Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

Wedel und dem Gegeral v. Deimling dauerte Dreiviertelstunden. 
Borher hatten bereits Graf v. Wedel und General v. Deimling, 
ie vor dem Reichskanzler eingetroffen waren, dem Kaiser Vor—⸗ 
rag gehalten. Der Verkehr des Kaisers mit dem Reichs⸗ 
anzler trug sehr herzlichen Charakter. Da die Stuttgarter 
stegimentsfeier, zu der sich der Kaiser begab, rein militärischen 
Fharakter trug, begleitete der Reichskanzler den Kaiser nicht 
rorthin, sondern kehrte direkt nach Berlin zurüd. 
DP. Köln, 5. Dez. Die Körnische Zeitung schreibt zu 
der Verfügung des Kaisers: „Ganz falsch wäre es, 
in der kaiserlichen Verfügung eine Maßregelung der Truppen 
erkennen zu wollen. Zu einer solchen liegt, so lange die Verschus⸗ 
zungen nicht gerichtlich festgestellt sind, kein Anlaß vor. Auch 
die immerhin mögliche Auslegung, als ob Zabern durch Ent— 
ziehung der Garnison bestraft werden solle, scheint uns aus dem- 
selben Grunde nicht zuzutreffen. Der Kaiser hat offenbar mit 
einer Entscheidung beabsichtigt, der Krise in Zabern durch das 
virksamste Mittel ein Ende zu machen und er hat sich alles weitere 
vorbehalten. So qufgefaßt, ist die Entscheidung des Kaisers 
klar und einfach wie das Ei des Kolumbus und trifft in salomoni— 
cher Zielsicherheit das einzige was — wie die Dinge nun 
einmak liegen — möglich war, um dem Lande die Gewißheit zu 
jeben. daß ein moderner Verfassungsstaat nicht gleich aus dem 
deim geht, wenn sich in einer kleinen Garnison Bürger und Sol— 
aten raufen. Damit hat der Kaiser das Vertrauen, womit man 
überall in Deutschland und vor allem in Elsaß-⸗Lothringen seinem 
Wort enlgegensah, glänzend gerechtfertigt. Er hat bewiefen, 
daß er nicht nur ein Kaiser der Soldaten. sondern auch ein 
Kaiser der Bürger ist.“ 
DT. Zabern, 5. Dez. Der AUszugdes99. Infante— 
rieregiments aus Zabern wird bereits voraussichtlich mor— 
zen früh erfolgen, nachdem heute abend die entsprechenden 
Befehle erteilt wurden. Die Nachricht von der Versetzung des 
Regiments wird von der Bevölkerung mit Befremden entgegen⸗— 
zenonimen. Die Offiziersfamilien sollen in Zabern verbleiben. 
— Leutnant von Forstner hat sich heute nachmittag krank 
lemeldet. 
Berlin, 5. Dez. Der Berichterstatter der National Zeitung 
neldet qus Zabern: Eine ganze Reihe der vor acht Tagen wider⸗ 
rechtlich Verhafteten, die eine ganze Nacht in dem feuchten und 
alten Pandurenkeller zubringen mußten, hatte bekanntlich Ein t⸗— 
schädigung stlagen gegen den Obersten v. Reuter 
eingereicht. Die Prozeßkosten will der Gemeinderat 
on Zaberntragen, was aber die Aufsichtsbehörde als un⸗ 
zesetzlich nicht zulassen wird. Die Betroffenen werden nunmehr 
ticht allein den Zivilklageweg beschreiten,, sondern haben Straf⸗ 
intrag wegen widerrechtlicher Freiheitsberau- 
zung gegen den Obersten gestellt. Es ist kaum daran zu zweifeln, 
»aß der Antrag von der Staatsanwaltschaft aufgegriffen und 
ertreten werden wird. Zudem dürften einige der Verhafteten 
ruch noch Strafantrag wegen Beleidigung stellen. 
