Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Wochentlich 13mal (Wochentags morgens und 
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Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familienfreund. 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Cubecd 163. Jahrgang Nachrichten für das herzogtum Lauenburg, die 
AX zürstentümer Ratzeburg, Lübed und das angren 
EEEEEVEEEEXEEEESS biee —E—— jende medlenburgische und holsteinische Gehiet. 
Oruck und Verlaga: Gebrulder Borcers G. m. b. 8. m Lüubed. — Geschäftsstelle Adtao αν Gniuittr. 46). Fernspre cher 9000 u. 9001. 
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Mittwoch, den 17. Dezember 1913. 
Morqgen⸗Blatt Ur. 637. 
Erstes Blatt. Hierzu 2. Blatt. 
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Umfang er 432 Nummer 10 Seiten. 
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nichtamtlicher Teil. 
ztreifzüge durch die neue Cürkei. 
VIII. 
Alerandrette. 
Von Dr. Adolf Grabowskn. 
(Schluß.) 
Alexandrette muß — heeilen, sonst kommen ihm, andere 
däfen. auf die Deutschland keinen Einfluß hat, zuvpor. Tripolis 
n Syrien ist in letzter Zeit immer mehr zum Ausfuhrhafen 
sir die wichtigste Stadt Rordsyriens, Aleppo, geworden, Seif 
Itersher gingen die Waren von Aleppo. das mindestens 
200 000 Einwohner zählt, über den Beilanpaß nach Alexan— 
drette; ebenso kamen die für Aleppo und das nördliche Euphrat⸗ 
and his hinauf nach Urfa bestimmten Güter üher Alezandrette. 
Das hat sich seit der Rerssg der französischen Bahnlinie 
Tripolis — Homs Aleppo gründsich geändert. Tripolis hat 
Alexandrette einen großen Teil des, Aleppohandels fortae 
nommen, ein anderer Teil geht über Beirut, das ja ebenfalls 
direkte Bahnverbindung über Homs, nach Meppo besitzt. Der 
Hauptausfuhrartikel Alexandrettes besteht jetzt aus lebenden 
Schafen. die man in riesigen Herden von Aleppo über den 
Beilanpaß nach Alexandrefte treiht und die von, hier nach 
Alexandrien in Aegypten verfrachtet. werden. Würde nun 
die Hauptlinie der Bagdadbahn über Alexandrette gehen und 
von dort, direkt über den Beilanpaß nach Aleypo so wäre 
es schließlich noch ziemlich leicht, für Älexandrette das verlorene 
Terxrain wieder zu gewinnen. Aus strategischen Gründen aber 
hat die ottomanische Regierung es nicht zugegeben, daß diee 
einfache und klare Linie gebaut wurde. Sie halt befürchtet, 
daß man dann die Bahnstrecke vom Meer aus beschießzen könne. 
So muß die Hauptstrecke der Bahn den unwegsamen Amanus 
mühsam durchqueren — es muß hier der große Bakchetunnel 
gebaut werden — und die Bahn Topra Kaleh—Alerandrette 
Ist Nebenstrece geworden. Die Folge ist. daß die Waren von 
Aleppo nach Alexandrette beinah einen Kheis beschreiben müssen 
was natuürlich den Transport auberordemlich verteuert. Die 
Bagdadbahn muß sehr sorgfältig tarifieren, um diesen Umweg 
wieder auszugleichen und Alexandrette aufs neue zum eigent— 
lichen Hafen Aleppos, zu machen. 
Hier handelt es sich um einen starken Kampf Deutschlands 
gegen Frankreich. Die Franzosen rechnen damit, daß, wer 
den Safen Aleppos in der Tasche hat, auch Aleppo selbst sich 
seiner Interessensphäre dhlen kann. Auf die Dauer wird es 
sich auch nicht vermeiden lassen. daß die Bagdadhahn die 
den Verinduns Alexandretie —Nleppo üher den Beilanpaß 
rstellt. 
