Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

ꝛ:Iarien. 
Regierungssieg bei den Wahlen. Die endaultiaen Wahnr 
ergebnsse siehen noch aus, dogz lassen die eingelausenen Berichte 
ennen, daß die Regierung der eine Mehrheit in der Sobranje 
hderfügen wird. 
Tüũrkei. 
Pfadfindervereine in der Türkei? Dexr Oberleutnant Hakti 
vey und der Sekretär des jungturtischen Komitees in Stambul 
eisten nach Europa ab, um die, Einrichtungen der in verschie⸗ 
denen Laͤndern bestehenden Hfadfindervereinigun gen zu studieren, 
in diese in der Türkei imzufuhren. Sie werden sich auch zu 
diesem Zwed nach DHeutschland begeben. 
Amerila. 
Die Vereinigten Staaten für eine Rüftungs pause. 
Repraͤsentantenhaus hat mit großer Wehrheit . *5— 
zung angenommen, in der Präsident Wilson ersucht wird, Chur— 
Ziils Auregungen, wegen der internationalen Rüstungspause im 
Zau don Kriegsschiffen zu unterstützen, soweit dies mit den 
Inieressen der Vereinigten Staaten vereinbar sei. — Besondere 
Zegchtung verdient u. E. der Nachfatz „soweit dies mit den 
jnterefsen der Vereinigten Staaten vereinbar ist“.. 
Cagesbericht. 
Lübeck, 9. Dezember. 
berkehr auf der Gjedser⸗ und auf der Kiel⸗Korsör⸗ 
Linie. 
Wie uns vom Fehmarnbahnkomitee mitgeteilt wird, war 
in der am 28. November veröffentlichten eingehenden Erwide— 
ung des Deutschen Fehmarnbahnkomitees auf die von den 
„eteiligten holsteinischen Stadtmagistraten und Interessen⸗ 
bertretungen veröffentlichte Denkschrift der Personenverkehr auf 
den deutschen Schiffen der Warnemünde—-Giedser-Linie auf 
rund 125 000 Personen angegeben worden, in der Annahme, 
daß diese dem Bericht der mecklenburgischen Friedrich-Franz- 
Bahn entnommene Zahl nur den Verkehr auf den mecklen⸗ 
burgischen Schiffen darstellt. Wie die inzwischen in der dänischen 
National-Tidende vorgenommenen amtlichen Feststellungen er— 
jeben, stellen jene 125 000 Personen (nach dänischer 
Statistik 126 680) den Gesamtverkehr 1911/12 auf der 
Fährstrecke Warnemünde — Gjedser dar, während auf den deut—⸗ 
schen und dänischen Schiffen der Kiel —Korsör-Route in der— 
elben Zeit zusammen 47 910 Personen befördert worden 
ind. Im Jahre 1912/13 betrug der Personenverkehr nach 
der gleichen amtlichen dänischen Feststellung auf der Giedser— 
fähre 133 105 Personen (d. i. plus 6425), auf den Kiel — 
Rorsör⸗Schiffen 48 359 Personen (d. i. plus 449). Auch 
diese Zahlen zeigen immerhin, namentlich auch vom Stand⸗ 
punkt der Entwicklung des Verkehrs, die starke Ueberlegen—⸗ 
heit der Giedser-Route im deutsch-dänischen Personenverkehr. 
Was schließlich den Güterverkehr betrifft, so beträgt er 
auf der Giedser-Route heute schon rund * Million Tonnen, 
vährend die Kiel—Korsör-Linie bekanntlich eine reine Personen— 
erbindung ist. 
0 Lübedcker Oelmühle, Altiengesellschaft (vorm. G. E. A. 
Asmus). In der heute morgen abgehaltenen außzerordent— 
ichen Generalversammlung waren 45 Aktien mit 1271 Stimmen 
dertreten. Bekanntlich hatte das Landgericht Lübeck den Be— 
chluß der Generalversammlung vom 26. Juni, wonach das 
Aktienkapital im Verhältnis von 5 zu 3 zusammengelegt wer— 
den sollte, aufgehoben. Der Vorstand und Aufsichtsrat der 
Fefellschaft war nach einer Mitteilung des Vorsitzenden, Herrn 
Dr. Görtz, übereingekommen, gegen die Erkenntnis des Land— 
aerichts Lübeck, II. Kammer für Handelssachen, vom 7. Nop. 
