Full text: Lübeckische Anzeigen 1913 (1913)

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Dohentlich 13mal (Wochentags morgens und 
abenbos, Sonntags morgens) erscheinend. Bezugs⸗ 
preis sür das Vierteljahr 3,30 Warl einschließlich 
Vringgeld in Lübeck. Durch die Post bezogen ohne 
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Zelle 20 Pfg. Aleine Anzeigen (Arbeltsmarkt usw.) 
13 Big., für Auswãrtige 30 Pfg., f. Geschäftl. Mit⸗ 
leilungen 1M. d. Zeile. Tabellen⸗ u. schwieriger 
Satz den Auforderungen entsprechend höher. o o 
Beilagen: Vaterstädtische Blätter. — Der Familierreu: 
Amtsblatt der freien und Hansestadt Lübed 
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63. Jahr Nachrichten fsur das Herzogtum Lauenburg, die 
—8 ugang Fürsteniũmer Ratzeburg, Lübeck und das angren⸗ 
ιιια Jende medlenburgische und holsteinische Gebiet. 
dvoud und Verlag Gebradert Bordchers G. m. b. 8. m Lübec. — Gelchattsnelle Aoto.ns Gonialtt. 0. Semsete cer . aoooi. 
Abend-Blatt Nr. 610. 
Ausoo 
Dienstag, den 2. Dezember 19153. 
Mitläuferschaft wäre die nächste Folge. In Preußen hält heute 
die dem Preutzen im Blut liegende altererbte Königstreue weite 
Zreise von der Sozialdemokratie zurück. Einer gleichsam könig⸗ 
ich privilegierten Sozialdemokratie würden Hunderttausende 
hne Skrupel folgen. Anstatt die Sozialdemokratie dem be— 
tehenden Staat zu gewinnen, würden in Preußen nur zahllose, 
n ihren politischen Begriffen verwirrte gute Staatsburger der 
zozialdemokratie in die Armee getrieben werden. Die Sozial—⸗ 
emokratie würde nicht geschwächt, sondern verstärkt aus einem 
olchen Ausgleich hervorgehen, und sie würde gar nicht daran 
enken, sich dem Staate ernstlich zu nähern und sich dem Staate 
uliebe zu ändern, wenn der Staat ihr ohnehin entgegenkommt. 
zn Preußen wäre das Experiment der Verständigung nur 
„enkbar, wenn die Sozialdemokratie zuvor offen und in aller 
rvorm ihren Frieden mit der Monarchie gemacht hat. Ehe das 
icht geschehen ist, kann die preußische Regierung eine Politik der 
zersöhnung gegenüber der Sozialdemokratie nicht versuchen, 
hne befürchten zu müssen, den preußischen Staatsorganismus 
1 zerstören. Die Sozialdemokratie haßt die Adlermonarchie, 
welche die eine Schwinge in den Niemen, in den Rhein die 
ndere taucht“, sie haßt in Preußen den Staat der Ordnung, 
as Herz⸗ und Kernstück des Deutschen Reiches, den Staat, ohne 
en es kein Deutsches Reich gäbe, dessen Könige Deutschland 
eeinigt haben, mit dem die Zukunft des Reiches steht und 
aͤllt. Das Wort Bebels, daß die Sozialdemokratie alles 
ewonnen hätte, wenn sie Preußen gewonnen hat, ist wahr. Es 
t aber auch wahr, daß im Kampfe gegen eine starke Regierung 
zreußen für die Sozialdemokratie schwer oder gar nicht zu er—⸗ 
bern ist, daß aber an der Seite der Regierung kein deutscher 
5taat so leicht von der Sozialdemokratie erobert werden kann 
»ie Preußen.“ Diese Ausführungen des Fürsten Bülow sind in 
öchstem Maße beachtlich und sie sollten vor allem von den 
inksstehenden, mit der Sozialdemokratie gern rokettierenden 
ürgerlichen Parteien gründlichst durchstudiert werden. Wenn 
lle bürgerlichen Parteien fest gegen die Sozialdemokratie zu— 
ammenstehen, dann ist hoffendich die Zeit nicht mehr fern, in 
zer, wie der sächsische Minister des Innern Graf Vitzthum 
oeben erklärte, das sozialdemokratische Programm 
n der Abteilung für tote Literatur in der deut— 
chen Bücherei in Leipzig aufbewahrt wird. 