W. Straßburg, 5. Dez. Um 7 Uhr abends traf, von Donau— 
schingen kommend, Statthalter Graf Wedel hier ein, zu 
leicher Zeit auch der kommandierende General v. Deimling, 
»er auf Einladung des Statthallers in dessen Salonwagen die 
Reise zurückgelegt hatte 
—— e—2 
Arbeitslosenversicherung. 
Zu den Zeiten, da sich das alte Rom seinem Untergange 
näherte, gefielen sich die Machthaber in den unmäßigsten Vor— 
ehrungen zur Unterstützung der Arbeitslosen. Der jüngere 
Fraithus schuf die lex frumentarie. Jeder in Rom ansässige 
Bürger erhielt jeden Monat aus den öffentlichen Magazinen ein 
zewisses Quantum Getreide zu einem ganz geringen Preise, später 
zratis. Die Zahl der Kostgänger des Staates schwoll auf 200 000 
is 300 000 an. Später wurden Oel, Wein, Salz schließlich 
Fleisch, Kleider und bares Geld verteilt. Sind wir im modernen 
Staate schon dem Stadium des sinkenden alten Rom nahe gerückt, 
daß jetzt alle Welt fordert, daß jeder Beschäftigungslose in 
inen Staalsrentner verwandelt werde? Gewiß sollen unsere 
Staatsmänner an dem Problem der Arbeitslosigkeit nicht achtlos 
»orübergehen, aber die maßlosen Forderungen der Sozialdemo⸗ 
ratie verdienen die entschiedenste Zurückweisung. Der Sozial⸗ 
»emokrat Silberschnidt machte sich die Begründung der von 
einer Parlei in Reichstage eingebrachten Interpellation über 
zie Arbeitslosenfrage recht leicht. Je weiter die Technik vorschreite, 
erklärte er, um so mehr wachse die industrielle Reserveßürmee. 
Ddabei werde die Zahl der Arbeitslosen noch durch die Heran- 
iehung von ausländischen Arbeitern vergrößert. Ferner gehe 
unsere Industrie immer mehr dazu über, die älteren Arbeiter 
»lanmähig auszuscheiden, um jüngere, billigere Kräfte einzu— 
tellen. Dazu komme die Verteuerung der Lebensmittel und eine 
angeblich verkehrte Wirtschaftspolitik. Also soll der Staat helfen. 
Aber die Mittel, die der Staat aufwenden müßte, um die Be⸗ 
chãflioungslosen zu unterstützen, müssen irgendwie aufgebracht 
werden, entziehen also irgendwie dem Wirtschaftsleben Kräfte, 
die jetzt dazu dienen, den noch Beschäftigten immer neue Arbeits- 
zelegenheiten zu verschaffen. Eine staatliche Arbeitslosenver- 
icherung im Sinne der Sozialdemokratie ist infolgedefsen nur ge 
eignet, mehr neues Arbeitslosenelend zu erzeugen, wie sie solches 
aufheben würde. Staatssekretär Delbrück wies in seiner Beant— 
wortung der Interpellation mit Recht auf die vielen Schwierig⸗ 
leiten, die in diesen Blättern ja schon mehrfach beleuchtet wurden, 
einer Reichsarbeitslosenversicherung hin. Die Versuche, die nicht- 
)rganisierten Arbeiter, die die große Mehrheit ausmachen, zum 
Sparen zu veranlassen, seien mißglückt. Die staatliche Unter- 
tützung der Gewerkschaften habe Bedenken, weil die Gewerbk— 
chaften zugestandenermaßen Kampforganisationen seien. Trotz 
Uler Bedenken will der Staatssekretär das Seine tun, damit 
die Vorbedingungen für eine etwaige spätere Arbeitslosenversiche- 
rung durch das Reich erfüllt seien. Er hat deshalb den Etats⸗ 
posten zur Unterstützung der Arbeitsnachweise um 20 000 M 
erhöht, und er will ferner auf eine bessere statistische Er— 
fassung des jeweiligen Umfanges der Beschäftiaungaslosiakeit hin⸗ 
wirken. 
Das ist eigentlich alles, was die Sozialdemokratie unter 
den gegebenen Umständen von der Regierung erwarten darf. 
