Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Ausgabe A. 
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Aus den Nachbargebieten. 
Banseftãdte. 
ßSamburg, 5. Dez. Die Bürgerschaft bewilligte in 
ihrer Sitzung aun Mittwoch die 83428 000 Miäfür den Ankauf 
hen Fachen in der preußischen Gemeinde Bramfeld zur Vergröße⸗ 
rung des Ohlsdorfer Friedhofes. 
Schleswia⸗Holstein. dr— auer 
.D turz von der,Levensa 
5 o 5 9 ⸗ e pe? 8 —J hat sich ein Matrose 
in helbsinndrderischer Absicht. angeblich aus Furcht vor Strafe, 
von der Levensauer Hochbrüde hinabgestürzt. Eigenartiger 
weise in der Lebensmüde am Leben, geblieben, hat jedoch starke 
innere Verletzungen erlitten, daß er eine Zeitlang weder 
prechen noch gehen donnte. Roch am späten Abend wurde er 
in das Militätlazarett nach Kiel transportiert. 
Kiel, 5. Dez. Vereinshaus der Kriegervereine., 
Der Kreis⸗Kriegerverband tvägt sich mit dem Plan, ein in der 
Brunswiek belegenes Etablissement als Vereinhaus zu erwerben. 
Segeberg, 5. Dez. Wer tzuwachs. Wie sehr der 
Grund und Boden in den letzten Jahren im Werte gestiegen 
jst, zeigt der neue Verkauf des 114 ha großen Besitzes Hellfiek, 
der vor sünfzig Jahren im Volksmunde nur als „Schreckenstein“ 
bekannt war. Vor vierzig Jahren bostete er 58000 M, der 
nächste Besitzer verkaufte ihn mit rund 10000 M Verdienst. 
Bei ziemlich rasch folgenden Verkäufen folgte dann eine Steige— 
rung des Preises auf 106 000 M, 135 000 M, 163 000 M. Im 
Frühiafrud. J. wurde ein Verkaufspreis von 192 000 M 
erzielt, und jetzt, wo der Hof abermals seinen Befitzer gewechselt 
hat, beträgt der Preis 225 000 M. 
Oldesloe, 4. Dez. Die Altonaer Diakonissen— 
austalt beabsichtigt, hier eine Kinderheilanstalt mit 
125 Betten zu erbauen. Die Kosten werden sich nach den Bau⸗ 
plänen auf 193 000 Mubelaufen. Hiervon sind 80 000 Mube— 
reits porhanden und wird voraussichtlich die Landesversiche— 
Angsanstalt denselben Betrag hergeben. Der Rest soll mit 
10 000 Mevom Kreise Stormarn und 25 000 Muvon der Stadt 
Didesloe auf 10 Jahre zinsfrei erbeten werden. 
Großherzogatum Oldenburg und Fürstentum Lübed. 
Dldenburg, b. Dez. Die Einweihung des neuen 
Kammergebäudes der Handwerkskammer erfolgte 
Mittwoch im Beisein des Großherzo gs. Der Vorsitzende der 
Kammer, Landtagsabgeordneter Möller, eröffnete den Festakt und 
keilte mit, daß der Großherzog den Syndikus der Kammer, Dr. 
Kersten, zum Professor ernannt habe; dieser ist der erste deutsche 
Handwerkskammersyndikus, der den Titel Professor erhalten hat. 
Redner schloß mit einem Hoch auf den Großherzog, wofür dieser 
herzlich dankte. Minister Scheer hielt darauf eine dängere Rede: 
Geh. Kommerzienrat Schultze überbrachte die Glüdwünsche der 
hardelskammer, Oekonomierat Feldhus die der Landwirtschafis— 
rammer, Herrenhausmitglied Plate-Hannover die des Deutschen 
Handwerk⸗- und Gewerbekammertages. Oberbürgermeister 
Tappenbeck die der Stadt Oldenpurg. Nach dem Festakte fand 
die erste Vollsitzung der Kammer in ihrem neuen Heim statt; 
es wurde hauptsfächlich der Fortbildungsschul-Gesetzentwurf erörtert 
und dazu Vorschläge gemacht. Der Entwurf wurde nicht strikl 
abgelehnt, wie das durch die beiden anderen Kammern geschehen 
ist. Später folgte ein Festessen im „Grafen Anton Günther“. 