Aleppo und 97 Umgegend ist aber, nux ein Teil des 
Landes, für das Alexandrette gls Hasen in Betracht kommen 
soll, und zwar nur ein sehr kleiner TVe'l. Alexandrette ist 
aim 330 von Alexander dem Großen gegründet, um als 
Ausgangspuntt der Katawanenwege Mesopotamiens zu dienen, 
und dies ist der größte Zweck. den es auch jetzt wieder er⸗ 
üllen fol Das ist id sficher“ die Waren gus dem Süden 
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Vesopotamiens können nicht den Weg über Alexandrette nach 
kuropa suchen, sondern müssen über den Persischen Golf ge— 
eitet werden. Die Strecke nach Alexandrette ist zu lang, und 
ine noch p weitherzige Tarifpolitik der Bagdadbahn, könnte 
ie Länge des Weges nicht wettmachen. Die Frage iist nur, 
b auch die Waren von Bagdad, also um Mittelmesopotamien. 
instig besser, d. h. schneller und billiger, nach dem 
ersischen Golf oder nach Alexandrette gehen. Es liegt auf 
er Hand. wie wertvoll es vor allem für leichtverderbliche 
Vare wäre, wenn der weite Weg: erst von Bagdad nach 
Jasra. dann um ganz Rrabien herum und durch den Suez- 
anal. gespart werden könnte. Es würden dann auch, was 
ehr wesentlich ist. die hohen Suezkanalgebühren wegfallen. 
derade diese Belastung der Güter durch die Kangalgehühren 
gacht es wahrscheinlich das Hinterland von Alexandrette bis 
ßzagdad gausdehnen zu können. So würde also die Waren⸗ 
usfuhr des bei weitem größeren Teiles von Mesopotamien 
inser deutscher Kontrolle stehen. Nordmesopotamien ist selbst 
erständliches Hinterland von Alexandrette. 
Freilich muß eine Voraussetzung hierbei gegeben sein: die 
zagdadbahn darf keine Konkurrenzliinie durch eine Bahn von 
Nesopotamien nach einem Hafen Syriens exhalten. Die Fran— 
osen streben nach einer Eisenbhahnlinie von Bagdad nach Homs 
uirch die fyrische Wüste, und von Homs besteht ja hereits 
ahnrerbindung nach Tripolis in Syrien und nach Beirut. 
uch der Hafen Suedie südlich von, Alexandrette käme als 
lusfuhrhafen in Betracht. Es sei hier um so nachdrügucher 
uf Suedie hingewiesen, als man in Deutschland die Ahsichten 
inderer Nationen — vor allem der, Vereinigten Staaten — 
uf diesen Hafen nicht zu kennen scheint. Suedie ist das 
ille Seleucige, die Hafenstadt des alten Antiochia. Die Seleu⸗ 
iden. die Rachfolger Alexanders d. Gr., wählten statt Alexan— 
rette Seleucig als mesopotamischen Hafen, und diesen gelang 
s in kurzer Zeit, den ganzen Handel an sich, zu reißen. Das 
tnicht wunderbar. wenn man bedenkt, daß hinter Alexan— 
rette sofort die Berge ansteigen, daß mithin der Weg ins 
»nnere keinen natürlichen Ausgang haf, während Seleucia an 
er Mündung des Orontos, des größten Flusses Syriens, 
iegt. Das Hrontotaf, dildet den natürlichen Zugang zu dem 
deiten Hinlerlande. Es wäre nun zwar nicht erwünscht, daß 
bir außer AMexandrefte auch noch Suedie ausbauten, zumal 
er Hafen Suedies nicht so geschütztt ist. wie der pon Alexan— 
retie. Würden wir zweil Häfen in so unmittelbarer Nähe 
aben. so würde der eine dem andern Konkurrenz machen und 
einer von beiden würde etwas Größeres einbringen. Wir 
nüssen jedoch die Hand auf Suedie legen, damit es keiner 
inderen Wacht möglich ist, sich hier festzusetzen. 
Die Tage vergehen mir in Alexandrette mit Fghrien in 
»en wilden Amanus hinein und Fahrten mit dem Motorboot 
ziin und her durch den Golf, der bei den Türken Golf von 
zskenderun heißt. Alexandrette wird von ihnen Iskenderun 
enannt. Dazwischen Besuche, auch beim deutschen Konsul, 
inem Italiener, dem Inhaber des größten Exporthauses in 
lUlexandrefte. So gut er das Land kennt, und so vortrefflich 
r Deutschland vertritt — es, wäre doch zu wünschen, daß 
ald ein, Berufskonsul nach Alexandrette käme, Dann Heht 
s mit Linem Zussischen Dampfer, fort — nach Mersina, Leider 
in diesen Tagen nur, ein Russe zur Abfahrt vorhanden; 
ider, denn ich traue nicht sehr der Reinlichkeit auf russischen 
schifsen. Im allgemeinen hat man größere Auswahl an 
Dampfern: in Alexandrette legt der Oesterreichische Lloyd, an, 
erner die Khedivial Mail Steamship Company, eine englische 
heselsschaft vann die Company Messageries Maritimes, und 
hließlich die russische Handels- und Dampfschiffahrtsgesellschaft 
n Odessa. deren Vrunkschiff ich benutzen muß. Ein Prun* 
— — ——m 
ichiff wirklich, wie ich mir gedacht hatte: in meiner Kabine 
Ipfen riesige Kakerlaken Tänze auf mit Scharen von Wanzen, 
Ich flüchte ins Freie, auf Deck, und verbringe die e 
mier funkelnden Sternen. Am anderen Morgen bin ich in 
Mersina. 