Sie sohte selbst einmal mit gutem Beispiel vorgngehen und mit 
Hilfe ihrer grohen Mittel den Arbeitslosen Arbeitsgelegenheiten 
zu verschasfen suchen; denn das ist die einzige Art und Weise, 
wie der Arbeitslosigkeit für die Dauer entgegengewirkt werden 
lkann. Sie lassen aber wohlweislich der Entwidlung ihren Gang, 
weik sie von⸗ ihr den groken „Kladderadatsche erwarten. 
Dr. D. 
⸗ 0 
Deutsches Reich. 
Der Kaiser in Stuttgart. Nach dem Diner besuchte gestern 
er Kaiser in Begleitung des Königs und der Königin die Vor⸗ 
A 
von „Figaros Hochzeit“ beiwohnte. Dann begaben sich die 
Najestäten in das Große Haus, wo Schillers „Lied von der 
zlocke“ vorgetragen wurde. Der Kaiser trug die Uniform 
eines Dragonerregiments, der König war in Husarenuniform er⸗ 
chienen. Auch die Mitglieder der Königlichen Familie und das 
ßefolge des Kaisers wohnten beiden Vorstellungen bei. 
Ein Rhein-Weser⸗Elbe-Kanal? Der Ausschuß zur Förde— 
ung des Rhein⸗Weser-Elbe-Kanals hielt unter dem Vorsitz 
es .Geheimen Kommerzienrats Zuchksschwert-Magdeburg eine 
zitzung ab, in der beschlossen wurde, lebhafte Propaganda für 
ie Fortsührung des Kanals bis zur Elbe zu entfalten. Das 
ßorgehen soll frei von jeder Parteipolitik sei und nur den Nach— 
deis erbringen, daß die Fortsührung des Kanals bis zur Elbe 
hne besondere technische Schwierigkeiten durchführbar sei und 
ah eine Weiterführung im Interesse der Erhaltung der Grund—⸗ 
agen unserer Handelspolitik vom wirtschaftlichen Standpunkt 
cforderlich sei. In gleicher Weise soll für den Anschluß Braun—⸗ 
chweigs, Hildesheims und der Peine, sei es durch Stichkanäle, 
ꝛi es durch entsprechende Linienführung, an den Hauptkanal 
ingetreten werden. 
Die Versschrrungsgesellchat „Volksfürsorge“ und die So ial⸗ 
emeokratie. Die gewerkschaftlich-genossenschaftliche Versicherungs⸗ 
ktiengesellschaft „Volksfürsorge“ in Hamburg hat gegen die 
Deutsche Volksversicherungs-Aktiengesellschaft beim Landgericht LI 
zerlin Klage angestrengt, die sich darauf gründet, daß die 
ßolksversicherungs-Aktiengesellschaft in verschiedenen Rund— 
chreiben die Behauptung aufgestellt hatte, bei der „Volks— 
ürsorge“ würden die Gelder der Versicherten letzten Endes 
»azu dienen müssen, der Umsturzpartei einen neuen, starken 
triegsschatz im Kampfe gegen den Gegenwartstaat zu schaffen. 
die Klägerin verlangt nach 8 14 des Gesetzes gegen den 
nlauteren Wettbewerb die Untersagung dieser Behauptung und 
er weiteren Verbreitung dieser Flugblätter. Wie das Wolffsche 
)epeschenbureau dazu erfährt, wird die Volksversicherungs— 
sktiengesellshaft den Beweis für die Richtigkeit ihrer 
Zehauptung in vollem Umfange antreten und dementsprechend 
Ubweisung der Klage beantragen. Der Verbandlungstermin 
st auf den 22. Dez. angesetzt. 