Süsel, 5. Dez. Ungewöhnlich hohe Preise sind 
hier für den Verkauf von Ländereien in der Umgegend erzielt 
vorden. Landwirt Peters-Gronenberg verkaufte aus der Par⸗ 
zellierung des Gutes Gronenberger Hof, Teilstücke von 456 To. 
nit 2000 MDie To. In einem andern Fall wurden für die To. 
Land 2500 Migeboten, ohne daß der Zuschlag erfolgte. 
K. Ahrensbök, 5. Dez. Ihre goldene Hochzeit 
feiern morgen, Sonnabend, L. Kleen und Frau. Der Mann ist 
78, die Frau 75 Jahre alt. — Seinen Posten als Rats—⸗ 
herr gekündigt hat Rendant a. D. H. Priess hierfselbst, 
weil er zum 1. Jan. 1914 nach Lübed übersiedelt. Auch als 
Provinzialratsmitglied vertrat Priess seit einigen Jahren unlere 
Stadt. — Der landwirtschaftliche Verein von 
Ahrensbök hat auch, wie an anderen Stellen, die Einrichtung 
getroffen, Kälber an die Marschgegend zu versenden. Die 
Kälber müssen 14 Tage alt sein und wird je nach Qualität 
15—55 Pfa. für das Pfund bozakst 
Wie die Mexikaner Krieg führen. 
Wenn der Europäer, der die Nachrichten über die Wirren 
und Kämpfe in Mexiko liest, zu diesem oder jenem Handbuch 
greift, unr sich über die Militärverhältnisse des Landes zu unter⸗ 
richten, so findet er gar stattliche Angaben über die Heeres⸗ 
)ganisation, liest von Bataillonen und Kavallerieregimentern, 
von Fedlartillerie, leichter Artillerie, Gebirgsartilerie, Pionieren 
und Telegraphisten und kommt leicht zu der Vorstellung, daß 
es sich hierbei um eine kleine, ˖aber sorglich organisierte und 
kriessmähig ausgebildete Armee handeln müsse. Aber Organi— 
jation ist im Grunde nicht die Stärke des mexikanischen Na— 
tionalcharakters, und die Schlachten, über die aus dem Re— 
volutionsgebiet berichtet wird, spielen sich in einer Form ab, 
die dem an europäische Kriegskunst gewöhnten Beobachter viel⸗ 
eicht ein Lächeln, ganz gewiß aber ein perwundertes Staunen 
»ntlochen würde. 
So ergeht es auch dem bekannten englischen Kriegskorrespon— 
denten Hamilton Fyfe, dem es nach Ueberwindung von allerlei 
nicht geringen Schwierigkeiten gelungen ist, den Kriegsschau— 
platz der gegenwärtigen Kämpfe zwischen Regierungstruppen und 
Aufstandischen zu erreichen, und der in der Daily Mail einen 
anschaulichen Bericht fseiner Eindrücke über die Kampfesweise 
der Mexikaner veröffentlicht. Nach mannigfachen Irrfahrten 
erreichte Hamilton Fyfe die Stadt Monterey, das malerisch von 
drei Seiten von Bergketten umschlossen liegt; er wollte am 
nächsten Tage nach Saltillo weitet und legte sich am Abend 
zufrieden schlafen. Aber Mexiko ist ein Land der Ueberraschungen. 
„Am frühen Morgen träumte mir, dah ich Teppiche ausklopfte; 
ich wachte auf, richtete mich empor und lauschte: dann stürmte ich 
zum Fenster. Aus den Vororten klang der Widerhall heftigen 
Gewebrfeuers herüber, und bald wußte die ganze Stadt, 
daß die Aufständischen, die .Konstitutionalisten“. die Stadt 
angriffen.“ 
. Allein. man darf bei diesem Kampfe nicht etwa an einen 
Zusammenstok gegnerischet europäischer Truppenmaässen denken; 
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Freitag, den 5. Dezember 1913. 
Abend⸗Blatt Nr. 616. 
