Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

was ein junger Offizier gefehlt hätte, unter Bruch der mili— 
— 
iber den Angriffen auf die Sicherheit und die Ehre der An— 
Jjehörigen des Regiments, die von der Zivilgewalt nicht nach-— 
xxüdlich zurüchgewiesen, jedenfalls nicht unmöglich gemacht wor—⸗ 
den sind, hat sich der Kommandeur veranlaßt gesehen, zur 
Selbsthilfe zu greifen. Die Sachlage scheint heute geklärt, 
die Rechtslage noch nicht, und man wird nicht ohne weiteres 
Us erwiesen ansehen können, daß ein Rechtsbruch des Obersten 
». Reuter vorliegt. Uns will scheinen, daß man über dem Vor— 
gehen des Leutnants und des Obersten vergißt, was auf der 
Seite der reichsfeindlichen Presse in Elsaß⸗Lothringen, was von 
aationalistischen Politikern, was von der verhetzten Bevölkerung 
getan wurde. Die Nationalisten beschweren sich über die Ver— 
letzung der Ehre der Rekruten und der Bevölkerung des Reichs- 
andes. Sie, die jahraus, jahrein in planmäßiger Weise alles 
besudeln und herabziehen, was deutsch ist. Was der Reichskanzler 
am ersten Tage der Verhandlungen im Reichstage sachlich zu den 
Zaberner Vorgängen sagte, hat unsere Billigung. Wir können 
ꝛs aber nicht verstehen, daß er nicht zum Gegenstoß überging 
ind die Schuld an der Ausartung des Zwistes den nationalistischen 
Volksvertretern aufbürdete. Wir selbst haben die Verfassungs- 
orlage des Reichskanzlers bis zum letzten Augenblick als reichs- 
aefährlich bekämpft. Heute sind wir neben der Rechten des 
seichstages die einzigen, die sachlich für diefen Einzelfall 
dem Reichskanzler zustimmen, wobei wir ausdrücklich betonen, daß 
wir seine reichsländische Politik in allem übrigen bekämpfen 
nüssen und ihm auch in den großen Fragen der National- 
»olitik scharf ablehnend gegenüberstehen. Ein Urteil über die 
kntscheidung von Donaueschingen abzugeben, erscheint uns ver⸗ 
rüht. da die klare, eindeutige Absicht der Anordnung nicht er— 
ichtlich ist. Wir fürchten, es handelt sich um eine zweideutige 
Entscheidung, aus der die Reichsfeinde in Elsaß-Lothringen 
nachen werden, was ihren Zwecken dient. Ein Trost ist die Hal⸗ 
ung des Kriegsministers und die Festigkeit des kommandierenden 
ßenerals. Was jetzt aus den Zaberner Vorgängen entstanden 
st, betrachten wir als Zeichen der Zeit, als Beweis, wie weit 
zie Staatsautorität schon untergraben ist. Die Reichsregierung 
nuß erkennen, welch folgenschweren Fehler sie im Reichslande 
begangen hat, daß sie den Nährboden für die jetzige Auflehnung 
elbst hat bereiten helfen. Sie muß um des Reichswohls willen 
»en Entschluß fassen, ihre Fehler gutzumachen und dafür Sorge 
„u tragen, daß das Ansehen des Reiches wieder hergestellt 
werde. Hoffen wir, daß die Regierung aus den Zaberner Vor— 
ällen gelernt hat, dann kann weiteres, schlimmeres Unheil noch 
derhütet werden. (Anhaltender Beifall, — In der anschliehen- 
den Diskussion trat das einmütige Verlangen zutage, daß die 
Reichsregierung in letzter Stunde den festen Willen fassen möchte, 
)»en Weischlingen mit Entschiedenheit entgegenzutreten, damit der 
keichsautorität, die zurzeit im Reichslande nur noch durch die 
Vertreter des deutschen Heeres wahrgenommen wird, unter allen 
Imständen Geltung verschafft werde. — Weiter nahm die Ver— 
ammlung eine Enlsischließung an, in der Deutschlands Interesse 
in der Erhaltung der Türkei betont wird, und hörte dann noch 
inen Vortrag von Justizrat Schnauß über „Unser Volkstum 
ind die Regierungen“. — Damit hatte die Sitzung ihr Ende 
rreicht. 
¶ 
Deutsches Reich. 