Kurzgefaßter Führer durch die neuen Steuergesetze. Zahl⸗ 
eichen Wünschen entsprechend, hat die Leitung des Hansa— 
undes einen kurzgefahten Führer durch die neuen Steuer— 
eletze (Wehrbeitrag, Reichsvermögenszuwachs— 
euer, Reichsstempelsteuern) herausgegeben. Die 
zroschüre enthält vor allem die für Industrie, Handel und Ge— 
verbe wichtigen Bestimmungen der neuen Steuergesetze in kurzer 
ollstümlicher Zusammenfassung. Sie umfaßt 32 Seiten und ist 
ei der Zentrale des Hansabundes, Berlin NW. 7, Dorotheen⸗ 
traße 36, zum Preise von 20 Pfa. pro Stück erhältlich. 
4 
Ausland. 
Frankreich. 
PO. Ein Kabinett Dupun! Es scheint, als ob der Senator 
Dupuy mehr Glück bei der Zusammensetzung eines Ministeriums 
aben wird, als Senator Ribot, der belanntlich gestern vor— 
aittag dem Präfidenten Poincaté eine negative Antwort zu⸗ 
ehen ließ. Dupun hat gestern den ganzen nachmittag Besuche 
ei den verschiedensten Persönlichkeiten gemacht und sie aufge— 
ordert, in sein Kabinett einzutreten. Man spricht von Viviani, 
er das Unterrichtsministerium zu übernehmen sich bereit er— 
lärt haben soll. Außerdem dürften die Abgeordneten Lebrun 
ind Lefèpre in das Ministerium eintreten. Bei allen Varteien 
st die Stimmung dafür vorherrschend, Pichon das Portefeuille 
/es Auswärtigen zu belassen, der die Geschäfte seines Mini— 
eriums zur allgemeinen Zufriedenheit bisher geführt hat. 
luch Budin dürfte das Marineministerium behalten. Der zu⸗ 
ünftige Ministerpräsident Dupuy ist augenblicklich Vizeprä— 
ident des Senats. Außerdem ist er Präsident des all— 
rächtigen Pariser Presse-Syndikats. — Dupuy 
it aus kleinen Verhältnissen hervorgegangen. Er war früher 
nehrere Jahre Gerichtsvollzieher und hat sich dann dem Jour— 
ialismus zugewandt und ist hierauf auf das politische Gebiet 
bergegangen. Er ist heute Herausgeber der bekannten Zeitung 
petit Parisfien, und gehört zu den hervorragendsten politischen 
ersönlichkeiten. Es scheint jedoch, daß die Radikalen mit 
mem Ministerium Dupuy nicht einverstanden sind. Sie be⸗ 
bsichtigen, ihm, genau dieselben Hindernisse in den Weg zu 
egen, wie sie dies schon einmal einem anderen Ministerium 
‚egenüber taten. Caillaux, der Führer der radikalen Partei, soll 
rklärt haben, daß er einem Kabinett Dupuy nur dann seine 
Interstützung angedeihen lassen kann, wenn Dupuny die for— 
nelle Versicherung abgibt, daß er die Frage der Besteuerung der 
dente vor dem Senat im Sinne des letzten Kammervotums 
ertritt. Es scheint nicht mehr die Mode von einer Auflösung der 
Zammer 2u soin 
Schweden. 
Ein ehemaliger dänischer Offizier als Svion. In einer 
ztadt am Bottnischen Meerbusen in der Nähe der russischen 
zrenze wurde der dänische Leutnant a. D. Frederiksen unter 
em Verdacht der Spionage zugunsten Rußlands wverhaftet. 
jrederiksen machte sich durch seine Ausflüge in die Umgebung 
iuffällig, wo sich viele schwedische Befestigungen befinden. Bei 
einer Verhaftung wurden, bei ihm Pläne und Photographbien 
dieser Befestiaungen vorgefunden. 