Hauptbahnhof im Automobil dirett nach Geibensande zur Sau⸗ 
agd. Hieran nahmen Herzog Paul Friedrich, Herzog Johann 
Albrecht und Prinz Neuß teil. Freitag abend 7 Uhr 30* Min. 
vird ein Diner zu 12 Gedecden im Palais staltfinden. Sonn⸗ 
abend werden sich die Herrschaften abermals ins Gelbensander 
Jagdrevier begeben und von dort mit dem Zuge nach Schwerin 
zurückkehren. — Ernennungen am Rostocker Land— 
dericht. Landgerichtsrat Rudolf Krüger hierselbst ist zum 
Landgerichtsdirektor und Staatsanwalt Dr. Schütze hierselbst 
zum Landrichter, Staatsanwalt Wilhelm Henning, Güstrow, 
zum Landrichter am hiesigen Landgericht ernannt worden. — 
Verhaftet. Der vom ersten Staatsanwalt hierselbst wegen 
Veruntreuung von 1500 M stecbrieflich verfolgte Wa''erwerks⸗ 
inspektor G. aus Grevesmühlen wurde Dienstag in Güster o w 
verhaftet. 
Schönberg, 4. Dez Der Viehversicherungsver— 
»in für das Fürstentum Ratzeburg hatte zur dritten Hebung in 
diesem Jahre einen Verlust von 22 Schäden mit zusammen 
3250 M. Es entfallen hiervon auf Pserde 20 Fälle mit 77850 M 
und auf Kühe 2 Fälle mit 500 M. Zur Dedung dieler Schäden 
st für je 100 MVersicherungssumme ein Beitrag von 1 Meufür 
Pferde und 80 Pfg. für Kühe erforderlich 
Lauenburzu. J 
F. Mölln, 5. Dez. Der Autoverkehr Mölln— 
Sandesneben ist vorläufig eingestellt worden, da sich die 
Strecke von Duvensee nach Sandesneben nicht rentiert hat. Von 
Mölln nach Duvensee dürfte dagegen der Betrieb in kürzester 
zeit wieder aufgenommen werden, sofern die beteiligten Ge— 
meinden eine entsprechende Garantiesumme zeichnen. Nach den 
bislang gemachten Erfahrungen ist anzunehmen, dah sich auf 
dieser Strecke ein rentabler Verkehr entwickelt. — Auf der 
Linie Mölln⸗Schwarzenbek-Bergedorf sieht man das Verkehrs— 
Auto durchweg recht gut besetzt, so dah demnächst wohl nosch 
»ine Tour eingelegt und damit vielfachen Wünschen Recht 
nung getragen werden kann. 
Ratzehurg, 4., Dez. Ferien-Gleichlegung. Der 
Zultusminister wird in diesen Tagen einen Erlaß hergusgeben, 
»urch den die Ferien der preußischen Volksschulen mit denen der 
öheren Lehranstalten gleichgelegt werden. Die Gesamtzeit der 
ferien ist auf 80 Tage festgesetzt. Der Erlaß, dem eine aus⸗ 
ührliche Begründung beigegeben ist, wird in der nächsten Nummer 
»es Zentralblattes für die gesamte Unterrichtsverwaltung“ ver— 
ffentlicht werden. 
SSfteinhorst, 4. Dez. Ein Polizeihund aus 
Mölln arbeitete auf dem hiesigen Gutshofe. Wegen der un⸗ 
zünstigen Witterung war die Suche erfolglos. In Abwesen— 
eit des Pächters Jansen war nämlich eingebrochen, nachdem in 
er Nacht vorher der Jagdhund des Herrn Jansen vergiftet 
dar. Ein Tierarzt stellte Strychninvergiftung fest. Der 
-chreihtisch war erbrochen, jedoch nichts entwendet, soweit bis 
etzt festgestellt wurde. Der Dieb dürfte verscheucht sein. Man 
at keinen Anhalt zur Verfolgung. 
S. Sandesneben, 4. Dez. Die Fortbildungs⸗ 
chu le wurde vom Schulrat Schöppa-Ratzeburg revidiert. Der 
nterricht wird zurzeit von 14 Schülern besucht. Die jungen 
eute kommen aus Wentorf, Sandesneben. Lüchow und Klink- 
ade. — Diebe statteten nächtlich dem Hufner Witten in Franz⸗ 
yorf einen Befuch ab und prüften dessen Fleischvorräte. Aus 
»em „Wiem“ hießen sie Schinken und Mettwürste mitgehen. 