Die erste Lefung des Etats wird im Reichstag heute mit 
einer Rede des Reichskanzlers über die auswärtige Politik fort— 
jesetzt. Nach den bisherigen Dispositionen ist beabsichtigt, daß 
m Anschluß hieran die Vertreter der Fraktionen das Wort er— 
zreifen. Die Etatsdebatte soll am Freitag abend ihr Ende 
zrreichen. Die Beratung weiteren Materials vor Weihnachten 
st nicht mehr beabsichtigt, so daß also auch die Liebknecht-Inter⸗ 
»ellation vorläufig unerledigt bleiben wird. In Reichstagskreisen 
echnet man bei der heutigen Etatsberatung mit Ueberraschungen, 
)»a die äußerste Linke sich mit der Absicht trägt, dem Reichs— 
'anzler ihr Mißtrauen in sehr deutlicher Form zum Ausdruck 
zu bringen. 
Aerzte und Krankenlassen. Der von uns veröffentlichte Be⸗ 
chluß des Deutschen Aerztevereinsbundes und des Leipziger 
erzteverbandes findet seine nähere Begründung in nach— 
tehender, ebenfalls einstimmig angenommener Entfchlie— 
zung. Sie hat folgenden Wortlaut: „Geschäftsausschuß des 
Deutschen Aerztevereinsbundes, Aufsichtsrat, Beirat, Vorstand 
ind Vertrauensmännerversammlung des Leipziger Aerztever—⸗ 
zandes stimmen den Worten, mit denen ihre Vorsitzenden sich 
in Verhandlungen mit den großen Kassenverbänden bereit er⸗ 
lärt haben, ausdrücklich zu und bedauern es aufrichtig, daß 
— — — — 
ötet. Bis sie Boris Slawsky kennen lernte, den schmucken 
S8ereiter des Fürsten Alexander Orloff, in dessen Schloß sie 
ediensfet war — — 
An Heirat freilich war nicht zu denken; denn beide waren 
irm — bettelartm — — 
Da wurde Fürst Alexander Orloff eines Tages von einem 
Ritt über die Berge blutüberströmt, mit zerschlagenen Gliedern 
in sein Schloß gebracht — — 
„Ein Unglücksfall!“ hieß es, den freilich niemand begreifen 
ronnte, da der Fürst ein vollendeter Reiter war und außerdem 
leinen Reitknecht Boris Slawsky bei sich hatte — — 
Fürst Alexander Orloff wurde tief betrauert, denn er war 
ein humaner, leutseliger Gebieter. Und als zu seiner Bei— 
etzung sein Erbe, Fürst Wladimir, der Sproß einer verarmten 
Seitenlinie der Orloffs, erschien und in brutaler Rüdfsichtslosig- 
keit sofort von dem Schloß und allem, was drum und dran 
hing, Besitz ergriff — da betrauerte man den Verlust des 
rrüheren Gebieters noch tiefer — — 
Nur für Maruschka hatte der Wechsel eine gute Seite: der 
dorher bettelarme Reitknecht Boris Slawsly hatte plötzlich Geld 
und konnte Maruschka heiraten. Und gierig schlürften ihre 
lebensdurstigen Lippen den ungewohnten Kelch des Glückes — — 
Mortseßungo folat.) 
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Theater, Kunft und wissenschaft. 
Carl Grammann, dessen Sinfonie Aventiure“ im letzten 
Sinfoniekonzert zur Aufführung gelangte, ist, wie uns unsere 
Musilreferentin zu berichtigen bittet, ein Schüler Heinrich 
Stiehls, und nicht ihres Vaters, Professor Stiehl, wie in⸗ 
folge eines Satzfehlers in der Besprechung bemerlt wurde. 
—A 
unterlaufen, als es in der Kritik der Sätze heißen muß: 
Die Stimmung in allen vier Sätzen ist hübsch getroffen, am 
esten wohl im ersten und zweiten Satz, während der 
Satz in rein musikalischem Sinne als der gelungenste 
erschien. 
Zum Theater⸗Neubau in Kreseld. Zu dem Preisausschreiben 
r den genlanten Theaterneubau sind im qauzen 140 Entwuut fe 
surch das Verhalten des Reichsamts des Innern und die Ab— 
ehnung der Kassenverbände diese Verhandlungen vereitelt sind 
nd damit die letzte Gelegenheit zur Beendigung des Kampfes 
or dem Eintreten des vertragslosen Zustandes versäumt ist. 