1913, lediglich die Entscheidung des Oberlandesgerichts Ham— 
burg herbeizuführen, auf weitere Rechtsmittel aber zu ver— 
zjichten. Der Vorsitzende des Aufsichtsrates begründete in der 
auberordentlichen Generalversammlung, auf deren Tagesord— 
ung ein diesbezuglicher Antrag stand, die Ansicht des Aufsichts— 
rates und bat um Annahme des Antrages. Seitens des Ober—⸗ 
andesgerichtes sei ein Termin auf den 18. Dezember angesetzt, 
die event. Revision vor dem Reichsgericht würde aber erst in 
rühestens einem halben Jahre verhandelt werden 
önnen. Auch ein anderer Grund habe den Vorstand 
ju diesem Antrag veranlaßt. Die finanzielle Position der Ge— 
jellschaft sei eine bessere geworden. Der Abschluß 
des letzten halben Jahres weise nach langer Zeit 
zum ersten Male einen Gewinn auf, nach Abzug 
aller Unkosten mit Ausnahme der Abschreibungen 
gegen 40 000 M, auch die Resultate der letzten beiden Monate 
eien eher noch günstiger ausgefallen, trotzdem das Jahr 1913 
als ein mähiges Geschäftsjahr für die Oelproduktion bezeichnet 
werden müsse. Dr. Wittern war der Ansicht, daß man es 
hei dem Beschluß des Landgerichts belassen oder erst dann 
eine Entscheidung treffen solle, wenn das Urteil des Ober- 
andesgerichts vorliege. Auch forderte er für die Minderheit 
Sitz und Stimme im Aufsichtsrat und gab dem Wunsche Aus⸗ 
»xuck, daß mehr fachmännisch gebildete, branchekundige Herren 
ver Verwaltung angehören möchten. Herr Baukdirektor Rennet 
bat die Versammlung, dem Vorstand und Aufsichtsrat das 
Ersuchen entgegenzubringen, auf weitere Rechtsmittel in der 
Anoelegenheit, insbesondere auch auf das Oberlandesgericht 
Verzicht zu leisten. Auch die Minderheit werde filr die 
Zusammenlegung des Kapitals eintreten, wenn sie im Aufsichts- 
'at eine Vertretung finde. Herr Esselsgroth-Kiel forderte 
Vorschläge für die Tilgung der Unterbilanz vone? Million 
Mart, damit es möglich werde, neues Betriebskapital zu 
beschaffen und der Gesellschaft auch der Kredit nicht weiter 
entzogen werde. Nach weiteren Ausführungen des Herrn 
Dr. Görtz, des Herrn Dr. Wittern und aus der Mitte der 
Versammlung heraus, in denen allgemein die Ansicht ver⸗ 
treten wurde, daß alle Streitigkeiten vermieden werden und 
Maiorität und Minorität einzig für das Wohl der Gesellschaft 
eintreten müutzten, in denen ferner zum Ausdrud kam. daß man 
sich der Wahl eines neuen Mitgliedes, event. eines Vertrauens 
Nannes der Minderheit, zumal der Aufsichtsrat noch um ein 
Mitalied vermehrt werden könne, fowie dee ere der Wahl 
ines durchaus fachmännisch gebildeten Herrn in den Auffe 
at gegenüber nicht ablehnend verhalten wilrde, wurde ohne 
Absiimmung über den Antrag der Tagesorbnmng groher 
Mehrheit det Beschluhß gefaht, dem ufsichterat und Ber 
stiand das Ersuchen entgegenzubringen, von der weiteren Durch⸗ 
führung des Prozesses abzusehen und schnellmöglichst eine Ge— 
ieralversammlung einzuberufen, in der di⸗ Zusammenlegung der 
Kapitalien beschlossen wird. Ferner wurde dem Vorschlag zu⸗ 
destimmt, die Wahl eines neuen Mitgliedes in den Aufsichtsrat 
nit auf die Tagesordnung der nächsten Versamplung zu seben. 