Rußland. 
gok. Graf Witte über die Einführung von Getreidezöllen 
n Femand Man schreibt uns aus Petershurg: Es unter⸗ 
iegk keinem Zweifel, daßz der Einspruch, den die deutsche Reichs— 
egierung auf diplomatischem Wege, gegen die sofortige Ein— 
ührung von Getreidezöllen in Finnland erhoben hat, in den 
naßgebenden Kreisen nicht ohne Findruck geblieben ist. Es 
errscht allerdings keine Uebereinstimmung in den Aussichten üher 
zie Zulässigkeit oder Unzulässigkeit der Maßnahme aus Rulck— 
icht auf den Handelsvertrag mit Deutschland. Im, Mini— 
terium neigt man im allgemeinen der Ansicht zu, daß die 
zetreffende Beltimmung des Handelsvertrages der Erhebung von 
Fetreidezöllen in Finnland, nicht entgegenstände. In demselben 
SZinne hat sich guch der frühere Handelsminister Timirigsow, 
der langjährige Finanzattaché der russischen Botschaft in Berlin 
usgefprochen. Nunmehr ergreift Graf Witte das Wort zu 
ber Frage, der wohl afs Sachverständiger angesehen werden 
varf, weil er an dem Abschluß des Handelsvertrages persönlich 
nitgewirkt hat. Gtaf Witte erklärt, er habe im Jahre 1904 
eim Abschluh des Vertrages den Reichskanzler Fürsten Bülow 
aranf aufmerlsam gemacht, daß Rußland mit der Absicht um⸗ 
ehe, in 10 Jahren eine Zollpvereinigung zwischen Finnland und 
em russischen Reich herbeizuführen. Fürst Bülow soll darauf 
rklärt haben, es müsse infolgedessen in dem Vertrage, eine Be— 
immung aufgenommen werden, nach der Rußland lich wver— 
flichtet, Deutschland 2 Jahre vor der Durchführung, der, Zoll⸗ 
ereiniguna davon, zu rerständigen. Auf Grund dieser Unter⸗ 
„alkung steht Graf Witte quf dem, Standpunkt, daß Rußland 
vohl, das formelle Recht habe, die Zollvereinigung, und „die 
krhebung von Getreidezöllen durchzuführen; moralisch aller— 
ings sei Rußland unzweifelhaft verpflichtet, Deutschland zwei 
jahre vor der Ausführung seiner Absicht davon, offiziell in 
denntnis zu setzen. Die deutsche Regierung geht bekaputlich in 
oͤrer Auffaffung noch weiter. Sie Jeitet aus dem Wortlaut 
»es Verkrages guch die formelle Verpflihhtung Rußlands her. Ge⸗ 
reidezölle in Finnsand der deutschen Einfuhr gegenüber erst in 
snwendung zu bringen, nachdem die Maßregel der deutschen 
deichsreaieruna 2 Jahre vorher angekundigt ist. 
Eraland. Ilsn⸗ 
Die Unterschleife bei Heereslieferungen. Nächsten Montag 
ollten kriegsgerichtliche Verhandlungen gegen fünf Offiziere 
eginnen, die deschuldigt sind, von Lieferanten für die Kantinen 
zümiergelder angenommen zu haben. Nunmehr hat der 
uristische Beirat der Heeresverwaltung entschieden, daß die Be— 
ugnisse des Kriegsgerichts im vorliegenden Falle nicht hinreichen. 
Daher ist der kriegsgerichtliche Termin aufgehoben worden. 
Anscheinend haben die bisherigen Untersuchungen einen ganzen 
kattenkönig von Vergehen aufgedeckt, und es heißt, daß zahl. 
reiche Lieferanten schwer belastet seien Die Angelegenheit wird 
uun dem Zivilgericht überwiesen werden. 
Spanien. 
