Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familiun 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 463. Jahrgang lachrichten fur das herzoctum Tauenburg, die 
heiblatt: Gesetze und Verordnungsblatt t re e zurstentümer Ratzeburg, Lubed und das angren⸗ 
EX —e ι Zende mecdlenburgische und holsteinische Gebiet. 
Drud und Verlag: Gebrüder Borcbers G. m. b. 8. m Lübes. Seschaͤftsstelle Auten uuεν Kbniagstr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. — 
Donnerstag, den 18. Dezember 1913. Morgen⸗Blatt UNr. 639. 
Ausc 
Erstes Blatt. hierzu 2. Blatt. 
— Umfang der bemaen⸗ Mummer 8 Seiten. 
Nichtamtlicher Teil. 
„ccc Schwierigleiten, die sich aus der tiefen Verschiedenheit 
er Sinnesart und der Einrichtungen ergeben, und wir haben 
as Vertrauen. in Zukunft, immer größere zu erzielen. Ich 
osfe, bald Gelegenheit zu haben, dieser Stimmung auch muünd- 
ichen, Ausdruck zu sben wenn ich den angenehmen Besuch 
es Grafen Berchtold erwidere. 
Keine italienische Igenen hätte die Macht oder das Recht, 
ine nicht von der Mehrheit des Volkes und des Parlaments 
ewollt. Politik zu verfolgen. Volk und Parlament, habhen 
ber auch wiederholt Verständnis dafür gezeigt, daß eine 
uff den, Dreibund und innerhalh des Dreibundes auf ge— 
estigte Beziehungen zwischen Itglien und Oesterreich-Ungarn 
„egründete Politik besser als iede andere den großen naätio— 
alen Interessen entspricht. 
Ernige Redner haben auf ein Mißtrauen angespielt, das 
nit Bezug auf die Frage des Gleichgewichts im Mittelmeer 
n Auslande gegen uns herrschen soll. Wenn, dieses Miß— 
rauen besteht, ist es gänzlich unbegründet. Was die vron 
ns besetzten Aegäischen Inseln anbelangt, so bleiben wir fest 
uf dem Boden des Vertrages von Lausanne. Die 
egierung hält daher die Erklärungen vom 4. Dezember, 1812 
ad vom 22. Februar 1913 aufrecht. Italien beharrt bei dem 
zrundsatz, daß keine Großmacht aus der gegenwärtigen Orient⸗ 
risis territoriale Vorteile ziehen soll. Die Aufrechterhaltung 
es territorialen Status quo und des gegenwärtigen Gleich— 
ewichts der Großmächte im Mittelmeer ist das Ziel seiner 
zolitif. Darum muß die Türkei unberührt stark und sicher 
halten werden. Wir sind geneigt, der Türkei auch ferner 
nsere wirssame Unterstützung zu gewähren; wir wollen außer— 
em in der Türkei wie anderswo tätigen Anteil an dem fried⸗ 
ichen wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen den Nationen, um 
berall unsere Waren, umsere Sprache und das Ansehen des 
tglienischen Ramens zu verbreiten, indem wir fremdes Recht 
chten und Achtung fuͤr das, unserige verlangen. Barzilai hat 
emeint, infolge unserer Politik seien unsere Beziehungen zu 
en außerhalb des Dreibundes stehenden Großmächten und den 
zalkanstagten schlechter geworden. Ich glaube, die Kammer 
arüber beruhigen zu können. Die Wohrheit ist, daß Italien 
eute eine politisch, wirtschaftlich und meralisch tärkere Macht 
t als früher. 
Die, eine Nation geiangt früher. die andere später zur 
zöhe ihrer Macht. Ist diese aber erreicht, so nimmt sie 
anz von selbst den ihr zukommenden Platz ein. Italien wird 
n Geiste der Versöhnung, der Klugheit und Mäßigung, aber 
nit Ausdauer auf seinem ansteigenden Wege forischreiten, auf 
em die Unternehmung in Lybien eine der wich, 
asten und entscheidendsten Phasen war. Trotz der VPreßpolemit 
nd einer vorühergehenden Mieinungsverschiedenheit in Einzel- 
agen sind die Beziehungen zwischen der itglienischen und der 
anzösischen Regierung ausgezeichnet. wie sie es während der 
anzen Balkankrisis waren. Die Erklärungen Kokowtzows be— 
zeisen. daß der Pessimismus Barzilgis auch bezüglich Ruß— 
einds unbegründet ist. In Italien ist die Erinnerung an die 
reundsshgftliche Haltung Rußlands während des 
auienisch-türkischen Krieges nicht erloschen. 
