Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

eine Möglichkeit gübe, diesem Manne nachträglich Gerechtig⸗ 
keit widerfahren zu lassen, so wäre es ihm wohl zu gönnen, 
Leider sehen wir aber dazu keinen Weg. 
Absg. Dr. Neumonn Hoser (Fortschr Vpt.) bittet trotz⸗ 
dem, dem Antrag Thiele zuzusticnmen. Mit dem Kom⸗ 
missionsantrag sei dem Manne in keiner Weise geholfen; 
die Regierung werde einen Weg finden, um das Unrecht 
einigermaßen zu mildern. 
Der Kommissionsantrag wird mit dem Antraa der 
Sogialdemokraten angenommen. 
— wurde Vertagung beschlossen. Schluß 614 Uhr. 
Nächste Sitzung. Dienstag 3 Uhr puünktlich. (Kurze An⸗ 
frogen; Interpellation dcnstadt wegen eventueller Hinaus⸗ 
schiebung des Inkrafttretens der Dienstbotenversicherung; 
Abstimmung über Wahlprüfungen; erste Beratung des 
als fur 1011 Der Präfsident teilt mit, daß in Aussicht 
genommen ist, hierbei nur die Reden der Staatssekretäre 
Ind eventuell die Rede des Reichskanalers au hören.) 
Cagesbericht. 
Lübeck, 2. Dezember. 
die verbindung Nordrußland — Westeuropa und die 
Fehmarn⸗Route. 
Der Stettiner Ostsee-Zeitung wird aus Kopenhagen ge— 
Wie aus Sloadholn gemeldet wird, sind die, Verhand- 
ungen zwischen den schwedischen und den russischen Eisenbahn- 
hehorden wegen eines Zusammenarbeitens der rußssischen, finn⸗ 
sändischen und schwedischen Eisenbahnen zweds Herstellung einer 
neuen russischen Exportroute über Finnland, Schweden und Däne⸗ 
marke nach Westeuropa in voslein Gange. Die Pläne,. Lehen 
Zunachst dahin, eine. Dampffährenverbindung zwischen Abo ain 
Finnland und dem Orle Kapelftger an der schwedischen Ostküste 
unweit Stodholm. zu errichten. Von Kapelskaer soll ein direktes 
Sleis nach Stockbolm führen; die Reisezeit zwischen St. Peters— 
burg unde Stogholm wird auf diese Weise von 24 auf 1322 
Stunden heruntergebracht werden. In, Stockholm soll sich die 
Route aus Rußland in zwei Zweige teilen. Der eine Zweig 
soll nach Goeteborg gehen, wovon eine direkte Schnelldampfer— 
verbindung, über Kattegat und die Nordsee nach Harwich und 
London weiter führen soil. Der andere Zweig,soll südlich geführt 
werden, um auf dem schnellsten Wege Westdeusschland zu erreichen. 
NAls Glied dieser Verbindungsroute von Nordrußland nach West— 
deutschiand wird die künftige dänisch-deutsche Linie über Roedby 
(Insel Laaland) —Fehmarn sicher die Hauptverbindungslinie 
werden und eine große Rolle im internationalen Verkehr spielen. 
Ein Teil des Reiseverkehrs wird natürlich den Weg über Trelle— 
borg —Saßnitz nach Berlin suchen; — aber mit einer erstklassigen 
Verbindung, uͤber die dänischen Inseln (Seeland, Falster und 
daaland) wird der größte Teil des russischen Verkehrs zweifellos 
er Kopenhagen nach Hamburq, Mestheufschland und Frankreich 
gehen. 
In, Dänemark sind die Spitzen der Geschäftswelt vollständig 
über die hervorragende Bedeutung inr Klaren, die es auch für 
Dänemark haben wird, mittels der Fehmarn-Route die Reise— 
dauer Kopenhagen — Hamburg auf 5 Stunden herunterzubringen 
und so einen neuen großen Teil des internationalen Verkehrs 
ee cereoc an sich zu ziehen. In einer nahen 
Zukunft werden sich die dänische Regierung und der Reichstag 
m Ernst mit den neuen Plänen, zu beschäftigen anfangen. 