Der dritte deutsche Arbeiterkongreß. 
DT. Berlin, 1. Dezember. 
Vor Eintritt in die Tagesordnung wird ein Telegramm des 
daisers auf das Huldigungstelegramm des Arbeiterkongreß— 
ßerbandes verlesen, das folgenden Wortlaut hat: „Donau—⸗ 
schingen, den 1. Dezember 1913. Den dort versammelten Ver— 
retern von deutschen Arbeiter- und Angestelltenverbänden danke 
ch für die freundliche Begrüßung und die erneute Versicherung 
reuer Anhänglichkeit. Wie in den verflossenen 28 Jahren 
neiner Regierunog, deren der Kongcreß mit freundlichen Worten 
— 
gedachte, werde ich auch künftig der Arbeiterschaft dieselbe dVur · 
sorge der Wohlfahrt, wie den übrigen Erwerbsständen zuteil 
verden lassen. Ich vertraue, daß die christliche Arbeiterschaft 
hren Teil dazu beitragen wird, den sozialen Frieden zu 
sördern und das wohlverdiente Ansehen des deutschen Arbeiters 
in der Welt allzeit aufrecht zu erhalten. Wilhelim I.“ 
Hierauf hielt Redakteur Joos-Munchen⸗Gladbach seinen 
Vortrag über „Nationale Entwickelung und soziale Bewegung“. 
usgehend davon, dah ein Volk viel vermag, wenn es hlich 
einer Eigenart als Nation bewußt geworden ist, kann es seine 
Vollkraft nur dann entfalten, wenn Arbeitsamkeit und Unter⸗ 
ehmungsgeist des einzelnen gestützt wird durch die burgerliche 
Freiheit. Der Kaiser hat das soziale Missionswerk des konsti- 
utionellen Königtums warm und entschlossen aufgegriffen. Da⸗ 
ür danken wir dem Kaiser aus tiefster Seele, denn wir sind 
nonarchisch gesinnt. Neben der negativen Sozialdemokratie hat 
ich die christlich-nationale Arbeiterbewegung unter den schwie— 
igsten Verhältnissen achtunggebietend entwickelt. Wir dürfen 
ins nicht verhehlen, was noch zu tun ist. Es gilt, die Arbeits⸗ 
ofigkeit zu bekämpfen, die Lebenshaltung zu erleichtern, dem 
Vohnungswucher zu steuern und die Volksbildung und Volks— 
rziehung zu fördern. Erzieherische Kleinarbeit muß noch ge⸗ 
ristet werden, denn der Arbeiterstand ist in den Industrie⸗ 
evieren noch wurzellos. — Dam folgt das Referat des 
deichsstagsabgeordneten Johann Giesberts, über „Die deutsche 
Zozialpolitik und ihre Gegner“. In dem Gedanken der Erfolge 
inserer Sozialpolitik im Jubiläumsjahre mischt sich ein Schatten. 