QOEiche de, 4. Dez. Als Gemeindeworsteher 
bezw. dessen Stellvertreler wurden Hufner Rüsche und Bau— 
naterialienhändler Gercken, Todendorf, bestätigt. 
L Potrau-Büchen, 5. Dez. Die Umwand.lung 
es Postamtes in ein Vostamt II wird hier allgemein mit 
Freuden begrüßt. 
Großher?oatsimer Medlenburd 
Schwerin. 5. Dez. Ein Geschenk des Herzogs 
n Braunschweig, für, den, Serzog Jobann 
11brecht. Herzog Ernst August von Braunschweig beabsichtigt. 
ne Nachbildung des Löwenmonumentes agauf dem Burgplatze in 
zraunschweig in natürlicher Größe dem Herzog Johann Albrecht 
u Mecklsenburg zum Geschenk zu machen. Der Burglöwe soll 
m Vark zu Wiligrad aufgeltellt werden. 
Sternberg. 5. Dez, Der Landtang bewilligte für ein 
n „Schwerin zu errichtendes neues Justizgebäude 
Milion und 20 000 M. 
Sternberg. 5. Dez. Landtag. Es werden 10000 M 
ür ein, landwirtschaftliche Ausstellung in Neubrandenhurg 1915 
cewilligt. Für den Neubau des Rettungshauses Bethganien 
n Nenubrandenburg werden 40 000 Munachgefordert. Die Nach— 
»rdezung, geht, an, die Stände des Stargardschen Kxeises. 
Meustrelitz, 5. Dez Zum Brande des British— 
otoels, über den wir schon berichteten, wird noch gemeldet 
„aß das Feuer an drei verschiedenen Stellen ausgebrochen ist. 
Us die Feuerwehr erschienen war, stellte sie fest. daß sich 
in Brandherd im Vorderhaus unter der Trepye befand, daß 
erner im Hinterhaus der Raum hinter dem Saal in hellen 
zlammen stand und aukerdem im Vorderhause aus dem Dach— 
tuhl die Flammen schlugen. Der Brandherd unter der Treppe 
zat nur deshalb die unzweifelhafte Absicht des Brandstisters, 
‚en Autgang zu zerstören, nicht erfüllt, weil die darin lagern⸗ 
»en Kohlen nicht genügend Luft, hatten, um durch die dasei 
iegenden brennenden Luͤmpen und Strohhüllen. die stark doch 
Zetroleum rochen, sofort in hellen Brand gesetzt zu werden 
WPäre dies der Fall gewesen. so wäre unter Umständen hei 
»em Brand der Verlust von Menschenleben wohl zu bellagen 
ewesen. Die Untersuchung der Entstehungsursache des Brandes 
rfolgte durch den Ersten Staatsanwalt Dr. Müller im Rat⸗ 
naus, wo im Laufe des Tages eine große Anzahl von Zeugen— 
ernehmungen stattfand. Darauf wurde, wie hereits gemeldet, 
ꝛer Besitzer des Hotels wegen Verdachts der Brandstiftung in 
daft genomnmen. 
Rostock, 5. Dez. Besuch des Großherzogs— 
vaares in Rostock. Der Großhersog und die Großherzogin 
trafen Donnerstag abend, von Wernigerode kommend, über 
zerlin auf dem Hauptbahnhofe ein und übernachteten dort im 
Salonmaggen. Freitag früh besaben sich die? Herrschaften von 
ODermischtes. 