„Weder Nordrußland noch Westdeutschland“ — so schreibt das 
einflußreiche Kopenhagener Blatt Berlingske Tidende — „können 
wenn sie einander guf dem kürzesten Wege exreichen wollen, 
um Schweden und Dänemark herumkommen. Die Verbindung 
wischen den gewaltigen Industriegegenden des Rheinlandes und 
den ackerbauenden Bezirken und, großen Waldungen Nordruß— 
ands muß über Mittel- und Südschweden und über die dänischen 
susen gehen. Wenn die Westdeutschen mit so großer Energie 
süur die Fehmarnroute gearbeitet haben, ist das nicht der Fall 
zewesen, uUm etwa Dänemark einen Dienst zu erweisen (), auch 
nicht, weil die westdeutschen Industriezweige dadurch eine neue 
und gute Verbindung mit Schweden bekommen: — der Blick der 
Westdeutschen ist viefmehr auf, Finnland und Nordrußland ge⸗ 
richtet! Die alten Hanseaten haben einmal mit jenen russischen 
Gegenden Handel getrieben; jeßt wollen die Deutschen die Han⸗ 
delsverbindung ihrer Vorfahren wieder aufnehmen.. Der Vor⸗ 
stoß kommt von russischer Seite. Es ist St. Petersburg selbst 
mit dem gewaltigen Hinterland der rusfischen Hauptstadt, das 
die lange vermißte Verbindung mit, Westeuropa wieder herge— 
stellt wissen will.. Der Augenblick ist gekommen, da es fo— 
wohl für Schweden als für Dänemark gilt, die Chancen zu 
henũtzen. Nordeuropäischer Verkehr und Handel ist im Begriff, 
sich eine neue Bahn zu brechen; für beide Länder, namentlich 
aber für Dänemark ist es von größter Wichtigkeit, in so nahe 
Verbindung wie möglich mit dem lebenspendenden Strom dieser 
neuen Pulsader zu kommen...“ 
Kiel und die Fehmarn⸗Linie. 
Die Kopenhagener Zeitung Wyolitiken“ schreibt unker dem 
29. November 18913: 
Es ist auch hier in Dänemark eine Erfahrung, wenn es 
Bahnen und dem Verkehr mit dem Ausland gilt., daß dann 
alle Varteiinteressen zurücktreten, Es steht so Bruder zum 
Bruder. Wir sahen dies zuletzt 1910 bei, der Abstimmung 
über die Masnedö⸗Brücke. Alle Parteien, selhit die Sazial⸗ 
demokrgten, lösten sich auf. 
Und niemand kann es Kiel perdenken. daß es nicht ↄhne 
Widerstand die Dampfschiffahrtslinie, welche seit 1886 zwischen 
Korsdr und Kiel verkehrt, aufgeben will. Um so weniger, 
us diese Linie selbstvexständlich verbessert werden kann. Be— 
onders auf danischer Seite ist dieses versaäumt worden. Wir 
jaben teilweise ganz veraltete Schiffe im Betrieb. Unsere 
Dampfer gebrauchen für die 135 kme6 bis 7 Stunden, während 
die deufschen Dampfschiffe die Strede in qut 5 Siunden zurüde 
egen. 
