Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

SLuedertafel drs Gewerkverelns. Mit freudiger Genug- 
tuung darh die Liedertafel des Gewerkvereins auf den gestrigen 
Konzertabend zurückblicken, der zum Besten des zu gründenden 
Handwerker⸗Altenheims veranstaltet war. Der groke Saal 
Fes Kolosseums war erfreulicherweise sehr gut besetzt, so daß 
sich zu dem künstlerischen auch der materielle Erfolg gesellte. 
Ein recht ansehnlicher Betrag dürfte daher durch die Liedertafel 
des Gewerkvereins, indem sie ihre Kunst in den Dienst der 
Wohltätigkeit stellte, dem Handwerker-Altenheim gewonnen sein, 
so daß zu den jetzt schon vorhandenen noch manch neuer Bau⸗ 
stein gefügt worden ist. Das Programm war seitens des Diri⸗ 
genten, Seminar-Musiklehrers und Organisten Herrn Karl 
Eberding, mit anerkennenswertem Geschick zusammengestellt 
und besonders durch die Mitwirkung zweier geschätzter Solisten 
interessant gestaltet. Der wohleinstudierte Chor war seiner 
Aufgabe voll gewachsen, so daß in den Chören fröhlich- sonnigen 
oder ernsten schwermütigen Charakters manche schöne Klang⸗ 
wirkung zu verzeichnen war, trotzdem einige derselben vom 
Verein zum ersten Male gesungen wurden. Die beiden ein—⸗ 
leitenden Chöre „Gebet“ von Goltermann und,Abendständchen“ 
von Härtel zeugten von vielem Fleiß und liebevollem Eingehen 
auf die Eigenart der Komposition, auch „Waldabendschein“ und 
Neuer Frühling“; namentlich das letztere sand, angefeuert durch 
den Dirigenten, eine nicht minder wohlabgetönte, von lebhafter 
Zustimmung des Publikums getragene Wiedergabe. Auch in 
den ferneren Darbietungen war der Chor mit Freudigkeit und 
Begeisterung am Werk. Am besten gefielen wohl, soweit wir 
die Vorltragsfolge hörten. „Wanderlied“, bearbeitet von Fr. 
Volbach, und das hübsche „Trällerlied“ von Körling, die beide, 
getragen von wirksamer Aussührung, infolge des warmherzigen 
Beifalls der Zuhörer, wiederholt werden mußten. Nicht wenig 
trugen auch die für das Konzert gewonnenen Solisten zum Er⸗ 
folg des Abends bei. Herr Emil Klinger, Dresden, ist dem 
Publikum bereits aus früheren Konzerten des Vereins als ein 
vortrefflicher Pianist bekannt. Mehr noch als in Chopins träu— 
merischen, phantastischen Klangbildern wurde er in der Ara— 
besque“ von Debussy und der „Valse chromatique“, die er beide 
mit wundervoller Grazie spielt, seiner Aufgabe gerecht. Hier 
reichten sich Komponist und Interpret die Hände. Herr Klinger 
verfügt über einen wundervoll weichen Anschlag im Piano und 
neben der eleganten Technik wirkt die nuancenreiche Vortrags⸗ 
weise bestrickend. Auch Herr Dr. med. Ernst Reuter, als 
ein ausgezeichneter Cellist in Lübed sehr geschätzt, hatte dankens— 
werterweise dem wohltätigen Zwed der Veranstaltung seine Mit⸗ 
wirkung geliehen. Gleich in der ersten Sonate in F-Dur für 
Cello pon Porpora zeigte er seine gut entwickelte Technik und 
entzüdte durch ein weiches und seelenpolles Spiel, wofür ihm 
das Publikum gleichfalls mit lautem Beifall dankte. So war 
der Gesamteindruck des Abends ein recht erfreulicher und die 
Liedertafel des Gewerkvereins darf wohl mit ihm zufrieden sein. 