Kleine Tagesereignisse. DT. Der Verleger der Beeslauer 
Zeitung und der Breslauer Morgenzeitung Dr. Jon Lehmann, 
der auch als Publizist und Bühnenschriftsteller einen Namen 
Jatte, ist einer Herzaffektion erlegen. — LA. Der wegen der 
Henfer Frauenmorde verhaftete Schöndorfer ist aus der Haft 
entlassen worden. Sein Alibi wurde durch Zeugen einwandfrei 
hestätigt. — LA. Wenige Minuten bevor der frühere Pariser 
Notar Maulant vor dem Polizeigericht die Verwendung der ihm 
invertrauten Summen auftlären sollte, beging er Selbstmord durch 
Erschießen. — BT. Ein interesfianter Polenprozeß wird demnächst 
das Bochumer Gericht beschäftigen. Die Polen Westdeutschlands, 
jor aillem die polnischen Arbeiter im westdeutschen Kohlengebiet, 
hatten am 1. Nov. d. J. in Winterswik in Holland einen Kon⸗— 
zreß veranstaltet, auf dem die Lage der Polen in Deutschland er— 
zrtert wurde. Jetzt hat die Staatsanwaltschaft in Bochum An⸗ 
lage gegen die Veranstalter d'eses Kengresses erboben. — Auf dem 
n Odessa liegenden Kreuzer „Großfürstin Pawlowna“ 
am es zu schweren Messersteche reien zwischen sechs Ma— 
trosen. Als die Offiziere einschritten, wurden sie non mehreren 
der Kämpfenden mit Messern bedroht. Zwei Mann sind ihren 
Verletzungen erlegen. Die übrigen sind leichter verlekt. wurden 
iedoch in Keftten geosodf 
PC. Zur Verhaftung pvon Mes, Pankhur,t an 
B.ord des „Majestic“.“ Der englischen Polizei ist es, 
wie schon kurz telegraphisch berichtet, nunmehr gelungen, den 
uglischen Stimmrechtsweibern doch wenigstens einmal ein 
zchnippochen zu schlagen. Mrs. Pankhursts Rückkehr aus Amerika 
var der Polizei apisiert, worden, und zwar sollte sie auf 
zem TampferMajestic“ in Plymouth ankommen. Die Polizei 
beschloß der Suffragettenführerin einen „freundlichen“ Emrfang 
»u bereiten. Mrs, Pankhurst hat, wie bekannt. noch ihre drei— 
ährige Zuchthausstrafe. mit Ausnahme von 19 bereits abge— 
sschen Tagen, zu verbüßen. Von dieser Absicht der Polizei 
jalten die Suffragetten Kenntnis erhalten, und sie beschlossen, 
ine etwaige Festnahme ihrer, Führerin mit Gewalt zu ver— 
zindern. Eine große Zahl Suffragetten hatte sich von London 
zach, Plymouth begeben. um Mrs. Pankhurst den Händen der 
Polizei wieder zu entreißen. Die englischen Sicherheitsorgane 
zaben indessen gar nicht die Landung Mrs. Pankhurst abge— 
vartet, sondern sind dem „Majiestic“ mit einem Polizeidampfer 
nigegengefahren und verhafteten die durch diesen unerwarteten 
Ueberfall fassungslose Mrs. Pankhurst auf dem Dampfer. Dann 
zutfernte sich der Volizeidampfer, und es ist den über das 
Vereiteln ihrer Absicht sehr erbosten Stimmrechtsweibern bisher 
noch nicht gelungen, den jetzigen Aufenthaltsort ibrer Führerin 
ausfindig zu machen. 
LA. Große Unterschlagungen von 1u⸗e Miill. 
Mark in Selsingfors. Durch eine plötzliche Revisson 
wmurden bei der Ny Karlevi Bank in Helsingfors Unterschlagungen 
von über 164 Milll. Mark festgestellt. Der gesamte Reserve— 
onds und ein grozer Teil des Altienkapitals ist verschwunden. 
Fast das gesamte Versonal vom Direktor bis zum Buchhalter 
nurde verhaffet 
Massenführung und Mossenbewegung kennt die eigentümliche 
nexikanische Strategie überhaupt nicht, ja dem europäischen 
8eobachter will es Lerscheinen, als gäbe es nur sehr wenig 
Strategie und Taktik in diesen Kämpfen. „Ich will versuchen,“ 
o berichtet der englische Kriegskorrespondent, „ein Bild dessen 
u geben, was ich während dieses zweitägigen Kampfes um 
Monteren sah. Die Schlacht wurde zwischen 4000 oder 5000 
Aufständischen und einer Garnison ron 800 bis 900 Mann ge— 
chlagen. Ein paar Freiwillige verstärkten die kleine Verteidi— 
jsungsarmee. Diese Freiwilligen hielten fsich schließlich ganz 
vacher; anfangs aber waren sie der Schrecken der Bürger, denn 
ie meisten von ihnen hielten zum erstenmal in ihrem Leben 
in Gewehr in den Händen. Als ich an jenem Morgen einen 
hzügel erklemmen hatte und die Situation überblickte, war es 
rir klar, daß die Aufständischen innerhalb 24 Stunden die 
ztadt genonimen haben würden; ich sprach dann auch einen 
)eutschen, der durchaus meine Ansicht keilte und meinte, daß 
ie Bundestruppen während der Nacht heimlich ausmarschieren 
nd die Stadt dem Feinde überlassen würden. Aber es kam 
anz anders. Im Anfang wunderte ich mich, daß ich immer 
ur ganz vereinzelte kleine Sonderplänkeleien sah: später mußte 
h entdecken, daß diese mexikanischen Schlachten nichts anderes 
ind. als kleine Scharmützel zwischen einzelnen Schützengruppen. 