Neuelte Nachrichten und Telegramme 
der A. uu. Z.. 
das Kaiserpaar im Münchener Rathaus. 
München, 16. Dez. Das Glodenspiel über dem Münchener 
nathausportal sehte im Ii. Uhr melodisch ein, der Figuren 
ug der Knappen wanderte im Kreise. Die Ritter traken zum 
uürnier an. In diesem Augenblick erschallen brausende Hoch- 
ufe — das deutsche Kaiserpaar fährt auf, pom Oberbürger⸗ 
neister Dr. v. Borscht mit Tochter und Bürgermeister Dr. 
Brunner mit Gattin am Wagenschlag empfangen. Junge 
MNädchen in Weiß umrahmen die Rathaustreppe und streuen 
er Kaiserin, die das Munchener Rathaus zum ersten Male 
elucht, Blumen. Im e des Magigtrats 
berreicht die kleine Enkelin des Oberbürgermeisters der Kaiserin 
inen Bliumenstrauß. Das Münchener Tonfünstler⸗Orchester wielt, 
hrend 54 das Kaiserpaar nach seinen Ehrenplätzen begibt, 
Händels Largo. Darauf begrüßt 
Oberbürgermeister Dr. v. Borscht 
as Kaiserpaar im Namen der Residenzstadt: 
In den mannigfaltigsten Formen ergriffen, Euere Maje— 
taten stets gern jede Gelegenheit, um ein hochsinniges Zeugn 
is fur die“ angesehene Stellung abzulegen. zu der sich das 
deutsche Bürgertum als, einer der wichtigsten Kulturträger un— 
erer Zeit unter dem starken Schußze des Teutschen Reiches 
mporgerungen, hat. Aber so viele deutsche Städte auch von 
zueren Majestäten Beweise gnädigster Gesinnung, emp⸗ 
ingen. in höherem Mahe ist keine mir dem dauernden Zeichen 
derfiätiger Sympathie bedacht worden als München, das 
kuerer Majestät in der Schacgalerie eine Kunstsamm— 
ung von Weltruf und in dem Deutschen Museum 
nen einzigartigen Ruhmestempel deutschen Geistes verdankt, 
das sich rühmen kann, des Kansers Maiestät als den vor— 
ekmsten Inhaber seiner goldenen Bürgermedaille 
zu nennen. Die Liebe * die Dankbarkeit. die uns hierfür 
zrfüllt, ist wie jedesmal, so oft Euere Majestäten durch 
insere Stadt gezogen sind, auch, gestern und heute in dem 
jessen Jubelxuf und in ungekünstelter Begeisterung zu herz⸗ 
ichstem Ausdruck gelangt. In dem gleichen Empfinden brin— 
den die beiden Gemeindekollegien mit dem Gelöbnis unwan⸗ 
elbarer Treue gegen Kaiser und Reich dem hohen Verbün— 
deten und Freunde unseres allgeliebten Königs, dem kraft— 
»ollen Repraͤsentanten der Größe und Macht unseres deutschen 
Haterlandes die ehrfurchtsvollften Huldigungs- und Willkom— 
nensgrüße dar, und legen sie gleichzeitig der allerdurchlauch- 
ighsen Gemahlin zu Füßen,. der hohen Protettorin 
Mer gemeinnützigen Bestrebungen, die in diesem Hause ihre 
zilege finden. Vertrauensvoll, schauen wir zum Kaiser empor, 
essen Weisheit und Tatkraft in seiner fümfundzwamzig⸗ 
ährigen, hingebungsvolister Arbeit und treuester Pflicht- 
»rfüllung gewidmeten Regierung dem deutschen Volle einen 
hreypollen, Frieden erhalten und dessen geistige, sittliche und 
birtschaftliche Kräfte zu ungeahnter Entwicklung gebracht hat. 