*Aus dem statistischen Vierteljahrsberi Statisti 
—————— 
8 ie eingeklam i 
9— 9 * * * — en Zahlen beziehen 
übeck hatte na er Fortschreibun istis: 
am 30. Juni 113 186 Einwohner. —* eeaz 
437) hinzu, — einem Geburtenüberschuß von 263 6250) Per⸗ 
58 stand en 3 von 73 (4 187) gegen- 
— 1— ie Be 
* 5 in 33 en sich am 30. September auf 
eber die natürliche evöl 
ist folgendes zu berichten: Ehen Wdeehe Ge Bbhe waet — 
oro Tausend 77,86 pro Tauend) geschioffen, dag sind etwas 
weniger als im Voriahre. Auch die Geburtkenziffer ist leider 
wieder heruntergegangen, die Zahl der Geborenen betrug nur 
522 (659) oder 21,78 pro Tausend (23, 49 pro Tausend). Da⸗ 
von waren 66 (72) oder 10,61 00 (10,93 90) unehelich und 14 
13) oder 2,25 00(1,97 90) tot; die Totgeburtenziffer war 
alfo gröhßer als 1812, die der unehelich Geborenen dagegen 
etwas geringer. Verstorben sind 345 (396) Personen oder 
12,08 pro Taufsend (14.12 pro Tausend); die Sterblichkeit blieb 
also erfreulicherweise erheblich hinter der des Vorjahres zurück. 
Unter den Gestorbenen waren 87 (03) unter 1 Jahr alt, wäh— 
rend 76 (91) das 70. Lebensjahr vollendet hatten. Die Säug— 
lingssterblichkeit war niedriger als 1912; damals kamen auf 
400 Lebendgeborene 14,77. Sterbefälle von Kindern unter 
1 Jahr, jetzt nur 13,56. Und, zwar ist die Sterbeziffer sowohl 
bei den ehelich wie namentlich bei den unehelich Geborenen 
günstiger geworden, denn auf 100 ehelich Lebendgeborene starben 
12,71 gegen 13.08 und auf 100 unehelich Lebendgeborene 19,10 
gegen 2834 im Vorjahre. Unter ben Todesursachen sanden 
wie immer, die Krankheiten der Kreislauforgane mit 87 453) 
Ien an erster Stelle, dann folgten Krebs mit 35 (26), 
Magen⸗ und Darmkatarrh mit 20 (22) und Lungenentzündung 
mit 27, 22) Fällen, während, die ansteckenden Krankheiten nur 
in 14 (17) Fällen fködlich verliefen. Von den 27 (22) gewalt— 
damen Todesfällen waren J. (10 durch Selbstmord, 3. durch 
Mord und Totschlag und die übrigen durch Unglüdsfall ver— 
urfacht. Der Geburtenüberschutz belief sich auf 263 Köpfe 
nd ee gtob geringerer Geburtenhäufigkeit um 13 höher als 
dDie Wanderungsbewegun it ei 
ust von 73 Personen 9 — im vhe Iit blinven 
187, zu verzeichnen war. Diese Differenz von 260 dürfte zum 
erheblichen Teil durch die eigenartigen Verhältnisse im Einge— 
neindungsgebiet (Seebad Travemünde) bedingt sein. Im ganzen 
ind 6157 Personen zus und 6230 abgewandert. Der Wande— 
ungsverlust ist in der Hauptsache bei Haushaltungsangehörigen 
ngetreten, eine Mehrzuwanderung hat nur an Einzeipersonen 
tattgefunden. Von den einzelnen Berufsgruüppen haben sich 
die gelernten und ungelernten Arbeifer durchh Zuwanderung 
um IS58s bezw. 194 Personen, verstärtt, dagegen die Schuler 
4. die Dienstboten 38 und die Selbständigen 27 Kopfe vurch 
Mehrabwanderung eingebüßßt. Vorteilhaft war für uns in 
erster Linie der Austausch mit Osteibien, von wo 419 Personen 
mehr zu⸗ als abgezogen sind. Verloren haben wir dagegen 
wieder, abgesehen von 647 Personen die mit unbekannfem 