PO. Die Vorschläge der Gebrüder Mannesmann. Die ge— 
auen Vorschläge, die von seiten der Gebrüder Mannesmann der 
panischen Regierung unterbreitet werden, veröffentlicht der Im— 
arciale. Die wesentlichsten Punkte hieraus sind: 1. Direkte 
rrie densvyerhandlungen mit den Aufständischen durch die Ge— 
rüder Mannesmann. 2. Zurüdgabe des konfiszierten Eigen— 
ums Raisulis. 3. Räumung der von den spanischen Truppen 
esetzten Ortschaften mit Ausnahme der großen Städte, in 
jenen eine kleine Garnison verbleiben kann. 4. Die Bildung 
iner modernen Truppe unter dem Oberbefehl, Raisulis. 5. Die 
donstitution einer Handelsgesellschaft zur Ausbeutung der Reich— 
imer des Landes mit Privilegien für fünf Jahre. — Außer— 
em sollen noch besondere Gerichte für die Eingeborenen ge— 
haffen werden und die Gebrüder Mannesmann zur Beilegung 
er Rechtsschwierigkeiten Spezialkommissare ernennen. Die Ent—⸗ 
heidung. der Regierung in dieser Frage steht noch vollkommen 
As. Die Vorschläge der Gebrüder Mannesmann finden eine 
Interstützung bei der gesamten rechtsstehenden Presse. 
Maroklo. 
Ein großzer Hafen in Cafablanca. Nach einer offiziösen Mel— 
ung, aus Casablanca hat der Generalrat des Brücken⸗ und 
Straßenwesens den Beschluß über Errichtung eines großen Hafens 
n Casablanca genehmigt und gleichzeitig die dem Parlament vor— 
gelegten Pläne gutgeheißen. 
Mexilo. 
Waffenankäufe Mexikos in Japan. Vier Mitglieder der 
nexikanischen Spezialgesellschaft, die beauftragt waren, der 
apanischen Regierung Dank für die Teilnahme an der mexikani— 
hen Jahrhundertfeier auszusprechen, sind am 1. Dez., von 
zan Franzisko kommend, in Tokio eingetroffen. Seit ihrer 
inkunft sind sie unausgesetzt mit Verhandlungen wegen An— 
agufs von Waffen und Munition von dem unter dem Namen 
Taibo Schokgi hefkannten igpanischen Syndifat beschäftigt. 
Tagesbericht. 
Lübeck, 6. Dezember. 
Deutscher Abend zur Erinnerung an die 
Befreiung Lübecks. 
Gestern, am 100. Jahrestage der endgültigen Befreiung 
2übecks von der Fränzosenhertschaft, fand in der Aula des 
Fohanneums eine schlichte und erhebende Erinnerungssfeier statt, 
ie von den im „Deutschen Abend“ vereinigten vaterländischen 
Kerbänden veranstaltet' wurde und an der zahlreiche deutsche 
Männer und Frauen teilnahmen. Herr Eisenbahndirektor 
ehristensen hieß die Erschienenen willkommen, indem er, an 
das nun zu Ende gehende Jahr der Erinnerungen anknüpfend, 
der ersten Befreiung gedachte und der Tage der Not und des 
klends, die ihr folgten, bis Lübeck und Deutschland endaültig 
»as Joch des Korsen abschüttern konnten. Doch der Zeit der 
Zefreiung folgten neue Tage der Enttäuschung, da all die Hoff— 
ungen auf die Einheit und Größe des Vaterlandes zunichte 
zurden, bis endlich der Genius des deutschen Volkes kam und 
er Sehnsucht Erfüllung brachte. Ist aber die Zeit jetzt so, 
ragte der Redner mit Recht, daß wir uns ihrer und des Er— 
ingenen rückhaltlos freuen können? Die Antwort auf all die 
uftauchenden Fragen wird Geheimrat Schäfer geben. Nach der 
Insprache ertönte, von den frischen Knabenstimmen der 1. Knaben— 
Mittelschule mit Kraft und hohem Klang vorgetragen, das 
dübecker Lied von O. Haevernick, ehemals Major im Re— 
iment Lübeck, das Hauptlehrer H. Gottschalck, Lübeck, ver— 
ont hatte. Der Text des Liedes ist unseren Lesern aus den 
zaterstädtischen Blättern bekannt. Nachdem die vaterländische 
Veise verklungen war, trat Herr Geheimrat Profehor Dr. 