Mehr als je erheben die Gegner ihr Haupt und es ist nicht 
u viel gesagt, dan nie antisoziale Bestrebungen so hervor— 
geragt haben, wie gegenwärtig. Wir protestieren gegen die mit 
zewalt in letzter Zeit auftretende Strömung der Beschränkung 
er Koalitionsfreiheit der Arbeit. Redner bespricht dann noch 
»ie Forderung des sogenannten Leipziger Karkells, des Hand— 
verks⸗ und Gewerbekammertages bezüglich des Arbeitswiiligen— 
chutzes sowie die neue Strömung im Hansabund. Die christ— 
ich nationale Arbeiterschaft wird alles daran setzen, eine Rück— 
värtsrevidierung der Arbeiterrechte zu verhindern. Politische 
zarteien, die sich auf den Boden jener Beschlüsse stellen würden, 
reten zu uns in schärfstem Gegensatz. Die Arbeiter verlangen 
ie volle Freiheit der SelbsthilfeBewegung im Rahmen von 
Hesetz und Ordnung, um unsere Löhne zweckentsprechend regeln 
u können. Bei dem vorjährigen Kongreß in Berlin hat der 
amalige Staatssekretär des Innern, der jetzige Reichskanzler, 
»ie Programmworte von der Eingliederung der Arbeiter— 
ewegung in die bürgerliche Gesellschaft gesprochen. Die Strö—⸗ 
nungen, die wir jetzt sehen, wenden sich gegen dieses Pro—⸗ 
zramm. Die Eingliederung der Arbeiterbewegung in die bürger— 
iche Gesellschaft ist sür uns keine inhaltlose Frage, sondern ein 
Zrogramm, ebenso wie für uns das Wort Kaiser Wilhelms J. 
zrogramm ist: „Ich will, dah meinem Vollbe die Religion 
rhalten bleibe.“ Wir wollen die religiösen und sozialen Kräfte 
eim Volke stärken und eben'o entschieden eintreten geren den 
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ODb die Ehe eine glückliche gewesen — niemand wußte es 
to recht. Sicher aber war es, daß der Herzog um seine Ge— 
nahlin nicht allzu tief trauerte, als sie bei der Geburt des 
weiten Kindes starb. 
Es war ein Knabe — das Ebenbild der exotischen Mutter 
Schön. wie Apoll. Aber — aber — — 
Warum fällt der Contessa Luisa Bertinetti all dies wieder 
ein. als sie, dem Rufe ihres Vaters folgend, in ihrem Auto— 
nobil die sich das Meer auf halber Höhe entlang ziehende 
dandstraße von Nizza nach Schloz Torlonia jagt? Warunt 
tockt ihr Gedankengang plötzlich, als er bei dem weit jüngeren 
Bruder anlangt, der bis zu seinen Jünglingsjahren ihr Idok 
gewesend... 
Unmutig fährt sie sich über die Stirn. 
Fort mit dem Grübeln! Vittorio war ein Unwürdiger! 
Nicht wert, daß seine Schwester ouch nur einen Gedanken an 
ihn verschwendet! Und — er ist tot! Sein Name ist ausge⸗ 
öscht für immer aus der Chronik des edlen Geschlechts der Tor⸗ 
onias! Aus der gebildeten Welt überhaupt! Nie wieder wird 
ie von ihm hören! Mag all das, was er verbrochen im 
deben. mit ihm begraben sein! Nur an den Vater will sie 
»enken, an den lebensmüden Greis, den der Schmerz um den 
inwürdigen Sohn zum Einsiedler gemacht! Zum Menschenver⸗ 
ichter, der nichts mehr wissen will von verwandtschaftlichen 
Banden, und der nun — kurz vor seinem Tode — doch wieder 
nach dem einzigen Wesen verlangt, das zu ihm gehört: 
nach seiner Tochter! .... 
In stillet Welmnut betritt sie das Haus, in dem sie geboren, 
und das sie seit ach, wie vielen Jahren nicht mehr gelehren, 
An den Mienen der Dienerschast erkennt sie. daß es schlecht 
teht mit dem Vater. I 
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dreite Marmortreppe hinauf ins erste Stodwerk, in dem das 
zchlafzinmmer des Herzogs liegt. Schweigend öffnet er die hohe 
yAgeltür. 
Beim Eintritt der Contessa erheben sich zwei graugekleidete 
drankenpflegerinnen, die neben dem vergoldeten Himmelbett 
Bache aehalten 
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Erstes Blatt. hierzn 2. Biatt 
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Umfang der herq Nummer 6 Seiten. 
ichtam!?“;er Teil. 
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Fürst Bülow 
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In seiner bereits zitierten Arbeit über „Deutsche Po— 
litik“ befaßt sich Fürst Bülow auch eingehend mit der 
Ztellung der Sozialdemokratie im politischen Leben der Gegen⸗ 
wart und vor allem mit ihrem Verhältnis zum Staate Preuben. 