Wanderungsziel verzogen. an Hamburg das uns um 112 
Lerfonen aͤrmer machte. Von den Zugezogenen der Monate 
Juni bis August hatten 33 (33) ein Einkommen von mehr als 
3900 M, von den Fortgezogenen nur 14 (19; es bestätigt sid 
ede daß die Wohlhabenderen in gröherer Zahl hierhet 
3 nn Umzüge in der Stadt lind 7454 
er Fremdenverkehr in? ö 
vergen belief sich auf 31 oͤce eeFasrhetn Wod er 
var also um 2529 größer. Das ist eine sehr erfreuliche Sleige⸗ 
tung. In den Hotels stiegen 2165 und in den' Herb 
Perlonen mehr als im Voriahr ab, de herhen S 
iae— hr ab, in den Gasthöfen dagegen 
J Bau eines grohen Tourenkreuzers. Auf der Jacht— 
nd Motorbootswerft von Lehne K Co. in sr sn 
Fr Rechnung eines Hamburger Svportseglers ein großer 
—* mit Hilfsmotor im Bau. Dimensionen: Länge 
de alles 18 m. gröhßte Breite 4m, Tiefaang 2,28 m. Der 
Ionmtiensrn in von dem neuen Teilhaber der Firma, Herrn 
— Pe ersen entworfen. Die Jccht erhält eine 
— 8 deh enen n und einen einge⸗ 
ien isd F — 8. Dieselbe wird nach Vorschrift 
gn peziel er uflicht des Germanischen Lloyd gebaut 
und Anfang Mai zur Ablieferung kommen 
Sterblichkeitsstatistik. In der Woche vom 23. bis 29. No- 
ember sind nach den Veröffentlichungen des Kaiserlichen Ge— 
undheitsamles von je 1000 Einwotnern auf das Jahr be— 
echnet, als gestorben gemeldet in: Aachen 20,0, Altona 14,0, 
dugsburg 17,4, Barmen 6,1, Berlin 10,7, Berlin-Schöneberg 
14.3, Berlin-Wilmersdorf 7,8, Bochum 18,8, Braunschweig 15,5. 
Sremen 13,5, Breslau 18,1, Charlottenburg 13,3, Chemnitz 13,4 
Danzig 15,8. Dortmund 14,0, Dresden 13,0, Tuisburg 12,84 
Düsseldorf 12,4, Elberfeld 13,7, Erfurt 15,1, Essen 13,9, Frank⸗ 
urt a. M. 9,1, Gelsenkirchen 13,8, Halle 15,3, Hamborn 13,9, 
zamburg 12,8, Hannover 12,7, Kassel 13,9, Karlsruhe —, Kiel 
2,8, Köln 12,0, Königsberg 15,0, Krefeld 10,2, Leipzig 12,2, 
dübeck 11,4, Magdeburg 13,8, Mainz 11,2, Mannheim 12,6, 
Mülheim a. d. R. 8,8, München 13,8, Neukölln 7,4, Nürnberg 
3,3, Plauen i. V. 10,9, Posen 16,8, Saarbrücken 12,0, Stettin 
3,7, Straßburg 14.3, Stuttgart 156.3, Wiesbaden 14,3. London 
14,1, Paris 15,6, Wien 14,1. 
Das Lübeder Stadttheater auf Reisen. Ueber die zweite 
IBonnementsvorstellung in Eutin am Dienstag, dem 9. Dez., 
chreibt der Eutiner Anzeiger wie folgt: Wie im Vorjahre, so 
erfügt auch in dieser Spielzeit das Opernensemble des Lübecker 
ztadttheaters über hervorragende Kräfte. Zur vollen Entfaltung 
hrer künstlerischen Fähigkeiten bot sich Dienstag abend Gelegen— 
eit bei der Aufführung von Rossinis Oper „Der Barbier 
son Sevilla“, die an Spiel und Gesangskunst nicht uner⸗ 
ebliche Anforderungen stellt. Dank der vorzüglichen Wieder⸗ 
abe der reizenden, an herrlichen Melodien so reichen Oper mit 
hrer oft überschäumenden Komik war der Abend ein recht ge— 
wßreicher, und das überaus zahlreich erschienene Publikum 
— es war fast ausverkauft — kargte deshalb auch nicht mit 
eichem Beifall. Das Hauptverdienst des Abends gebührt Frl. 