me CEvangelischer Bund. Auf Einladung von Herrn 
dofbesitzet Hans Henk in Pöppendorf, bem Vorsitzenden des 
dirchennorstandes im Stadtteil Kucnitz- Herrenwyk, und Herrn 
dauptpastor Evers⸗Lübed hin tagte Freitag abend in Diedel⸗ 
manns Gasthof im Stadtteil Klcknik eine Versammluna. in der 
ie Frage erwogen werden solllte, ob es an der Zeit sei, auch in 
iesem Stadtteil einen Zweigverein des Evangelischen Bundes 
u gründen. Das Referat hatte Herr Hauptpastor Evers 
bernommen. Anschließend an den 5. Dez., der jetzt vor 100 
ahren Lübeck die endgültige Befreiung von der Franzosem 
errschaft gebracht hatte, schilderte er das friedliche Zusammen⸗ 
eben der beiden Konfessionen in jener Zeit, das erst gestört 
uurde, als die Jesuiten in Deutschland Einfluß gewannen. Ihr 
reiben beschwor den Kulturkampf herauf, in dem schließlich 
zismarck sich zum „Sperrgeldgeletz“ bequemte, das die prote— 
antische Bevölkerung tief verletzte und den Anstoß gab zur 
zründung des Evangelischen Bundes, einer Kampfesorganisation 
ur Wahrung der deutschprotestantischen Interessen, zur Abwehr 
eindlicher Angriffe, zur Weckung des evangelischen Gewissens. 
zegen diesen Bund, so erzählte der Vortragende weiter, werde 
st der Vorwurf erhoben, daß er die katholische Religion 
ekämpfe. Aber das sei durchaus falsch. Nicht gegen die ka— 
jolische Religion wende er sich, sondern nur gegen den Ultra— 
lontanismus, der Politik und Religion nicht auseinanderhalte 
ind für die katholische Kirche eine weltliche Machtstellung er— 
rebe. Daraus seien aber nicht bloß unserer evangelischen Kirche, 
o»ndern auch dem Vaterlande schon öfter schwere Gefahren er— 
»achsen, und deshalb sei es Pflicht jedes Protestanten, in den 
wangelischen Bund egzutreten. Dieser zähle jetzt schon über 
Oo odo Mitglieder, müsse aber das gesamte evangelische Deutsch⸗ 
and umschließen, damit er noch mehr als das heute schon der 
jall sei, Einfluß gewinnen könne. Nachdem der Vorkragende 
och aus einer Reihe von Zentrumsartikeln gezeigt hatte, wie 
mder Gegenwart noch der Protestantismus durch den Ultra— 
sontanismus bedroht wird, wurde auf seinen Vorschlag hin be— 
hylossen, einen Zweigverein des Evangelischen Bundes zu gründen. 
zämtliche Anwesende, soweit sie nicht schon dem Bunde ange— 
örten. erklärten ihren Beitritt 
5WDer erste Kälteeinbruch am Sonnabend hat sich schnell 
us Gegenteil verwandelt. Der starke Nebel am Sonnabend, 
zonntag und Montag hat fsich am Montag abend bei steigender 
lemperatur in Regen verwandelt. Die ganze Nacht zum Diens— 
ag über und auch am Dienstag vormittag rieselte ein feiner 
zprühregen hernieder. Die Dunkelheit war heute vormittag 
groß, daß man in den Privat- und Geschäftshäusern überall 
icht brennen mußte. Das Redaktionsthermometer zeigte vor— 
aittags 11522 Uhr fast — 10 Grad Celf. an, gegenüber —0O.3 
ßrad Celf. am Montag vormittag. 
Xx Gartenbau-Verein. In der Dezemberversammlung hielt 
zerr Garteninspektor Maass einen Vortrag über die 
zartenbau-Ausstellung in Breslau, die in diesem Jahre statt— 
efunden hat. Herr Maass gab in seinem Bericht von dieser 
susstellung ein derartig glänzendes Bild, daß man die Ueber— 
eugung gewann, daß sie die großartigste Gartenbau-Ausstellung 
wesen ist, die je geleistet ist und man nur bedauern kann, so 
twas Grandioses nicht mit eigenen Augen haben sehen können. 
ahlreiche von Herrn Maass gezeigte Abbildungen bewiesen die 
bahrheit seiner Schilderungen. Die neueste Erscheinung auf dem 
zebiete der Gartenbauausstellungen, die Abteilung Friedhofskunst, 
t auch in Breslau in hervorragender Weise vertreten gewesen. Es 
ilt wie fast überall, auch bei uns, die vom Publikum beliebte, 
hablonenmäßige Grabbepflanzung zu beseitigen und an ihre 
ctelle eine gartenkünstlerische, ich dem Gelände, der Umgebung 
npassende zu setzen. Solche Bestrebungen werden auch seitens 
er hiesigen Friedhofs-Verwaltung schon seit längerer Zeit ver— 
Igt. Es ist bereits auf dem Vorwerker Friedhof ein Quartier 
ärtnerisch hergerichtet, um auf demselben eine ständige Ausstel— 
ng in gartenkünstlerischem Sinne angelegter Mustergräber zu 
haffen. Die Eröffnung derselben ist für Mai 1914 in Aussicht 
enommen. — Die nächste Versammlung des Gartenbau-Vereins 
Al am 8. Januar stattfinden. Herr Rud. Vollert wird über 
ie für Gärtner wichtigste Frage, die Düngung, unter dem Titel 
Was ist Kalk?“ sprechen. 