Unsere Beziehungen mit England sollen nach Barzilai kühl 
eworden sein; er fläuscht sich. In den 33 Jahren, in denen 
ha die Ehre hatte, unseren erhabenen Herrfcher in London zu 
ertreten. habe ich dieses Land genug kennen gelernt, um 
ertrauen zu. haben in die unerschütterliche Freunda 
haft zwischen Jtalien und England. Glüdlicher- 
»eise jind schwer zu lösende Meinungsverschiedenheiten in wich- 
gen Fragen hisher nicht aufgetreten wie dies auch der neueste 
aglische Vorschlag wegen der albanischen Grenzen beweist. 
—Unsere Beziehungen mit Bulgarien Jind wo— 
iöglich noch besser als vor dem, Kriege; die mit Rumänien 
ud der Türkei sind niemals so intim und Hherzlich gewesen, 
eie gegenwärtig. Italien wird also, die von Nation und Par— 
ment wiederholt gebilligte Politik fortsetzen; keine Politik 
es Größenwahns oder des Imperialismus, aber eine Positit 
er bewußzten und, vorqusschauenden Aufrechterhaltung ihrer 
ebensinteressen. Ausland und, Inland müsfen wissen. daß 
ie Tage einer Volitik des Verzichtes für 
Jtalien fuür immer vorbei sind und nicht wieder⸗ 
ommen werden; aber Italien wird in den Tagen der, Wohl- 
ahrt und der Macht die Versprechungen halten, die es Europa 
n den fernen Tagen, des Kampfes und des Schmerzes gemacht 
at. Es wird in Europa, im Mittelmeer und in der Welt 
in Element der Ordnung, des Gleichgewichts und des Friedens 
ein. 
San Giuliano über die auswärtige Politik, 
Der Minister des Aeußern,, Marchese di San 
Siuliano. ergriff in der Debatte der italienischen Kapmmer 
aber die Adresse zur Beantwortung der Thronrede das Wort 
iu folgenden bedeutsamen Ausführungen: 
In diesem Augenbhlick, wo eine der größten internationalen 
trisen, welche die Geschichte verzeichnet, noch nicht vollständig 
iberwunden ist, schweben —— wichtige Fragen, und zahl— 
eiche wichtige Interessen unseres Landes und anderer Länder 
tehen auf dem Spiel. und einige dieser Interessen stellen 
ringende Lebensinteressen dat. Demgemähß kann keine dieser 
„cagen für sich gllein behandelt und gelöst werden. Die 
wei schwebenden Fragen, die Lebensinteressen für Italien be— 
rühren, sind die der Abgrenzung Albaniens und die des 
aItlichen Mittelmeeres. Insbesondere die Frage der albanischen 
üdsrenze. die direkt das Gleichgewicht. die Freiheit und Sicher— 
jeit in der Adria berührt, bedeutet für Italien und Oester— 
eich⸗· Angarn ein identisches Lebensinteresse, und die beiden 
Mächte sind gleichmäßig und solidarisch entschlossen, dieses 
Interesse zu wahren, Wir wollen nicht, wie Barzilai gemeint 
hat, in, Alhanien Italiener schaffen, um sie anderwärts aus 
der Welt schaffen zu lassen; wir wollen vielmehr aus Albanien 
ine Nation machen, unabhängig, von uns wie von jieder 
anderen Macht. Wir, wollen entsprechend dem Grundsatz der 
Pationalität, die unser Ruhm und unsere Stärke ist, aus 
Albenien einen Faktor des Gleichgewichts und der Sicherheit 
m. Adriatischen Meere machen. Wir haben daher den Wunsch, 
ind er ist in erheblichem Maße schon erfüllt, daß die Neus 
ralität und die Unabhängigkeit Albaniens unter die Garantie 
und Hontrolle nicht nur der beiden Adriamächte, sondern aller 
sechs Großmächte gestellt werde. Wir wünschen das, gerade weil 
wir glauben, daß diese Lösung feste Bürgschaften für die 
Aufrechterhaltung und Entwidlung der intunen Beziehungen 
wischen Italien und Oesterreiche Ungarn schafft, die wir als 
zleichmäßig notwendig für die höchsten Interessen der beiden 
derbündeten Mächte ansehen. Die gemeinsame Erklärung zur 
Frage der albanischegriechischen Grenze erfolgte seinerzeit zu 
dem Zwedk internationale Verwidlungen zu vermeiden, die 
zätten entstehen können,. wenn der Zweifel über die einträch— 
igen Bestrebungen der beiden Nächte angedauert hätte. 