zellnin, die nicht allein eine vortreffliche Vertreterin ihrer 
dolle als Rosine war, sondern auch besonders in gesanglicher 
zinsicht Hervorragendes leistete. Die Koloraturfertigkeit ihrer 
errlichen, glokenrein klingenden Stimme war bewundernswert, 
esonders vorzüglich neben der Cavatine in den Einlagen „Va—⸗ 
tationen“ von Adam und in „Il bacio“ von Arditi. In Herrn 
ziegle lernten wir einen überaus sicher und gewandt spielenden 
igaro kennen, der seiner Rolle als Barbier auch gesanglich mit 
ingenehm weichklingendem Barxiton bestens gerecht wurde. Gleich 
rorzüglich in gesanglicher Hinsicht waren auch die Herren 
s„chuster und Schubert als Dr. Bartolo und Basilio. 
Rurch ihr Spiel von überwältigender Komik und prächtiger 
Nimik trugen sie viel zu vollem Gelingen bei. Die Gestalt des 
örafen Almaviva hätte etwas stattlicher und eleganter, auckh 
twas „heißblütiger“ in den Liebesszenen sein können. Herr 
dange verfügt wohl über nicht üble Stimmittel, aber sein 
kdenor läßt vielfach Weichheit und Modulationsfähigkeit ver— 
nissen. Am Orchesterpult waltete Herr Kapellmeister Pfeiffer 
vacker seines Amtes. Unter seiner verdienstvollen Leitung kam 
ie Ouvertüre prächtig zu Gehör, auch sonst brachte das 
Irchester die reizenden Melodien klangschön und rhythmisch 
orzüglich heraus und fügte sich mit Verständnis den Gesangs— 
artien ein. 
*Schlafwagen dritter Klasse. Die Berliner Handelskammer 
at der Eisenbahnverwaltung vorgeschlagen, auf der vielbefah— 
enen Strecke Berlin — Rheinland-Westfalen Versuche mit Schlaf— 
‚agen dritter Klasse anzustellen. 
⸗Zum Mumzendiebstahl in der Festraße wird der M. 
ztg. aus Schönberg gemeldet: Das Verdienst, die Poliei 
ruf die Spur der beiden Einbrecher, die in Lübecdc den 
Münzendiebstahl begangen hatten, gebracht zu haben, gebüuhrt 
dem Kaufmann Sschär hierselbst. Bei diesem hatten die Tiede 
ine Kleinigkeit gekauft und dabei ein Fünfmarkst üd Ceip⸗ 
iger Universitätsjubiläum) verausgabt. Nachdem sie 5 
m Hotel Stadt Lübeck gestüärkt hatten, waren sie nach Shuer.. 
zereist. Als der Kaufmann Sch. das Geldstück später genu 
zesah, merkte er, dah es eine von den in Lübed gestoh⸗ 
lenen Munzen sei. Er benachrichtigte die Polizei, und so 
sam es, dah die Diebe bald darauf in Schwerin verhaftet 
verden konnten. 
70-. Verhaftungen. Festgenommen wurde ein 
Diendmädchen, qus Lübed wegen Diebstahls eines Paar Stiefels 
um Rachteil, seiner Dienstherrin. — Festgenomimen wurde 
ein Geschäftskutscher wegen Diebstahls und Betruges zum Nach⸗ 
keil seines Chefs. 