*Der Gesamtverkehr auf dem Elbe⸗Trave⸗Kangal im 
pey R 1913 stellte sich nach den vorläufigen Ermittelungen 
at: 
rachtdampfer Frachtschiffe Zusammen Davon entfall. auf den 
Unz. Lad Anz Lad. Anz. Lad. Darchgangs- Lokal⸗ 
verlehr versehr 
1) Verkehr in Richtung Lübed-Lauenbura. 
14 1446 312 56982 326 58428 23348 35080 
2) Verkehr in Richtung Lauenburg⸗-Lübed 
7 2234 —A— — 
Novbr. 1913. . 651 86190 55387 37804 
1812. .. 737 134060 66162 75605 
—F 1911... 760 72671 25962 46709) 
Nopbr. 1913 weniger 86 97 877 76 37802 
zanuar b. Novbr. 1913 einschl. 6341 1061460 1527 336937 
18i277421 1303j93 569283 7170341 
—E „1311 „7221 850331 397535 452796) 
Jan.b. Nob. 1913 einschl weh —388 
weniger 1080 241729 373404 
D Der Lübeder Beamienverein veranstaltete Sonnabend im 
Wintergarten“ den dritten seiner sog. „gemütlichen Abende“ 
n diesem Jahre. Diese sollen dazu dienen, die Mitglieder des 
Jereins, der bekanntlich Beamte aller Kategorien umfaßt, die 
onst nur selten Gelegenheit haben, sich kennen zu lernen, in 
ähere Fühlung miteinander zu bringen. Das scheint zu ge— 
ingen, wie der zahlreiche Besuch dieses Abends und die ganze 
timmung, die da herrschte, bewies. Eingeleitet wurde der 
bend durch einen Vortrag des Herrn Zahnarztes Wulf, hier, 
etitelt: „Amerika, Land und Leute, wie ich sie sah.“ Der 
zortragende verstand es ganz vortrefflich, die Zuhörer in Alem 
uhalten. Packend wußte er die Erlebnisse und Erfahrungen 
ines Aufenthaltes dort, der sechs Jahre gedauert hat, zu schil⸗ 
ern, die Gegensätze im Kulturleben der Völker hüben und drüben 
ervorzuheben, Tier⸗ und Pflanzenwelt in ihrer Mannigfaltig⸗ 
eit und Farbenpracht vor das Auge zu stellen. Dabei ver—⸗ 
ehlte er nicht, seine Rede des öfteren mit feinem Humor zu 
ürzen. Reicher Beifall und herzlicher Dank waren der Lohn für 
ine Mühewaltung, der er sich im Interesse des Vereins unter⸗ 
;gen hatte. An diefen Vortrag reihten sich in bunter Folge 
arbietungen feitens der Mitglieder, Deklamationen ernsten und 
eiteren Inhalts, musikalische Vorträge usw., und zwar nicht 
ar seitens der Herren, sondern auch erfreulicherweise seitens der 
)amen, so daß der Abend aufs schönste verlief. 
—Die Ortsgruppe Lübeck des Deutschnationalen Hand⸗ 
ingsgehilfen⸗Verbandes hielt Freitag im Restaurant Freden⸗ 
agen ihre Monatsversammlung ab. Der Besuch war so stark, 
aß der Versammlungsraum zu klein wurde. Der Hauptpunkt 
er Tagesordnung betraf, Die Lübeder Burgerschaft und die 
zonntagsruhe“. Auch wurde die reichsgesetzliche Regelung der 
onntagsruhe gestreift. Da letztere jedenfalls noch längere Zeit 
uf fich warten lassen wird, da der Reichstag wohl die ihm zu⸗ 
egangene Vorlage betr. Regelung nicht so ohne weiteres an⸗ 
ehmen kann, aus Gründen, die in der Protestverfsammlung 
im Diemstac. dem W Dez näber bearündet lind, kam der 
Bunsch zum Ausdruck, daß die vom Bürgerausschuß eingesetzte 
tommission sich die Wünsche der Handlungsgehilfen zu eigen 
iache und für eine möglichst beschleunigte Einführung einer er— 
eiterten Sonntagsruhe in Lübeck eintrete. Ferner wurde 
ekannt gegeben, dah unterm 17. Nov. an den Senat eine 
ingabe betr. Errichtung einer Kaufmannskammer 
emacht ist. Die Eingabe wurde in der Versammlung eingehend 
egründet. Nach Erledigung der Tagesordnung begaben sich 
ie Teilnehmer nach der Dampfbäckerei „Hansa“, um sich ein— 
ial die Anlagen einer Bäckerei in Betrieb anzusehen. Unter 
er liebenswürdigen Leitung des Herrn Junge wurden alle 
Naschinen und Einrichtungen eingehend besehen und erklärt. 