ßott schirme mit der Fülse seiner Gnade das Allerdurch- 
auchtigste Kaiserpaar, auf daß es, von den edelsten Ahsichten 
seleitef noch viele niele Jahre dem deufschen Voste auf 
— 
ung aus Berlin zufolge seine Klage gegen den Berliner 
ßeneral-Intendanten Grafen Hülsen-Haeseler zurückgezogen. — 
An Stelle der für das Stadttheater in Leipzig verpflichteten 
rsten Koloratursängerin der Weimarer Bühne. Frau Kläre 
Zansen⸗Schulthek, ist Fri. Martha Weber vom Stadttheater 
nn Kiel, vorher in Lübeck, nach einem erfolgreichen Gastspiel 
As Frau Fluth in Nicolais „Lustigen Weibern von Windsor“ 
ür die Spielzeit des nächsten Jahres jür das Weimarische Hof⸗ 
heater verpflichtet worden. — Käthe Frank⸗Witt vom 
khaliatheater in Hamburg, die von 1915 ab einen mehriüh—⸗ 
igen Vertrag an das Kleine Theater nach Berlin abgeschlossen 
atte, hat ihn auf gütlichem Wege gelöst und bleibt damit dem 
zamburger Thaliatheater erhalten. — Frau Gisela Werbe⸗- 
irk vom Josefstädtischen Theater in Wien wurde vom Kal. 
zchauspielhaus aufg:fordert, alsNachfolgerin Nuscha Butzes in din 
Jerband des Königlichen Schauspielhauses zu treten. Die 
tünstlerin hat sich bereit erklärt, nach Ablauf ihres Vertrages 
m Jahre 1915 dem Rufe Folge zu leisten. — Der kgl. 
zchauspieler Karl Vogt, Berlin, ist aus der Bühnengenossen⸗ 
haft ausgeschlossen worden. Die Maßrahme hängt mit 
einem Kampf gegen Missen und die Deutsche Bühnen⸗ 
enossenschaft zusammen. — Karl Burrian wird in der 
Wiener Hofoper nicht mehr auftreten, obwohl 
r der Oper noch drei Jahre verpflichtet ist. Auf sein wieder— 
soltes Verlangen ist er vom Kontrakt enthoben worden. — 
laire Wallentin wurde an das. Deutsche Volkstheater in 
Wien verpflichtet. — An Stelle des bisherigen Direktors des 
Furtheaters und der Freilichtbühne in Friedrichroda, Rudolph, 
zer die Leisung des Deutschen Theaters in Hannover übernahm, 
st der Gründer des Harzer Bergtheaters in Thale, Dr. Ernst 
Wachler, gewählt worden. — Der Oberregisseur des Kal. 
zofschauspiels am Stuttgarter Hoftheater, Geh. Hofrat Hans 
Meery, wird aus Gesundheitsrücksichten mit Ablauf dieser 
Zpielzeit seine 44jährige Berufstätiskeit beenden. Die leßten 
6 Jahre waren dem Stuttgarter Hoftheater gewidmet. Das 
Scheiden des verdienten Bühnenmannes und Spielleiters wird 
illgemein bedauert. Meery will seinen Lebensabend auf einem 
Landhaus am Starnberger See verbringen. 
JZum Direktor des Berner Stadttheaters wurde unter 126 
Bewerbern Direktor Kiedaich aus Stuttgart gewählt, 
ber von 1903 bis 1909 das Berner Stadttheater geletet hatte. 
Theater, Kunst und Wisßsenschaft. 
Berliner Theater. 
Aus Berlin wird uns geschrieben: 
Es ist eine gute und schöne Sitte, vor Weihnachten in 
den Theatern Märchenvorstellungen für artige Kinder aufzu⸗ 
führen. Weniger schön ist es aber, wenn einmal ein solches 
Märchenstück als romantisches Lustspiel in vier Akten mit ernst⸗ 
hafter Miene vorgesetzt wird, wie es mit dem „Grafen 
Ehrenfried“ von Otto Hinnerk im Königlichen 
Schauspielhause geschah. Daß gute Menschen gut und 
böse Menschen böse sind, und dah den guten Menschen leider oft 
recht viel Malheur passiert, wußten wir auch ohne Otto Hinnerk, 
und anderes Neues brachte das Stück nicht. Herr Sommerstorff 
pielte den Titelhelden, der, da er in einer Traumwelt lebt, 
meistens mit geschlossenen Augen, und wenn es ganz hoch 
kommt, noch in Versen — und was für welchen — spricht. 