)bwohl die Aerzte nunmehr zur Notwehr und zum Kampfe ge— 
rängt sind, erklären sie dennoch, daß sie gewillt sind, die Ge— 
ahren nach Möglichkeit abzuwenden, die der am 1. Januar 
914 eintretende vertragslose Zustand nicht nur für die Ver— 
icherten, sondern auch für die Allgemeinheit mit sich bringen 
iuß; sie erblicken aber schon jetzt in den Beschlüssen von Bundes⸗ 
atsvertretern der Bundesregierungen, noch mehr in dem Erlaß 
er preußischen Minister für Handel und Gewerbe, für Land⸗ 
zirtschaft und des Innern vom 2. 12. 18. eine durch nichts 
erechtfertigte außerordentlich bedenkliche Verschärfung dieser Ge— 
ahren. Es läßt sich nicht voraussehen, ob und wieweit es 
zhre und Gewissen den Aerzten erlauben werden, neben den 
jon den Vertretern der Bundesregierungen als Krankenbegut— 
ichter empfohlenen „Kassenkontrolleuren, Gemeinde⸗ und Guts— 
orstehern, Arbeitgebern, Hebammen, Schwestern oder anderen 
bersonen von hinreichender Zuverlässigkeit und Sachkunde“ über⸗ 
aupt noch tätig zu sein. Sollte durch dieses Beiseiteschieben 
er Aerzte die allgemeine Gesundheitspflege empfindlich Not 
eiden, sollten durch zu spät erkannte und zu spät bekämpfte 
spidemien Krankheit und Leid über weite Bezirke Deutschlands 
erbreitet werden, so trifft die Verantwortung dafür alle die— 
enigen, die den Kampf geschürt, Verhandlungen vereitelt und 
»em vertragslosen Zustand diese unheilvolle Schärfe gegeben 
aben.“ 
Kölsch wiedertem Reichsta skand'dat. Die nationalliberalen 
Fertrauensmänner im 7. badischen Reichstagswahlkreise Kehl— 
ffenburg-Oberkirch haben einstimmig den Stadtrat Kölsch, 
er jüngst sein Reichstagsmandat niedergelegt hatte, als Kan— 
idaten für die Ersatzwahl aufgestellt. Die Wahl dürfte voraus— 
ichtlich Ende Jamar stattfinden. 
Das Versahren gegen d'e Zaberner Rekruten. Das kriegs⸗ 
zerichtliche Verfahren gegen die sechs Zaberner Rekruten, welche 
»ie Aeutzerungen des Leutnants von Forstner einem französischen 
zlatte übermittelt hatten, lautet, wie die Deutsche Tages—⸗ 
eitung aus Straßburg meldet, auf Subordination und Zu— 
viderhandlung gegen einen dienstlichen Befehl. Von den be— 
chuldigten sechs Rekruten befinden sich drei noch immer in Haft, 
veil diese auch unter der weiteren Beschuldigung der Verab— 
edung zum militärischen. Aufruhr stehen. Die Verhandlung 
indet voraussichtlich in der dritten Dezemberwoche statt. Zuver— 
ässegsten Feststellungen zufolge, selen die beschuldigten Rekruten 
rsor ihrer Einstellung organisierte Mitglieder der sozialdemo— 
ratischen Gewerkschaften gewesen. 
Hansabund und Arbeitswilligenschuß. Vom Bureau des 
Zansabundes geht uns folgende Mitteilung zu: „Der Bund 
ber technisch-industriellen Beamten, der aus leicht 
ꝛrkennbaren Gründen dem Hansabund von jeher feindlich gegen— 
iberstand, hat in seiner Versammlung vom 26. November 
. J. behauptet, daß in den Beschlüssen des Direktoriums des 
zansabundes lediglich ein Versuch zu sehen sei, das 
doalitionsrecht der Arbeitnehmer noch mehr 
vpie bisher einzuschränken. Demgegenüber stellen wir 
fkest, daß das Direktorium lediglich eine gemeinverständliche und 
biektive Darlegung des bestehenden Rechtszustandes und 
»er Praxis und ferner eine Beschleunigung des aAllgemeinen 
Strafverfahrens gewünscht hatte, welche namentlich auch im 
znteresse verhafteter Angeschuldigten schon seit langen Jahren 
on den verschiedensten politischen Richtungen aus verlangt 
ind in den letzten Entwurf einer Strafprozeßotdnung aufge⸗ 
ommen worden ist, letzteres jedoch mit der ausdrücklichen Er⸗ 
lärung, daß Voraussetzung sei, daß mit der Beschleunigung des 
rstinstanzlichen Verfahrens keine Beschränkung der Rechtssicher⸗ 
eit, also namentlich keine Beschränkung der Rechtsmittel oder 
er Verteidigung des Angeschuldigten verbunden werden dürfe. 