SZurzeit dauert es 93 Stunden, um von Kopenhagen über 
tieKorsör nach Samburg 3 gelangen. Von seiten Kiels 
stebetont worden, dah man die ddier auf 7 Stunden 
jexunmterbringen kann, wenn eine neue direkte Bahn zwischen 
Altng und Neumünster gebaut wird, wenn bdie dvahrt- 
ere sowohl der deutschen als auch der däsüschen 
Bahnen erhöht wird. wenn die Wagen in Kiel ganz bis zu 
den DTampfern hinunterfahren können und wenn Shhiffe mu 
einer Fahrtgeschwindigkeit von 20 bis 22 Knoten in ber 
Stunde eingestellt werden. Von sachtundiger Seite ist in⸗ 
»essen betont worden. daß es taum ee wirde eine 
große Fahrtgeschwindigkeit in der Kieler Bugt und in den 
twas feichten und huchtigen dämschen Fahrwassern zu er⸗ 
eichen. Der neueste Schnelldampfer der Vereinigten Dampfschif, 
ahrts⸗Geselsschaft „Berystorff“ der Esbierg-Parfeston-Linie, 
äuft nur 16 Knoten. Die Passagierdampfer nach Norwegen 
‚Kong Haakon“ und , Dronning Maud', begnügen sich mis 
4. bis 18 Knoten. Und selbst Bzeanriefen. wie die Olympic“, 
oufen nur 21 bis 22 Knoten, und dazu draußen auf offenet 
See. Unter allen Umständen wird es ungeheuer iosispielig 
verden. Es werden sicher verschiedene Mimtten zu den sieben 
SZtunden hinzugelegt werden muüssen, bevor wir die effeffibe 
Keisezeit über Kiel erreichen. Und selbst wenn die sieben 
Stunden eingehalten werden könnten, ist noch eine gute Diffe⸗ 
enz gegenüber den 5 bis 52 Stunden vorhanden, in welcher 
Zeit die Reise über Roödby — Fehmarn zurüctgelegt werden 
IAnn, wenn diese Linie bis zu ihrer äußersten Leistungsfähig- 
eit entwigelt wird. — Und in hjeder Beziehung dann Kiel 
dicht in Abrede stellen, daß die Seereise zwischen Kiel und 
Korsör 135 icm beitägt, während sie uͤber den Fehmarnsund 
hur 18 kKmäausmacht. Eine Fabrt hierüher dauert 40 Minuten, 
vahrend selbst die schnellsten Schiffe bis zu 4 Stunden ge— 
rauchen werden, um die Strecke Kiel—Korsör zurückzulegen. 
Und die Passagiere werden nun einmal den Seeweg wählen, 
—A Vieeee istn Man bringt da jetzt auch von Kiei 
Ine Aushilfsluse in Vorschlag: von Kiel nach Ides aufß 
bagland wo vieselbe Anschluß'an die dänischen Bahnen finden 
rde. Aber auch dies ist eine 80 km lange vder 2.Stunden 
cauernde Seereise. Und da eine direkte Vogelfluglimen vpon 
amburg, nah Rodby und von dort weiter nach Ropenhagen 
esteht, It der Weg Uber Kiel nach Samburg ein 
etxrächtlicher Bogen nach Westen Ju. 
Wenn Kiel nur sachliche — — hätte, worauf 
s beigen Widerstand, stützt. wäre der Streit schneif abgetan. 
Aber die Stadt spielt in ihrem Kampf auf empfindsamen und 
zationalen Saiten 
*Lüuͤhecker Fischerei⸗ Verein. In der am Sonnabend abgehal—⸗ 
tenen Miitgliederversammlung gedachte der Vorsitzende zunächst 
des Ablebens des Fischers Friedr. Heuck in Schlutup. Die 
VBersammlung ehrte den Verstorbenen durch Erheben von den 
Sitzen. Sodann erhielt Herr Geheimrat Bielefeldt, Direktor der 
dandesversicherungsanstalt der Hansestädte, das Wort zu 
einem Vortrage über „Selbstfürsorge durch freie Kapitalver— 
icherung und ihre Förderung im Verein für Volksversicherung“. 