ur eine Stimme des Lobes hörte man über die herrschende 
auberkeit und über die Schnelligkeit, mit welcher die Fabrikate 
ort hergestellt wurden. Bei einem Glase Bier, zu welchem d's 
eilnehmer von Herrn Junge eingeladen wurden, besprach men 
as Gesehene. Für die Liebenswürdigkeit, mit welcher Herr 
unge die Besichtigung erlaubte, und mit welcher er die Ein-— 
schtungen zeigte und erklärte, wird ihm der Dank aller Bi— 
eiligten sicher sein. — Es ist erfreulich daß den jungen Kaus- 
uten durch das Entgegenkommen vieler Betriebe und Fabriken 
ie Gelegenheit gegeben ist, diese zu besichtigen und sich so weite 
uszubilden. 
Strastammer III. Sitzung vom 6. Dez. Wegen 
lnterschlagung und Betruges im Rägdfalle hat sich de 
ichneider Auqust Daug von hier zu veranlsworten. Er ist 
iel wegen Diebstahls, Unterschlagung und Betruges bestraft. 
uletzt mit vier Jahren Zuchthaus. Im vorigen Jahre erielt 
er Angeklagte von der Frau eines Bäcermeisters Stoff zur 
lnfertigung eines Damenmantels nebst Seidensutter im Ge— 
amtwerte von 32 Me 50 Pfg. Stoff und Futter versetzte 
ind verbrauchte den Erlös. Im letzten Sommer erhielt de 
Ingeklagte von einem Glasergesellen Tuchstoff im Werte von 36 
Nark. Auch diesen Stoff versetzte er für 10 M. Ebenfalls er⸗ 
zielt der Angeklagte im Sommer Stoff zu einem Anzuge im 
Berte von 28 M. Der Angeklagte begann auch mit der Anfer- 
igung des Anzuges und stellte ihn zur Anprobe fertig. Dau 
erlangte er Vorschuß auf selnen Arbeitslohn und Lieferumr 
es Futterstoffes. Er erhielt 15 M Vorschuß. Als der Schuß— 
iacher das Futter brachte, hatte der Angeklagte inzwischen 
en unfertigen Anzug versetzt und zwar sür 13 M. Arm 
3. August erschien der Angeklagte bei dem Oberkellner Ni., 
ellte sich diesem unter falschem Namen vor und übergab ihm 
ine auf den falschen Namen lautende Empfehlungskarte. Me. 
ourde durch den Angeklagten bestimmt, bei ihm einen Anzug 
um Preise von 68 Mizu bestellen. Den Stoff sollte der Ange- 
lagte liefern. Der Angeklagte nahm Maß und versprach, den 
nzug in 8 Tagen zu liefern. Dann bat der Angeklagte un 
inen Vorschuß, den er auch im Betrage von 39,50 Miäerhiel. 
Im die Beschaffung und Herstellung des Anzuges kümmerte sich 
„er Angeklagte überhaupt nicht. Der Angeklagte ist geständ.eg 
ind wird zu 2 Jahren Zuchthaus, 200 MuGeldstrafe event. 
5 Tagen Zuchthaus und zum Verlust der bürgerlichen Ehren— 
echte auf 5 Jahre verurteilt. 
- Diebstähle. In der Nacht zum 9. Dez. ist aus derr 
zchulneubau am Falkenplatz eine Rolle Bleirohr in der Stärte 
„on 30,42 und im Gewichte von 140 Pfund gestohlen worden. 