Die Behauptung, daß in den vorliegenden Beschlüssen eine Ein— 
chränkung des Koalitionsrechts der Arbeitnehmer liege, müssen 
vir daher als eine blutige Phrase bezeichnen, zumal das Direk- 
orium ausdrücklich erklärt hat, daß die Koalitionsfrei« 
zeit der Arbeitgeber und Arbeitnehmer nicht nur nicht ange⸗ 
astet, fondern erhalten und gefördert werden müsse, und daß 
»on Ausnahmegesetzen nicht eine Verbesserung, sondern 
ine Verschlechterung der heutigen Zustände zu erwarten sei. Der 
zansabund glaubt, in den Beschlüssen seines Direktoriums um so 
nehr die richtige Mittellinie eingeschlagen zu haben, als sie so⸗ 
vohl bei der äußersten Linken wie bei der äußersten Rechten 
war aus völlig entgegengesetzten Gründen, aber mit gleicher 
SIchärsfe angegariffen werden“ 
eingegangen. Den ersten Preis erhielt Geheimrat Dülfer— 
Dresden, den zweiten Architekt Brurein-Charlottenburg, den 
zritten die Architekten Nest ler und Jüngst-Düsseldorf. 
Die Enthüllung des Heinedenkmals in Frankfurt a. M 
Ddas erste öffentliche Heinedenkmal in Deutschland, das schöne 
Verk, das Georg Kolbe, der Berliner Bildhauer, für die 
Friedberger Anlagen in Frankfurt a. M. geschaffen hat, wird 
knde dieser Woche enthüllt werden. Der Künstler weilte 
dieser Tage in Frankiurt. um die Aufstellung selbst zu leiten. 
Gustav Falke⸗Abend. 
Literarische Gesellschaft zu Lübedk. 
Dr.K. Der jungen Tochter leichtbewegte Grazie erscheint nachträg⸗ 
ich wie ein einleitendes Rondo zum symphonischen Schaffen ihres 
Baters, Gustav Falkes, des Sohnes unserer Stadt. Vier Wür—⸗ 
ige waren es, die jeder zu seinem Teile seines Dichterberufes 
deuter und Breiter wurden. Otto Anthes, einführend, vor⸗ 
tellend gleichsam und die Wurzeln in dem Boden suchend, dem 
»es Dichters farbig warme Wehmut, tapfere Liebe, frohgemutes 
Sinnen, deutevolles Sehen und minnendes Sehnen anschmiegend 
och entsproß. Frau Mathirde Pfeiffer-Rißmann, 
ie im Verein mit ihrem Manne Kapellmeister Pfeiffer 
nit liebenswürdig schneller Bereitheit der musikalischen Vertiefung 
ind Formung reizvolle Töne gab und dem Fühlen des Dichters, 
das zwischen den Worten ruht, klingende Empfindung. Und 
is Vierter und Erster doch im Bunde Dr. Milan. 
„Den edlen Seelen vorzufühlen 
Ist wünschenswertester Beruf“ 
ann man von ihm mit Goethe sagen. „Geistige Verleger“ 
nöchte ich solche Deuter und Träger der Kunst nennen und von 
hnen die Worte gelten lassen, die Wilhelm Fischer über den 
zuchverleger zu sagen weiß: 
„Da nicht nur der Geist notwendig an den Stoff gebunden 
ist, um in Erscheinung zu treten, und da auch der ätherische Duft 
»es Blumenleibes des Erdgrundes bedarf, um ins Leben zu 
ließen, so können auch edelgeistige Wirkungen ihre Wurzeln im 
Zelbstgefühle haben. das in allem anderen sich selbst sieht. Wird 
a die Flut aller menschlichen Ereianille pon den Unt er lrömrung⸗n 
Wanderersürsorge. Bei den letzten Reichstagsverhanolungen 
ist von verschiedenen Seiten auf die Notwendigkeit hingewiesen 
vorden, neben den ansässigen Arbeitslosen auch den wandernden 
gesetzliche Fürsorge zuzuwenden. Das Reichsamt des Innern hat 
run seit Jahren diesem Wunsche vorgearbeitet und jetzt den 
Vorentwurf eines Wandererfürsorgegesetzes an sachverstãndige 
Stellen zur Begutachtung hinausgegeben. Danach wird vor— 
zeschlagen, die Fürsorge für mittellose, arbeitsfähige, min— 
destens 16 Jahre alte männliche Personen durch Arbeitsver⸗ 
nittelung oder Arbeitsgewährung in Arbeitsstätten und Arbeits- 
jeimen auszuüben. Die Arbeitsstätten sollen Wanderern, denen 
ine Arbeitsstelle nicht alsbald vermittelt werden kann, vor— 
ibergehend, die Arbeitsheime fülr längere Zeit, gegen Arbeits- 
eistung Beköstigung und Obdach gewähren. Die Arbeitsstätten 
ind Arbeitsheime sind zur Vermittelung von Arbeitsstellen 
in Wanderer mit Arbeitsnachweisen auszustatten oder an 
iffentliche Arbeitsnachweisstellen anzugliedern. Kein Wanderer 
hat einen Rechtsanspruch auf Wandererfürsorge, die jedoch auch 
nicht als öffentliche Armenunterstützung gewertet wird, insoweit 
»er Wanderarbeiter mehr leistet als er empfüngt. In jedem 
Bundesstaate sollen Arbeitsstätten und Arbeitsheime errichte! 