zunächst erläuterte der Vortragende den Unterschied zwischen 
sentenversicherung und Kapitalversicherung und hob den Nutzen 
»er letzteren im Gegensatz zur ersteren hervor. Von der 
dapitalversicherung kämen besonders drei Arten in Frage: 
die Todesfallversicherung, 2. die Erlebensfall- und Todes— 
allversicherung und 3. die Versorgungsversicherung. Während 
»ei der Rentenversicherung die Leistung der Versicherungs—⸗ 
zesellschaft mit dem Todesfall des Versicherten fast in allen 
jällen erlösche, treten bei der Kapitalversicherung aller drei 
lrten die Hinterbliebenen der Versicherten in den Nießbrauch 
es versicherten Kapitals. Die Kapital-Versicherung sei also 
neiter michts wie eine Zwangssparkasse, durch welche der Ver⸗ 
cherte gezwungen werde, für sein späteres Alter, oder für seine 
‚interbliebenen ein bestimmtes Kapital anzusammeln. Der 
dedner führte aus, daß gerade dies dem aufstrebenden und 
telligenten deutschen Volk von unschätzbarem Vorteil sei. 
denn selbst der fähigste und strebsamste Mann könne nur 
nLeben etwas erreichen, wenn er zur Eröffnung eines Geschäfts 
der eines Betriebes etwas Bargeld in der Hand habe. Be— 
»nders aus diesem Grunde dürften auch die Eltern nicht ver— 
aäumen, frühzeitig für die Versicherung ihrer Kinder Sorge 
u tragen. Dies könne durch Militär-Versicherung, Konfir— 
ationsversicherung, Mitgiftversicherung usw. geschehen. Redner 
ührte serner aus: Bis vor kurzem habe die Lebensversicherung 
nd Kapitalversicherung fast ausschließlich in den Händen der 
roßen Privatversicherungsgesellschaften gelegen. Die Versiche— 
ungsgesellschaften seien natürlich Erwerbsgesellschaften, welche 
erdienen wollten und aus diesem Grunde höhere Prämien for— 
ern müßsten, wie die in den letzten Jahren ins Leben gerufenen 
emeinnützigen Volksversicherungen. Letztere wollen nicht ver— 
ienen. Sie wollen nur ihre Unkosten decken. Die Agenten 
»ürden gespart, da die Arbeit größtenteils mit Vereinen ge— 
nacht werde. In Lübeck geschehe diese Arbeit mit dem Ver— 
m für Volksversicherung, welcher mit dem Verband öffent— 
icher Lebensversicherungen arbeite. Der Verein für Volks— 
ersicherung, welcher nach belgischem Vorbild arbeite, tut noch 
in übriges dadurch, daß er vorläufig jedem bei ihm Versicher— 
en für 1000 MuKapitalversicherung einen Zuschußß von 5 M 
ährlich vergüte. Zum Schluß trat Herr Geheimrat Bielefeld 
ochmals warm für eine rege Beteiligung an der Kapitalver— 
cherung ein. — Sodann führte der Vorsitzende einige praktische 
zeispiele über den großen Wert der Kapitäl- und Versorgungs— 
ersicherung an. Nach einigen Anfragen aus der Versammlung 
rgriff Herr Direktor Herrfurth das Wort und erörterte ein— 
ehend die Versicherungstechnik. Die Versammlung folgte auch 
iesen interessanten Ausführungen mit lebhaftem Interesse. Am 
schluh der Versammlung wurden alle diejenigen, welche ein 
znteresse an der Kapitalversicherung nahmen, aufgefordert, ihre 
dresse anzugeben, damit die Beamten, des Vereins für Volks— 
ersicherung in der Lage sind, sie aufzusuchen und Einzel— 
eiten der Versicherung, die sich natürlich im Rahmen einer 
roßen Versammlung nicht alle arstellen lassen. mit den Inter— 
ssenten zu bereden. 
