, 
m Dämmer verglühenden Malerei der Mutter und ihres 
dindes sei genannt. Auch die monumentale Malerei sucht 
eue Wege. Das Helle und Lichte im Schmude der Wãnde 
ringt Puvis de Chavannes. Die erstehende Plakat⸗ 
unst läßt Maler, wie Gauguin, nach neuen Ausdrucks⸗ 
nitleln auch im Gemälde suchen und den Stoffkreis erweitern. 
Mit ihm, der ein starker und guter Künstler ist, sollte nicht, 
bdie es so vielfach geschieht, so scharf ins Gericht gegangen 
berden, wenn man auch den vielen Nachtretern und nur aus 
zuch? nach Neuem gewagtest Experimentierenden nicht zu 
olgen vermag. Das Können ist doch schließlich das Aus— 
chlaggebende, Stammeln ist nicht Beredsamkeit. — Die neue 
roße Linie der Kunst wird in Deutschland fortgesetzt. 
Wie sie sich dort entwichelt und geworden, sollen weitere 
Forträge zeigen. * 
Weihnachtsfeier. In der Turnhalle der 4. St. Lorenz⸗ 
ßolksschule beging am gestrigen Tage der Knabenhort der Vor⸗ 
tadt St. Lorenz seine diesjährige Weihnachtsfeier. Neben den 
»em Hort angehörenden 74 Kindern hatten sich auch die Eltern 
ind Freunde des Hortes eingefunden, um Zeuge der schlichten, 
timmungsvollen Feier zu sein, die die Herzen so vieler Kinder 
nit Freude verklärt. Der helle Lichterglanz von 7 Tannen⸗ 
äumen, unter ihnen ein besonders großer und prächtiger, alle 
nit prüchtigem, glitzerndem Schmuck behangen, überstrahlte den 
qaum und ließ die Augen der eintretenden Kinder in hellem 
Slanz aufleuchten. Weihnachtsmelodien erklangen. „Vom 
zimmel hoch, da komm ich her“ klang es innig und zart aus 
em Munde der freudig erregten Kinder, deren Blicke wie ge— 
annt an dem leuchtenden Christbaumschmuck und den Tellern 
nit süßen Weihnachtsnäschereien hingen. Herr Pastor Arndt 
rzählte hierauf den Kindern mancherlei von der Bedeutung 
es Christbaums, der der schönste sei, den wir auf Erden 
ennen und der als das Symbol des Lebens betrachtet werden 
nüsse. Der schönste Dank der Kinder wäre Gehorsamkeit in 
illen Dingen, den Eltern und dem Herrn und Heiland gegenüber. 
dachdem das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ verklungen 
var, durften die Kinder die von milden Händen gespendeten 
Veihnachtsgaben in Empfang nehmen, die für jeden aus einem 
roßen Teller Süßigkeiten und einigen nützlichen Gegenständen 
‚essanden. Aus dem Jubel der Kleinen konnte man leicht ent— 
jehmen. daß die Bescherung zu aller Freude und Zufriedenheit 
ziusgefallen wor Lebhaft bewundert wurden inzwischen von 
»om Dutzend bis 100 Stück gemacht. Hier wird ganz nach 
WPunsch und Entwürfen gearbeitet. Namentlich ist auch die 
jabrik berühmt für vornehme Innenausstattung. Selbst ein 
Marmorlager ist vorhanden. Nun kommen wir zu dem Herzen 
er Fabrik, der kolossalen Dampfmaschine mit 300 Pferde— 
räften. Der Kessel hat 100 Quadratmeter Heizfläche und wird 
icht etwa mit Kohlen geheizt. J Gott bewahre, mit — Säge— 
pänen! — Da ist eine Sägespäneaufsaugemaschine, wodurch 
ie Späne selbst in den Heizraum gepustet werden, und damit 
bird der ganze große Betrieb geheizt. Um wieviel billiger 
ann die Firma durch die Kohlenersparnis liefern. Ja selbst 
m Pferbdestall, wo 7 Pferde zum Ausfahren der Möbel bereit 
tehen, liegen Sägespäne. Das ist so sauber und hat mich 
uf einen sonderbaren Gedanlen gebracht. Es könnte dies 
ielleicht auch mit ein Bekämpfungsmittel gegen die Spalt— 
ufserfliege sein. Ich werde diesen Gedanken nicht fallen lassen. 