verden, die indessen auch von öffentlichen rechtlichen Verbänden 
inter Mitwirkung Dritter betrieben werden können. Der Gesetz- 
entwurß wird von Sachkennern der Wandererfürsorge recht 
günstig beurteilt. 
e 
Ausland. 
Desterreich⸗· Ungarn. 
Die ischechischen Sozialdenokraten. Der Kongreß der 
tschechischen Sozialdemokraten hati, eine Entschließung ange⸗ 
rommen, in der zur Erhaltung des internationalen, Gleich 
zewichts und des Friedens und insbefondere im Interesfe 
des tschechischen Volkes die Kräftigung alles dessen als notwendig 
ezeichnet wird, was der Erhaltung und Entwicklung Oesterreich 
Ungarns diene. Die tschechische Arbeiterpartei betrachtet Oester⸗ 
zeich Ungarn als die historisch gegebene Grundlage ihrer Tästig— 
eit. Sie sehe alle Hoffnungen einer alldeutfchen oder pansla- 
wistischen Politik als, unvereinbar mit den Interessen der tsche— 
hischen Arbeiterparteid 
Fran kreich. 
Das radikale Kabinett. Eine Verschiebung in der Be— 
etzung der Portefeunilles ist ahermals in letztetr Stunde ein— 
getreten. Das Ministerium des Innern wird von Maloi über— 
ommen werden. während das Ministerium, der öffentlichen 
Irbeiten von Renoult übernommen, werden soll. Aus diesen 
ßründen hat Doumergue seine offizielle Liste nicht veröffeut- 
ichen können. Der Nachfolger des Herrn Barthou wäre also 
Jücklich in dem Radikalen Doumergue gefunden. Aber 
Zoumergue, wird nur der Form nach der Leiter des künftigen 
dabinetts, sein, der leitende Geist ist unzweifelhaft der Finanz- 
ninister Caillaux. Daß dieser nicht selbst das Minifterium 
ildete, das ist nach der Rolle, die er als Befürworter der 
kinlommensteuer gespielt hat, nicht eben zu verwundern. Ein 
Kabinett Caillaux würde alle Gegner der Einkommensteuer, die 
igmentlich im Senate sehr mächtig sind, zu einer Sturmkolonne 
usammenführen. und nicht nur das Kabinett, auch die gesamte 
adikale Partei würde sofort in die ärgste Bedrängnis kommen. 