Der Lübedeer Schützenverein hielt am Freitag in seinem 
zereinslokal, Reichels Kulmbacher Bierhaus, seine alljährliche 
zauptversammlung ab. Aus dem recht ausführlichen Jahres⸗ 
ericht ist zu erwähnen, daß das Jungschützenschießen erfreulicher— 
deise einen großen Aufschwung genommen hat, und es ist zu 
soffen und zu wünschen, daß die Beteiligung daran eine immer 
rößere wird. Dann wurde beschlossen, das diesjährige Winter— 
est in Anbetracht des vom 7. bis 11. Juni stattfindenden 
dorddeutschen Bundesschießens, welches dem Verein große Ar⸗ 
„eiten auferlegt, ausfallen zu lassen und dafür im Januar oder 
jebruar einen gemütlichen Bierabend auf der Walkmühle zu 
eranstalten. Die eigentliche 75jährige Jubiläumsfeier des Ver—⸗ 
ins soll mit dem Norddeutschen Bundesschießen zusammen 
efeiert werden. Für das nächstjährige Schützenfest wurden die 
bage vom 2. bis 9. Aug. festgelegt. In den Vorstand wurden 
urch Zuruf folgende Herren wiedergewählt: G. Pähn, Schützen⸗ 
neister, H. Böhner, Scheibenmeister, E. Schöning, 1. Schrift⸗ 
ührer, W. Martin, 2. Kassenführer, A. Koch, 1. Beisitzer. 
stach den Wahlen fand die Verteilung der Löffel- und Monats— 
rrämien, sowie der Seriengelder statt. 
5 7ber Regimentsjubiläum. Eine große Anzahl ange— 
ehener Persönlichkeiten Hamburgs und der Vorstand des 
dameradschaftsbundes der 7T6er zu Hamburg erläßt einen Auf— 
uf zur Stiftung von Spenden für eine am 6. September d. J. 
mn Andenlen an den verstorbenen Ehrenvorsitzenden des 
dameradschaftsbundes der 76er, Bürgermeister Dr. Burchard, 
nläßlich der Wiederkehr seines Todestages beschlossene Grün— 
ung der 76er Regimentsjubiläums-⸗Stiftung aus Anlaß der 
Ojährigen Wiederkehr des Gründungstages des Regiments 
im 27. September 1916. Es ist die Abficht der Gründer, am 
zJubiläumstage des Infanterie-Regiments Hamburg diesem die 
Sctiftungsurkunde als Jubiläumsfestgabe zu überreichen und 
ie Stiftung an diesem Tage in Kraft treten zu lassen. Der 
zweck der Stiftung loll sein: „bedürftigen und wür— 
igen Kameraden, welche im Infanterie-Regiment Hamburg 
2. Hansß.) Nr. 76 ihrer Militärpflicht genügt oder während 
iner militärischen Uebung die Regimentsnummer „76 ge— 
tagen und allzeit fich treu zu Kaiser, Reich und Vaterstadt be— 
annt haben, Unterstützungen zu gewähren, damit die Kameraden, 
inter denen sich mancher Mitkämpfer von 1870/71 befindet, vor 
er äußersten Not und Sorge geschützt sind“. 
Das Frachtautomobil Hamburg —Lübed, das wegen starken 
heräufches zur Nachtzeit in pielen Ortschaften Anlaß zur Be— 
hwerde gab, verkehrt jetzt, wie gemeldet, statt über Oldesloe 
ber Sandesneben. Der Amtsvorsteher von Lütjensee ist 
iun vom Landrat des Kreises Stormarn beauftragt worden, 
en Verkehr des Lastautos auch auf dieser Strele zu unter⸗- 
agen, wie es in Oldesloe geschehen ist. 