der Zufall spielt oft eine große Rolle in der Natur. Nachdem 
dir die Fabrik durchwandert, sehen wir nun in glänzender 
bracht die fertigen Möbel, Ausstattungen und Garnituren vom 
zinfachsten bis zum Vornehmsten, tadellos und dem Auge 
zohlgefällig aufgestellt, so daß wir uns mit Freuden eine 
eunue Zimmergarnitur bestellen, die eine stete Zierde unsrer 
Vohnung sein wird und worauf noch die Enkelkinder unsres 
zeini hequem sitzen werden 
Sausausstattung bis zur Stecknadel, das Beste und Solideste. 
c„chon beim Eintritt empfängt uns ein Strahlenmeer von 
richt und zeigt alle Verlaufsartikel in ihrer ganzen Schöne. 
die Lebensmittelabteilung kann getrost mit den ersten Waren⸗ 
äusern Berlins den Vergleich aushalten. Frisches Fleisch. 
Vild und Geflügel. Lebende Fische. Man sieht ordentlich 
m Geiste den Karpfen zum Weihnachtsessen mit Butter und 
Meerrettich. Am besten schmedckt natürlich hinterher Sekt, und 
en kann man auch hier haben. Ein Korb mit 6 Flaschen 
dupferberg Gold für 28 Mark. Da braucht man nun nicht 
nehr zu sagen: „Beinahe Sekt getrunken!“ Die Kühlräume 
tehen hier auf der Höhe und werden immer auf den Ge— 
rierpunkt gehalten. Unter 10 Hammel hängen da nicht drin. 
Die geschmackvoll dekorierten Präsentkörbe in allen Preislagen 
ind tadellos. Für den Festkuchen sind alle Zutaten vorhanden, 
vont Backpulver bis zu den Sultanrosinen, wovon die Ha— 
ͤimsdamen leben. Unerreicht sind auch die Zimmerausstatungen. 
Allein 75 verschiedene Schlafzimmer, 40 Herrenzimmer und 
10 Speisezimmereinrichtungen in allen Preislagen. Die Firma 
jat eigens dafür ein Haus in der Fischergrube mit 4 Etagen. 
Zürzlich konnte man auch die verschiedenen Tische zum Essen in 
mustergültiger Weise bercitet sehen: 5-Uhr-Tee, Diner; Souper. 
Wie die Firwma sich tatkräftig emporgearbeitet hat durch unermüd— 
ichen Fleih und im Bestreben, nur das Beste zu bieten, er ieht man 
»araus, daf sie mit 6 Zimmereinrichtungen angefangen und 
eßt hat sie fast zweihundert! Wenn wir die Teppich-, Felle, 
Harderoben-, Spiel- und Glaswarenabteilungen mit all den 
Wertausend Sachen und Sächelchen betrachten, dann muß man 
ich immer nur wundern, wie das möglich ist und welch kauf— 
männisches Genie dazu gehört, das ganze Getriebe zu leiten, 
venn auch das kleinste Rädchen greift hier wie in einem Uhrwerk 
neinander. Beinah so wie beim Theater, nur daß die Bal— 
ettegsen sehlen. Na, vielleicht kommt's noch! In den mo— 
ernen Warenbäusern ist alles möalich, 
Erinnerst du dich noch, als wir am 15. Mai früh hier 
n Lübeck anlamen und den Prachtbau des Warenhauses 
darstadt brennen sahen? Ein unheimlicher Anblick! Jetzt 
ind sechs Monate verflossen und herrlicher denn je ragt der 
czchon beim Eintritt empfängt uns ein Strahlenmeer von 
mhpor. „Und neues Leben blüht aus den Ruinen“ konnte 
nan hier mit Recht sagen, denn die nimmer rastende Firma 
at jetzt etwas so Großartiges geschaffen, daß man staunend 
»as Warenhaus betrachten kann, so grandios ist es ausge— 
tattet und bietet in allen nur denkbaren Artikeln, abßn der
	        
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