Während der ganzen langen Orientkrisis war der Dreibund 
immer,einträchtig, und diese Jeine Eintracht, wie das 
time Zusammenarbeiten zwischen Italien und Oesterreich— 
Ungarn. hat die Interessen jedes der drei Verbündeten wirksam 
garantiert, Barzilgi hat gemeint, die Thronrede habe wenig 
vom Dreibund gesprochen; er hat vielleicht nicht sehen wollen 
daß es nicht notwendig war, längst Bekanntes und auberhalb 
bder Diskussion Stehendes nochmals zu wiederholen, nämlich. 
daß der eminent friedliche, defensive und ohne jede, Aende— 
tung erneuerte Dreibund die solide und sichere 
Iundlase unserer ganzenauswärtigen Volitik 
ildet. 
Unsere Beziehungenmit Deutschland sind so 
intim. warm und herzlich, wie man nur wünschen 
ann. 
— Beziehungen mit Oesterreich-Ungarn waren ebenfalls 
vährend der ganzen Balkankrisis intim und sind. es heute 
ioch, und das Verhalten der beiden Mächte war immer von 
dem Geiste gegenseitigen Vertrauens und gegenseitiger Loyglität 
zeleelt. Diese Beziehungen noch intimer zu machen und sie 
Schtitt für Schrit, auf der Grundlage wachsender Synipathie 
der Völker zu stärken, ist eines der wichtigsten Ziele der beiden 
Kegicxungen und muß es bleiben. Taätsächlich sind quch schon 
enerkenswerte Ergebnisse erzielt worden in der Ueberwindung 
Rom, 17. Dez. Die Rede des Ministers des Ameuc 
tacht einen ausgezeichneten Eindruck, weil der 
Ninister mit feinem und wohl«- 
urchdachten Gradunterschie den HDas Verhältnis 
taliens zu den auswärtigen Mächten schilderte. 
s fiel quf. daß der Minister sämtliche Balkanstagaten er- 
zähnte, aber mit keinem Wort Griechenlands ge— 
„ach te. — Am meisten beklatscht wurde der Redner am 
zchiusse bei der Erklärung: „Die Zeiten der Nachgiebigkeit 
zien für Italien auf immer vorbei.“ — Die Rede bedeutet 
inen neuen Erfolg für di San Giuliano. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der „h- A. und L. 
Aerzte und Krantenklafsen. 
Berlin, 17. Nowp. Der Preußzische — 
usschuß hat soeben einstimmig nachstehende Resohburion 
efaßt: Der Ausschußz der Preußischen Aerztekammern bedauert 
uf das lebhafteste den die Differenzen zwischen Aerzten und 
trankenkafsen berührenden gemeinsamen Erlaß der drei Herren 
dinister für Handel und Gewerhe, für Landwirtschaft und des 
nnern vom 2. Dezember 1913, vor, dessen Hinausgabe, die 
aatliche Standesvertretung der Aerzteschaft leider nicht gehört 
orden ist. Waährend, nämlich die Reichsversicherungs-Ordnung 
n den uß 406 und a07 den Krankenkafsen ohne weiteres die 
Nöglichkest gibht, sich zum Zwede des Abschlusses gemeinsamer 
zerräge mit Aerzten innerhalb eines Versicherungsamtes zu 
nein Verband zusammenzufchließen und mit Genehmigung des 
Iree eee solche Verbände sogar guf den Bezirk 
nehrerer Versicherungsämter zu organisieren, soll gemäß, dieses 
crlasses die Forderung organisierter Aerzte, den Kassenarzt- 
ertrag durch und mit der aärztlichen Organisation abzuschließen, 
ne nnangemessene Bedingung im Sinne des 8370 R. VB. O. 