z Witterungsüberficht des Stadtteils Travemünde. Der 
Nonat November hatte 22 Tage mit Niederschlägen, deren 
jesamte gemessene Höhe 64,6 mm betrug. Die größte Menge 
nnerhalb 24 Stunden fiel am 5. und wurde mit 7,7 mmu ge— 
nessen. An 4 Tagen trat in den frühen Morgenstunden dichter 
Nebel ein. welcher bis geaen Mittag anhielt. In 4 Nächten 
lel starker Reif, so daß das Thermometer bis zu 1,8 unteb 
sdull sank. An 10 Tagen wurden von der Seewarte in Ham— 
zurg Sturmwarnungen erlassen, welche Stürme und stürmische 
Zöen aus füdwestlicher und nordwestlicher Richtung anzeigten, 
on denen besonders heftig der Südweststurm in der Nacht 
om 83. bis 4. auftrat. Während des ganzen Monats wehten 
üdwestliche bis nordwestliche Winde. Der höchste Barometer⸗ 
tänd wurde am 23. mit 769,8 mun und der niedrigste am 
14, mit 743.0 mm notiert. — Uebersicht der in den letzten 
ehn Jahren in den Monaten November gefallenen Niederschläge 
awie Anzahl der Tage derselben: 
miun Tade mm Tage mun Taqe 
1904: 72,6 19 1908: 27.4 12 1912: 74,0 19 
1905: 405 14 1908: 55.6 15 19013: 54,6 22 
1906: 52,9 18 1910: 507 20 
1907: 16.4 8 1911: 42.4 11 
Stadtteil Travemünde. Am Sonnabend nmachmittag 
raf hier die Kuff-Galeas „Magarethe“ entmastet ein. „Maga— 
ethe“ hatte bei den Stürmen der letzten Woche den Groß— 
nast gebrochen und wurde vom Lübeder Dampfer „Zar“ auf 
ber Höhe von Warnemünde gesichtet und in Schlepptau ge—⸗ 
rommen. „Zar“ brachte die „Magarethe“ in Travemünde 
ein. Die Galeas wird gegenwärtig ausgebessert. 
0 Wer ist der Schwindler? Im Laufe des gestrigen 
Vormittags hat sich ein, junger, Mann in einer hiesigen 
Fahriadhandlüng ein Fahrrad Marke „Hansa“, mit nach 
ben gebogener Lenkstange, Torpedofreilguf. gelbem Sattel 
ind Tafche und der Fabtitnummer 364686 erschwindelt. An 
en Felgen des Rades befinden sich zu beiden Seiten rötlich— 
raune Striche, die weiß abgesetzt sind. Der Täter ist etwa 
5 vbis 16 Jahre alt. etwa 1,68 mgroß, hat frisches, volles 
gesicht und trug blauen Jadettanzug, biaue Schirmmüke und 
kadsahrergamaschen. 
Neueste Nachrichten und Telegramme 
der . A.“ und L. n 
Zabern. 
Zabern, 2. Dez. Wie in Straßburg bestimmt verlautet, 
zaben der Statthalter und das Gesamtministerium ihre De— 
ussion angeboten für den Fall, daß der Konflikt zwischen der 
Zivilverwaltung und dem Militär in Zabern keine befriedigende 
dösung findet. Heute oder morgen fällt in Donaueschingen 
ermutlich die Enticheidung des Kaisers. 
Ein Zwifchenfall in Mextz. 
WM. Metz, 2. Dez. Wie erst jetzt bekannt wird, hat sich 
uch hier ein Zwischenfall abgespielt. Als in der Nacht zum 
Sountag eine Militärpatroule auf der Straße an einem 
khepaar vorüberkam, lachte die am Arm ihres Mannes gehende 
rrau wiederhelt laut auf. Daraufhin wurde das Ehepagr 
on der Patrouillte festgenommen;,, Bald hatte sich 
ine erregte Nenschenmenge angesammelt. Einem des Weges 
dinmenden Polizeikommissar gelang es, durch Zureden und 
renge Ermahnungen Ruhe und Ordnung zu schaffen und die 
dalrouille zu bewegen. das Ehepaar freizugeben, Ein iunger 
zursche, der die Patrouille gereizt und so zur Zuspitzung 
»es VBorfalses beigetragen hatte. wurde non der Polizei— 
atrouille verhaftet. 
-chriftliche Entichuldigung de Flerie bei dem russischen Bot⸗ 
chafter. 