Mit außerordentlicher Schärfe hebt er hervor, daß, in Preußen 
Lenigstens, eine Verständigung der Regierung mit 
»er Sozialdemokratieeine Unmöglichkeit sei und 
m monarchisch gesinnten Volke niemals Verständnis finden 
xũrde, und klar umrissen zeichnet er den unversöhnlichen, Preußen 
iber alles hassenden Charakter der roten Internationale, die in 
diesem Lande eben das stärkste Bollwerk gegen ihre umstürzle— 
rischen Bestrebungen erblickt. Fürst Bulow schreibt u. a.: 
Wollte die preußische Regierung eine Verständigung mit der 
Zozialdemokratie versuchen, eine Partei, die die monarchischen 
ind militärischen Fundamente des preußischen Staates seit 
Jahrzehnten bekämpft, als berechtigt anerkennen: das preu— 
zische Beamtentum, der Mittelstand, der ostelbische Land—⸗ 
dewohner und am Ende selbst die Armee würden irre werden 
mm Staat und Obrigkeit. Der Verzicht der Regierung auf den 
Kampf gegen die Sozialdemokratie würde in Preußen ver—⸗ 
tanden werden als die Kapitulation der Obrigkeit vor der 
Revolution. Und das mit Recht, wenn die Regierung nach 
einem halben Jahrhundert des Kampfes kein anderes Ende 
ähe als einen faulen Frieden mit dem Gegner. Die Folgen 
einer Schwäche gegenüber der Sozialdemokratie würden in 
Preuken heute verhängnisvoller sein, als es die Schwäche 
gegenüber der Märzrevolution war. Und es ist doch die Frage, 
yb sich wieder ein Bismarékefinden würde, der die nicht durch 
Niederlagen, sondern erst durch Unentschlossenheit und über— 
riebene Nachgiebigkeit, dann durch ein oft verständnis⸗ und 
geistloses Rückwärtsbremsen geschwächte Autorität der Krone 
wiederherstellen könnte. Der preukische Beamte, der preu— 
zische Militär, der mit seinen Anschauungen in preußischen 
Traditionen wurzelnde preußische Staatsbürger braucht zur hin⸗ 
gebenden Treue an die monarchische Regierung das Vertrauen 
n die Kraft der Regierung. Eine Verständigung mit der 
Zozialdemokratie, die man in Suddeutschland vielleicht als einen 
Akt politischer Klugheit verstehen würde, wäre in Preußen ein 
Triumph der Sozialdemokcal“ie über die Regierung und übe: die 
Krone. Eine ungeheure Vermehrung der sozaldemokratischen 
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· — — 
Irrlichter des Glücks. 
Ein Gesellschaftsronian von der Riviera. 
Von Erich Friesen. 
(30. Fortsetzung.) Machdruck verboten.) 
„Pardon, Monsieur! Sie irren sich wohl in der Person! 
Mademoifselle Valentine St. Germain kennt niemanden in Rizza. 
Und ich als ihr Vormund gestatte keine Unterredung unter vier 
Augen!“ 
Reginaid beugt sich vor und fixiert den Fürsten mit einer 
charfen Drehung des Kopfes. 
„Sie sind es, der sich im Irrtum befindet, Monsieur,.“ 
rwidert er in demselben hochmütig schrofsen Ton. „Ich kenne 
»iese junge Dame, und ich muß darauf bestehen, ihr eine Bot—⸗ 
chaft der Frau Marquise dsterre zu übermitteln. Sie entsinnen 
ich doch noch meiner, Mademoiselle?“ 
Mirjam lächelt — ein weiches, glückstrahlendes Lächeln. 
„O ja, ia, Monsieur! Ich habe so oft an Sie gedacht und 
Jewünscht, daß —“ 
Mit wutfunkelnden Augen tritt Fürst Orloff zwischen 
die beiden. 
„Ich verbiete Ihnen, mit meinem Mündel zu sprechen! 