Rietrich Schäfer an das Rednerpult, um in seiner gewohnt 
'efgründigen, plastischen Weise die Antwort auf die Frage zu' 
eben: Was verdanken wir 18132 Der aekteierte Ge— 
ehrte führte etwa folgendes aus: 
Gerade in dieser Stunde sind hundert Jahre vergangen, 
a durch das Holstentor der Feind aus der Stadt rückte und 
übeck endgültig frei wurde. Aber in der Erinnerung fühlen 
dir nicht als Lübeder allein, fondern als Deutsche. Vor hun— 
»ert Jahren hat noch niemand die enge Verschmelzung der 
zansestädte mit dem Reiche geahnt, nicht geahnt, nur ersehnt, 
aß ein einiges deutsches Volk in einem einigen deutschen Staats⸗ 
zefen verschmelzen würde. Das ist der Segen, den Reich und 
holk 1813 verdankt, daß das Jahr der Befreiung die Mög⸗ 
ichkeit der Aufrichtungeines nationaldeutschen 
S5taatswesens gab. Wie ist Deutschland in Not ge— 
ommen? Der tiefste Grund liegt in seiner Zersplitterung, in 
einer fehlenden Einheit der nationalen Kräfte. Ebenso wie 
ztalien war es dadurch den konzentrierten nationalen König— 
eichen unterlegen. 1813 erst wurden die Bedingungen zur Ein⸗ 
eit geschaffen. Ein zweiter Grund liegt in dem Gegensatz 
wischen Oesterreich und Preußen. Gleichzeitig aber auch in ihm, 
ie Quelle der Kraft. Der 30jährige Krieg hat neben den 
virtschaftlichen und territorialen Wunden, die er geschlagen, 
ie Erkenntnis den Deutschen aufgezwungen, daß Konfessionen 
ich nicht mit Waffengewalt bezwingen können, daß sie sich 
niteinander einrichten müssen. Das Haus Habsburg hatte dar⸗ 
uuf verzichtet, Deutschland zu einen. Damit schien die Zer— 
issenheit für alle Zukunft besiegelt. Aber in demselben Augen⸗ 
lich, als Habsburg zurücktrat, wurde der braunschweigisch-preu—⸗ 
zische Staat geboren; es ist nicht die Hohenzollernpolitik als 
ine besonders gerichtete deutsche Politik anzusehen. Aber da⸗ 
X 
zolitik trieben, wurde diese Politik zu einer deutschen. Da die 
reußischen Besitzungen weit auseinander gerissen im Westen 
ind Osten lagen, erforderte schon die Hauspolitik die Ver⸗ 
indung der getrennten Teile, erforderte eine ständige Be— 
ührung mit der gesamten europäischen Politik. Darin unter⸗ 
chied Preuhen sich von den anderen deutschen Fürstenhäusern, 
sahß seine Interessen eben mit den deutschen zusammenfielen. 
lußerdem gab es ein Vorbild für die Möglichkeit des friedlichen 
stebeneinanderwohnens der Konfefsionen. Ein gütiges Geschick 
at Preuhßen Fürsten beschert, die es auf der Bahn dieser Eini⸗ 
ungspolitik führte. Hätte Rapoleon 1806 Preuben, das durch 
ie Verknöcherung des friederizianischen Systems, das man—⸗ 
selnde Staatsgefühl in seiner Kraft geschwächt war, voll— 
kändig vernichtet und es nicht nur auf die Hälfte reduziert, 
o wäre wohl jede Hoffnung auf eine Wiederaufrichtung und 
zinigung der Deutschen verloren gewesen. Napoleon hat diesen 
einen Fehler selbst erkannt. In dem verbleibenden Rest des 
Staates erglühte in der Bedrängnis der Staatsgedanke, das Ge⸗ 
ühl der Königstreue, der Soldatengeist von neuem. Keine 
dation kann bestehen ohne ein nationales Staatswesen, das 
ehrt die Geschichte stets aufs neue. Die nationalen Kräfte 
rängen nach Betätigung. Sie gehen nach außen, wenn ein 
igener Nationalstaat ihm ein Betätigungsfeld nicht gibt. 
zo kam es, daß aus allen deutschen Landen die besten deutschen 
Faister naß VPreußen strebten. das die Möalichkeit für eine
	        
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