irstellen. Für Krankenkafsen und Aerzte muß aber das gleiche 
echt gelten. Der Ausschuß der preußischen Aerztekammern 
fürchtet daher, daß die preußischen Aerzte in dem er— 
ahnten Erlasse. der in bemerkenswertem Gegensatz zu dem 
zerhalten der Regierungen anderer Bundesstaaten in der 
ieichen Angelegenheit steht, eine schwexe Beeinträchtigung ihres 
oalitionsrechtes erbliceen, und daß, sie durch denselben von 
euem erbittert werden, nachdem, sich soeben erst ihre Er— 
egung durch die Reichsgerichtsentscheidung über die Rechts— 
ahigkeit der Kassenarztvereine wieder gelegt hatte. Außerdem 
ber ist von dem Ersaßz guf das Ernsteste zu besorgen, daß 
rbei, seiner praktischen Durchführung schwere Gefahren für 
je gesamte öffentliche und häusliche Gesundheitspflege herguf⸗ 
zeschwört. Zugleich drücht der Ausschuß für die bevorstehenden 
Kämpfe um ihre lebenswichtigsten Interessen der Aerzteschaft 
eine wärmste Sympathie aus. 
Der bayerische Reich-zrat. 
V. München. 17. Dez. Die Kammer der Reichsräte wählte 
instatt des zurückgefrekenen zweiten Präsi,sdenten von 
luer den Staatsminister a. DGrafen Crailsheim, zum 
weiten Sekretär an Stelle des verstorbenen Freiherrn von 
rrankenstein den Grafen Stauffenberg und nahm dann 
en Etat des Königlichen Hauses einschließlich der Erhöhung 
»er permanenken Zivilliste übereinstimmend mit der 
Zammer der Abgeordneken an. 
Stapellauf des Lloyddampfers „Columbus“. 
W. Danzig, 17, Dez. Auf der Werft von F. Schih au 
and heute mitlag 12 Uhr der Stapellauf des für den Rord- 
eutschen Lloyd in Bremen erbauten Passagier- und Postdampfers 
Columbus“ statt. Eine nach vielen Tausenden zählende Menschen- 
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treten. Sie wollte deshalb absagen lassen. Die Gesundbeterin 
rklärte ihr aber, sie solle sich nicht gehen lassen, sie solle immer 
hieder daran denken, daß die Intelligenz keine Schmerzen und 
eiden kenne. Sie solle beten und ins Schauspielhaus gehen. 
)arauf folgte der Zusammenbruch. Ich kann und muß als Arzt 
rklären, dalz es sich im vorliegenden Fall um ein geradezu 
erhängnisvolles Vorgehen des übelsten Kurpfuschertums han⸗ 
elt. Ich bin der Ueberzeugung, dakß ein wertvolles Menschen⸗ 
eben hier geopfert worden ist, und weiter, daß, soweit mensch⸗ 
sche Voraussicht hierüber urteilen kann, Frau Nuscha Butze 
eute am Leben und verhältnismähßig gesund wäre, wenn sie 
„ei der Pflege ihres Körpers ärztliche Vorichriften berüchichtigt 
zätte.“ 
Heinrich Hensel und der „Parsifal“. Welche Anforderungen 
»ie mit dem Januar beginnende Hochflut der „Parsifal“⸗ 
lufführungen an die Kuünstler stellt, zeigt die Zeit— 
znteilung eines der bedeutendsten „Parstfal“⸗Sänger, des Kam⸗ 
tersängers Heinrich Hensel. Hensel, der seine Wohnung für 
urze Zeit in Köln aufgeschlagen hat, singt den Varsifal vom 
.. Jan. ab bis zum 21. Jan. zehnmal in Brüshel, am 23. 
nd 27. Jan. in Hamburg, am 28. wieder in Brüssel; am 
9. Jan. muß er ihn in London proben, um ihn am 2. Febr. 
u singen, am 5. 11. und 17. Febr. singt er ihn wieder in 
zrüssel, am 7. in London und am 15. in Hamburg, 
o dah er insgesamt also im Verlaufe von sieben Wochen 
wanzigmal diese große Rolle wiedergeben muß, sicherlich eine 
sewaltige Aufgabe für den Künstler, aber auch ein Beweis für 
as Interesse, das dem Bühnenweihspiel entgegengebracht wird. 
Künstlernachrichten. Gegen seinen Ausschlun aus der 
Bühnengenossenschaft wird der königliche Schauspieler Karl 
Zogt von dem Recht der Berufung an die Delegierten— 
ersammlundg Gebrauch machen 
ghzeater, Uunst und Wissenschaft. 