zin allgemeiner Vormarsch hätte nicht aufgehalten werden 
önnen, selbst nicht durch die Maschinengewehre, die eifrig 
euerten: aber es gab keinen allgemeinen Vormarsch. Kleine 
zruppen von 15 oder 20 Leuten ärbeiteten selbständig für sich, 
ind, soweil ich das überblicken konnte, ohne jeden gemein— 
amen Plan. Die Rebellen find beinahe wie die Buren in 
leine „Kommandos“ geteilt. 
Ein Hauptmann hatte als Fahnenträgerin eine Frau — 
ein hübsches anmutiges Mädchen, die eine militärische Kopf— 
bedeckung trug, trefflich zu Pferde sah, Revolver am Gürtel 
und das Gewehr vor sich am Sattel. Zwei Tage nach der 
Schlacht war sie mit ihrem Kommando auf einer Farm vor der 
zfadt. Vlöklich 9ab es Alarm. Bundeskapallerie war ge—⸗ 
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tichtet, und in der Aufregung konnte sie ihr Pserd nicht finden. 
So galoppierten die anderen ohne sie davon. Sie rannte 
in den Hof, verstedte ihre Mütze und ihren Revolver und 
rat vor das Haus, wo die feindlichen Kavalleristen an ihr vor⸗ 
berritten. „Nur eine Frau.“ 10 Minuten später galoppierte 
ie ungehindert ihren Gefährten nach.“ Inzwischen geht die 
z„chlacht von Monterey weiter. Die Leute kämpfen am liebsten 
in der Straßze, denn hier ist Deckung, man feuert von den 
dächern: aber seltsam, keiner der Soldaten zielt. Und wirk— 
ich, trotz einer Kampfesweise, bei der der gute Schütze ent— 
cheidet, ist es Tatsache, dak den Soldaten nicht einmal das 
zielen gelehrt wird. Es fehlt den Offizieren nicht an Mut 
ind Tatkraft, aber sie erhalten keine Gelegenheit, ihre Truppe 
u erziehen oder auszubilden. Selbst die Malschinengewehre 
verden unnütz verwendet, eines von ihnen feuerte beispie!s— 
deise minutenlang mit voller Kraft auf vier Soldaten, die 
enseits des Flusses vollkommen außer Schußweite waren. In 
er Nacht zogen dann Verstärkungen in die Stadt. Warum 
erlegte der überlegene Angreifer dieser Entsaztruppe nicht den 
Weg? Und warum zog die Truppe in die Stadt, statt draußen 
en Angreifer in den Rücken zu fassen? Das wäre nicht 
nexikanisch und nichtmexikanische Kriegskunst mizfällt dem Nere— 
ungen abholden Geist dieses Landes. 
Kein Wunder, dadß bei diesen Kämpfen die Zahl der Opfer 
ehr gering ist, viel, viel geringer, als die später erscheinenden 
Ziegesmeldungen das behaupten wollen. „Als ich am Morgen, 
iachdem die Angreifer endgültig abgeschlagen waren, hinaus 
sing und die Kampfplätze besichtigte, sah ich ganz wunderbar 
venig Tote,“ schreibt der englische Kriegsberichterstatter, der 
nach einer zweitägigen Schlacht, in der gegen 10000 Soldaten 
Zunderttausende von Patronen verschossen, gefürchtet hatte, 
ein schlimmes Leichenfeld zu finden. Aber die Erklärung ist 
nicht schwer, und Hamilton Fyfe selbst gesteht: „Ich sah 
vährend der Kämpfe nicht einen Soldaten zielen, sie schossen 
»infach in die Luft. und überall war es dasselhe“ V60
	        
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