- In der Nacht zum 86. Dez. ist von der Einfriedigung eines 
in der Lindenstraße belegenen Hauses eine eiserne Pfortée 
bhandengekommen und vermutsich von Unfug treibenden Per— 
onen, verschleppt worden. — In der Nacht zum 3. Dez. ist die 
zinfriedigung eines an der Ecke der Hohenzollern- und Moltke— 
crahe belegenen Bauplatzes, bestehend aus 8 etwa 1ä m langen 
ind etwa 12 Quadratzentimeter starken Holzpfählen und etwa 
O m Eisendraht, gestohlen worden. — Vom Hofe eines an 
er Untertrave belegenen Grundstücks sind in den letzten Tagen 
ine etwa 9 m lange und eine etwa 424 m lange Leiter aba 
andengekommen. Ausgeschlossen ist nicht, daß sich jemand die 
deitern ohne Erlaubnis genommen hai, um sie zu benutzen,. 
ind sie dann irgendwo stehen ließ. 
o0- Wegen versuchten Betruges verhaftet. Ermittelt und 
estgenommen wurde ein hiesiger jugendlicher Arbeiter wegen 
ersuchten Betruges. Unter der Vorspiegelung, er komme im 
Iuftrage seines Arbeitgebers, versuchte er. in den Besitz von 
inbenutzten Heizkörvern in einer hiesigen Bäckerei zu gelangen. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der A. A. und . Z.. 
Zweihundert neue Kassenärzte sür Berlin. 
Berlin, 9. Dez. Infolge der Weigerung der allgemeinen 
Irtskrankenkasse der Stadt Berlin, 200 neue Aerzte einzustellen, 
vpurde der erst kurzlich geschlossene Friede zwischen den Großz- 
zerliner Kassen und den Aerzten wieder gefährdet. Wie das 
3. T. jekt erfährt, hat die Berliner Ortskrankenkasse in diesem 
-treitfalle nachgegeben und sich bereit erklärt, vom 1. Januar 
914 ab 200 neue AMerzte einzustellen. Da nun damit der 
oichtigste strittige Punkt wegfällt, ist au hoffen, daß der Friede 
dauernd erhalten bleibt 
Das neue Korpskommando ür Konstaniinopel. 
Konstautinopel, 9. Dez. Hier werden jetzt eifrig Vorbe- 
eitungen für den Empfang der deutschen Militar- 
nistion getroffen. Im Kriegsministerium ist man beschäftigt, 
ie den deutschen Offizieren zugedachten Bureauräume herzu⸗ 
ichten. In der Kommandantur Stambul revidiert der bisherige 
nterimistische Kommandeur des ersten Korps Oberst Dschemal 
3ei die Archive, die er General Liman v. Sondors nach dessen 
Imtsantritt übergeben wird. 
Berlin, 9. Dez. Der Majior im Großen Generalstab von 
affert ist als Nachfolger des in kaiserlich ottomanische 
dienste übergetretenen Majors von Strempel zum deutschen 
NRikitärattachs in Konstantinopel bestimmt. Major 
on Laffert ist ein Jahr in seinem Dienstgrade, stammt aus 
em Gardedragonerregiment (1. Großherzoglich Hesfischen) Nr. 23 
n Darmstadt und hat als Eskadronchef dem Ulanenregiment Kaiser 
llexander II. von Rußland (J1. Brandenburgischen) Nr. 8 ana-' 
sehört. Er ist verheiratet mit der Tochter des durch seine ausge⸗ 
ehnten Weltreisen bekenmten Majars a. D. Schultze⸗Poderow 
m WMaerlin 
Die Wirren in Mexiko. 
W. Newnork, 9. Dez. Nach einem Telegramm aus Juarez 
ind die Rebellen unter General Chao Herren der 
ztadt Chihuahua. General Villa ist bis gestern mittag 
och nicht in die Stadt eingerückt. Der Gouverneur ist bereit, sich 
dem General Villa zu erheben. Auch Yrcusteas und Tepic 
ollen von den Rebellen eingenommen worden sein 
POC. Lissabon, 9. Dez. Wie der Korrespondent der Presse— 
kentrale aus guter Quelle erfährt, sind heute auf Veranlassung 
ꝛes Generals Jaime Castro in der portugiesischen Hauptstadt 
wei aufsehenerregende Verhaftungen vorgenommen worden. 
der eine der Verhafteten ist der Oberst Lacerda, der andere 
ꝛer Direktor der monarchistischen Zeitung „Dia“, Herr Moreira 
Umeida. Die Verhaftung geschah, weil beide unter dem Ver⸗ 
acht sttanden. an den monarchistischen Unruben am 21. Oktober
	        
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