CK. Richard Strauß' „Rosenklavalier“ und die Newyorler 
Kritik. Die bereits gemeldete Aufführung des „Rosenkava— 
iiers“ in Newyork an der Metropolitan-Oper war ein gelsell— 
cchaftliches Ereignis ersten Ranges, bei dem die reichsten Leute 
bersammelt waren und die von Juwelen und Brillanten 
trotzenden Logen das sprichwörtliche „diamantene Hufeisen“ dar—⸗ 
tellten. Die Einnahmen des Abends betrugen 50 000 M; ein 
DOrchestersiz kostete 40 Mark. Weniger unbejtritten 
als der gesellschaftliche Erfolg ist der Erfolg des 
Werkes bei der Kritik. Die Musikreferenten der 
Newyorker Blätter sind fast sämtlich der Ansicht, dal 
Strauß sich hier von seiner besten und 'von seiner schlechtesten 
Seite zeige: „Melodische Schönheit und Anmut in vielen 
Finzelheiten, untermengt mit sinnlosen und faden Sachen“; „die 
Symmetrie fehlte leider gänzlich.“ Charles Henry Meltzer, der 
nn der Newyorker Musikkritik eine gewisse Autorität, besonders 
in Fragen der großen Oper, besitzt, klagt hauptsächlich über die 
Unmoral des Textes. Er erinnere sich kaum, je etwas so 
Frivoles gehört zu haben, wie die Charakteristik der Haupt⸗ 
zersonen des „Rosenkavaliers“ erkennen läßüt. Die dumpfen und 
zewagten Einfälle seines Librettisten habe dann Strauß zum 
Anlaß seiner Musik genommen, die mehr reine Melodie 
enthalte als irgend eins seiner früheren Werke. In der 
Partitur seien wundervolle Schönheiten, so besonders die Ein— 
eitung des letzten Aktes. Manche der Walzer würden unzweifel— 
vaft in Amerika populär werden. 
C.K. Ein unterdrücktes Theatersiück. Aus Newyork wird 
erichtet!: In letzter Stunde wurde die Aufführung eines 
Stückes verhindert, das die entsetzlichen Zustände des „Weißen 
Sklavenhandels“ in Amerika an den Pranger stellt. Das 
Perk, das den Titel „Das Haus der Sklaverei“ führt und nach 
em gleichnamigen Roman von Reginald Wright Kauffman 
earbeitet ist, wurde für unmoralisch erklärt. Während das 
ublikum bereits ungeduldig vor dem Vorhang auf den Beginn 
er Vorstellung wartete, wurden der Direktor und die erste 
arstellerin im „grünen Wagen“ nach der Polizei geschafft. 
Muscha Butze und die Gesundbeter. Wie aus Ber lin ge— 
ieldet wird, hat die jüngst verstorbene Schauspielerin Nuscha 
zuttze, die an schwerer Zuckerkrankheit litt, sich in ihren letzten 
ebensmonaten in die Hände von Kurpfuschern begeben, die 
e durch „Gesundbeten“ heilen wollten. Ein früherer Arzt der 
tünstlerin Dr. Wasbutzki teilt darüber im Berliner Tageblatt 
as folgende mit: „Frau Nuscha Butze hat während der Zeit, 
ader sie in meiner Behandlung stand, eine andauernde 
zesserung ihres Gesundheitszustandes erfahren. Während ihr 
eiden zunächst ziemlich heftig auftrat, ging es im Laufe der 
eit ganz wesentlich zurüuk. Im Sommer verbrachte ich einen 
eil ihres Kuraufenthalts mit ihr gemeinsam in Mergentheim. 
ch konnte feststellen, dah ihr Befinden subjektiv und objektiv 
as denkbar beste war. Anfang August bin ich das letztemal 
nit iht als Arzt in Berührung gekommen. Durch die Mitteilung 
o6ͤsolut vertrauenswürdiger Personen aus der nächsten Um⸗ 
ebung der Verstorbenen bin ich da über unlerrichtet, dak Frau 
zuscha Butze nicht nur die ärztlichen Verordnungen seither nicht 
anegehalten, sondern sie diese, insbesondere über die bei ihrem 
eiden so wichtigen Diätvorschriften völlig hinweggesetzt hat. 
Sie tat dies auf die wiederholte und dringende Veranlassung 
er in ihrem Haus befindlichen Gesundbeterin, die ihr immer 
nieder erklärte, nur durch geistige Anstrengung könne man 
esunden. Korperliche Vorgänge spielten keine Rolle. So 
»urde die arme Frau von Tag zu Tag dem Tode näher 
ehetzt. Am Tage ihrer tödlichen Erkrankung war sie derartig 
hwach, daz es ihr unmoglich erschien, im Schauspielhaus aufzu—
	        
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