Großherwatũmer Medlenbura. 
ee 5 — Feür den Wasser-— 
ugplatz,zin Warnemünde wurden 50 000 NRbewilügt, 
ür die Kosten der Justizverwaltung, jährlich 800000 Mqauf 
ünf, Jahre, für das Technikum Reustadt statt 6000 MiuIo o00 9 
Dobexamn, 12. Dez. Eine sarte Stahlauelle 
zurde bei, Gelegenheit der Bohrung eines Brunnens auf dem 
Aufmannschen Grundstück heim Dhlzmteich anggsclagem Der 
Vasserandrang war arae starl, daß die Bohrungsarbeit 
ingestellt werden mußte. Da das Terrain in unmikielbarer 
Nähe Des Stahlbades sich befindet, ist nicht ausgeschlossen, daß 
eine Ader dieser Quelle angeschlagen worden ist. 
Gsnstro w. 12. Dez Das Schwurgericht verhandelte 
gegen den, früheren Cisenbahnhauptfassierer, Betriebssekretär 
deinrich CIü ver, Rostock. Dem Angeklagten wird nach dem 
kroͤsgnungsbeschlufse zur Vast gelegt seit eiwa sechs Jahren 
u Rostock fortgesetzt Gelder, die er in amtlicher Eigenschaft 
mpfangen und in Gewahrsam hatte, sich e eige zuge⸗ 
ignet und in Beziehung guf die Unterschlagungen die zur 
Fontrolle und Einstagung der Einnahmen, und Ausgaben, ve⸗ 
immten Register und Buͤcher unrichtig geführt und unrichtig⸗ 
Ibschlüsse und Auszüge aus diesen vorgelegt e haben. So 
at er 28 398,45 d von Geldern der Eisenbahnverwaltum 
ür sich verbraucht. Die Rechnungsbücher und Tagesbericht. 
ber das Kassenwesen führte er derartig, daß, sie den Fehl⸗ 
etxag nicht erkennen ließen und er sie bei den Kassenrevistonen 
orlegen donnte. Die Gefschworenen hejahten die Schulbfrage 
ind die Frage nach mildernden Umständen. Der Angeklagte 
vurde datauf zu zwei Jahren Gefängnis, umer Anrechnung 
inn ate WNynasßen der Nnutersuchnnashaft, perurteitt 
Neue““e Nachrichten und Telegramme 
der a A.“ nud . . 
Der Bürgerkrieg in Mexriko. 
W. Wajshington, 12. Dez. Konteradmiral Fletcher meldete 
estern, er habe die Führer der beiden Parteien bai 
bdampico gewarnt, den Kampf in der Nähe der neutralen 
zone oder des wertvollen Besitzes der Ausländer stattfinden 
u lassen. 
W. Newnork, 12. Dez. Nach einem Telegramm des Blattes 
Sun aus Mexiko, haben die Insurgenten gestern abend 
Tampico eingenommen. 
W. Mexilo, 12. Dez. Das Abgeordnetenhaus erteilte 
duerta besondere Machtbefugnisse für die Ministerien der Finan— 
en, des Krieges und des Innern. 
— 
C70. Berlin, 12. Dez. GSondertelegramm der Lübedi⸗ 
chen Anzeigen. Der Reichsbankdis lont wurde auf 5, der Lom⸗ 
ardzinsfufß auf 6 Prozent herabgefetzt. 
W. Berlin, 12. Dez. Die Ergebnisse der Sammlungen 
ür die National-Flugspende unter den Deutschen 
m Auslande liegen jetzt vor. Es wurden gesammelt: in 
Amerika 154832 M, in Asien 37 105 M, in Afrika 18 445 M 
ind in Australien 5881 M. 