zleibt aber Caillaux mehr im Sintergrunde, so ist selbst, 
denn ihm ein Unglück zustößt, damit noch nicht der Fall der 
jesamten radikalen Regierung ohne weiteres bedingt. Radikal 
st aber dieses Kabinett, wie lange keins in Frankreich,. Nur 
wei oder drei, Ministerien sollen Mitgliedern der rechts von 
ꝛen Radikalen stehenden demokratischen Vereinigung anvertraut 
verden, und zwar Ressorts, die nicht zu den politischen im 
ngeren Sinne gehören, wie das Kolonial- und das Bauten⸗ 
ninisterium. Dagegen wird der Exsozialist Viviam, das im 
zinblick auf den Kampf um die kleriktalen Privatschulen be— 
onders wichtige Unterrichtsministerium erhalten. Man wird 
aher von, dem neuen Kabinett ein scharfes Vorgehen gegen 
ie Unterrichtstätigkeit der ehemaligen Ordensbrüder und Ordens- 
chwestern zu erwarten haben. Jaures kündigt ihm auch 
eute bereits seine Unterstützung an, während die Blätter der 
gechten es heftig angreifen. Der Figaro, vessen politische 
leberzeugungstreue allerdings nicht gerade hoch, einzuschätzen 
t, richt von einem „Kabinett der Revolution“. Die Rechte 
uind auch wohl die Gemäßigten werden daher sicherlich noch 
ach dem Grundsatz, der Hieb ist die beste Parade, zunm 
Angriff, vorgehen, und allzu hoch ist die Widerstandskraft 
es Kabinetts Doumergue wohl nicht zu bewerten. Der einst 
o mächtige radikale Parteibau ist brüchig geworden bis aufs 
rundament. Selbst in der Frage der Einkommensteuer ist 
nan nicht vollkommen einig. Tie Sozialisten aber bleiben 
höchst unsichere Hilfstruppen. Schon allein die Wahlreform 
nacht ein dauerndes Zusammenwirken von Radikalen und Sozia⸗ 
isten unmöglich. Die letzteren sind die energischsten Vor— 
ämpfer der Verhältniswahl, den, radikalen Lotkalgrößen ist 
»ie Verhältniswahl, in denen die lokglen Wünsche der Wähler 
vpeniger Bedeutung haben, für den Ausgang der Wahl ein 
ßreuel. Es ist daher sehr 3weifelhaft, oh sich die Hoffnung 
er Radikalen erfüllt, ein radikales Kabinett werde die Wahlen 
eiten, die im Mai des kommenden Jahres vollzogen werden 
ioten 
C32 
des Ichcejühls in Bewegung gesetzt. So können aus dem Ver— 
hältnisse zwischen Schriftsteller und Verleger, das am natürlich- 
stten dem Grunde gemeinsamen Vorteils entsprießt, edle, das 
Volk erfreuende Blüten und labende Früchte erwachsen.“ 
Damft scheint mir auch die Kraft und wertvolle Bedeutung 
dieses Mittlers der Dichtkunst erfaht zu sein. Der Dichter Falle 
trahlt durch ihn hindurch, gefaßter, gebundener in seinen Strahlen 
wie in einem Brennglase, und leuchtet tiefer in die Herzen der 
dauschenden, als wenn ein jeder nur und einzig sich dem Dichter 
teigte. Denn all die fühlende „vorfühlende“ Arbeit, die ebenso 
ötig ist zum tiefreinen Genusse der Kunst, sie ist in diesem 
Mittler getan, durch dessen Ichgefühl die ehrfürchtige Achtung 
»or der schaffenden Kunst blidkt, die ihn selbstschöpferisch werden 
üßt. Fester Hand ans innere Fühlen greifend, wird diese 
Zprechkunst dort, wo sie sich, wie gestern, aus der eigenen Arbeit 
ind Eragriffenheit lösend, dieselben Worte wachtend gibt. 
das geschah in dem Gedichte „Das Herz“. Es kann unun ja nicht 
lufgabe dieser Zeilen sein, in kritischen Floskeln das Einzelne 
ufzählend zu berichten; nur darauf sei gewiesen als das wesent- 
ichste der Kunst Dr. Milans, daß der Dichter, dem er seine 
Kraft gibt, durch ihn in seinem ureigensten Leben und Fühlen 
ebendig wird, daß er nicht Material wird, wie leider so oft, 
ondern sich dem Mittler innigst bindet als ein Stück Welt, ge⸗ 
ehen durch eine Persönlichkeit. Das tritt auch in die Er— 
cheinung, wenn Dr. Milan die schwächere Kunst Gustav Falkes, 
die Profa, den Hoͤrern vermittelt. Die Schwächen sinken und 
das Starke steigt. 
Mit Genugtuung sei hier festgestellt, daß die gewaltige Ge— 
neinde, die gestern im Kolosseum sich vor dem Dichteraltar 
ßustav Falkes gesammelt hatte, in würdigem Verständnis und 
mit freudvollem Fühlen seinem Priester lauschte. Blumen brachte 
man der Sängerin, Dank und Wunsch nach baldigem Wie der⸗ 
kommen dem Mittler. Dem kranken Dichter fandte die 
Literarische Gesellschaft grüßende Worte, die Otto Anthes also 
gefaßt hatte: 
Hörst du es läuten durch den Abendwind 
So voller Laut, so frohes Stürmen? I 
Es kommt dir Grut und Dank und Wunsch geschwind 
Von deiner Heimat goldenen Türmen.
	        
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