PC. Konstautinopel, 2. Dez. Der durch die Verhaftung 
kawakli Mustaphas hervorgerufene türkisch-russische Zwischenfall 
t rein formell beigelegt, nachdem der Großwesir gestern in päter 
Ibendstunde die Forderung des russischen Botschafters von Giers 
rfüllt und schriftlich wegen des Vorfalls um Entschuldigung ge— 
eten hat. Außerdem hat die Pforte Herrn von Giers die 
zusicherung gegeben, daß der frühere Polizeichef von Konstan— 
inopel und jetzige Wali von Adana, Admi Bey, seiner Stellung 
nthoben wird. Herr von Giers hat hiervon Kenntnis ge— 
ommen, trotzdem aber noch den Wunsch ausgesprochen, die 
reiche Mustaphas durch den russischen Botschaftsarzt unter— 
uchen zu lassen, um einwandsfrei festzustellen, ob er Selbst⸗ 
nord begangen oder hingerichtet worden ist. Die Pforte hat 
arauf erklärt, daß sie dem Ansinnen des russischen Botschafters 
u ihrem Bedauern nicht entsprechen könne, da der Verstorbene 
ereits begraben worden sei. — Wenn allo der Zwischenfall 
n diplomatischen Formen seine Erledigung gefunden hat, so ist 
»och eine gewisse Spannung zurückgeblieben, denn der russische 
Botschafter ist sich vollkommen darüber im Klaren, daß der 
lötzliche Tod Kawakli Mustaphas für die Pforte ein sehr be— 
ruemer Ausweg aus dem Dilemna gewesen sei. 
Die Breslauer Jahrhunderthalle. 
W. Breslau, 2. Dez. Der Magistrat hat beschlossen, die 
Jahrhunderthalle grundsätzlich nicht zur Veranstal⸗ 
ung politischer Versammlungen und zu sonstigen 
‚olitischen Zwecken herzugeben. Der Verlauf der Jahrhundert⸗ 
eier habe der Halle einen solchen Stempel der Weihe aufge— 
zrücht, daß sie nicht zum Schauplatz politischer erreater Wahl⸗ 
Zersammlungen werden dürfe. 
England und die Panamaausstellung. 
London, 2. Dez. Die Times besprechen die bisherigen Be— 
nühungen des Komitees, das die Regierung zu einer offi⸗ 
iellen Beteiligung an der Panamaausstellung bewegen will, 
nsjehr zuversichtlichem Ton und deuten an, das einzige 
hdindernis sei eigentlich nur noch der Umstand, daß die britische 
ind die deutsche Regierung sich stillschweigend oder ausdrück- 
ich über die Nichtbeteiligung verständigt hätten und keine 
den ersten Schritt tun möge, um davon abzugehen. 
Huerta totꝰ 98 67 
London, 2. Dez. Aus Newyork wird ein bisher unbestä- 
igtes Gerücht hierher gemeldet, wonach der Präsident von 
Mexiko. General Huerta, tot sei. 
Fanuliendrama. 
W. Berlin, 2. Dez. Gegen Abend sprang gestern eint 
iltere Frau mit zwei kleinen Kindern unter dem 
Arm an der Waterloobrücke ins Wasser. Passanten, die es 
ahen, benachrichtigten die Polizei, die einen Rettungskahn aus— 
etzte und den Wasserlauf absuchte. Während die Frau bald 
um Vorschein kam, blieben die Nachforschungen nach den 
Kindern bis in den späten Abend erfolglos. Die Frau gab 
ioch schwache Lebenszeichen von sich, starb aber, als sie nach 
dem Krankenhaus übergeführt wurde. Sie hatte weder Papiere 
noch sonst etwas bei sich, wodurch man die Versönlichkeit hätte 
teststellen können. 
Der Orkan an der slandmarischen Küste. 
Kopenhagen. 2. Dez. Längs der schwedischen und nor—⸗ 
vegischen Küste wütete ein furchtbarer Orkan, der sämtliche 
Zchiffe in den Häfen zurückhielt. Der Dampfer „Bergen—⸗ 
jord“ der norwegischen Amerikalinie konnte wegen der schweren 
Zee nicht landen. In Christiania und mehreren norwegischen 
ztädten überschwemmten die Fluten die Straßen, auch Eisen⸗ 
»ahn- und Telephonverbindungen sind vielfach gestört. Ueber 
zas Schickssal zahlreicher Sstiffe ist man im unklaren
	        
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