Berlin, 12. Dez. Vor der 17. Strafkammer für Hau 
achen stand gestern Termin zur mündlichen Verhandlung in 
Zachen des Verlages der Vossischen Zeitung gegen den 
Berlag des Berliner Tageblattes an. Es handelte sich 
um die gegen den Verlag des Berliner Tageblattes 
rhobene Beschuldigung des unlauteren Wettbewerbes durch 
Anweisung der Botenfrauen des Berliner Tageblattes, sich die 
Adressen von Abonnenten der Vossischen Zei— 
ung zu verschaffen und diese an die Vertriebszentrale des 
Zßerliner Tageblattes weiter zu geben. Im Termin war die 
Bossische Zeitung durch Justizrat Pinne und den Geschäftsführer 
Dr. Sandstein, der Verlag Rudolf Mosse durch 
Justizrat Mosse vertreten. Nach kurzer Beratung verkündete 
er Vorsitzende, daß nach Ansicht des Gerichts das Verhal- 
en der Firma Rudolf Mosse gegen das Gesetz 
ur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbes 
erstoße, die einstweiligen Verfügungen daher aufrecht zu 
rhalten und der Firma Rudolf Mosse die Kosten des Ver— 
fahrens aufzuerlegen seien. 
W. Petersburg, 12. Dez. Am 23. Oktober hat sich der 
Ministerrat dafür ausgesprochen, daß für das ganze Reich, ein⸗ 
chlicklich Finnlands, Automobile für militärische 
z3wecke requiriert werden könnten. Da sich jedoch herausstellte, 
»aß die Ausdehnung dieser Verpflichtung für die Automobil-— 
esitzer auf Finnland die Durchführung der Maßnahme auf- 
„alten würde, hat der Ministerrat gestern beschlossen, die Mahz— 
iahme auf das eigentliche Rußland zu beschränken und die Ein— 
ührung für Finnland einer besonderen Gesetzesvorlage vorzu— 
vehalten. 
Athen, 11. Dez. (Meldung der Agence d'Athoͤnes. Die 
zriechisch⸗ Regierung hat den Mächten den Text der Konven 
ionen von London, Athen und Bukarest mitgeteilt und ihnen 
o indirekt zur Kenntnis gebracht, daß die Insel Kreta 
zinfort einen Teil des Königreichs Griechen— 
and bildet. 
*. 
In den Flammen umngekommen. 
DT. Lobenstein, 12. Dez. In dem benachbarten Thierbach 
ist das Gehöft des Gutsbesitzers Ziermann vollständig nieder- 
jebrannt. Der Gutsbesitzer kam in den Flammen um; eine 
yrau konnte gerettet werden, hat aber schwere Brandwunden 
avongetragen. Das gesamte Geflügel sowie mehrere Rinder 
ind gleichfalls den Flammen zum Opfer gefallen. 
Ermordet und auf die Schienen geworfen. 
Prag, 12. Dez. Die Prager Sicherheitsbehörden haben 
jestern einen Mädchenmord aufgededtt. In der böhmischen Land 
tadt Kolin wurde seit dem 1. Noo. das Dienstmädchen Vindus'r 
dermißt. Am 5. Dez. wurde in der Nähe der Stadt auf doi 
ßZahngleisen eine verstümmelte weibliche Leiche gesunden, die 
ils died es vermißten Dienstmädchens erkannt wurde. Am 9. Der. 
nachte sich vor dem Landgericht in Prag ein junger Mann 
begen seines verstörten Benehmens verdächtig. Auf der Po— 
izeiwache wurde in ihm der 20 Jahre alte Schneidergehilfe 
ßesmacher aus Kolin festgestellt, der angab, daß er in Kolin 
zeuge der Ermordung des Dienstmädchens Vinduska gewesen 
ei. Die Gendarmerie in Kolin stellte fest, daß das Dienstmädchen 
on einem Ehepaar Smoslilk in dessen Hause festge4- 
alten und durch Mißhandlungen und Hunger ge4 
Lurngen wurde, mit Männern zu verkehren. Das schöne Mädchen, 
as eiwas geistesschwach war, wurde mehrere Wochen lang sest- 
Falten. Der in Vrag verhaftete Gesmacher gab weiter an. 
un 5. Des. habe Smolik das Mädchen erschlagen; er (Ges⸗ 
Zcher) habe durch das Fenster dem Mord zugesehen. Smolik 
abe die Leiche uf die Schien en geworfen, um einen 
delbstmord vorzutäuschen, und habe ihn überredet, den Mord 
uf lich zu nehmen. Da er (Gesmacher) bereits in einer Irren— 
unstalt interniert gewesen sei, so würde man ihn wegen seines 
ßeisteszustandes nicht verurteilen können. Inzwischen sind be— 
eits sieben Personen verhaftet worden; das Ehe— 
zaar Smolifk ist dem Bezirksgericht eingeliefert orden. Smolik 
teht auch im Verdacht, einen Brand in seiner Wohnung an— 
gelegt zu haben, bei dem sein Schwiegervater den Tod 
sand. 