Zagen Sie der Frau Marquise d'Esterre, wenn sie irgend etwas 
»on Mademoiselle St. Germain wünsche, so habe sie sich an 
nich, ihren Vormund, zu wenden. Ich empfehle mich Dhaen. 
—X 
Blick und Ton sind so beleidigend, daß Reginalds redter 
Arm sich unwillkürlich strafft, als wolle er die Hand zum 
zchlage spreizen. Ehe er noch imstande ist, seinen gerechten Jorn 
tiederzukämpfen, hat der Fürst jeine Begleiterin bereits mit fich 
'ortgezogen. 
Und der junge Mann steht und blidt der schlanken Mädchen⸗ 
gestalt nach — voll ehrlicher, frisch emporquellender Zartlich⸗ 
eit. Vlidt ihr noch immer nach, als sie längst an der Seite 
»es Fürsten im Dunkel der Bäume verschwunden ist. ... 
Tausend wirre Gedanken schiehen durch sein Hirn. Und ein 
Zßangen beiällt ihn jählings — Bangen vor der Zukunft. 
12. 
zwischen Nizza und Cannes. direkt am Meer gelegen, erhebt 
ich in reinstem italienischem Stil das mächtige monumentale 
-zchloß Lorlonia — der Siammsitz des uralten Geschlechts 1.. 
derzöge gleichen Namens. 
Hinter dem Schloß ein halb verwilderter, endloser Park. 
Schwermütig und stolz ragen dunkelnde Zypressen empor. 
dohe Pinien wiegen ihre breitgeästeten Schirmkronen im Herbit⸗ 
dvind. Auf silbergrauen Olivenbäumen webt Sonnenpracht, und 
nmergrüne Eichen wuchten daneben, knorrig und ernst. 
Aber inmitten dieser schwermütigen Vergessenheit rauschen 
randiose Waßfserfälle, spritzen verstümmelte Tritonen ihre Fluten 
azerbrochene Granitbecken, plätschern zahllose Fontänen ihre 
rewigen Monologe. 
Und überall Blühen, Dusten, Vogelgesang, als sträube 
ich dies zuckende Leben gegen das große Sterben, dem das 
anze Schloß mitsamt seinem verwilderten Park einst ver— 
allen wird. 
Gerade so, wie drimnen hinter dem weißleuchtenden hohen 
bemäuer das nur noch matt flacernde Lebenslicht in dem greisen, 
ebrechlichen Körper des Schloßherrn sich sträubt, sur immer 
änzlich zu verlöschen. 
Der Herzog Umberto Torlonia ist ein alter Mann. Ein 
leinalter Mann sogar. Jedermann weiß das. Nur er selbst nicht. 
Seit vielen, vielen Jahren schon ist es bei ihm zur Ge— 
pohnheit geworden, daß er sein Alter einige zwanzig Jahre 
iedriger einschätzt, als es in der Chronik der Torlonlas mit 
bsoljuter Genauigkeit festgelegt ist. Seit vielen, vielen Jahren 
uch lebt er allein inmitten seiner einsamen Pracht, nur von 
nem Heer von Dienern umgeben — ein Sonderling, ein Ein⸗ 
edler, der von der Welt nichts mehr wissen mag. 
Seit gestern jedoch mußte er wohl fühlen, daß sein Ende 
ahe bevorsteht; denn er rief seine Tochter, die Contefssa 
Zertinetti, nach Schloh Torlonia. 
Nicht immer lebte der Hetzog Umberto ein Einsiedlerleben. 
Vor weit über einem halben Jahrhundert war er ein 
rotter, schöner Mann, der mitten darin stand im Welten⸗ 
rubel. Und es gab wohl daum eine funge Aristokratin in Nizza, 
ie nicht im Herzen die geheime Hoffnung gehegt hätte, deroinst 
zerzogin Torlonia zu werden. 
Der Herzog zog es jedoch vor, all den Nizzaer Schönen ein 
zchnippchen zu schlagen. Er holte sich seine Gemahlin aus 
Zrasilien. Eine nach Millionen hlende Kreolin wurde Her—⸗ 
ogin Torlonia.
	        
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