Besagter Ehrenfried, der in großer Not, aber glücklich in seinem 
Traumland lebt, rettet aus Versehen dem Kurfürsten. das 
Leben und soll fürstlich belohnt werden. Am Hosfe versteht 
man es aber, dem Kurfürsten Mißtrauen gegen seinen Retter 
und dessen Reinheit einzuflöhßen, dem Naturkinde droht die 
Ungnade, und erst im letzten Akt kommt der Fürst zu der 
kinsicht, daß er sich doch geirrt hat. Graf Ehrenfried sieht 
aber auch ein, daß für ihn nicht der Hof der richtige Ort 
ist, sondern daß er sich nur im Walde, im Reiche seiner Träume 
wohlfühlen kann und bekräftigt das dadurch, dah er sich seine 
Magd — der Fräulein Thimig rührendes Leben verlieh — zur 
GFattin wählt. Das guterzogene Publikum zischte zwar nicht, 
latschte aber auch nur mit mäßiger Begeisterunga. 
nicht mnur die Gattin, die seiner so lange geharrt hat, sondern 
uich der Zuschauer mit den Worten begrüßen müßte: „Wie 
jast du dich verändert!“ 
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4 
August Strindbergs dreiaktiges Schauspiel „Wet⸗ 
erle uchten“ wurde in den Kammerspielen des 
deutschen Theaters mit großer Sorgfalt und nur mit 
lIlzu zeitraubender Dehnung der Stimmungspaufen gegeben, 
ie den epischen Grundzug des Werkes noch mehr empfinden ließ. 
Ilbert Bassermann gab mit behutsam zurückgehaltener Leiden— 
chaftlichkeit den alten Mann, der sich von seiner jungen Frau 
ind seinem Kinde geschieden hat, weil das Zusammenleben 
mnerträglich geworden war. Er hegt treulich alle Erinnerungen, 
is sie durch das plötzliche Wiederauftauchen der Frau und 
es ihm entfremdeten kleinen Mädchens jählings zerstört wer— 
en. Er bleibt gegenüber den Bitten und Lockungen der von 
zren Liebhabern preisgegebenen Frau, so bitter seine Einsam— 
eit auch war, standhaft. Er erreicht dadurch die endliche Er— 
oͤsung von dem Druck, der auf ihm während der langen Jahre, 
mdenen er der Vergangenheit nachgebrütet hat, lastete. Ger⸗ 
rud Eysoldt spielte mit der vom Dichter gewollten kalther— 
igen Berechnung die Frau, die das Lebensglüd dieses freilich 
son sehr eigensüchtigen Gefühlen eines Hagestolzes erfüllten 
Nannes gebrochen hat und die die Nemesis so sicher ereilt. 
das Publikum nahm den ersten stimmunggeladenen Akt mit 
zZeifall, die beiden folgenden sast mehr von Schweigen als von 
Zandlung erfüllten und bühnentechnisch nicht bewältigten Auf— 
üge mit Stillschweigen hin. 
4* 
Der Neubau der Berliner Könlglichen Hofoper. Der vom 
daiser genehmigte Entwurf Ludwig Hofmanns zum 
Rpernhaus am Königsplatz weicht in wesentlichen Punkten 
son dem Plane ab, der bisher in erster Linie für den Neu— 
au in Betracht zu kommen schien. Wie die B. 3. hört, hat 
zofmann für die Fassade duschaus auf die antikisierende Hal— 
ung verzichtet, die die meisten Bewerber gewählt hatten. Er 
at vielmehr dem Ganzen einen leichteren Charakter gegeben, 
ind den Anschluß an das Barock gesucht. Der Grundgedanke für 
iun ist der, in eine Annäherung an das benachbarte Reichstags— 
ebäude zu kommen. 
Künstlernachrichten. Felix Weingartner hat einer Mel— 
Ernst Hardts Scherzspiel „Schirin und Ger— 
traude“, das in hingeleierten Versen und mit oberflächlichem 
Possenhumor den sagenberühmten Grafen von Gleichen zu einem 
faulen Dickwanst macht, der von seinen beiden Frauen, der mit— 
qubrachten Turkin und dem deutschen Hausmutterchen gleicher⸗ 
anfzen vernachlässigt wird, wurde im Deutschen Künstler— 
theater mit Beifall aufgenommen. Jakob Tiedtke gab mit 
der sicheren, breitausladenden Komik, die ihm eianet, den Grafen, 
den erst jüngst Schmidtbonn in einem dramatischen Gedicht voll 
uaxnsten künstlerischen Strebens dargestellt hat. und den bdier
	        
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