Grauenhafte Skandalaffäre in Paris. 
PO. Paris, 12. Dez. Die hiesige Polizei ist einer Skandal- 
seschichte, wie sie kaum ihresgleichen hat, auf die Spur gelommen.! 
zdor einigen Tagen verschwand plötzlich aus dem Variser Vorort 
Nontargis ein 26jähriges Mädchen namens Clementine Cousin. 
ARe polizeiliche Untersuchung ergab, daß das Mädchen einem' 
Zerbrechen gegen das keimende Leben zum Opfer gefallen 
st. Weitere Ermittlungen in dieser Affäre führten auf die Spur 
der Hebamme Jeanne Simon, die schon vor einigen Tagen 
jätte verhaftet werden können, die man aber noch in Freiheit 
ieß, um sie beobachten zu lassen und auf diese Weise Ma4— 
erial zu ihrer Ueberführung zu gewinnen. Durch die Ueber- 
vachung der Hebamme wurde festgestellt, daß diese gemeinfam 
rit einem Manne namens Bernard in verschiedenen Stadtteilen 
son Paris Wohnungen unterhielt, in denen sie Frauen und 
Mädchen, die einem freudigen Ereignis entgegensahen, gegen 
»ohes Honorar ihre Unterstützung zuteil werden ließen. Am, 
Nontao saßen Frau Simon und ihr Freund Bernard hinter 
zchloß und Riegel und die in den Wohnungen des verbreche4- 
ischen Paares vorgenommenen Haussuachungen förderten ge— 
adezu grauenhafte Einzelheiten zutage. Das Verbrecherpaar 
at seit 7 bis 8 Jahren Abtreibung ünd Eng elmacherei 
ngrotßem Stile betrieben. Jede Frau, die sich an das 
Baar wandte, erhielt eine bestimmte Nummer, und mit dieser 
stummer wurde auch der Briefwechsel gekennzeichnet, der zwischen 
er Frau Simon und ihren Klientinnen geführt wurde. Die letzte 
dummer des vorigen Jahres war 13121, während die unglück⸗ 
iche Clementine Cousin die Nummer 14131 erhalten 
atte. Demnach muhß das Paar in den letzten Jahren ü ber 
4000 Abtreibungen vorgenommen haben. Wie viele 
zrauen hierbei den Tod gefunden haben, lähzt sich natürlich 
richt me'r feststellen. Die Nachforschungen der Polizei werden 
adurch erleichtert, daß Bernard eine vollkommene Buchführung 
ringerichtet hat, aus der hervorgeht, daß die Verbrecher für den 
FFall 200 Frs. verlangt haben. Die Affäre erregt überall das 
rrößte Aufsehen. 
W. St. Avold (Lothringen), 12. Dez. Während der dienst- 
uende Dberpostassistent Schmidt allein anwesend war, 
rschien auf dem Postamt ein Mann und gab vor, ein dringen⸗ 
»es, Telegramm aufgeben zu müssen. Arglos ließ der Beamte 
hn das Amtszimmer betreten. Der Unbekannte stürzte sich 
ofort auf ihn und schlug ihn zu Boden, dann ver⸗ 
angte er den Schlüssel zur Kasse. Dem Ueberfallenen gelang 
s während des Ringens mit dem Räuber, den Schlüssel fort⸗ 
uwerfen, so daß der Zwecdk des Ueberfalles nicht erreicht wurde. 
der Attentäter ist unerkannt entkommen, während der Beamte 
väter bewußtlos auf dem Boden aufgefunden wurde.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.